2012-01-12

Die junge Verkäuferin …

… an der Kasse im Drogeriemarkt herrscht mit ihrem polnischen Akzent herrisch die Kundin vor mir an, aufgrund ihrer Kleidung eher als womöglich deutschstämmige Türkin früheren Jahrgangs auszumachen, sie solle das Geld gefälligst auf die Kladde legen und ihr ja nicht in die Hand geben, so wie die Dame mit Kopftuch es eigentlich tun wollte. Von mir, als nächster Kundin, lässt die Kassiererin sich das Geld ganz selbstverständlich in die Hand geben.

Wie ich diesen kleinen Alltagsrassismus doch hasse. Und dabei bin ich mir sicher, ich tue es vermutlich hier und dort auch, unbewusst, Menschen durch mein Handeln zu deklassieren, alleine weil in meinem Kopf immer wieder diese gesellschaftlichen Hirngespinste, auch Vorurteile genannt, sich gelegentlich die Macht erkämpfen.

Ich hoffe nur nicht zu oft. Es zu beobachten, macht traurig.

6 Kommentare:

kalliopevorleserin hat gesagt…

Das ist wirklich nur ätzend!
Und blöderweise kann man in so einer Situation meist gar nichts tun.

Brigitte hat gesagt…

Ich finde das auch schlimm. Aber leider gibt es das überall. Wie kommentierte meine türkische Nachbarin vor einiger Zeit ganz selbstverständlich den Plan, meinen Zweitschlüssel der polnischen Familie von unten zu geben? "Bist Du sicher? Sei vorsichtig. Solche haben meistens 'lange Arme'."

Anonym hat gesagt…

Aber aber liebe Frau Creezy,

da sie in dem Moment dagegen gar nicht gemacht und nichts gesagt haben, wurden sie auch einen Teil davon –als stille Beobachter-. Alltagsrasismus bekämpfen wir am effektivsten, wenn wir sofort reagieren.

Liebe Grüße
Sara

kalliopevorleserin hat gesagt…

Anonym, und was sollte man tun - eine Kassiererin mal eben während ihrer Arbeitszeit in eine Grundsatzdiskussion über Alltagsrassismus verwickeln? Ja, das hätte sicher sofort alles ins Lot gebracht...
Es ist absolut unnötig, Leuten, die ein Übel bemerken, eine Teilschuld an diesem Übel auch noch in die Schuhe zu schieben.

creezy hat gesagt…

@kalliopevorleserin
Nein, bei so einem subjektiv empfundenen Rassismus kann man eben nix tun, es kann letztendlich ja genauso gut sein, die Kassiererin hat es gar nicht so gemeint. Vielleicht war ihr das Kleingeld zu viel und sie wollte es wirklich nur abzählen können, vielleicht war ihr die Kundin aus anderen Gründen unangenehm. Es ist letztendlich meine ureigene Beobachtung und Interpretation.

@Brigitte
Interessante Beobachtung, ich habe ja auch das Gefühl, es gibt diesen Rassismus unter den Menschen mit Migrationshintergrund mittlerweile wohl auch. Wonach die den wohl bemessen? Wer am längsten im fremden Lande weilt? Oder zählen die frühhistorischen Landeslinien im Kampf erobert?

@Sara
Das kann man nicht tun, wenn er nicht offensichtlich ist und sich nicht die betroffene Person offensichtlich gestört fühlt und dies zeigt. Alles andere wäre einem Erwachsenen gegenüber übergriffig. Ich bin nicht die Erziehungsberechtigte, die maßregeln kann alleine aufgrund einer subjektiven Beobachtung. Alltagsrassismus bekämpft man am effektivsten, wenn man ihn selbst versucht nicht zu begehen. ,-)

wieczorama hat gesagt…

Auch ohne Namensnennung des Unternehmens weiß ich als Berlinerin sofort, welche Kette gemeint ist. Ein gewisser Rassismus wird meiner Meinung nach von diesem Unternehmer betrieben, da in jedem seiner Drogeriemärkte vorwiegend Polen beschäftigt sind. Bei uns in Kreuzberg haben sie viele Türken, was gut ist, weil in der Kundschaft ebenfalls viele Türken sind und schlecht, weil die deutschen Arbeitslosen noch schlechter auf die AusländerInnen gestimmt werden. Aber abgesehen von der Herkunftsnationalität finde ich in dieser Kette viele unfreundliche Verkäuferinnen und viel zu enge Gänge. Deshalb war ich extrem froh, als ein in Westdeutschland bereits lange etablierter DrogerieMarkt auch in Berlin Einzug hielt und seit Jahren eine Filiale nach der anderen eröffnet.

Ich lese immer wieder gerne bei dir. Die kritischen Berichte und nachdenklichen Situationen - allesamt mit einer sehr angenehmen Schreibe!

Viel Erfolg bei der Wohnungssuche!
LG
wieczorama Fotoblog

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