Ich und mein Monk
Ich passe tatsächlich weitreichend in das künstlich geschaffene Weltbild eines Monks. Hängst du deine Bilder in nicht Millimeter gleich abgemessenen Abständen und Höhen auf und gibst ihnen zudem noch einen Schwung zur Schräghängung – und ich bin deine Freundin.
Nicht.
Das hat viel mit dem Thema Hochsensibilität zu tun. Monken schafft Ordnung, suggeriert Klarheit, lenkt die Antennen nicht ab, während sie Signale empfangen. Vermeintlich. Das ist so, damit lebe ich. Deutlich leichter, seit ich um die Zusammenhänge weiß. Mein Monk ist immer bei mir und tut mir nur geht so gut. Aber mittlerweile kann ich ihn hier und dann streicheln und ab und zu belustigt belächeln. Das ist natürlich auch das große Geschenk, das einem das Leben macht, wenn man dann das Glück hat, zur älteren Frau zu werden. Schrullige ältere Frau zu sein, es kümmert mich nicht mehr, was die anderen denken.
Dieses Monken hat beispielsweise dazu geführt, dass ich, seit ich selbständig wohne, nie farbige Wände in meinen Wohnungen hatte. Klassisch weiß, Raufaser – was anderen langweilig vorkommen mag, ist mein heiligster Schutz. Wenig Buntness hilft meiner inneren Ordnung. Da mutet es regelrecht wahnwitzig an, dass ich seit letztem Jahr überlege, eine Wand in meinem Wohnzimmer in einem zarten Türkiston tünchen zu wollen.
Tünchen. So ein schönes Wort! Wird auch viel zu selten verwendet: Ich tünche, du tünchst, wir tünchen. Lasst uns mehr tünchen! Naja, also nicht in meiner Wohnung, da nur die eine Wand, vielleicht. Es ist schon ein irrsinniger innerer Rock’n’Roll für mich, dass ich überhaupt darüber nachdenke.
Lange Einleitung. Kommen wir zurück zu meiner Monkigness oder heißt es Monkigkeit? Egal, bin ja eh für unglaubwürdige Wortschöpfungen bekannt. Mein Monk begleitet mich eher nach innen gerichtet. Dafür begleitet er mich ständig. Beispiele gefällig?
Wenn ihr Filme oder Fernsehen oder irgendwas mit Bildmaterial guckt, wo eine professionelle Maske ihre talentierten Finger im Spiel hatte, dann seht ihr Gesichter. Ich aber sehe weiße Striche auf der Oberlippe. Weil, der gehört da so hin! Das ist eine unumstößliche Maskenbildnerregel: Die Oberlippe gehört weiß gestrichen.
Keine Ahnung warum, vermutlich sieht dann die Lippe voller aus oder das böse harte Filmlicht zeichnet so weniger harten Schatten unter den Nasenbereich. Oder weil wir Zuschauer zu doof sind, das Ende der Lippen und den Anfang vom Philtrum zu erkennen. Dieser immer präsente Strich wird sicherlich einen solventen Grund haben, sonst würde er nicht ständig gezeichnet werden.
Nur: Ich sehe ihn. Und zwar ausschließlich. Er ist für mich das Element in einem Filmgesicht. Du kannst mich nach einem Film fragen, ob die Schauspielerin grüne oder gelbe Kontaktlinsen trug. Das weiß ich nicht, denn mein Monk und ich haben ausschließlich den weißen Strich auf der Oberlippe gesehen. Manchmal ist er so omnipräsent und überhaupt nicht verblendet, da möchte ich die jeweilige Täterperson in der Maske fragen, was sie sich eigentlich dabei gedacht hat.
Manchmal ist er ganz zart, kaum wahrnehmbar – dann entspannen Monk und ich uns sogar und können mit unseren Augen weiter hochwandern zum immer präsenten weißen Lidstrich im Auge, denn die müssen ja auch zwingend größer gezeichnet werden. Übrigens auch dann, wenn das Sujet der Schauspielkunst von Natur aus sehr große Augen bereits hat. Egal, Hauptsache Kuhauge gemalt.
Also … ich finde diesen weißen Lippenstrich völlig überflüssig und er nervt mich … seit immer. Er lenkt mich von allem ab. Von der Figur, dem Gesicht, dem Können des/der Schauspieler*in. Naja, nichtsnutziges Gegendere. Männer bekommen nämlich seltener weiße Lippenstriche gemalt. Außer Dragqueens, da wird auch der weiße Lippenstrich auf der Oberlippe gerne maximal überzeichnet. Nur, dort tut er meinem Monk inside weniger weh, weil bekanntermaßen Make-ups von Dragqueens nicht gerade eine Kunstform der Zurückhaltung sind.
So. Soviel zu meinem einen inneren Monk, der mich hart und zuverlässig seit Jahrzehnten begleitet. Ich habe mir diesen hässlichen Oberlippenstrich übrigens nie gezogen, als ich mich noch täglich sehr gerne geschminkt hatte, mit allem, was die Make-up-Industrie mir verkaufen wollte. Und ich freue mich sehr, dass ihr nun künftig auch nicht mehr in ein Filmgesicht gucken könnt, ohne diesen verderbten Strich wahrzunehmen. Herzlich willkommen in creezys Monkhausen!
Mein zweiter innerer Monk tanzt regelmäßig Pogo in … Kochsendungen. In Kochsendungen wird nämlich sehr gerne ein Plural eines Fachbegriffes einer uns fremden Sprache, der sich aber in den deutschen Sprachgebrauch eingemummelt hat, doppelt gebildet, der irrationale Plural verwendet: GnochiS.
Da zieht mein innerer Monk regelmäßig zum Sprung an. Jetzt gibt es eine relativ klare Regel in der – mittlerweile ziemlich aufgeweichten – deutschen Sprachregelung, vor allem zu Latinismen und Italienismen, die es in unseren alltäglichen Sprachduktus geschafft haben. Und das betrifft in der italienischen Sprache vorrangig wohl das Vokabular der Küche und Musik.
Wir benutzen im Singular eben jenen, also „den Gnocho“. Seltener „der Spaghetto“ (der kommt selten alleine), eher noch der Raviolo. Und verändern dessen Plural (o auf i) einfach nicht mit einem angelsächsischen „s” dazu. No way! Es bleibt auch in unserer Sprache der italienische Plural unverändert. Es sind Gnocchi. Spaghetti. Ravioli. Punkt.
Und das ist – ich rege mich da weniger über Kochshowkandidaten auf – aber sehr bei den Profis vor den Kameras, die dann immer wieder von GnochiS (also übersetzt Klößchenchen) oder RavioliS (Teigtaschenschen) sprechen. Immer und immer wieder. Das sind doppelte Pluräler – und glaubt es mir: „Doppelte Pluräler” das ist schon von Haus aus die allerhässlichste Wortkombination, die die deutsche Grammatik ihr eigen nennt!
Und jedes Mal, wenn Björn Freitag, dessen Wortschatz eh schon nur zu 78 % aus „Mega” und „Krass” besteht, obendrein acht Mal in einer Sendung seit über zwanzig Jahren „Gnochis” falsch sagt, ja, dann fühlen Monk und ich eine heftige Unwucht. Jedes verdammte Mal! Man, der Typ macht Food-Reisesendungen nach Italien – und bekommt es nicht hin im TV den korrekten Plural vom Gnoccho in seiner Heimatsprache zu bilden?!
Diese harte Unwucht fühlen Monk und ich ürigens auch, wenn Jurorin Sarah Henke immer wieder BruSCHetta sagt (ach so, wir sind bei der Küchenschlacht im ZDF – also im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, dem mit dem angeblichen Bildungsauftrag), anstatt Bruschetta mit hartem K, dann werde ich wirklich sauer. Bekommen die in ihren TV-Jobs wirklich keinerlei Spracherziehung? Oder überhaupt in ihren Jobs. Übrigens: Juror Thomas Martin bekommt die Pluralbildung eines italienischen Substantivs korrekt hin.
Wirklich, wenn mein 90-jähriger Nachbar mit DDR-Wurzeln das falsch ausspricht, geschenkt! Aber Moderatoren, Juroren, die in ihrem eigenen Kosmos und in ihrer eigenen Fachsprache – im öffentlichen Fernsehen – kommunizieren? Monk und ich können da einfach nicht amused sein.
Langes Blogpost, kurz gefasst: Ihr guckt halt TV, ich leide ständig, weil ich omnipräsent Dinge sehe oder Wörter höre, die meinem Monk die tägliche Dosis Extasy ist.
Hier übrigens sind ganz zauberhafte Pluräler der deutschen Sprache aufgeführt!
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Fröhlich sein, freundlich bleiben und bitte immer gesund wieder kommen!
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