2014-12-04

Mützenabstinenzaufgeberin

Ich habe das letzte Mal eine Mütze getragen als mich meine Mutter noch dazu zwingen konnte. Ich habe Dinge auf dem Kopf per se immer als sehr unangenehm empfunden. Als endlich in den städtischen Badeanstalten der Badekappenzwang fiel, war ich die erste, die „Hallelulja” geschrien hatte. Bin aber trotzdem nicht viel öfter dort schwimmen gegangen.

Ich kann problemlos Mützen und Hüte hübsch bis schick finden, solange sie nicht an mir kleben. Ich finde sogar Mützen drollig an erwachsenen Personen, die sie als pinkes Bärchen outen. Wer es mag, näch?! Ich selbst fühle mich irgendwie eingeschränkt. Ich kann problemlos nasse Haare bekommen, obwohl ich eine Kapuze an der Jacke habe. Und ich friere mir lieber auf dem Rad die Ohren ab – was ich nicht wirklich tue, denn ich trage ja Naturmatte – um ja keine Mütze zu tragen.

Neulich wanderte ich mit einer Freundin und den zehn Monate alten Nachwuchs (voll dick eingemummelt mit Doppelmütze) über den Weihnachtsmarkt und überlegte laut: „Ich überlege, ob ich nicht mal dieses Jahr eine Mütze tragen sollte im Winter.” Die Freundin (Mützenfan in allen Variationen mit der größten Mützensammlung der Welt, wie sich ein paar Tage später herausstellen sollte) gleich hochbegeistert: „Oh ja, und Du kannst Dir ja eine nähen!” Ich guckte zweifelnd. „Hihi, oder Du kannst Dir ja eine stricken!” (Sie selbst ist eine der kreativsten Personen, die ich kenne, hat es aber nicht so mit nähen oder stricken. Sie ist mehr so der Typ „Baumhaus schnitzen”.) Nun guckte ich entgeistert. „Ich wollte erst mal nur vielleicht eventuell eine Mütze tragen. Ich wollte es nicht gleich übertreiben und in die Produktion gehen.”

Mir lief nichts Mützenansnprechendes über den Weg.

Einige Tage später, ich hatte die völlig bekloppte Idee bereits wieder an den Nagel gehängt, war ich bei ihr, um den Zwerg zu bespaßen, damit die Mutter ein paar Stunden ihrem Broterwerb frönen konnte. (Sie coloriert u. a. Masken für Trickfilme und Kinderbücher. Sehr kreativ, sage ich doch!) Da öffnete sie mir ihren Handschuh- und Mützenschatz, immerhin zwei Ikeakisten voll, und suchte mir eine Mütze aus.

Ich setzte die brav auf. Betont bemüht. „Nein, so nicht.” Sie riss mir die Mütze vom Kopf und zog sie mir beherzt (meine Locken!) auf den Kopf, in die Stirn und merkte an, „so, jetzt siehst Du aus wie Sarah-Jessica Parker.”

Das war Montag. Seitdem trage ich Mütze. Seit ich Mütze trage krepel ich ein bisschen mit Halsschmerzen rum, heute besonders. Aber das muss ja nicht an der Mütze liegen. Langsam lerne ich die Vorteile des Mützentragens wertzuschätzen. Ein Vorteil ist, und das konnte ich nun wirklich nicht vorher wissen, es ist tatsächlich warm darunter. Angenehm warm. Ein weiterer Vorteil, der in dem besonderen Nachteil einer Mütze inkludiert ist, die Haare sehen immer sch… aus. Also die Frise sieht immer sehr bescheiden aus. Daraus resultiert aber der prima Vorteil, dass man sich um den Kopf kaum noch Gedanken machen muss. Also bestimmt muss man sich nicht mehr nur den Kopf waschen, damit die Locken wieder schön liegen.

Gestern kam die Freundin zu Besuch und ich, geduscht mit geputzten Zähnen aber aus irgendeinem Grund die Bürste aktiv ignorierend, öffne die Tür. „Ha, Deine Haare sehen heute ja gut aus. Warst Du beim Friseur? Hast Du die glatt gefönt? Total schön. Hihi.”

Ich so: „Nein, ich trage seit drei Tagen Deine Mütze. Die Haare sind heute noch ungekämmt. Denn das ist ja eh egal, wenn man eine Mütze trägt.”

Fazit: eine Mütze wärmt. Sie schränkt mich aber trotzdem gefühlt irgendwie ein, besonders beim Rad fahren. Wobei sie dabei wiederum besonders wärmend wirkt. Das Thema Frisur ist ein sehr eigenes, in seiner Wirkung noch unentschiedenes.

Aber wenn's schee macht!

4 Kommentare:

Manuela Hamm hat gesagt…

Hihihihi :-)
das kommt mir doch sehr bekannt vor. Hab auch lange keine Mütze getragen .... außer natürlich im Skiurlaub. Da ich ja sehr dicke Haar habe, hat das immer gereicht. Ich bin allerdings an den Ohren sehr empfindlich geworden. Und in der Regel reicht dann ein Stirnband. Aber wenn die Temperaturen dann doch weit in den Minusbereich wandern, und es dazu windig ist, wird die Mütze hervorgeholt. Und ich hab ja auch ein ganz nettes Modell - aus Antholz, mit nem Biathlon-Emblem darauf :-)
Und die ist wirklich kuschelig. Und da meine Haare ja auch von glatter Natur sind, werden auch keine Locken verdrückt.
In diesem Sinne, genieße deine Mütze :-)

Anonym hat gesagt…

Würde ich eine Mütze auf diesem Planeten finden, die schee macht - ich schwöre, ich würde sie tragen. Eine Freundin trägt traumhafte Filzkappen. Ich erblasse jedesmal vor Neid.
Bei uns gibt's den Spruch: Du siehst aus, wie ne Katze unterm Kleiderschrank. Ich!
Unmützige Grüße
FF

Memoto hat gesagt…

Als Mann in fortgeschrittenem Alter, wo die Haare vom Kopf ins Gesicht und auf den Rücken rutschen, weiß ich den Vorteil einer Kopfbedeckung ganzjährig zu schätzen.

In Frühling und Herbst kleiden mich Basecaps, im Winter Pudelmützen (sehr gerne von der besten Ehefrau gestrickt oder aus dem Riesenüberraschungsei) und im Sommer schützen Bandanas. Die Möglichkeiten sind unendlich! :-)

nömix hat gesagt…

Insbesondere beim Radfahren trägt eine Wollmütze zu Ihrer Sicherheit bei. In Österreich hat man einen Aufpralltest durchgeführt, indem aus 50 Meter Höhe ein Fahrradhelm sowie eine Wollmütze auf ein Betonfeld runter fallengelassen wurden. Testergebnis: Helm kaputt, Mütze unbeschädigt.

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