Kartoffel an Preußisch-Blau – nur im HERITAGE!
Die Aussichten könnten viel schlechter sein. Wer das HERITAGE betritt und einen Fensterplatz als Refugium für die nächsten Stunden sein eigen nennen kann, guckt auf den Gendarmenmarkt, insbesondere auf das Konzerthaus, rechts davon auf den Deutschen Dom.
Tiefes, dunkles Blau ist die Hauptkomponente im Einrichtungsstil des Restaurants – dunkler kann ein Blau kaum noch vorkommen. Wenige wissen, dass man das Preußisch Blau aus dem Tuschkasten in Malersprache auch Berliner Blau nennt, da passt das schon. Innenarchitektin Oana Rosen hat den Räumen mit der Farbe preußische Kühle mit moderner Gemütlichkeit verliehen, die Kunst an den Wänden stammt vom Fine Art Photokünstler András Dobi aus Ungarn.
Das Restaurant HERITAGE gehört zum Hotel Luc. Das Boutiquehotel zählt zur Autograph Collection der MHP-Gruppe und hatte 2022 in Berlin seine Türen geöffnet. 75 Zimmer und 17 Suiten mit Fitness- und Sauna-Bereich, zwei große Möglichkeiten für Konferenzen – und allerbeste Lage am U-Bahnhof Stadtmitte.
Die schönen Räume zu (beinahe) ebener Erde teilen sich auf in den Restaurant- und Barbereich, eine private Lounge kann auch reserviert werden. Im Sommer lockt die Terrasse in der Charlottenstraße.
Übrigens: Luc, so nannte der Philosoph Voltaire seinen guten Freund Fritz, wir reden von Friedrich II, den Großen, beim Kosenamen. In der Sprache Voltaires wird „Luc” gerne im Wortspiel als höflichere Variante für das recht derbe „Cul” (Arsch) verwendet. Beide Männer verband über 42 Jahre eine intensive Freundschaft mit hohem Briefaufkommen – und offensichtlich gerne auch deftigem Sarkasmus in ihrer Kommunikation.
Es ist sehr gemütlich hier – und es gibt keinen Grund, auch für Berliner, dieses Restaurant nicht für sich zu entdecken. Geöffnet ist das HERITAGE ab 06.30 Uhr und serviert dann (nicht nur) Hotelgästen das Frühstücksbüfett. Mit einer kurzen Pause zwischen 11:00 und 12:00 Uhr werden die Wünsche zum Mittag und Abend der Gäste erfüllt.
Wir dürfen uns auf Einladung dem „The Taste of HERITAGE“-Menü widmen. Vier Gänge mit einem Glas Champagner zur Begrüßung und Weinbegleitung zu jedem Gang, werden auf dem wunderschönem Porzellan der Königlichen Porzellan-Manufaktur serviert.
Dem Gelage am Gendarmenmarkt ist geschuldet, dass sich das HERITAGE gemeinsam mit dem Hotel im Fan-Duktus jenem König, dann Kurfürsten Friedrich II., verschrieben hat. Oder wie wir hier im provinziellen Hauptstädtchen gerne sagen: Dem alten Fritze. Im HERITAGE begegnet er an der Bar als Gin Fritz.
Dieser Mann, im Gegensatz zum aktuellen Fritz, hatte noch ein Gespür und Interesse am Wohlergehen seines Volkes und erließ den berühmten Kartoffelerlass, um das (zunächst diesbezüglich eher undankbare) Volk so vor einer weiteren Hungersnot nach mehreren Getreidemissernten zu schützen. Das Volk hielt die Teufelsknolle für giftig, Fritz ließ sie trotzdem im Land erzwungen anbauen – der Rest ist deutsche Geschichte.
Diese Kartoffel ist nun der heilige Gral im Hotel Luc und HERITAGE. Irgendwie sympathisch. Wir finden sie in der Dekoration – und auf der Karte!
So zeichnet sich dann auch im Menü der erste Gang durch Pommes Allumettes besonders aus, denn in deren Nest ruht ein delikates Bœuf Tartare und ein apartes Eigelb on top. Das Bœuf Tartare ist ganz wunderbar abgeschmeckt und duftet elegant nach Kapern, das Eigelb tut nachdrücklich, was es tun soll, und umhüllt das Tartare elegant-reichhaltig mit seiner Creme. Die Pommes Allumettes sind knusprig und kalt. Ich bin ehrlich, ich präferierte sie in warmer Variante. Frittierte kalte Kartoffeln bringen immer eine gewisse Bitterkeit mit, die ich hier im Kontext nicht wertschätzen vermochte. Nun, es isst wie es ist.
Es folgt eine Kürbissuppe. Sie beherrschte die hohe Kunst, uns zu verwöhnen. Heiß, duftend – köstlich. Sie wird cremig und würzig, mit Kokoscreme und Tahin angemacht, der Sesamduft steht ihr außerordentlich gut – wie auch der frische Crunch der Granatapfelkerne. Ein weiterer Levantegruß versteckt sich im Süppchen: geerdete Kichererbsen. Jeder am Tisch ist ein bisschen in diese Suppe verliebt. Ist so!
Derweil sind wir vom Champagner umgestiegen auf einen der offenen Weine, als da wären ein Chardonnay – Domaine Laballe Sud Quest von 2023. Und ich wünsche mir den Eins – Zwei – DRY Pinot Noir Rosé von Leitz im Rheingau ins Glas. Ein sehr zarter Schmelz und feine Frucht – ihn stelle ich mir sehr gut zum Spargel vorl!
Zum Hauptgang wechseln einige, auch ich, in unserer Runde auf den Sauvignon Blanc vom legendären Emil Bauer aus der Pfalz. Wie schon 2023 in der Flasche, auch 2026 im Glas mit seinen klaren, demokratischen Grüßen. Klassiker.
Meine Nachbarin bleibt in der Welt des Rosé und wählt eine Pinot Noir Cuvée (Weinberge in Wachenheim und Ruppertsberg) von Dr. Bürkling-Wolf (Pfalz, 2023)– und ja, diesen Wein werde ich mir definitv merken. Spannender Charakter, ein besonderer Rosé. Und ein Etikett, bei dem Rosmunde Pilcher schwach werden würde.
Ach, geht einfach mal Wein trinken im HERITAGE. Ist doch bald Frühling und die schöne Zeit auf der Terrasse nicht mehr weit. Hier lebt sich charmantes Brasserie-Feeling in Berlins schönster Jahreszeit an einer der beeindruckendsten Adressen dieser Stadt. J'en serais ravi. Zumal euch Der Alte Fritz hier ins Ohr flüstert: „Kein Mensch taugt ohne Freude.”
Nun, da, wo der Preußenkönig sein fröhliches Unwesen treibt, sind natürlich die Hugenotten in Berlin nicht weit. Es ist also kein Wunder, dass Küchendirektor Florian Glauert mit seinem Team sich der deutsch-französischen Cuisine verschrieben hat. Der gebürtige Berliner Glauert hat jahrelange Erfahrung in der Sterne-Gastronomie im In- und Ausland gesammelt.
So gelingt der nächste Gang sehr französisch – und spätwinterlich saisonal. Die Jus zum Short Rib duftet schon in Richtung unseres Tisches, da können wir unseren delikaten Hauptgang noch gar nicht erblicken.
Wat ’ne Soße! Das Short Rib ist butterweich und fällt von selbst vom beeindruckenden Knochen, der auf dem Teller durchaus eine visuelle Ansage macht. Dazu gibt es ein cremiges Kartoffelgratin. Wir erfreuen uns ob dieser Opulenz – ich mich insbesondere über diese glänzende Jus, die nach Port und rotem Gewächs duftet und einfach ein Geschenk ist!
Auch der Nachtisch hat (mittlerweile eingedeutschten) französischen Charme. Fondant au chocolat mit etwas Vanilleeis und eingelegter Kumquats auf einem Maracuja-Spiegel. Letzterer ergänzt auch meinem Teller. Meine Nachbarin, die Probleme beim Genuss von Nüssen hat, vertraut lieber alternativ auf die Collection von Sorbet, dem ich mich anschließe.
Das uns servierte, bildschöne Gemälde besteht aus einem sehr cremigen Bananen-, Erdbeer- und Veilchensorbet. Ach, Veilchen! Da lassen die, leider stillgelegten, Galeries Lafayette von um die Ecke grüßen.
Wir genießen einen aromatischen Espresso und beschließen den Abend beglückt, köstlich bekocht und vor allem so sehr charmant bedient von Sheila Scheidemann, der Food and Beverage Managerin im HERITAGE. Das Menü kostet derzeit € 99,—, mit Weinbegleitung zusätzlich für vier Gläser € 49,—, alkoholfreie Begleitung mit zusätzlichen € 39,— berechnet.
Selbstverständlich lädt das HERITAGE ein, auch à la carte zu dinieren, um jeden Gang des Menüs auch einzeln genießen zu können. Die Karte liest sich bonfortionös und lässt – naturallement – auch Vegetarier bzw. Veganer nicht verhungern! Wie klingt beispielsweise als Vorspeise Vatare HERITAGE – Jackfruit, Rote Beete Pilze, Rauchmaj – vegan oder Pilze à la Crème mit knusprigen La Ratte-Kartoffeln, Belper Knolle und schwarzem Trüffel?
Eben!
Restaurant HERITAGE
Charlottenstraße 51, 10117 Berlin
Homepage
Reservierung erbeten
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