Zur Zeit herrscht wieder große Krisenstimmung im Mutter-Tochter-Konsortium. Das Muttertier möchte mit nur 64 Lebensjahren ganz schnell alt werden und zunehmend mehr über häufig bis ständig in Richtung immer umsorgt werden. Das Muttertier ist seit längerer Zeit krankheitsbedingt pensioniert aufgrund eines Bandscheibenvorfalls bzw. Spinalstenose und leidet ansonsten an Krankheiten wie Diabetis Typ II und Bluthochdruck. Alles Krankheiten, die, so muß man es leider formulieren, im direkten Zusammenhang mit dem Übergewicht und einer langjährigen 100%igen Bewegungsunlust des Muttertieres zusammenhängen.
Die Diagnose der Ärzte, Operation ist möglich aber vorher Gewicht reduzieren, wird aus irgendwelchen Gründen gar nicht zur Kenntnis genommen und in eine eigene Diagnose 'austherapiert' übersetzt. Um die ortsansässigen Orthopäden auf diesem Gebiet spezialisiert, wird ein großer Bogen gemacht.
Die undankbare Tochter weigert sich nun, dem Wunsch des Muttertieres zu entsprechen und regelmäßig für sie einkaufen zu gehen und ihr alltägliche Dinge wie z.B. das Saubermachen auf Alltagsniveau abzunehmen. Es steht dabei überhaupt nicht zur Debatte, dass die undankbare Tochter sehr wohl größere und schwerere Einkäufe oder schwere Hausarbeiten abnehmen würde. Nur die alltäglichen Dinge möchte sie das Muttertier so lange wie möglich selber machen lassen, weil sie ziemlich genau weiß, was kommt, wenn man sich jede auch noch so dumme Aufgabe aus dem Leben streicht: purer physischer und sozialer Abbau!
Das Muttertier glaubt, man kann mit zunehmendem Alter unliebsame Aufgaben abgeben zu dürfen, weil man keinen Bock mehr darauf hat (auch verständlich) und zudem auch jemand regelmässig ins Haus kommt (man langweilt sich ja doch zunehmend). Als Alternative zur Hauspflege könnte das ja die undankbare Tochter machen. Die undankbare Tochter versteht nicht, warum auch ein alter Mensch nicht mit Bewußtsein und Stolz sein Bad bis ins hohe Alter noch selber reinigen können sollte, zumal es die wenigen Tätigkeiten im TV-bestimmten Alltag des Muttertieres sind, bei denen noch Kalorien verbraucht werden. Außerdem versteht die undankbare Tochter ein Alter von 64 Jahren als noch nicht so alt und würde diese Diskussion auf einen Zeitraum in zehn Jahren vertagen wollen.
Die undankbare Tochter ist natürlich ein Arschloch. An dieser Stelle wünscht sich die undankbare Tochter gelegentlich ein Retorten-Baby gewesen zu sein.
Die undankbare Tochter erinnert sich an ihre Großmutter, die mit 76 Jahren nach zwei Herzinfarkten und Kniearthrose im vierten Obergeschoss lebend, nicht einmal das Wort Haushaltspflege in ihre Nähe gelassen hatte.