2015-04-06

Biskuitrolle



Biskuitrolle esse ich für mein Leben gerne. Allerdings kenne ich nur die voll chemische Variante, den meine Großmütter haben in meiner Erinnerung nie welche gebacken. An die eine Großmutter kann ich mich im Zusammenhang mit Kuchen eher gar nicht erinnern, an die andere, die tatsächlich als Köchin arbeitete, erinnere ich mich eher an Blechkuchen oder Obsttorten – aber feine Konditorei war in unserer Familie immer schon eher dem Fachbetrieb vorbehalten.

Also gab es Biskuitrolle also eher dann, wenn meine Mutter diese beim Discounter abgepackt erworben hatte, mein Favorit war immer eher Schokolade als Zitrone oder die ganz süße Variante mit Sahne und irgendeiner fürchterlich süßen Marmeladenfüllung. Die Hauptsache war, die schmeckten schön künstlich. Für meinen Geschmack waren (oder sind es noch heute) Biskuitrollen generell zu klein abgepackt. Wenn es mich packt, kann ich eine ganze Rolle mit einem Schlag vernichten.

So kam es, dass ich interessanterweise nie auf die Idee gekommen bin, man könnte Biskuitrollen selber backen. Aber wie das so ist, man lässt sich gelegentlich durch das Internet treiben und dann begegnet einem hier ein Rezept dort ein Filmchen und … plötzlich ist man mitten drinnen in der visuellen Biskuitrollenproduktion und muss erkennen, das scheint so schwer gar nicht zu sein. Und von dieser ersten Erkenntnis hin zum ersten Backversuch ist der Schritt bekanntermaßen nicht so weit.

Ostersamstag sind mir erstmals Erdbeeren zugelaufen. Üblicherweise kaufe ich zu dieser Jahreszeit keine. Denn natürlich sind sie unter völlig abstrusen Bedingungen produziert, schmecken mangels Sonne nach nichts und kosten dafür ein irrsinniges Geld. Samstag nachmittag war beim Discounter aber Abverkauf, kurz, ein Angebot bei dem ich nicht nein sagen wollte und bei mir dachte, das könnte mit Vanillezucker etwas werden. Schlimmstenfalls Eis. Eher ein mitleidiger Kauf als ein überzeugter – aber natürlich wären diese Erdbeeren über Ostern in der Discounter-Kühlung nicht besser aufgehoben gewesen.

Am gleichen Tag hatte mich ein Link von Essen und Trinken zu einer Rübli-Torte zu einem anderen Video auf der gleichen Plattform gespült, wo die Bäckerin einen einfachen Biskuitteig anrührt und zeigt, wie man eine Biskuitrolle backt. Biskuitteig mache ich per se sehr gerne  – ich liebe Teige die Eischnee benötigen! Eischnee schlage ich für mein Leben gerne, es ist mein persönlicher kleiner Küchenfetisch. Ich finde die Farbe fantastisch und wenn er dann steht wie eine Eins, ist das mein persönliches kleines Erfolgserlebnis des Tages und die weiter Verarbeitung im Teig finde ich faszinierend, dass dann weniger mehr ist.

Also habe ich mich gestern dran gemacht und meine erste Biskuitrolle angefertigt.




Zutaten

3 Eier (getrennt)
3 EL kaltes Wasser
1 Prise Salz
abgeriebene Zitronenschale
150g Zucker und Zucker für das Tuch
100g Mehl
20g Speisestärke
1/2 Teelöffel Backpulver

500ml Schlagsahne
2 Packungen Sahnesteif
500g Erdbeeren
2 Esslöffel Vanillezucker (alternativ 2 Packungen Vanillin)

Hier noch zusätzlich verwendet für die Sahnehaube
5 Erdbeeren (von oben) und
1 EL Puderzucker mit dem Mixstab zu Püree verrührt

1 Blatt Gelatine

ca. 6 Blätter vom frischen Basilikum
2 EL Zucker mit dem Mixer zu grünem Zucker gemixt.


Zubereitung

Das Eiklar wird mit dem Wasser und dem Salz mit dem Handmixer steif aufgeschlagen, dann wird nach und nach der Zucker untergerührt bis er sich aufgelöst hat, dann werden die Eigelbe und die Zitronenschale kurz untergerührt. Nicht zu lange schlagen, sonst geht dem Eischnee zu viel Luft verloren. Mehl, Speisestärke und Backpuler wurden gemischt und werden nun in drei Portionen ganz vorsichtig mit einem Schneebesen per Hand unter die Ei-Zuckermasse gehoben.

Die Masse wird auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech glatt gestrichen, dabei auch die Ecken gut ausfüllen mit der Masse. Sie sollte an allen Stellen des Bleches möglichst gleichmäßig hoch sein. Wichtig bei Biskuitteig: nie die Form ausfetten, da verhindert nämlich das der Teig nicht hochgehen kann.

Der Teig geht bei 190 Grad Celsius (Biskuit mag Umluft nicht sonderlich) auf die zweite Schiene von unten für nur 8 Minuten in den vorgeheizten Backofen.

In der Zwischenzeit ein sauberes Geschirrtuch auslegen und mit Zucker bestreuen (der verhindert, dass sich der Biskuitteig am Tuch später festhält. Also hier ordentlich gearbeitet, ist später die halbe Miete. Den Biskuitteig sofort aus dem Ofen holen, wenn er fertig gebacken ist an den Seiten vorsichtig vom Papier lösen, dann mit dem Papier umgedreht auf das Geschirrtuch stürzen und das oben aufliegende Backpapier ordentlich nass machen mit einem Pinsel oder Schwamm: es löst sich dann besser vom Teig. Nun das Papier vorsichtig ablösen an den Rändern achten, dass es nicht einreißt und dann den Teig beherzt (!) mit dem Geschirrtuch zu einer möglichst engen Rolle aufrollen. Nun einfach 20 Minuten so stehen und auskühlen lassen. Ich durfte gestern feststellen, dass das alles erstaunlich einfach ist und gar keine Hexerei. Der Teig darf halt wirklich nicht zu lange im Ofen bleiben, sonst bäckt er hart und er muss schnell verarbeitet werden, wenn er aus dem Ofen kommt, denn ohne im Tuch gerollt zu sein verliert er an der Luft schnell seine Flexibilität.

Nun wird die Sahne mit dem Sahnesteif geschlagen, die Gelatine eingeweicht und das Erdbeer-Püree gemixt. Die restlichen Erdbeeren sind geputzt und in kleine Würfel geschnitten. Die Gelatine wird mit ganz wenig Wasser erwärmt.

Die Rolle wieder ausrollen und komplett mit zwei Drittel der Sahne bestreichen. Die Erdbeeren darauf verteilen (einige, 2 Esslöffel, für die spätere Deko aufbewahren) und leicht in die Sahne drücken. Nun die Rolle wieder aufrollen, dabei vorsichtig an der unteren Seite vom Geschirrtuch lösen. Leicht zusammendrücken und auf die Servierplatte legen.

Das letzte Drittel Sahne wird mit dem Erdbeerpüree vermengt, davon zwei Esslöffel in die heiße Gelatine rühren und diese dann in die Sahne gießen, alles gut verrühren und im Kühlschrank für einige Minuten kalt. Die Gelatine bindet hier nur leicht ab – die Sahne wird nicht allzu steif und lässt sich später noch gut verarbeiten. Meine Idee war die äußere Sahne zur inneren farblich etwas aufzupeppen. Naja, sie wird leicht rosa – man kann sich das natürlich auch schenken oder besser Lebensmittelfarbe nehmen.

Ist die Sahne etwas fester geworden, dann die Biskuitrolle damit satt be- und glatt streichen. Die Rolle nun für ca. eine Stunde noch mal im Kühlschrank kalt stellen. Dann ist die Sahne außen perfekt schnittfest. Vor dem Servieren mit den restlichen Erdbeeren und dem Basilikumzucker garnieren. Ich hatte noch etwas Mandelkrokant von meinen Île FlottanteIle übrig, die ich hier auch restverwertet habe.



Et voilà! Meine erste Biskuitrolle ist wundervoll fluffig und frühlingshaft frisch geworden. Ich war ein ganz kleines bisschen selbst begeistert – und merkwürdigerweise habe ich später gar nicht den vorstechenden Chemiegeschmack der käuflichen Variante vermisst.

2015-04-03

Touristenlevel

Heute Mittag spricht mich eine Gruppe Leute an, es gäbe hier doch irgendwo einen türkischen Bazar, in welche Richtung sie zu gehen hätten, wollten sie von mir wissen. Ich überlege eine Weile und vermute, sie meinen sicherlich den Markt am Maybachufer, dann erkläre ich ihnen in welche Richtung zu gehen wäre – hätte der Markt heute überhaupt offen. Einer der Anwesenden erklärt mir, der würde doch aber Freitags dort sein und ich antworte ihm, dass das schon stimmen würde, aber dieses Wochenende hätte er gestern statt gefunden, weil heute Karfreitag sei und dies ein Wochenmarkt sei, der eben nicht an einem Feiertag stattfinden würde.

Die Truppe, so erklären sie mir, sei aus München und nur über Ostern hier. Ich denke, ich hänge mich nicht all zu weit aus dem Fenster, wenn ich bei ihnen einen türkischen Hintergrund in zweiter Generation vermuten würde, deswegen womöglich das Interesse gerade an dem – so unser Volksmund hier – Türkenmarkt, der offiziell Orientalischer Markt heißt, wenngleich dieser auch immer weniger orientalisch erscheint. Die Herkunft erklärt vielleicht auch, warum die bunte Truppe das mit dem Feiertag am Karfreitag nicht so ganz auf dem Plan hatte.

Ich erzähle ihnen, dass sie morgen an gleicher Stelle dort alternativ einen Stoff- und Designmarkt erleben können aber wenn sie wirklich Wert auf einen echten Wochenmarkt legen, einen schönen, sie morgen auch zum Winterfeldplatz fahren könnten, wo mit einer der schönsten und lebhaftesten Wochenmärkte in Berlin seine Waren feil bieten würde.

Sie erklären mir, das würden sie wohl nicht schaffen, denn morgen würden sie zum Alexanderplatz fahren wollen und flugs zieht einer der jungen Männer einen Notizblockzettel aus der Tasche auf dem alle Sehenswürdigkeiten so stehen, die man in Berlin mindestens abgrasen könnte; vom KaDeWe über das Brandenburger Tor war alles dabei und ich bin schon völlig erschöpft alleine nur vom Blick auf den beidseitig beschriebenen Zettel.

Ich erläutere ihnen, wie sie zur nächsten U-Bahn kommen und gebe ihnen den Tipp, die innere City einfach morgen mit dem Boot abzufahren. Denn dann würden sie das Regierungsviertel und einige andere Punkte auf ihrem Zettel binnen einer Stunde sehen und außerdem wäre das Wetter morgen und übermorgen lt. Wetterbericht bootstauglich. Berlin sei halt groß und die paar Tage würden vermutlich für die vielen Ziele auf dem Zettel nicht ausreichen, vermute ich laut. Natürlich würde mich jeder Japaner ob dieser Aussage eines Besseren belehren, aber für mich bedeutet Stadt erleben eben auch inne halten, einen Kaffee trinken und das Leben an mir vorbei ziehen zu lassen.

Es ist Ostern, die Sonne scheint, die Stadt ist voll und wie immer ist es schon überall grüner als hier!

2015-04-01

Extase!



Gestern deutlich im Preis reduziert hier eingezogen: die kleine Emsa MyColors (2 Liter) und ein zweiter Quirlbecher. Farbenfreude und zweiter Quirlbecher sind selbstverständlich echte First-World-Küchenbedürfnisse. Aber ich muss immer hin- und her überlegen, ob ich nun zuerst die Sahne und dann den Eisschnee schlage oder …? Und die Farbe macht mir extrem gute Laune.

2015-03-31

Brotalarm

Ich eben bei Kaiser's (<– Apostroph muss so, kann ich nix für!) an der Außenkasse. Die liegt unmittelbar neben dem Bäckerstand. Die ganze Zeit macht dort der Ofen „Ding Dang Dong.” Nicht alle 30 Sekunden oder so. Fortwährend.

Ich bezahle, gehe zum Bäckerstand. Vor mir ein Kunde, der gerade abkassiert wird, Bäckereiverkäuferin macht den Ofen nicht aus. Nächste Kundin gibt Großbestellung auf. Beim Imbiss-Stand als auch Brotstand. Die Verkäuferin hat's nicht mehr so mit der Konzentration, spürbar. (Mit Freundlichkeit hat sie's auch nicht so – aber das ist unter uns Berlinern ja eh geschenkt.) Die ganze Zeit macht der Ofen „Ding Dang Dong.” Ich kann da nichts dafür aber ich reagiere wirklich empfindlich auf Elektrolärm. Ist doof aber angeboren.

Die Kundin geht und anstatt den Ofen auszustellen und die Baguette endlich zu befreien, fragt sie mich, was sie für mich tun könne? Und ich antworte:

„Erst einmal bitte den Ofen ausschalten.”
„Wieso?”
„Weil er mich irre macht?!!”

Kannste Dir nicht ausdenken. Sie hat ihn dann aber doch ausgestellt. Netterweise. Und ich bin freundlich geblieben.

2015-03-27

Suizid

Ich denke, man muss die unterschiedlichen Arten von Suiziden verstehen, um das vielleicht irgendwann einmal begreifen zu können.

Es gibt den Bilanzsuizid, da guckt jemand auf sein Leben zurück, auf seine Zukunft, regelt alles und geht. So wie es Gunter Sachs gemacht hat.

Es gibt den krankheitsbedingten Selbstmord. Den Menschen in einer schweren depressiven Phase, Psychose oder Suchterkrankung wählen. Also Menschen, die sogar in Behandlung sind, aber für sich den Kampf nicht mehr kämpfen möchen und können.

Dann gibt es den spontanen Selbstmord. Da läuft irgendetwas im Leben schief, was den Menschen sehr tief berührt. Mehr vielleicht als er es selbst benennen könnte. Dann gibt es einen Moment – der sogenannte Trigger – der kann ganz lapidar sein, das Schlüsselbund fällt runter, man kommt nicht rechtzeitig an das Telefon, eine Tasse kippt um, die Sonne schiebt sich vor die Wolken und dann kommt es zu dieser Affekthandlung. Das sind die Leute, die mitten im Gespräch aufspringen und aus dem Fenster springen.

Vor allem im letzten Fall ist der Mensch gar nicht in der Lage Verantwortung für andere Menschen zu tragen. Dazu muss er keine verantwortungslose Person sein. Im Gegenteil. Aber in dem Moment ist die Person in einer mentalen Schleife gefangen, die ein Ermessen dessen, was getan wird, überhaupt nicht möglich macht. Es gibt nur noch einen Drang: dieser Situation zu entfliehen. Dieser Mensch steht in diesem Moment unter unermesslichen Qualen. Nennen wir es selbstverursachte Folter.

Es ist durchaus möglich, dass dem Co-Pilot vom Flug in den Sekunden überhaupt nicht bewusst war, dass er seinen Weg nicht alleine geht. Es ist gut möglich, dass der Mann den Piloten draußen gar nicht mehr gehört hat. Oder die Flugkontrolle.

Unser Bild vom Suizid ist viel zu sehr ZDF-Krimi gefärbt. Da stehen die Menschen immer auf dem Dach am Rand und lassen sich von den Kommissaren noch in Konversationen verwickeln. In der Realität sind diese Leute nicht zwingend überhaupt noch ansprechbar. Oder auch: sie reagieren nur noch mechanisch, das heißt, was sie da tun, tun sie nicht bewusst.

Was geschehen ist, ist unfassbar. Und unfassbar traurig. Viele Fragen, womöglich die wichtigsten Fragen, werden vermutlich nie beantwortet werden können.

Es ist ein fürchterliches Geschehen. Der Mann war krank.

2015-03-26

Geh mir weg!

Nachbarn im Haus nebenan bekommen neue Küche geliefert. Lieferanten gehören zum lautstarken Prolltypus „jeder muss mitbekommen, dass ich da bin und einen Handschlag tue”.

Hinter unserer Anlage ist eine Miniatur-Brache. Da steht ein komisches kleines Beton-Haus drauf, keine Ahnung was es ist – vielleicht eine alte Abluftanlage. Das Gelände ist eingezäunt. An der Rückseite seitlich von unserer Müllanlage aus kann man durch den Zaun auf das Gelände. Ein Obdachloser hat sich im vergangenen Jahr dort einen Verschlag gebaut. Die allermeisten Nachbarn tolerieren das. Viele von uns unterstützen den Mann mit Essen oder Geld. Tagsüber sitzt er an der Straße und bettelt: zusammengekauert unter seiner Jacke versteckt. Er berührt in seinem Versuch unsichtbar zu sein und dennoch leben zu können, täglich.

Die Liefertypen stehen vorhin vor der Haustür und rauchen und diskutieren den Verschlag. Einer von denen läuft zum Auto und brüllt absichtlich laut über den Hof: „Bestimmt 'nen Illegaler, gleich mal die Polizei rufen°!”

Ich brülle vom Balkon runter „Arsch!”. Typ guckt erschrocken hoch, seitdem Ruhe. Und ich werde den dicken Hals nicht los.

Arsch trägt H*it*l*er-Frise.

2015-03-15

Liebe Blogger …

… und hier leider vor allem: liebe Foodblogger,

wenn Ihr der Meinung seid, es ist klug und sinnvoll sobald mich Google oder der von mir als vertrauenswürdig eingestufte Mensch geposteter Empfehlungslink auf Euer Blog spült, mir nach nur zwei Sekunden – noch bevor ich den gewünschten Inhalt auch nur in Augenschein nehmen konnte – ein PopUp auf die Linse drücken zu müssen, das mir mit supidupi Kuschellaunentext vorschlägt, dass ich Euer Blog auf Facebook etc. like oder Euer Blog in irgendeinen Feeder direkt sortiere oder mir Eure Bloginhalte in irgendeine Smartphone-App ziehen soll, dann war ich die letzten und längsten zwei Sekunden jemals auf Eurem Blog.

Versprochen!

(PopUps sind immer, immer, IMMER Bullshit, capice? Für PopUps hat man schon vor 10 Jahren PopUp-Blocker erfunden – und nun ratet mal warum?)