2022-04-17

Apulien mit der Bahn – Trenitalia

Kann man in Apulien auf den Mietwagen verzichten und sich nur mit der Bahn (Trenitalia) fortbewegen? Man kann, sogar sehr gut, ich habe es im März 2022 ausprobiert.

Nachdem ich meine letzten beiden privaten Reisen nach Apulien auf großzügige Einladung von Carmen Mancarella im Familienappartement in San Foca, einer kleinen feinen Küstenstadt im Salento wohnen durfte, was ich so sehr genossen hatte, hatte ich mir für dieses Mal ganz bewusst vorgenommen, mich im Valle d’Itria umsehen. Diese nördlicher gelegene Region Apuliens teilen sich Bari als Metropolenhauptstadt und die Provinzen Brindisi und Tarent. Sie steht ganz besonders für die Trulli mit dem Spitzkegeldach, die je südlicher man reist, als halbförmige Kuppeln, Lamia, bis hin zu ganz flachen Dächern, die Pajare, haben. Das Valle d'Itria ist sicherlich eine der touristisch früher entdeckten und meist besuchten Gegenden Apuliens. Und glänzt mit wunderschönen Orten wie Polignano a mare, Alberobello, Locotoronto und Ostuni.

Bei meinem allerersten Apulienbesuch durfte ich einmal im Valle d’Itria an der Küste zu Fuße von Ostuni wohnen, alle anderen Pressereisen führten aber vor allem durch den Salento – so waren die bekannten Orte wie Monopoli oder Alberobello für mich noch weiße Flecken auf der apulischen Landkarte. Das wollte ich bei meiner sehr dringend nötigen Stadtflucht aus dem Covid-Berlin ändern. Insbesondere zu dieser Jahreszeit, die zwar wetterbedingt noch recht kühl und auch feucht sein kann, mit Glück aber auch schon sonnig und warm. Es ist die ideale Zeit für eine solche Erfahrung, denn jetzt lockt nicht ständig das Meer zum Baden. Und das Umhertingeln ist längst nicht so anstrengend, wie es das wohl bei den hochsommerlichen Temperaturen bei mit 45 Grad im Süden Italiens wäre. Also die perfekte Reisezeit, um sich Apulien zu erlaufen. Und das alles ausschließlich mit der Bahn als Zubringer! In Apulien ist in den vergangenen Jahren bezüglich Personennahverkehr sehr viel passiert. Die Region Apulien (Ferrovie del Sud Est) hat gemeinsam mit Trenitalia (und beide mit großzügiger Unterstützung der EU) viel Geld in die Hand genommen, um zu modernisieren. Bestes Beispiel: Die schnelle direkte Anbindung vom Flughafen in Bari in Richtung Stadt, Bari Centrale, dem Hauptbahnhof. Die vergangenen zwei Jahre bin ich ab dem Flughafen in Bari (Aeroporto di Bari-Palese “Karol Wojtyla) mit der Aeroporto-Metro (Metro Ferrovia Metropolitana FM1/2) zum Hauptbahnhof nach Bari C.le FNB (eigener Bahnhof am Hauptbahnhof) bzw. Bari Centrale gefahren, um dann von dort aus mit dem Zug der Ferrovie del Sud Est weiter nach Lecce zu reisen, wo mich Carmen liebenswerterweise mit dem Auto abgeholt hatte. Diese ersten Zugerfahrungen haben mich vom Bahnfahren in Apulien schon begeistert und mir Appetit auf mehr gemacht. So kam es zu meiner Idee das Valle d’Itria, natürlich mit Abstechern in den Salento und in die Basilikata mit dem Zug zu erfahren.

Fazit vorab: Das funktioniert sehr wunderbar, komfortabel und absolut zuverlässig! Ich bin in den letzten drei Jahren in Apulien in nun insgesamt 31 Züge eingestiegen – und es waren alle Zugvariationen dabei – von der alten Holzklasse in den Randgebieten über die – von der EU mitgeförderten – modernen Züge im Personennahverkehr mit denen man sehr schnell vom Norden bis in den Süden in 2,5-3 Stunden rauschen kann ab Bari. Es war ein oller Nightliner aus dem letzten Jahrhundert und der moderne Schnellzug von Trenitalia, als auch die Modelle im Verbund der Basilicata dabei. Ein wirklich reichhaltiges Angebot, das mich als Bahnfan doch sehr glücklich gemacht hat. Man reist sehr gut, verlässlich, erstaunlich flexibel und allermeist sehr pünktlich. Erschreckend pünktlich – deutscher DB-Sicht.

Apulien investiert in modernen Zugverkehr


Ein im Jahr 2018 gezeichneter Dienstleistungsvertrag zwischen Trenitalia und Ferrovie del Sud Est, dem Bahnanbieter der Region Apuliens sieht vor die Zugflotte von Apulien komplett zu modernisieren. 43 neue Züge, die im Erscheinungsbild blau-silber mit einem orangefarbenen Schriftzug „pop” daherkommen, wurden bestellt und werden seit 2021 stückweise in Betrieb genommen. Über zwanzig Züge sind jetzt bereits auf den Schienen im Einsatz. Der Vertrag sieht eine Laufzeit bis 2032 vor und hat ein Investionsvolumen von insgesamt 350 Millionen Euro. Davon entfallen 288 Millionen Euro alleine auf den Kauf der neuen Züge. 123,5 Millionen Euro bezahlt die Region Apulien, ein Teil davon dürfte aus dem Förderungstopf der EU stammen –und scheinen mir sehr gut angelegt. Immerhin: Noch 2017 betrug das durchschnittliche Alter der in Apulien im Einsatz befindlichen Flotte 27 Jahre, dieses wurde mit den Investitionen auf junge vier Jahre gesenkt. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 160 km/h fährt der neue Pop (Alstom Coradia-Stream) elektrisch (Oberleitung) und mit den neuesten energetischen Standards. 97 % des Zuges sind komplett receyclebar. Die einstöckigen Züge transportieren in der längeren Variante mit vier Waggons (ETR 104) 530 Personen (bei 300 Sitzplätzen) in der kleineren drei Waggonvariante (ETR 103) fahren 400 Personen mit bei 200 Sitzplätzen. Bis zu acht Fahrräder können transportiert werden, wobei hier je nach Jahreszeit und Bedarf mit Umbauten die Züge auch jederzeit variabler zu bestücken sind. (Quelle: FS News)


Vorurteil: Alle Italiener sind unpünktlich – auch die Bahn? Ganz im Gegenteil!

Pünktlich heißt von 31 Zugfahrten hatte ich insgesamt vier Verspätungen – zwei Mal kam der Zug ca. fünf Minuten zu spät an, holte diese Verspätung aber während der Fahrt wieder rein, so dass ich in den Zielbahnhöfen wieder pünktlich landete – und mir bei einer Reise sogar noch wider Erwarten einen früheren Anschlusszug mit der Trenitalia App buchen konnte. Eine Verspätung von 20 Minuten hatte bei meiner allerersten Reise der Metroexpress vom Flughafen zum zentralen Bahnhof in Bari, auf diese Verbindung entfiel auch die eben beschriebene fünfminütige Verspätung mit dem Anschluss. Die Verspätungen waren aber immer ab dem Flughafen, hin zum Flughafen war der Zug immer pünktlich. (Mit der DB bin ich in der Zeit deutlich seltener gefahren, bin dafür fast immer unpünktlich angekommen.)

Die längste Verspätung hatte ein Zug, 60 Minuten, den ich im letzten Jahr ab Bari nach Lecce gebucht hatte. Da hatte ich mir spaßeshalber den teureren Schnellzug gegönnt, der in anderthalb Stunden nach Lecce fährt für knappe 20 Euro – vorher aber auch das halbe Italien schon durchfahren ist. Hätte ich weniger geizig gebucht, hätte ich aber problemlos auf zwei früher fahrende Züge umbuchen können. So blieb es bei etwas Wartezeit, von mir versüßt mit einem Apérol Spritz in der von mir mittlerweile sehr lieb gewonnenen Bahnhofsbar am Bari Centrale, der gnadenlos gut gemixt war (Leute, solche Spritz‘ gibt es in Deutschland gar nicht!). Ich bin dann doch leicht angegangen später im tollen Zug eingestiegen mit (im Preis inkludierten) Sitzplätzen als auch Trinkwasser am Platz auf mich wartend. Übrigens direkt mit einer E-Mail im Account, die mich über die Verspätung informierte und mit direktem Link zum Gutschriftsbereich, da ich anteilig darauf Anspruch hatte. Ja, da habe ich geguckt! Tatsächlich ist das Herumreisen mit der Bahn in Apulien schon deswegen eine kluge Variante, weil bis auf ganz wenige Ausnahmen (ich kenne nur Ostuni) alle Bahnhöfe üblicherweise inmitten der Städte liegen, dabei sehr oft auch sehr nahe an den Altstädten (Centro Storico). Gerade in der Hochsaison kommt man mit dem Auto dorthin nicht mehr so bequem. Nur der Bahnhof von Ostuni liegt unterhalb der Stadt im Industriesektor und – will man auf den Bus nicht warten – bietet einen 50-minütigen Fußweg hoch zur Stadt. Der aber trotz Landstraße (wie in Italien üblich ohne Fußweg) ganz angenehm zu bewältigen ist (man kann auch alte, schönere Wege nehmen, die so gut wie gar nicht befahren sind aber den Spaziergang etwas in die Länge ziehen). Schlussendlich führt der Weg an Olivenbaumplantagen entlang, die die ältesten Olivenbäume Europas beherbergen. Ihnen zu begegnen ist ein besonderes Erlebnis! Jetzt im März blühen überall der wilde Borretsch und so viel mehr schöne Pflanzen. Ein an der Strecke liegender Baumarkt bzw. später Olivenölproduzent mit Salumeria bieten ebenfalls Abwechslung. Der Weg erschien mir zeitlich schneller gegangen als er es tatsächlich war, trotz der Steigung – zumal Ostuni perspektivisch sehr schnell näher kommt, das ist schon eine faszinierende Motivation für sich.

Aber sonst liegen die Bahnhöfe meist so, dass man in lässigen 10-15 Minuten entweder das Meer oder die jeweilige Sehenswürdigkeit, meist das Centro Storico, zu Fuß erreicht. Geraden Weges. Es ist ein Traum! Und im Grunde hat fast jeder Bahnhof eine kleine Bar, wo man sich die Wartezeit auf den nächsten Zug mit einem Café und kleinen Imbiss verkürzen kann.


Tickets

Die Tickets zieht man entweder am Automaten, die einen in perfektem Deutsch durch die Kaufabwicklung geleiten (für meinen Geschmack zwei unnötige Klickschritte zu viel, eine zweite Kaufbestätigung und Erklärung, wie man bezahlen möchte mit nochmal OK-Button nach der Auswahl.) Die Automaten von Trenitalia sehen sich übrigens in der Lage das Wechselgeld auch in Scheinen auszugeben.

Am Anfang wird man – bei externer Sprachauswahl – oft von einer freundlichen Automatenstimme darauf hingewiesen, man möge generell auf sein Gepäck sehr gut aufpassen, weil auch in Italien üble Dinge passieren können. Die Tickets sind allermeist auf Datum, Zeit und Zug fixiert und müssen noch einmal am Bahnhof gescannt werden. Auf den kleineren Bahnhöfen ist es üblich, dass die Automaten, auch Ticketscanner, nur auf der einen Seite des Bahnhofes befinden. Tatsächlich kann es passieren, bucht man in einer Fremdsprache, dass man ein anderes und größeres Ticket ausgedruckt bekommt (auf dem dann zwar alles in deutsch steht – aber nicht mehr der Zug noch Abfahrzeit ausgewiesen ist) das scannt dann der Schaffner im Zug. Tickets, vor allem die Tickets der App, werden generell im Zug via Tablett gescannt, so ich es beobachtet habe, kann man im Ausnahmefall mit Kreditkarte auch beim Schaffner es während der Fahrt kaufen.


Ticket kaufen mit der Trainitalia App

Die Trenitalia App zu installieren, kann ich herzlich empfehlen. Tolles Teil! Sie ist informativ, schnell und intuitiv programmiert – und hübsch anzugucken. Sie funktioniert auch in deutscher Sprache (dto. Englisch/Französisch/Chinesisch) hervorragend. Die Serviceseiten sind meist nur auf Englisch. Bezahlt habe ich immer über ein Gelddepot bei Paypal. Mit der Kreditkarte funktioniert es natürlich auch.

Man hat die Tickets auf dem Smartphone und kann so sehr gut zeitlich flexibel im Voraus das Ticket kaufen. Ich fand es besonders angenehm bei meinen beiden Touren für die ich sehr früh aufstehen musste und am Vorabend nicht sicher war, ob ich nicht vielleicht doch liegen bleiben möchte. So bucht man nach dem Aufstehen schnell am Frühstückstisch sein Ticket oder auf dem Weg zum Bahnhof – und hat dort vielleicht noch Zeit für noch einen schnellen Cafè.


Transport für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung

Wer auf besondere Betreuung für die Nutzung der Züge angewiesen ist, Hilfe beim Gepäck benötigt bzw. Geleit zum Zug bei z. B. Seheinschränkungen, wendet sich während üblicher Büorzeiten an Sala Blue telefonisch oder via Homepage, um eine Assistenz zu buchen. Auf den Bahnhöfen sind üblicherweise mobile elektrische Hebestühle verfügbar. Die neueren Zugmodelle sind barrierefrei zu erreichen – ein extra Knopf an der Tür fährt im Bedarfsfall eine kleine Rampe aus. In Bari habe ich auch einen Caddy als Transportmöglichkeit zum Zug im Einsatz gesehen. Verfügbar ist dieser Service lt. Trenitalia an über 330 Bahnhöfen in Italien.


Und wenn es mal nicht klappt?

Tatsächlich hatte ich lediglich zwei Mal Probleme mit einem Ticket. Bei dem Ticket, das ich im Verbund in die Basilikata gebucht hatte, hatte der Schaffner aus irgendeinem Grund mein Ticket im Zug angeguckt, abgenickt aber nicht gescannt. In Bari hatte ich schon ein Problem durch die automatischen Ticketschranken auf den Bahnsteig zu kommen, da half mir dann noch ein freundlicher Reinigungsmitarbeiter mit Blick aufs Ticket aus. Leider kam ich aber so auch in Matera nicht durch die automatische Ticketschranke auf dem Bahnhof hinaus. Problemlösung unkompliziert nach kurzer Konversation über den Notschalter. Vielleicht hätte ich das Ticket bei meinen Umstiegen nochmals im eigenen Verbund freischalten müssen? Am Abfahrtag hatte ich mir nochmals einen Schalterkauf am Bahnhof gegönnt. Der Automat kassierte mein Geld, druckte aber das Ticket nicht. In diesen Minuten funktionierte kurzfristig die App auch nicht – und so fuhr der Zug ohne mich (es war etwas knapp getimet, gebe ich zu). Da ich immer noch ratlos vor dem Automaten stand als der Zug abgefahren war, bemerkte ich dann aber doch, dass er mein Ticket fünf Minuten zu spät druckte. Und zwar just als ich gerade wieder online buchen konnte. An dem Tag gab es generell wohl Probleme mit der Technik. Passagiere eine Station nach meiner stiegen mit dem gleichen Problem in den Zug und konnten das Ticket dann beim Schaffner erwerben, es erfolgte dann auch eine Durchsage im Zug. Vermutlich hätte ich die € 3,40 auch wiederbekommen können, habe mir jetzt aber den Aufwand von Berlin aus gekniffen.

Die Mitarbeiter auf den Bahnhöfen und in den Zügen habe ich immer sehr freundlich, zugewandt und als absolute Dienstleister erlebt. Im Grunde stehen auf den größeren Bahnhöfen – vor allem auf denen mehrgleisig umgestiegen werden kann – immer Mitarbeiter, die einem umgehend den Weg weisen. Wenn man nur suchend guckt, wird man schon angesprochen und teilweise sogar freundlich begleitet. Es ist ein sehr angenehmes Erleben in Apulien mit dem Zug zu reisen.

Dieser Support ist noch intensiver vorhanden, sobald es auf einem Bahnhof durch Bauarbeiten möglicherweise zu Schwierigkeiten für den Fahrgast kommen kann.


Sonderfall Covid und Toiletten

Übrigens auch in dieser Covid-Zeit, klare Ansagen auf den Bahnhöfen und in den Zügen, freundlich aber bestimmt. Schaffnerinnen, die auch sehr bestimmt bis irgendwann sehr ärgerlich viel größere Männer aus den Zügen verweisen, wenn sie nur eine medizinische Maske tragen wollten. (Tipp: In jeder italienischen Schaffnerin steckt eine Mama. Und mit La Mama streitest Du besser nicht!) In den Zügen sind bestimmte Türen zum Einstieg und zum Ausstieg reserviert, das definiert den Gehfluss in den Zügen. Die Ansagen zu Covid-Regelungen hierfür erfolgen regelmäßig in italienischer und englischer Sprache. Letztere Ansage ist freundlich formuliert, lässt aber deutlich auch keine Ausnahme zu im Regelwerk. In den Zügen an den Türen stehen automatische Desinfektionsmittelspender, die der Italiener übrigens auch gerne benutzt beim Ausstieg. Auf den Bahnhöfen befinden sich immer Toiletten, manchmal muss man 50 Cent investieren, manchmal ist die Nutzung gratis. Sauber waren sie immer. Ich bin allerdings auch in keinem einzigen Zug ohne Toilette gefahren – selbst die Holzklasse konnte mit hygienischen Orten aufwarten. In der neuen Zuggeneration befinden sie sich in der Mitte des Zuges, waren bis auf eine Ausnahme auch immer sauber – und vor allem immer einsatzbereit. Und bei den modernen Zügen wird im Screen angezeigt, ob sie gerade besetzt ist oder nicht. In diesen Zügen sind die Toiletten auch behindertengerecht, große automatische Türen und Platz für zumindest einen analogen Rollstuhl/Rollator.)


Preise – und was kostet es?

Wenig. Ich empfinde das Bahnfahren in Apulien absolut als günstig. Die Kosten für ein Ticket lagen zwischen € 1,10 von Monopoli nach Polignano a mare, das fünf Minuten Fahrzeit von Monopoli entfernt liegt und bis zu € 3,40 von Monopoli nach Bari (30 Minuten). 3,40 Euro ist für viele Entfernungen rund um Monopoli der Standardpreis. Bis nach Lecce zahlt man € 8,40, weiter nach Otranto € 12,– drei Umstiege oder für die schnelle Variante (3h) € 19,10 – mit zwei Umstiegen. In die Basilikata bin ich ebenfalls drei Mal umgestiegen, man fährt ca. drei Stunden hin und zahlt auch hierfür lächerliche € 8.60 nach Matera Villa Longo. Die Verbindungen haben immer super geklappt, der nächste Zug stand im Bahnhof und hat auf den Zubringer schon gewartet. Kurze Frage an den Mitarbeiter auf dem Bahnhof, der den richtigen Zug bestätigt oder einfach mit der Masse mitlaufen und schon geht es weiter. Ich fand die Umstiege immer super gut und kundenfreundlich organisiert. Natürlich sind die Bahnhöfe auch deutlich kleiner als in unseren Großstädten.

Kinder unter vier Jahren Lebensalter fahren kostenlos, Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr erhalten 50 % Ermäßigung. Es gibt hierzu allerdings in den einzelnen Regionen Italiens immer wieder andere Regelungen, das gilt es bitte zu beachten.

Es gibt auch spezielle Angebote, sogenannte Fahrscheinhefte (Carnet) mit mehreren Fahrten, die für bestimmte Zeiträume eingekauft werden können und kleine Preisnachlässe offerieren. Die Trenitalia SM ist die Monatskarte. Über diese Angebote informiert die Homepage von Trenitalia.


Ab Aeroporto Bari Palese – Metro Ferrovia Metropolitana FM1 (gelb) bzw. FM2 (grau)

Vergleichsweise teuer ist die verkürzte Zugverbindung vom Flughafen in Bari zu Bari F. Le Cle (Metro Ferrovia Metropolitana FM2), die sogenannte gelbe Linie.
Über den seitlich gelegenen Flughafenausgang liegt das Terminal unterirdisch – für den barrierefreien Fußweg mit Ticketkauf sollte man gemütliche fünfzehn Minuten einrechnen bei etwas mehr Publikumsverkehr bzw. Gepäck. Zehn Minuten sind auch machbar, wenn man schnell ist. Die Fahrt selber dauert ca. 20-30 Minuten. Zehn Minuten länger dauert die Fahrt mit dem Regionalzug, graue Linie, der öfter hält – hier sollte man ca. 30 Minuten bis zur Ankunft einkalkulieren. Das Ticket kostet hier € 5,10 für die Fahrt nach Bari Centrale (Busvarianten €1 u. € 4.) Die Züge sind – gelb – neu modern, mit USB-Ladevorrichtung. Persönlich finde ich, die Züge dieses Prestigeprojektes dürften außen öfter durch die Waschanlage geführt werden. Man kommt mit den Zügen sehr schnell und komfortabel in die Stadt direkt zum zentralen Bahnhof – und hat vom Seitengleis vielleicht drei Minuten Fußweg zum Hauptbahnhof, der allerdings einige Gleise mehr vorhält und auch auf einer oberen Ebene die Zuganbindung in die Basilikata bereit stellt. Schade aber die Tickets der Metrolinie (die nicht wirklich unterirdisch verläuft) können nicht mit der Trenitalia App gebucht werden (aber sie liefert die Abfahrtzeiten bzw. Fahrdauer). Am Flughafen sitzen aber immer freundliche Mitarbeiter die am Counter Tickets verkaufen (per Kreditkarte) oder hilfsbereit das Ticket am Schalter mit Bargeld ziehen. Zugang zum Bahnhof nur mit Ticket über die Ticketautomaten (die übrigens von oben scannen). Reise mit dem Fahrrad

Erscheint in der Buchungsspalte das Fahrradsymbol, kann ein Fahrrad im Zug mitgenommen werden – die neueren Pop-Zugmodelle haben hierfür bestimmte Bereiche, die man von außen deutlich erkennen kann – wie bei uns auch. Ein Ticket kosten derzeit € 3,50 zusätzlich zum eigenen Ticket und ist 24 h ab Entwertung gültig – zu erwerben am Schalter. Auch dieses Ticket muss vor der Fahrt entwertet werden! Dies gilt für die Regionalzüge.

In den Zügen im internationalen Verkehr greift man mit € 12 deutlich tiefer in die Tasche. Aber auch hier gilt, dass das nur in Zügen möglich ist, die den Radtransport explizit ausweisen.

Diese Regelung gilt für fahrbereite Räder. Sind sie zerlegt im Karton oder können zusammengeklappt transportiert werden, ist die Mitnahme sogar kostenlos.

Bei der Rückfahrt zum Flughafen musste ich erleben, dass ein junger Reisender aus Bukarest mit Fahrrad den aktuellen Metro-Zug nicht mit dem Fahrrad besteigen durfte (der Zug hatte eine gediegene Lederausstattung). Also da immer gut aufpassen, dass es da in der zeitlichen Verbindung für Radreisende komplikationslos funktioniert. Sehr schade für mich, wir hatten uns gerade so gut über das Radfahren in Apulien unterhalten.


Und der Personennahverkehr mit dem Bus?

In der Trenitalia App werden übrigens generell Verbindungen mit Bussen ausgewiesen, leider aber kann man Bustickets dort nicht buchen (dazu muss man immer zuerst eine Verkaufsstelle mit „Biglatteria”-Logo suchen, meist in Tabak- bzw. Lottoläden zu finden) und sollte dann eine Ahnung haben, wo der jeweilige Bus abfährt. Ich hatte zwar auf dem Plan dieses Mal auch Busreisen auszuprobieren, ich wäre ab Monopoli z. B. nur mit dem Bus nach Alberobello gekommen, hatte mir diesen Ausflug wegen einer zweiten Tour in den Salento von der Liste gestrichen.

Beim nächsten Mal fahre ich Bus. Fragt aber bloß keine Apulier nach Bussen noch nach Haltestellen, euch wird lediglich ein großes Fragezeichen antworten. Dabei finde ich auch diese, von außen zumindest betrachtet, sehr neu und komfortabel. Ich habe zu Buslinien/-verbindungen bisher auch online nicht wirklich etwas Aussagefähiges finden können.

Aber – während im Salento Bushaltestellen wirklich als solche nicht so leicht zu erkennen sind – wir reden von einer Stahlstange mit einem Papierzettel daran, wenn es gut läuft, dann kann ich für das Valle d’Itria sagen, dass einem hier die Haltestellen schon sehr viel deutlicher präsentiert werden.


Fazit

Ich kann nicht für die Zugnutzung anderer Regionen Italiens sprechen aber Apulien hat die der Region einst von der EU zugewiesenen Förderungen als Region 1-Fall (besonders förderungswürdige, weil sehr arme Region innerhalb der EU) das Geld ganz hervorragend und klug in den Personennah-/-fernverkehr investiert, finde ich. Es ist weitestgehend ein zuverlässiges, schnelles, sauberes und komfortables Reise – und wird mit noch mehr dieser neuen Pop-Züge in der Qualität zunehmen.

Gerade in den der Pop-Reihe hat jeder (!) Sitzplatz eine eigene Steckdose oder USB-Buchse unter dem Sitz, alternativ USB-Buchsen im Metroexpress.

Kleiner Sicherheitshinweis: Überall in Italien ist es natürlich verboten über die Gleise zu steigen, um auf die andere Bahnhofsseite zu gelangen. Es tun trotzdem immer wieder Fahrgäste. Ich habe nun zwei Mal erlebt, dass die Durchsage, die ich als Touristin für die vermeintliche Ankunft meines Zuges hielt, dann doch nur die Durchsage für eine noch mal eben schnell auf dem gleichen Gleis erfolgende Zugdurchfahrt war, die ich als solche nicht verstanden habe mangels Sprachkenntnis. Und habe mich zwei Mal extrem erschrocken, denn diese Züge fahren nicht gedrosselt durch. Gleisüberquerungen würde ich mir wirklich kneifen wollen – auch wenn es manchmal so attraktiv wirkt. Ach und in italienischen Zügen wird tatsächlich noch die obere Gepäckablage benutzt – bevor Gänge oder Türen zugestellt werden.

Beachten sollte man, dass in Apulien eine echte Mittagsruhe noch sehr verbreitet ist. Auch Kinder halten hier gerne ein Stündchen Mittagsruhe nach dem Essen. Das hat zur Folge, dass zwischen 13:00-15:00 Züge nicht mit der sonst üblichen Frequenz fahren, oft fährt nur noch ein Zug um ein Uhr, der Nächste erst wieder um 15 Uhr oder sogar später. Diese Züge können dann sehr gut besetzt sein und danach ist erst einmal auch bei der Bahn spürbar Siesta.

Vielleicht habe ich hier und dort etwas Flexibilität in der zeitlichen Gestaltung meines Urlaubs abgeben müssen, den ich mit einem Auto gehabt hätte. Weh getan hat mir das nur einmal wirklich – in Otranto, da musste ich relativ früh am Nachmittag den letzten Zug nach Lecce schon nehmen. Während ich in Lecce wiederum bis 21:00 Uhr noch x-viele Züge zurück nach Monopoli hätte nehmen können.

Aber ich bin sehr entspannt durch die Tage und durch das Land gekommen, außerordentlich bequem sitzend. Ich musste keine Parkplätze suchen bzw. Tickets für sie bezahlen, hatte dafür schöne Begegnungen mit den Menschen auf den Bahnsteigen bzw. in den Zügen, teilweise sehr leckere Erlebnisse in den Bahnhofbars und konnte wundervolle Eindrücke vom Land gewinnen.

Und bin mit knapp 80 Euro in den neun Tagen davon an drei Tagen mit längeren Touren, finde ich, sehr günstig unterwegs gewesen. Also ich würde es jederzeit wieder so tun – und vielleicht kneift man sich einmal das Auto, wenn man in Bahnhofsnähe wohnt und probiert es selber aus im Urlaub, das entspannte Reisen mit Trenitalia in Apulien!

Kleine Spaßnachricht am Ende: Ferrovie del Sud Est hat 1995 die zwei in den Dienst genommenen Schneepflugzüge abgeschafft. Offensichtlich glaubt man dort an echte Winter nicht mehr!

2 Kommentare:

Barbara hat gesagt…

Danke für die vielen Tipps!
DAs klingt für mich viel entspannter als mit dem Auto.

creezy hat gesagt…

@Barbara
Dankeschön! Ja, also ich denke zumindest in der Hochsaison, wo sich da unten dann doch die Autos eher stauen (und man wirklich nicht mehr weiß, wo man parken kann), ist Bahnfahren eine sehr gute Alternative. Womöglich sind sie dann sogar noch leerer als sie es jetzt waren, wenn die Unis/Schulen geschlossen sind?

Ich für meinen Teil bin absolut überzeugt mit dieser Form des Reisens da unten. :-)

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