2009-11-30

Falls einer meiner Leser des Comics zeichnen …

mächtig ist, ich hätte gerne einen von mir. Wie ich vom S-Bahnhof Südkreuz über die poussierliche Autobahn-Brücke Richtung Ikea laufe. Hin und zurück, Mo., Di., Mi., Do., Fr., Sa., Adv.-So.. Wichtig ist die immer tiefer werdende Rille im Asphalt darzustellen, die ich in ihn hinein laufe. Und wie ich immer kleiner werde, gebückter … Mit Hang zur Feinarbeit könnten wir auch über meine Gesichtszüge reden, die immer länger werden und wenn es ein farbiger Comic ist, bitte ja nicht vergessen die Veränderung von Straßenköterblond zum Grauton heraus zu stellen.

*soifz*

Für den Song/das Video

könnte ich „The Killers“ echt gerne haben:



Weiß nicht, was mich mehr im Video begeistert: die Deko, die Pullis, die Attitüde der Jungs, dieses extatische „Wouh“ vom Sänger, der Weihnachtsmann in seiner unbeschwerten Bosheit, das Auto … grandios. Und so etwas von die längst fällige Antwort auf „Last Christmas“.

2009-11-29

Einen schönen ersten Advent …



wünsche ich Euch – auch wenn uns das Wetter vorgaukelt, nächste Woche sei Ostern. Es fällt mir schwer so etwas wie weihnachtliche Gefühle zu zaubern, wenn auf dem Balkon der Rosmarin blüht, die Glockenblume sowieso, die Erdbeere sprießt und die Clematussis es ihr gleich tun.

Hier ist es gerade etwas still. Das liegt daran, dass ich den Katzen neue Abenteuerspielplätze bastle, ein wenig an den Wänden meiner Wohnung verzweifle und es schaffe, die wenigen Fehler die man beim Billy-Zusammenbau überhaupt machen könnte, unbedingt zu machen. Jeden einzelnen. Lacht nicht! Aber spart es wirklich so viel Geld. wenn man die Rückseiten der Regalbretter nicht auch mit 1.5 cm breiter 80 cm langer Folie beklebt? Früher war übrigens alles anders und besser, das gilt natürlich auch und insbesondere für Billys-Rückenwände. Ach ja und die 12 cm Höhenunterschied zwischen Billy und Expedit waren in meinem Kopf auch irgendwie kürzer als in der Realität. Gefühlt war ich die letzten Tage morgens, mittags, abends entweder im schwedischen Albtraumkaufhaus oder beim Baumarkt. Zwischendurch hasse ich Paketausträger, bereits schon im dritten Jahr oder backe diesen traumhaft lecker klingenden Orangen-Mandelkuchen, von dem ich heute bei fool for food las. Ich habe Rücken, kaputte Hände, suche einen guten Therapeuten, um meine frisch erworbene Wand-Bohrloch-Neurose zu besänftigen. Übrigens habe ich die zwei Sigmund Freud-Bücher aussortiert, die ich habe und in die ich auch nie geguckt habe. Hier sieht es aus wie bei Hempels. Aber wenigstens steht die Weihnachtspyramide, frisch geklebt – ein Erfolgserlebnis am Tag muss schließlich sein.

Es ist schön aber verwirrend zugleich, wenn man Ende November ungestraft und unverfroren stundenlang am offenen Fenster bloggen kann. Egal, für die weihnachtliche Stimmung finde ich auch irgendwo bestimmt noch eine Ikea-Kerze. Außerdem gibt es heute Rotkohl und ich werde zwei Adventskalender verschenken. Weihnachten – wir kommen!

2009-11-27

Canon – und wann zu viel einfach zu viel ist

Ich bekomme regelmäßig den Canon-Newsletter, gelegentlich lädt Canon ein, neue Kameras (so wie Pentax das ohne ein bisschen TamTam macht) zu testen. Bei Canon muss man gar nicht viel dafür machen, man muss sich vorher auf der firmeneigenen Plattform „Your View“ registrieren und dabei nur seine Seele verkaufen … zumindest aber Fragen nach Religionsbezug, Geschlechterrollenverhalten und Arbeitseinstellung beantworten.



Canon möchte auch wissen, ob man gerne oder nicht so gerne über andere Menschen Kontrolle hat oder daran interessiert ist, einen weiteren höheren sozialen Status zu erreichen.



Das sind Fragen, die würde ich nicht einmal einem künftigen Arbeitgeber beantworten – egal wie gerne ich den Job hätte. Bei Canon soll man das schon tun, wenn man nur eine lumpige PowerShot testen möchte.

2009-11-25

Nicht tun sollen, nicht lassen können

Spricht mich vorgestern auf dem U-Bahnhof nahe meiner Docking-Station so ein kleiner Knirps an, sieben vielleicht acht. Selbständig zur Schule gehend aber noch ganz kindlich und irgendwie … egal, ich finde Gören ja alle niedlich. Mein Defekt. Er ist aber erstaunlich unrotzig im Vergleich zu den Knirpsen seines Alters, die sonst hier herum laufen. Also spricht er mich an, zwischen Fahrscheinautomat und Kiosk, ob ich ihm einen Euro geben könnte. Frage ich ihn, wofür er ihn den den Euro bräuchte (Ticket kaufen wäre kein Thema). Und er sagt niedlich ehrlich: „Ich will mir etwas kaufen.“ „Hm“, sage ich, mich in der Bredouille befindend, dem Kind nichts abschlagen zu wollen können, andererseits damit kein gutes Zeichen zu setzen, überhaupt kein gutes Zeichen. Und noch einmal andererseits: ein Euro, wie oft drücke ich andere Leuten in der U- oder S-Bahn einen Euro in die Hand? Und weiß ich, ob seine Mutter überhaupt noch Geld hat, ihm diese kleinen Kiosk-Schweinereien zu kaufen? Ich kenne noch zu gut unsere eigene Historie. Er ist so ein ganz blasser, zierlicher und guckt mich mit großen Augen an, kein Gör auf dem Abzocktripp (eher vermutete ich hinterher, um die Ecke standen die Gören, die ihn abzocken.) „Cola-Pops.“ „Zeig mir mal, was Du willst“, meine ich zu ihm und sogleich meinte er aufgeregt „oder einen Euro fünfzig, dann kann ich mir noch das und das kaufen.“ Wir laufen die paar Schritte zum Kiosk und er zeigt mir den verpackten Spielkram nach dem sein Herz begehrt und Kaugummis in unterschiedlichen Geschmacksvarianten, natürlich will er sie in Cola.

Ich also immer noch hin- und hergerissen, greife vier von den Kaugummis ab (Cola), zahle 20 Cent, gehe mit ihm nach draußen und greife ihn mir. Standpauke auf nett. Wie wenig in Ordnung das ist, was er da mit ihm fremden Menschen macht. Habe ihn gefragt, was er denn so tun würde, für so was. Und ob er nicht wüsste, dass er niemals mit Fremden mitgehen darf. Da hat er mir erklärt, er wüsste und das würde er ja auch nie tun. „Und?“, meinte ich zu ihm, „Du bist mit mir aber eben mitgegangen in den Laden, weil Du dachtest, Du bekommst was. Du bist also schon mit jemandem Fremdes mitgegangen!“ Da war er zerknirscht. Ich habe ihm dann die vier Kaugummis gegeben und er musste mir in die Hand versprechen, das nie mehr zu tun. Was er auch tat. Ob er es auch tun wird, bleibt mir nur zu hoffen.

Keine Ahnung, zählt heute ein Handschlag unter uns Kindern eigentlich noch?

2009-11-24

Selten finde ich in letzter Zeit …

Artikel bei SPON von denen ich sagen kann, okay Hirnschmalz offensichtlich noch eingesetzt und gut geschrieben. Das hatte ich gestern anlässlich des Artikels zu Wachkoma-Patienten, die laut neueren Untersuchungen viel häufiger noch wach und ansprechbar sind als es ihnen ihre Körperfunktionen allzu offensiv erlaubt unter Beweis zu stellen. Schon im ersten Artikel „Tausende Wachkoma-Diagnosen zweifelhaft“ wird Rom Houben zitiert, der von seiner Zeit im Wachkoma, in der er gegensätzlich zur Diagnose alles um ihn herum ganz klar wahrgenommen hat, dem Spiegel in einem Interview berichtet. Dieses Interview „Meine zweite Geburt“ steht heute online.

Ganz gruselig finde ich darin folgenden Satz – und der macht auch die Dimension des Ganzen deutlich: „Auch in Deutschland ist das ein Problem. Hier wird nicht einmal unterschieden zwischen vegetativem und minimal bewusstem Zustand. Solange die Patienten noch in der Obhut einer Klinik sind, muss das kein Schaden sein: Gute Betreuer beobachten, ob sie etwa bei einer Luftröhrenspiegelung schwitzen oder Grimassen schneiden. Dann bekommen sie Medikamente gegen die Schmerzen, bis sie sich wieder entspannen.“

Menschen, die im Wachkoma liegen, erhalten also offensichtlich in Deutschland bei schmerzhaften und sehr unangenehmen Untersuchungen nicht von vorne herein mehr eine Betäubung. Was unter Umständen sehr schlimm sein kann, weil sie dem Patienten lange heftige Schmerzen bereitet

Also lasst Euer Familienmitglied, wenn ein Wachkoma-Patient, bloß nie bei unangenehmen Untersuchungsmethoden mit Ärzten alleine.

„Dann steht sie fest wie Herz und Eisen.“

Da war die ARD ja mal auf Zack. Im Zuge der dank Hollywood aus der längst verschütteten Erinnerung ausgegrabenen Julia Child wird am Mittwoch, 25.11.2009 um 20:15 Uhr dem deutschen Pendant Clemens Wilmenrod filmisch ein Denkmal gesetzt. Wilmenrod, schon seit 1967 nicht mehr unter uns weilend, hieß Carl Clemens Hahn und war eigentlich Schauspieler – und irgendwie der Pionier des deutschen Merchandisings im TV. Aber lest selbst, was Wikipedia über den Herrscher über die Elektrokochplatten schreibt.

In dem Film der ARD, der das Leben und die Karriere von Clemens Wilmenrod zeigt, spielt Jan-Josef Liefers die Hauptrolle, was meiner Meinung nach ein Garant für einen unterhaltsamen Fernsehabend ist. Ich liebe Liefers in seiner Tatort-Rolle, er hat dem Tatort zu einer neue Dimension von Fernsehenunterhaltung verholfen.

Es gibt leider nur noch zwei Mitschnitte aus der Sendung Wilmenrods. Einer davon „Heringssalat auf bretonische Art“ (für den Skatabend des liebenden Ehemannes) ist in der NDR-mediathek gerade zu sehen. Eine Empfehlung! Wie er die Gewürze nicht anwärmt, sich kaum die Hände schmutzig macht, mit lustigen Geräten Tomaten schneidet, dabei philosophiert und praktische Ratschläge für unrutschbare Glasschüsseln verteilt, da weiß man, was man hat.

Linktipp via Nutriculinary.com