Gestern fragte ich auf twitter unter meinen Followern wie zur Zeit der Missbrauchsskandal der katholischen Kirche in Deutschland in denen der katholischen Kirche nahen europäischen Ländern wie Italien und Spanien über die Vorgänge in unserem Land diskutiert wird. Mich irritiert, wie fast jeden Tag aus irgendeinem beliebigen Flecken dieses Landes neue Berichte über Übergriffe (meist) katholischer Pfarrer und Lehrer gemeldet werden und zunehmend in unseren Alltag einfließen, als sei es beinahe schon normal und üblich.
Auch irritiert mich sehr, dass all diese Meldungen sich ausschließlich auf Vergehen berufen, die angeblich verjährt sein sollen. Da kann etwas nicht stimmen, das hieße, heute passiert das nicht mehr. Wenn das stimmen soll, was ist wann passiert, dass offensiver Missbrauch ausgerechnet nur hier nicht mehr erfolgt ? Missbrauch 2010 – tatsächlich nur von dem lieben Onkel in der eigenen Familie oder vom bösen Nachbarn in der Straße praktiziert? Zur Zeit sind so viele Fragen noch offen und wir scheinen uns immer mehr an den Skandal zu gewöhnen. Und da guckt ein ganzes Land einschließlich seiner Medien, die im Besonderen, auf diesen Papst, einen Papst der unsere Sprache spricht und erwartet eine öffentliche auf dem Vatikanbalkon zelebrierte Reaktion, die er natürlich nie geben wird – gar nicht geben kann. Denn das verbietet sich in diesem Konsortium alter Traditionen und täglich zelebriertem Stillstand. Rückt auch dieser Skandal immer mehr in Ratzingers persönliche Nähe: die katholische Kirche hat noch nie schlechte Erfahrungen mit dem Procedere des Aussitzens gemacht. Warum also nicht auch dieses Mal – zumindest es versuchen?
So interessierte mich, was sagt Europa zu diesen Missbrauchsvorwürfen? Missbraucht wird in dieser Institution doch nicht nur in Deutschland, wer will das ernsthaft glauben? Natürlich nicht repräsentativ aber doch von mir erwartet, die Hinweise von Hande von Vino Roma, die in Rom lebend und arbeitend, primäres Stillschweigen in den Gazetten des Landes vermeldet. Gelegentliche Gerüchte auf den Straßen, weiter getragen von Mund zu Mund, aber dass Zeitungen über den kirchlichen Skandal im Beinahe-Nachbarland berichten? Fehlanzeige! Missbrauch in der katholischen Kirche gibt es im Gottesstaat Italien nicht. Nun ist Berichterstattung im Berlusconi-Medienland eh ein Thema für sich, dennoch selbst für die linke Oposition scheint unser Thema in Rom kein Thema zu sein. Was natürlich eine Reaktion aus dem Vatikan, die einem Zugeständnis gleich käme, unwahrscheinlich macht – wir brauchen uns da wohl nicht zu wichtig nehmen! (Edit: bitte unbedingt den 1. Kommentar von Hande beachten!)
Markus von Text & Blog berichtet zumindest in Spanien von journalistischer Berichterstattung in der El País und somit auf dieser Ebene öffentliche Diskussion in den Kommentaren – die Sorge vor noch mehr Missbrauchsfällen ausdrücken.
Wie sieht es in anderen europäischen Ländern aus? Bekommt Ihr mit, wie in zum Beispiel Polen, Ungarn oder moslemisch geprägten Ländern unseres Kontinents über den Fall Missbrauch in der katholischen Kirche berichtet und diskutiert wird?
Und nebenbei MFA hat ein Stopp-Schild für (katholische) Kirchen herausgegeben.

Ich bin nicht für Sachbeschädigung und rufe auch nicht dazu auf. Aber man könnte so einen Flyer ja Sonntags vor der Messe den Menschen in die Hände drücken. Druck von unten kann Berge versetzen!