2016-02-12

Mit Liebe gemacht …



Vergangenes Jahr hatten die zwei Berliner Foodbloggerinnen Anne Ziege (Chèvre Culinaire) und Sandra Anna Christen (Frau Bunt kocht) die famose Idee ein Berliner Foodblogger Netzwerk ins Leben zu rufen. Darüber haben die beiden nicht nur nachgedacht, sondern dieser Idee alsbald einen dezenten Fußtritt ins Leben gegeben und so haben wir uns vergangenen Samstag nun schon zum vierten Mal zum Foodiemeetup Berlin getroffen.



Im Schnitt alle zwei Monaten treffen sich Foodblogger und (deutlich mehr) Foodbloggerinnen der Stadt in einer Location, die uns die Nutzung der Küche erlaubt, zum Austausch. Wir quatschen, wir lachen, wir essen, lauschen den spannenden Workshops zum Kochen oder Foodfotografie und immer öfter kochen wir auch gemeinsam. Samstag nun schon zum zweiten Mal: für den guten Zweck!



Diese Events machen unglaublich viel Freude, denn die Berliner Foodblogszene ist schon wahnsinnig groß und von einer immensen Vielfalt getragen. Viele dieser Blogger dann auch mal im realen Leben zu treffen, sich auszutauschen, ein bisschen über das Bloggerleid zu klagen, das hat einfach gefehlt!

Dem Ganzen setzt aber die Krone auf mit wie viel Engagement und Liebe Anne und Sandra diese Events für uns planen, denn sie organisieren nicht nur die Locations für uns, überlegen sich Programmpunkte und realisieren diese für uns, die alleine schon einen großen Benefit für uns ergeben – alleine im Zugewinn des KnowHows.

Sie organisieren auch Sponsoren wie z. B. (letzte Woche) Deutsche See,



Mozzarella Paolella



und Flying Roasters (feinster Kaffee) – um nur einige wenige der zahlreichen Firmen zu nennen, die uns gustatorisch verwöhnen – und drückten bis jetzt auch jedem von uns immer ein prall gefülltes Goodie Bag in die Hand, so dass die Freude über das Event zu Hause noch eine ganze Weile weiter geht.

Und wer weiß, was es heißt, kleine Events zu organisieren, der kann sich vorstellen, wie viel Arbeit es macht, so ein mittlerweile sehr gewachsenes Event zu organisieren. Sehr viel Arbeit! Denn selten habe ich ein so liebevoll von vorne bis zum Schluss durch geplantes Treffen erlebt. Da stehen Kerzen und Campanula schon auf den Treppen zur Begrüßung, die sowieso immer sehr herzlich ausfällt durch die beiden, speziell designte Namensschilder, ein netter Fotowettbewerb ist eigentlich immer dabei – mehr Liebe geht eigentlich nicht!

Was immer sehr angenehm ist, oft sind einige Sponsoren direkt vor Ort vertreten, dass man mit denen auch in entspannter Runde reden kann.



Nachdem wir im Dezember alle gemeinsam „Glück im Glas”-Gläser gefüllt und schön geschmückt haben, die dann auf dem Spandauer Weihnachtsmarkt zugunsten der Berliner Tafel verlost worden sind, haben wir Samstag Marmelade eingekocht wie die Wilden! Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle den Burmeisters, die einen Online-Shop (und Ladengeschäft in Spandau) für Gläser aller Sorten führen für die wiederholten Glasspenden für den guten Zweck!



Es ist noch keine Marmeladenzeit? Stimmt! Aber im Februar findet hier in Berlin die Fruit Logistica statt, eine Messe für frisches Obst
und Gemüse, die– wie es bei Messen leider so üblich ist – einen enormen Überhang an Früchten hat, wenn sie ihre Pforten schließt.



Und damit diese sehr leicht verderblichen Früchte nicht in die Tonne wandern müssen, kann die Berliner Tafel sie in Massen abholen und kocht sie zu Marmelade ein, die an Bedürftige verteilt wird. Wir haben also am Samstag, wo wir zu Gast sein durften bei



Silvis Kantine im schönen Kreuzberg und dort die Räume und Küche benutzen konnten – mit sehr viel Unterstützung von Silvis Küchenchef – und vielen Bloggern über 500 Gläser Erdbeer-, Himbeer- und Beerenmixmarmelade eingekocht, abgefüllt, etikettiert. Das war einmal echtes Großküchenfeeling!





Nebenher gab es noch einen Marmeladen-Workshop. Geplant war außerdem (ein von mir dringend benötigter) Macaron-Workshop, den Mareike von der Biskuitwerkstatt (vertretungsweise) halten wollte. Die übrigens auch tolle (und extrem leckere) Pop Cookies



zu unserem Buffett beigesteuert hatte. Leider kamen wir zeitlich nicht mehr zum Workshop, denn …



… da war ja noch die Tombola! DIE! TOMBOLA! Der Deal war simpel, wir kauften Lose – jedes Los ein Gewinn – und sammelten so noch einmal 485,— Euro, die einem Kindeprojekt der Berliner Tafel gespendet wurden. Sage einer, wir Foodblogger könnten uns nicht nützlich machen!



Die Tombolagewinne waren unglaublich: es gab Kochbücher (reichhaltig), Zwilling-Messser, Kochzubehör von Ikea, feinste Lebensmittel ohne Ende (z. B. die Pilzzuchtssets von Prêt à Pousser, Workshop-Gutscheine z. B. für einen Macaron-Workshop bei der Makrönchen-Manufaktur und und und … Als Hauptpreis gab es von Philip zwei Stabmixer-Sets, einen AirFryer (Heißluftfriteuse) und von Klarstein eine Küchenmaschine (und noch viel mehr!) zu gewinnen.





Allerfeinste Gewinne, die das Foodbloggerherz nun wirklich höher schlagen ließen – und die die Gewinner auch erst einmal nach Hause bekommen mussten. Wir fühlten uns wie auf einem Kindergeburtstag: glücklich, satt, hatten gut getrunken, schöne Gespräche geführt und wir haben vor allem ganz ordentlich etwas für den guten Zweck getan.

Es war toll! Wie immer! Ein großes Merci mit 'nem Herzchen auf dem „i” an Anne und Sandra für Eure Leidenschaft und Mühen, die schönen Stunden, die Ihr uns damit bereitet und natürlich ein herzliches Dankeschön allen Mithelfern, Mitstreitern und Sponsoren! Es ist immer eine große Freude mit Euch allen!

2016-02-11

me goes macarons!



Dabei mag ich Macarons gar nicht. Mir sind sie meist viel zu süß. Aber alle machen zur Zeit und schon länger in Macaraons und ich möchte halt elegant eloquent mit dem Macarons-Schwarm schwimmen. Vor allem heißt es, Macarons zu machen – also gut Macarons zu backen – ist nicht leicht und von ca. drölfzig Millionen Umständen abhängig. Wenn das nicht der ultimative Ansporn ist?

Die Mythen, die sich um die Herstellungsprozesse von Macarons winden und wirken, sind so unglaublich vielfältig – darüber sollen schon ganze Bücher geschrieben worden sein. Ich mag das ja, mich aus einem Wirrwarr lustiger Anekdoten wie „Hefe geht nicht, wenn man menstruiert” oder „Hefe geht nur bei Vollmond” alternativ „Marmelade geliert nur, wenn man sie rechts dreht” mit eigenen Erfahrungen heraus zu backen. Und Macarons schenken da einem gar nichts. Macarons wollen alte Eier, keinen Regen, Hitze nur von hinten über den linken Zeh geblasen, doppelte Backbleche unter den Füßen und und und …

… und Farbe. Farbe mag ich momentan. Meine Kam Snap-Druckknopf-Farbsammlung ist im Großen und im Ganzen abgeschlossen. Das stimmt natürlich nicht, aber ich behaupte das jetzt trotzdem einmal naiv. Insofern habe ich mich einem neuen Thema „Lebensmittelfarben” zugewendet. Da gibt es nämlich nicht nur verdammt viele viele VIELE Farben – es gibt sie auch als Flüssigkeit, Paste, Gel (ja, die Industrie kennt da Unterschiede), Puder und noch und nöcher. Kinders, ich sag's Euch, wenn Ihr schon alles für die Küche habt: kauft Lebensmittelfarben! Dann erst wird's richtig drollig!



Deswegen mag ich Macarons aber immer noch nicht. Mir sind sie weiterhin viel zu süß. Man verstehe mich nicht falsch! Mich bekommt man wirklich immer über Buttercremes und Ganache, aber das Zeug ist einfach zu oft für meinen Geschmack übersüßt. Die allerbesten Macarons, die ich je gegessen habe – wirklich, es kam nie mehr in der Qualität etwas nach – sind Macarons gewesen, die mir die liebe Monika D. einmal aus Zürich als Gastgeschenk mitgebracht hatte. Auf dem Züricher Flughafen erworben – also mit extra Flughafenzuschlag im Preis – sündhaft teuer, vermute ich. Aber sie waren leicht, locker, alle Komponenten sehr unaufdringlich und eine himmlische Komposition, die einfach nur auf der Zunge zu einem Geschmackstraum ineinander zerflossen. Nur: sie kosten ein Monatsgehalt.

Hierzulande versucht man mittlerweile auch über den Preis nur eines Macarons ganze Straßenzüge in Berlin zu erwerben. Den Stückpreis von einem und einem halben Euro für solch einen Doppeldecker aus Mandelbaiser mit etwas Schmiere mittenmang, kann man da schon mal abdrücken.

Also alles rund um die Macarons ist schon irgendwie etwas irre und irre finde ich gut. Irre – das kann ich!



Darüber hinaus kann man beim Macarons backen so ziemlich von Anfang an alles falsch machen, um gebrochene, aufgebrochene, nicht ausreichend hoch gekommene Macarons zu schaffen. Und dann die Füße! Oh my fucking godness: DIE Macarons-Füße! Wenn so ein Macarons ein Fuß-Handicap hat, dann ist nämlich Schluss mit der Macarons-Perfektion, da kann man noch so elegant aus dem Effeff einen steifen Eischnee zaubern: auf des Macarons' Fuß kommt es nämlich an. Und wer den nicht kann, der ist eben draußen aus der Welt der Macarons-Elite. (Ich, macht Euch da mal keine Sorgen, bin noch sehr weit entfernt vom perfekten Macaronfuß, ausreichender Standhöhe und fluffigster Ganache-Qualität.)

Also, wer eine Gelegenheit sucht, sein kleines pathologisches Ich in die empfundene Inkompetenz und Minderwertigkeit zu backen: nehmt Euch bloß Macarons zu Herzen und vor! Denn effektiver und schneller – ganz ohne Umwege – kann man sich nicht klein und elendig fühlend konditionieren.

Den perfekten Macaron zu backen, das ist ein bisschen wie einen Sack Flöhe zu hüten. Mit Loch im Sack, das versteht sich. Da muss das Eiweiß alt sein aber nicht zu alt, nicht zu kalt, nicht zu warm; die Menge auf das Gramm-My genau stimmen, die Mandel pulverisiert gemahlen sein, ebenso der Puderzucker,



es muss gesiebt werden, es muss Eiweiß geschlagen werden, es muss untergerührt werden in vielen vielen Schritten ohne auch nur eine einzige Luftblase zu zerstören, es muss in Spritzbeutel umgefüllt werden und wenn dann die Masse nicht hundertprozentig wie Lava fließt (und wir wissen doch alle wie Lava in jeweiliger unterschiedlicher Nähe zur Eruptionsquelle zu fließen hat, nicht wahr?), kann man gleich nach Hause gehen.

Dann muss man perfekt aufspritzen – immer die gleichen Kreise – und der Nippel-Zipfel, wenn der nicht richtig zipfelt … Diese kleinen panischen Attacken, wenn dann die Macarons zu sehr zerlaufen (oder zu wenig und der Nippel-Zipfel ein Nippel-Zipfel bleibt) das korrekt beherzte Aufschlagen des Backbleches. Überhaupt Backbleche? Was wissen wir denn schon über die Macaronsbackkompetenz von einzelnen Backblechen?



Die Trockenzeit, bevor sie in den Backofen einziehen wollen. Alleine diese Trockenzeit, ein Unterschreiten oder Überschreiten – daran sind schon so viele unschuldige Macaronbäckerinnenherzen zerbrochen. Habt Ihr eine Vorstellung, einen Hauch von Ahnung über diese Trockenzeit, wenn es draußen regnet und somit minimal die Luftfeuchtigkeit in der Küche tangieren könnte und alle Vorzeichen auf alles anders stellt? Die sehr intime Auseinandersetzung mit dem Ofen, denn man weiß ja nie, ob der wirklich mit dem ollen Ei korrespondieren mag und ob er ausreichend Hitze in die Füße schicken wird, ob er seine 140 Grad hält über zehn, elf, zwölf, dreizehn, vierzehn oder gar fünfzehn Minuten. Ob sich die Macarons gut von ihm behandelt fühlen und werden oder nicht, dann bocken und oberhalb ihrer zärtlich vorgetrockneten Kruste aufbrechen und somit ihre Epidermis zelebrieren wie ein Teenager im Pubertätswahn seine Pickel züchtet. Da kann so ein lieb gewonnener Ofen sich zum personifizierten Feind entpuppen. Das geht ganz schnell!



Und dann das Auskühlen nach dem Backen, wenn die Macarons keine Zehntelsenkunde zu früh aber auch keine Fünftelsekunde zu spät aus dem Ofen geholt werden dürfen und wirklich ganz perfekt aussehen, was aber noch längst nichts heißen mag, denn selbst wenn dann die Füße so perfekt scheinen und sie sich wie Ginger Rogers von Fred Astaire federleicht im Tanz hochgehoben von der Backfolie lösen, heißt das noch lange nicht, dass die Macarons in ihrem Innern fluffig und leicht sind und nicht klebrig und zäh im Kern und ob dann ihre Farbe noch etwas von dem an sich hat, was die Mandelzuckereiweißmasse vor dem Backen versprochen hatte, das ist doch alles völlig losgelöst von den übrigen Gesetzmäßigkeiten dieser Galaxie.

Also kurz, wenn Ihr Eurem ureigenen kleinen Wahnsinn einmal sehr sehr nahe kommen möchtet und rechts auf dem Standstreifen überholen wollt: backt Macarons!

2016-02-04

Heute Nacht …

… also um genau zu sein 15 Minuten nach drei Uhr Katzengezicke im Flur vor der Drahttür im Wohnzimmer, die gar keinen Draht mehr enthält, sondern ein Katzenbalkonnetz von unmöglichen Maßen, die ich so nie bestellt habe, aber zooplus liefert manchmal einfach auch Bockmist, muss man sagen. Egal. Also hinter der Tür eine Katze, vor der Tür eine Katze und beide erzählen sich, was sie voneinander halten, was sich mehr nach proletarischem Supermarktkassen-Gedisse anhört, als nach „hey, wir leben schon so lange unter einem Dach, schön Dich zu sehen!”

Was die können, können sie.

Die Tür wird von X-Läufer-Gummibändern in groß an einem Dübel geschlossen (von denen ich wohl die einzige Kundin bin, weswegen es sie kaum noch im Handel gibt) und wenn eines der Doppelgummis bereits kaputt ist, schafft Shiina es im Anfall sich am Gummi vorbei nach draußen zu wuseln. Das kenne ich alles und habe schon ein Ohr dafür, springe dann schnell zum Tatort, um das kleine im Aggressormode befindliche Ding einzufangen und besonders schön finde ich es morgens um viertel Vier.

Nicht.

Steige ich also aus dem Bett im Tiefschlaf und vertrete mir so dermaßen den Fuß, dass ich jetzt ein ernsthaftes Gehproblem habe. Und die Medikamentenschublade bedienen musste. Und mit Schlaf war es auch vorbei.

K.A.T.Z.E.N.

Die jetzt übrigens tief, glücklich und entspannt schlafen.

2016-02-03

Nie niemals nich …

würde ich eine meiner Katzen ausstopfen lassen.

Aber ich hätte gerne einige Hologramme hier von Nishia auf ihren Plätzen rumliegen. Das wäre schön. So auf dem Kratzbaum, neben mir im Bett oder auf meinen Beinen. Oder auf meinem Rücken sitzend, wenn ich in den Spiegel sehe. Auf meinem Schoß … natürlich wären das alles Illusionen aber dafür sehr schöne, dunkle Zeiten des Vermissens überbrückende.

2016-01-31

Ordentlich essen … 

Vergangene Woche war „Das Perfekte Dinner” für mich zu gucken Pflichtprogramm, weil eine – mir bekannte – Berliner Bloggerin die Runde bekochte. Frau Bunt kocht sortierte sich fachmännisch in eines der SpinOffs dieses Formates – hier: „Wer ist der Profi?” – ein und sorgte hier und dort für etwas Stimmung in einer ansonsten eher unterkühlten, fast langweiligen Runde.

Frau Bunt kocht hatte ein interessantes Menü gewählt, was insofern sehr mutig war, weil im Grunde von Anfang an sicher war, dass man damit nicht gewinnen kann. Denn sie servierte eine Roulade vom Havelländer Apfelschwein. Und diese bestand vorrangig aus dem Kopf eines Schweins.

Na, da war was los!

Schon hatten wir wieder die typische allerfeinste Bigotterie der deutschen Ernährungskultur vor einer Kameralinse versammelt. Gestandenen Männern rutschte das Herz in die Hose, die teilnehmende ansonsten vegan lebende Teilnehmerin (die fairerweise für diese Runde „ja” zum Fleischgenuss sagte), schob erstmals ihre Schwangerschaftsübelkeit als Argumentationshilfe über den Tisch (konnte sonst interessanterweise an dem Abend alles andere essen) und die Kommentare im Internet, die ich ganz gerne parallel zur Ausstrahlung mitlese, echauffierten sich auch nicht unerheblich.

Schweinekopf.

Kopf vom Schwein! Was für eine Zumutung! Aber um beim schönen Wort des Angriffes zu bleiben: tatsächlich wurde niemandem zugemutet, überhaupt einen ganzen Schweinekopf zu sehen. Frau Bunt kocht hatte ihn bereits ausgelöst und zerteilt vom Metzger erworben, es lagen nur sein Fleisch, Haut und Fett auf dem Küchenbrett. Die beim befreundeten türkischen Supermarkt in der Fleischauslage zu sehenden abgezogenen Lamm-Köpfe haben da deutlich größeres Realitätspotential. Alle Zutaten wurden von der Köchin als Rolle geformt gekocht, später paniert und gebacken als eine Rouladenscheibe serviert. Im Grunde eine Art Pfälzer Saumagen – nur ohne Hülle aus Magen. Wer Sülze isst, hat schon visuell Unappetitlicheres auf dem Teller gehabt.

Man konnte oder wollte die Vorspeise geschmacklich nicht so recht goutieren. Dem einen Gast – später als tatsächlicher Profi enttarnt – war die Vorspeise nicht lange genug gekocht. Allerdings hatte die Köchin auch deutlich weniger Zeit für die Zubereitung ihres Menüs (drei Stunden) als uns das Format (einen Tag lang) gerne glauben machen möchte. Die anderen waren immer noch so schockiert über die Zumutung, Fleisch vom Schwein serviert bekommen zu haben und haben sich schon vorher so in Abneigung gesabbelt, dass das Urteil über diesen Gang im Grunde vorher schon feststand.

Natürlich ist in einem solchen TV-Format das, was der Zuschauer sieht in einem großen Maß vom Schnitt abhängig. Aber den kann man natürlich auch nur dann übertrieben offerieren, wenn vorher überzogene Inhalte zur weiteren Verwendung gedreht werden konnten. Und in diesem Zusammenhang waren sich die Gäste nicht zu fein, am Schweinekopf angemessen vor der Kamera zu eskalieren. Diese überzogene Affektiertheit und Aufregung rund um die Tatsache, dass man einen Schweinekopf essen solle; eine Zutat, die einem in jeder fein passierten Wurst schon längst auf die Stulle gelegt wurde? Boah, jeht mir wech damit!

Mich nervt, wie wir hierzulande einen ganz großen Anteil von einem Tier, was wir alleine für unsere Leibeslust schlachten, nicht auch ganz verwerten. Wirklich. Einmal im Jahr liegen hier bei meinem Supermarkt um die Ecke tatsächlich Schweineschwanz, Schweineohr oder nur Schweineschwarte in der Auslage. Und die könnten dort vergammeln. Es wird einem quasi hinterher geworfen. Selbst Leber, ob man die nun essen mag oder nicht, ein früher in Berlin absolut gängiges Tagesgericht, muss man mittlerweile extra vorbestellen. Vermutlich wissen Kinder heute gar nicht mehr, dass Tiere auch Nieren besitzen. Das ist doch nur noch lächerlich!

Man muss Schweinekopf nicht selbst zubereiten oder lieben. Aber wie man sich vorher schon – vor dem eigentlichen Versuch – dagegen aussprechen kann, dass man von dem gleichen Tier, dessen Filet man liebt, den Kopf als eklig ablehnt? Ohne überhaupt schon die Art der Zubereitung zu kennen? Da muss es einem wirklich über alle Maße viel zu gut gehen.

Um dann übrigens, und ich behaupte, dass ist die eigentliche Krönung der übersatten Dekadenz, im nächsten Gang die Schweinsbacke wieder total lecker zu finden! Denn es gab „Sous Vide Wammerl – geschmorte Backe – Rotkohl” als Hauptgericht. Und nun überlegen wir alle mal, wo bei einem Schwein die Backe sitzt?

Schweinsbacke – aus dem Schweinskopf entnommen – war völlig okay. Der Schweinskopf den Gästen als Schweineroulade serviert ohne vorherige verbale Kopfandeutung wäre vermutlich auch sehr okay gewesen, hätte vielleicht sogar (bei ausreichender Zubereitungsdauer) Begeisterungsstürme ausgelöst. Fleischpampe kann man dem Deutschen immer gerne servieren, solange er nicht weiß, was da drinnen ist, nicht wahr?

Das ist doch verlogen. Und doof!

Ansonsten gab es in dieser Woche bei den tollen Köchen mit den (höchstwahrscheinlich) auf Raten gekauften Pathologie-Style-Küchen an Nespresso-Deko (darüber komme ich erst einmal nicht weg) viel Schäumchen. Schäumchen hier und Schäumchen da. Die hehre Kunst des deutschen Hobbykoches verdeutlicht sich vor allem in dieser neuen Zeit nicht an der Wertschätzung des von ihm verwendeten Fleisch im Ganzen des – für die TV-taugliche Präsentation der kostbaren Messersammlung – gestorbenen Tieres, sondern offensichtlich an des Koches seines Lecithin-Vorrats und blasierten Umgang damit. (Dieser Satz ist weniger wirr als er beim ersten Lesen scheint und ich bin ein bisschen stolz auf ihn).

Ich mag Schäumchen nicht mehr. Visuell war Schäumchen für mich eh immer nur der Spülrückstand auf einen schlecht gespülten Teller mit meist nur zu vermutendem Geschmack und somit nur halb attraktiv. Aber diese aktuelle Fluktuation von Schäumchen ist mir nun wirklich zu viel. Da habe ich lieber ein ordentlich konzentriertes Petersilienöl auf dem Teller als schmeckendes Schmuckstück.

Darf ich einen kleinen Hinweis geben? „Schäumchen” ist mittlerweile das, was als Balsamico-Reduktion als Teller-Gemälde schon vor zehn Jahren out war. Somit: für mehr Eisbein, Schweinekopf und echten Espresso aus der Carmencita.

Und hört verdammt noch mal auf, Euch vor Schweinsmägen zu gruseln: das Tier ist für Euch gestorben! Und zwar im Ganzen, nicht nur in von Euch geliebten Einzelteilen!

Vorratshaltung

Gestern habe ich beim Schnäppchenprinz in der Karl-Marx-Straße zugeschlagen. Marmeladen- und Vorratsgläser ab —,55 über —,79 bis ,—99 Cent das Glas. Und jede Menge Ersatzdeckel. Endlich einmal nicht die stereotypen Marmeladengläser (links im Bild) mit denen mich der Handel sonst immer beglückt. Ihr kennt das ja, ist erst mal Saison, rennt man den Gläsern im Handel hinterher oder bezahlt deutlich mehr als jetzt.



Und da morgen der 1. Februar ist und wir jetzt langsam anfangen könn(t)en, die ersten Samen zu setzen, damit wir im März pikieren und im April die kleinen grünen Zöglinge je nach Breitengrad in die grüne Freiheit schicken können, ist etwas Vorbereitung für die nächste Einkochzeit keine so schlechte Idee. Damit sich die Gläser nicht langweilen, steht heute die Zubereitung von etwas „Crème de caramel au beurre salé” auf dem Programm. Und butteriges Apfelkompott. Ich habe hier nämlich einen Sack Braeburn-Äpfel liegen. Da wird ein feines Butterkaramel angesetzt in denen die Apfelwürfel (mit Schale) einkochen und dann ab in die Gläser, wo sie auf ihre eigentliche Aufgabe, nämlich den nächsten Kartoffelpuffern als feine Beilage zu dienen, warten dürfen.

Ansonsten hat Arthurs Tochter kocht heute ein sehr schönes Blogpost über das „Für gut …”-Aufbewahren geschrieben. Den empfehle ich zu lesen und dann die schönen Dinge in den Schränken viel mehr ins Leben zu holen.

2016-01-19

10 Monate …

… hat der kleine Großcousin teilweise unwissentlich und teilweise wissentlich mit sehr viel Elan, Ehrgeiz, kindlichem Eifer, wilder Freude und lustiger Leidenschaft hart an seinem Update gefeilt, gearbeitet und knapp zwei Monate vor seinem vierten Geburtstag es fast überpünktlich – nämlich zwei Tage vor dem Termin – veröffentlicht. Jetzt ist dieser wundervolle kleine Mann ein:

Großer Bruder – von einer Nela!

(Und allen geht es gut!)