2015-02-08

Meine Cousine …

… erzählt mir, wie sehr sie sich auf das Weihnachten in diesem Jahr freut, denn dann ist der kleine Großcousin fast schon vier Jahre alt und natürlich kann man mit ihm dann Weihnachten schon ganz anders zelebrieren als dieses Jahr, als ihn wohl hauptsächlich die Krippe, die man aufziehen kann, richtig zu interessieren schien. Sie freut sich darauf, wenn er mehr von der Bedeutung der vielen Dinge drum herum mitbekommt, z. B. wer überhaupt dieser Weihnachtsmann ist und was er will.

Da steht der kleine Zwerg im Raum und meint trocken: „Der Weihnachtsmann ist Papa.”

Wir werden noch viel Freude mit dem jungen Herren haben. Wir haben dann gestern Abend just for fun und weil's langsam Zeit wird (und ich zufällig das Equipment da hatte) die erste Ostereier-Schmücksession 2015 angesetzt. Die Definition wer der Osterhase ist, steht allerdings noch aus.

2015-02-04

Belangloses über Griechenland, Geld, Medien und Sex

Tatsächlich habe ich sehr wenig bis kaum Ahnung von Finanzmärkten. VWL war mir immer ein Stück zu bieder. BWL war mir frühzeitig suspekt. Ich begegne dem Thema Weltfinanzen mit einem gesunden Bauchgefühl und dem Wissen um menschlicher Schwächen, die bekanntermaßen vor allem bei Geld besonders akzentuiert in den Vordergrund treten. Ich fühle mich so ziemlich oft in meinem Gefühl bzw. Meinung bestätigt.

Beim Thema Griechenland und seinen Bewohnern denke ich seit deren jüngster Wahl, wann immer ich Herrn Janis (oder Giannis) Varoufakis, seines Zeichens frischer Finanzminister dieser Nation, medial begegne (Bauchgefühl), dass er erstaunlich souverän argumentiert und irgendwie (auch Bauchgefühl, etwas tiefer dieses Mal) als Mann für mich als hochrangig attraktiv durchgeht. Was nicht zwangsläufig hieße, ich würde ihn wählen, selbst wenn ich es könnte. Aber ich genieße durchaus die visuelle Berichterstattung mit und über ihn, denn ich habe per se sehr viel Spaß daran, dass der Mann beim Thema Klamotte auf doofe alte Konventionen pfeift. Dass ein Anzug noch lange keinen dunklen Kopf heller leuchten lässt, schon gar nicht auf politischen Ebenen, das weiß ich längst. Ganz nebenbei schätze ich seine Physiognomie, seine Haar-Knapheit und finde in dem was er so sagt, erstaunlich viel Bodenhaftung.

Bodenhaftung habe ich in der Politik recht gerne. Deshalb finde ich sie dort zunehmend leider seltener. Aber ich mag auch Flügel in der Politik, mag es, wenn Menschen sagen, „Ich will das althergebrachte Spiel nicht mehr spielen, lasst es uns anders herum aufziehen.”, dann finde ich das gut und zeitgemäß in einer Zeit in der wir Politik immer weniger vertrauen dürfen. Die anderen Spielregeln wiederholen sich seit Jahrhunderten und die politischen Spiele werden dadurch spürbar nicht besser. Im Gegenteil, diese Wege führen immer weiter weg von unserem allgemeinen Wohl.

Nun muss man Varoufakis tatsächlich, um ihn so zu schätzen wie ich, vorrangig in anderen als den deutschen Medien begegnen. Die hiesige Presselandschaft berichtet grundsätzlich über die Griechen so, als hätten sie „Rumäne” im Vornamen stehen. Allen voran unser aller vierbuchstabiges Lieblingsmedium. Dem erstaunlich viel kluge Journaille darin leider allzu oft folgt. Alles was aus Griechenland kommt, ist irgendwie oll, Griechenland als Verlierer aller EU-Nationen. Im Gegenzug dazu ist alles, was von Deutschland nach Griechenland geht, total hilfreich und humanitär und man gefällt sich in der griechischen Sage als der neue deutsche Held.

Leider spricht mein Bauchgefühl die ganze Zeit zu mir: das stimmt doch alles so nicht. So funktioniert EU auch meinem Verständnis nach nicht.

Wenn sich die deutsche Presse zum Beispiel großspurig darüber aufreget, dass Varoufakis bei seiner Antrittsreise halt mal nicht zuerst die heiligen deutschen Hallen aufsucht, kann man das natürlich als ein Zeichen sehen und bissig interpretieren. Vielleicht aber erwartet der Mann auch einfach von den deutschen Politikern nicht ausreichend viel Flexibilität in dem in Beton eingemauerten eigenen Standpunkt zum Thema. Da kann es eine kluge Maßnahme zu sein, in einer arbeitsreichen Zeit eines Neuministers unter besonders schweren Umständen, sich auf die Sparringpartner im Ring zu konzentrieren, denen man im Punkt „neue Wege gangbar zu machen” mehr Kreativität und Schaltungsfreude zugesteht als dem ollen grauen hochbetagten Hochseedampfer Merkel & Co. Dass er nun lieber zuerst die EZB in Frankfurt über seine künftigen Entscheidungen aufklärt und später erst mit Dr. Schäuble konferieren möchte, das ist okay so. Ehre wem Ehre gebührt. Ich meine, dass so mancher europäischer Ausländer den Eindruck gewinnen konnte, Deutschland wird nur noch von Banken regiert – kann man ihnen das wirklich verdenken? Wir glauben das doch selbst längst schon, oder?

Varoufakis auf z. B. arte.tv zu erleben, ist eine sehr interessante und ganz andere Hausnummer als das von ihm gezeichnete Bild einer Tagesschau zu erleben. Andere europäische Medien geben dem Mann Raum und Wort. Da wirkt er dann gar nicht so desaströs und arrogant, wie hierzulande sein Bild gezeichnet wird, sondern erstaunlich eloquent, dem eigenen Land gegenüber hoch selbstkritisch aber eben auch sinnvolle Veränderungen wollend. Mit Betonung auf sinnvoll.

Und immer öfter denke ich – und mein Bauchgefühl begleitet mich dabei durchaus wohlwollend – was ist, wenn die Griechen das jetzt durchziehen, sich genau nicht mehr von uns Deutschen klein rechnen lassen und tatsächlich in der Folge losgelöst irgendwann mal wie Phoenix aus der Asche aufsteigen? Es wird ein eher mittelprächtiger und lädierter Phoenix sein, aber er könnte aufsteigen. Das ist so unwahrscheinlich nämlich gar nicht, wenn man als eh schon zum Verlierer abgestempeltes Land einfach mal „όχι!” (nein) sagt, zum eh schon von seiner hoher Gnaden selbst ausgerufenen Gewinner und somit einfach mal an den Vorzeichen schraubt. Ich konnte bis jetzt jedenfalls nicht einmal zu der Argumentation Varoufakis nicht sagen, dass das, was er sagt, im Grunde erstaunlich souverän und klug klingt. Und bitte, Island hat gezeigt, das es funktionieren kann. Tatsächlich kann auch sehr gut sein, dass es dem einen oder anderen Land besser geht, wenn es nicht Mitgliedsstaat einer EU ist. Solange das Gegenteil nicht bewiesen ist, darf man auch daran glauben. (Und überhaupt, mein Bauchgefühl …)

Griechenland muss sparen. Aber Griechenland muss auch leben und arbeiten und schaffen können, um auch weiterhin leben, arbeiten und schaffen zu können. Ein Land kaputt zu sparen, das hilft nur einer ganz kleine Mengen Mensch in einem Land, hiervon können wir uns aktuell ein prima Bild im eigenen Land verschaffen. Tut nicht gut. In dem Punkt hat uns Griechenland jahrelange Erfahrung voraus. Kontroverses modernes Denken muss da nicht zwangsläufig von großem Schaden sein.

Und während ich mich die letzten Tage so bauchfühlig umtreibe und ich so vor mich hindenke und ein bisschen mich als Deutsche im EU-Land immer weniger wohl fühle, schreibt das bildblog einen sehr schönen Artikel darüber wie die deutsche Presse zum Thema Varoufakis und was er sagt Stimmung macht und sich dabei nicht zu blöd ist zu glauben, wir seien ein Volk von Menschen, die kein Englisch sprechen könnten.

Das lesen sich dann Zitate von Varoufakis auf Deutsch ungefähr so – erschreckend gemeinschaftlich – in die offensive Richtung getrimmt “die Deutschen würden halt die Doofen sein” im immer ähnlichen Gleichklang aus dem Zusammenhang gerissen: „Am Ende werden die Deutschen immer zahlen.”

Gesagt aber hat Varoufakis lediglich: „I beg to differ. Whatever Germany does or says, it pays anyway. And in 2010, I felt that we had not, we Greeks, the moral right to accept money from German taxpayers, to pay our creditors. In reality, this money goes into a black hole, and we ask them is that they spend their money more wisely. […]”

Lest bitte den ganzen Artikel zu diesem Thema auf bildblog.de. Er ist es mehr als wert gelesen zu werden!

Janis Varoufakis kann man übrigens auf Twitter folgen. Im Gegensatz zu manchen deutschen Publizisten scheint er nämlich smart genug zu sein, zu wissen was er gesagt hat und zu verstehen, was Medien falsch daraus machen – und hält dann den Finger drauf.

Whatever, ich bauchfühle, dass der Unterhaltungswert von Yanis (oder Giannis) Varoufakis in der nächsten Zeit noch größer werden könnte. Leider bauchfühle ich auch, dass uns die hiesige Presse in ihrer Aufgabe der Aufklärung keine große Hilfe mehr sein wird in diesem Leben.

Lange Rede, kurzer Sinn: kauft ECHTEN griechischen Joghurt. Und Honig. Und Wein. Und Olivenöl. Lasst uns die Griechen ordentlich lieb haben. Denn BILD ist ja zu blöd dazu!

2015-01-30

Gestern …

… hat die Ärztin, bei der ich zur Zeit temporär in Behandlung bin, sich von dem Computer abgewendet (nachdem sie ein Rezept ausgedruckt hatte), guckte mir in die Augen und fragte mich ruhig und gelassen mit einer Kompetenz und Nachdrücklichkeit, dass ich keine Sekunde lang an der Rechtschaffenheit ihrer Frage zweifeln konnte: „Kann ich etwas für Sie tun?”

Ich war perplex. Ein kleines bisschen überfordert war ich in diesem Moment auch. Aber es war ein schöner Moment.

2015-01-27

Bin ich jetzt eigentlich die Zicke?

Im vergangenen Jahr erhielt ich eine Mail von einer PR-Agentur. Übliches Szenario: Kundenstamm dort, Blog hier, Kunden wollen Geräte/Produkte testen lassen, Events organisieren, Blog hier sollte natürlich erwähnen. Bis auf einen kleinen Formfehler in der Anrede, war die Mail sehr höflich und charmant verfasst, für mich vielleicht eine kleine Spur zu kursiv, aber das ist Geschmacksache. Also soweit alles gut. Bis dann ich im letzten Satz gefragt werde bzw. man mir – wenn auch höflich umschrieben – die Ansage macht, ich möge doch als erstes mit meinen Blogzahlen rüber kommen, weil dem Hersteller diese zur Orientierung dienen würden.

Man verstehe mich nicht falsch. Natürlich weiß ich, dass im Online-Marketing man natürlich mit Page Impressions und Visits etc. versucht irgendwie einen möglichen Erfolgs-Score zu generieren, von dem wir alle wissen, dass er im Grunde eher so … Bullshit ist nichts bzw. nur die Hälfte über einen tatsächlichen Erfolg aussagt. Und mir ist klar, dass auch PR-Agenturen natürlich über einen solchen Kennwert den eigenen Erfolg verkaufen müssen, obwohl er … s.o.

Aber wieso, bitteschön, soll ich als Bloggerin einer mir nicht wirklich bekannten PR-Agentur meine Kennzahlen nennen? Ist es nicht so, dass man etwas von mir möchte? Denn – mal Budder bei de Fische – es geht hier nicht darum, dass ich zum Spaß zu Blog-Events eingeladen werde oder man mir Test-Geräte andienen möchte. Schlussendlich geht es darum, dass ich in der Folge Arbeit und Energie in einen Text stecke, der dann unter meiner Hausanschrift erscheint. Sollte man mich dann nicht zuerst nach meinem Wollen befragen, nach etwaigen Wünschen meinerseits? Eventuell mich sogar nach dem Wert meiner Arbeit befragen? Sich zuallererst einen persönlichen Kontakt mit mir erarbeiten?

Zumindest bevor man an mich eine Forderung stellt? Ist das Usus mittlerweile? Oder sehe ich das zu eng? (Vielleicht hatte ich mit den Agentur- und Kundenkontakten im letzten Jahr auch nur besonderes Glück) Ich würde in der Phase der Akquise so nicht auf jemanden zugehen, wenn ich doch eigentlich etwas von der Person möchte.

Was meint Ihr? Wie sind Eure Erfahrungen in jüngster Zeit?

Liebe

In dem Haus mir gegenüber wohnt ein älterer Herr mit dem ich erstmals im letzten Jahr in persönlichen Kontakt kam als Norma starb. Er war der, der am Tage ihres Todes nachmittags vor ihrem Balkon stand, traurig anmerkte, dass sie nun tot sei und dabei Tränen in den Augen hatte.

Er wohnt mit seiner Frau mir gegenüber im dritten Stock. Sie ist mittlerweile auf den Stock angewiesen und verlässt daher die Wohnung seltener als er. Er ist der, der morgens das Haus mit der Mülltüte verlässt und sich zur täglichen Einkaufsrunde aufmacht.

Sie wird dann immer oben am offenen Fenster stehen, dann tritt er aus dem Haus geht noch mal ein Stück nach rechts, sie rufen sich etwas zu, winken einander und dann macht er sich nach links auf den Weg zum Müll.

Ich denke, wenn sich frühe Liebe zu etwas entwickelt, dass es einem noch nach Jahren wichtig macht, sich so herzlich zu verabschieden, dann ist es gut.

2015-01-26

Wenn der Sohn die Mama dumm anmacht …

Nette Idee, peruanische Mütter erleben verkleidet wie ihre Söhne sie auf der Straße sexistisch anbaggern und reden daraufhin mit ihnen Klartext.

Ich bin mir nur noch nicht so ganz über die eigentliche Aussage im Klaren. Ist also der verbale Übergriff von Männern gegenüber Frauen auf der Straße ein Erziehungs- und/oder Kommunikationsproblem? Denken Frauen, gerade ihr eigener Sohn tut so etwas nicht und stellen deswegen irgendwann Erziehungsbemühungen ein?

Wie lange muss man auf die Söhne einwirken, damit sie ein Bewusstsein dafür bekommen, dass das nicht okay ist? Sind tatsächlich die Mütter schuld daran, dass Söhne diese besondere Form der Kommunikation suchen, weil sie nicht ausreichend verdeutlichen, wie unangenehm das ist?

Und inwiefern wohl wird heutig in Familien unter den Eltern diskutiert, was sie in dem Punkt ihrem Sohn mit auf den Weg geben wollen, was leben sie ihnen vor? Gibt es hierzu Gespräche unter den Eltern heutzutage? Erziehungsentwürfe?

Ich hätte mir gewünscht auch sehen zu können, wie die Väter reagiert hätten …

2015-01-19

Brot II

Langsam aber sicher komme ich meinem Wunschbrot näher.



Vergangene Woche habe ich in Anlehnung an das Rezept vom Rustikalen Bauernbrot von Claudia von fool for food die Mehlkomponenten einfach ausgetauscht. Also 205 g Roggenmehl und 125 g Dinkelmehl (im Originalrezpt ist es Weizenmehl).

Also:

100g Sauerteig
15 g Wasser
5 g Puderzucker
10 g Frischhefe

250 g Roggenmehl 1150
125 g Roggenmehl 1050
250 ml Wasser
5 g Butter
8 g Honig
9 g Salz



Beim ersten Gehen habe ich dem Teig mehr Zeit gelassen als 30-40 Minuten, weil ich am Räumen war. Er ließ sich aber in der Folge viel angenehmer falten und bearbeiten. Dann habe ich den Teig versuchswesie über Nacht im Gärkorb im Kühlschrank das zweite Mal gehen lassen. Er sah dann so aus:



Am nächsten Morgen wanderte er direkt in den Ofen, auf dem Pizza-/Brotstein gebacken mit ordentlich Dampf.

Es hat auch weitestgehend seine Form behalten. Also entweder ist das 24 stündige Gehen hier von Vorteil oder ich habe es langsam ganz gut raus, das Brot mit wenig Erschütterung auf den Ofenschieber zu geben.



Ergebnis: ein im Geschmack perfekt schmeckendes Brot, der Sauerteig tritt kaum noch vor, was er bei den anderen beiden Varianten ziemlich tat. Viel Lufteinschluss. Tolle Krume. Wenn auch der Bruch nicht naturgegeben kam, ich hatte es wohl zu rund geformt. Innen hatte es eine schöne graue Farbe. Ein richtig gutes saftiges Brot – wie frisch vom Bäcker. Ich denke dieses Rezept gilt für mich in der „Entwicklung” als abgeschlossen.