2014-10-12

Maispoularde mit Chili, Zimt, gelber Beete und Raps-Tagliatelle und eine Rapsölution

Vergangenes Wochenende bin ich Rapsöl begegnet. Also neu begegnet. Rapsöl habe ich bisher immer leidenschaftslos in die Ecke „gut zum Frittieren” einsortiert. Selbst für die Mayonnaise war meine erste Wahl eher Sonnenblumenöl. Ich wäre im Leben nicht darauf gekommen mit Rapsöl eine Vinaigrette zu mixen oder es als Alternative zu den vielen Gelegenheiten einzusetzen, bei denen Olivenöl bei mir an erster Stelle stand. Während ich keine Gelegenheit auslasse, Olivenöle zu verkosten und mir gerne hier und da ein sehr Gutes gönne, hatte ich in der Küche nie die Idee, Rapsöl pur zu kosten. Alleine schon der Gedanke Rapsöl könnte anders als nur neutral schmecken, der tangierte mich irgendwie nie.

Auf der Berlin Food Week bin ich dann letzten Samstag an dem Stand von SpeiseGut hängen geblieben, denn dort gab es neben der Öl-Verkostung eine nette kleine Ölpresse, die laufend vor Ort frisches Öl produzierte. Und zwar: Rapsöl. Das es dann auch mit leckeren Brotstücken zum Verkosten gab. Just in diesem Moment hatte ich meinen persönlichen kleinen Rapsöl-Moment. Ich schmeckte ein sehr intensiv nussiges Öl mit einer recht herben Note im Abgang. Dieses war deren gefiltertes Rapsöl. Es wird nach der Pressung eine Woche in Ruhe gelagert und dann erst gefiltert.



Ich hatte nicht eine Sekunde lang Zweifel, dass man mit diesem Öl ein Bruscetta genauso intensiv schmeckend hinbekommen könne, wie gewohnt mit einem guten Olivenöl.

Das direkt vor Ort gepresste Öl, mit dem aparten Grünstich eines kalt gepressten Olivenöls, schmeckte mild aber auch nussig – jedoch im Charakter seines Geschmackes deutlich neutraler.

Ich hatte an der Stelle also meinen persönlichen Aha!-Moment. Beziehungsweise war das überhaupt DER Aha!-Moment auf der diesjährigen Berlin Food Week: Rapsöl mit viel Geschmack. Dieses Öl schien mir erstmals eine echte Alternative zum mediterranen Gold zu sein. Hier jedoch regional produziert mit von Neuland zertifizierten Zutaten, gepresst in Berlin an der Havel – im schönen Kladow, meiner alten Heimat. Es gibt bei SpeiseGut auch andere frisch gepresste Öle.

Der zu Pellets gepresste Raps wurde aufgefangen und ebenfalls verkauft. Die Verkäuferin erklärte uns, diese könne man diese als Snack knabbern, daraus ein Pesto bereiten, es zur Würze verwenden, z. B. über den Salat streuen und in Saucen montieren. Darüber hinaus hätte man auch einen hervorragenden Dünger zur Hand. Meine Begleiterin, als Veganerin solchen grünen Speiseplanerweiterungen immer zugetan, kaufte einen kleinen Sack für 2,— Euro.

Später am Tag saßen wir auf dem Heimweg, eine kleine Pause machend, in der Sonne auf dem grünen Rasen am Künstlerhaus Bethanien und knabberten erstmals neugierig so ein Raps-Pellet. Das war natürlich so recht trocken bis staubig, hatte aber eine interessant herbe vorstechend nussige Note und überzeugte uns damit. Wir waren schnell sehr angetan und bewarfen uns mit wilden Kochideen. In der Tat ließ das Geschmackserlebnis bei mir viele Ideen explodieren.



So ging ich einen Tag später noch mal zur Berlin Food Week, vorrangig mit dem Wunsch Rapsöl zu kaufen. Ich erwarb beide Rapsöl-Varianten sowie drei Säckchen Pellets. Man kennt ja den und die eine oder die andere Kochbegeisterte.



Erstmals habe ich die Raps-Pellets zusammen mit dem Rapsöl in einem Nudelteig verwendet, quasi die – soweit ich zur Kenntnis genommen habe – allererste Rapsnudel geboren. (An dieser Stelle hätte ich gerne etwas Szenenapplaus!) Here we go:

Maispoulardenbrust an Chili und Zimt mit Gelber Bete und Raps-Tagliatelle




Zutaten

Nudelteig
200 Gramm Weizenmehl grob gemahlen
100 Gramm Weizenmehl fein gemahlen
3 Eier
5 Raps-Pellets
4 EL Rapsöl (hier das ungefilterte Öl aus meiner kleinen Sammlung)
Eine Prise Salz

3 Knollen Gelbe Beete (gab es auf dem Markt, wollte mit und sollte mit)
1 Knoblauchzehe
Salz, Pfeffer
3 EL Rapsöl

2 Maispoulardenbrüste
1 Teelöffel gemahlenes Chili (hier das von McGormick)
1 Teelöffel scharfer Zimt (Zimt hat ja immer Schärfe aber dieser hier … (Geschenk einer Freundin)
1 Teelöffel Salz
Pfeffer
2 EL Rapsöl


Zubereitung

Den Teig für die Nudel setzte ich einen Abend zuvor an. Das ist nicht notwendig aber ich lasse ihn gerne länger ruhen, damit das Mehl seine Klebewirkung perfekt entwickeln kann.



Ich zerkrümelte die Pellets, gab das Rapsöl dazu und verrührte beides zu einem Pesto (auch ohne Knoblauch und Gewürze an dieser frühen Stelle mich geschmacklich überzeugend). Dieses fügte ich zu dem mit der Prise Salz gemischten Mehl, gab die Eier hinzu und knetete lang, liebevoll und zärtlich – auf dem Sofa vor dem Fernseher beim perfekten Dinner. Ich habe ja nun mal keine Küchenmaschine, die Nudelteig kneten kann und der Teig besteht ja darauf, 20 Minuten lang mit der Hand geknetet zu werden. Wat mut, dat …, näch?!



Der Teig wanderte in einen Gefrierbeutel (aka Plastikfolie) und durfte sich im Kühlschrank 24 Stunden ausruhen. Am nächsten Tag rollte ich ihn aus und überließ es der Nudelmaschine ihn in nette Streifen zu zerlegen.

Vorher lief mir auf dem Markt die Gelbe Beete zu und flugs zog die Idee ein, dass ich diese ja in Streifen geschnitten an die Nudeln geben kann. (Natürlich schielte ich dabei auch auf eine raffinierte Farbkombination „grüne Nudel an Gelber Beete”. Richtig grün wurden die Nudel mit dem Raps-Pesto dann doch nicht.)

Drei Beete-Knollen wurden geschält, in reichlich Wasser mit etwas Salz zum Kochen gebracht, bis die Beete weich war. Gelbe Beete ist natürlich deutlich weniger farbintensiv, geschmacklich auch etwas leichter in der Note als ihre rote Kumpeline. Als sie weich war und sich etwas abgekühlt hatte, schälte ich mit einem Sparschäler Streifen runter. Gleichfalls wurde die Knoblauchzehe in feine Scheiben geschnitten. Beete und Knoblauch sind, wie ich finde, ganz dicke Geschmackskumpel.

Die Brüste der Maispoularde wurden mit der Gewürzmischung eingerieben und in zwei Esslöffel Rapsöl in der Pfanne von beiden Seiten angebraten und durften dort bei leichter Hitze weiterziehen.

Währenddessen hatten sich die Rapsnudeln im Nudelwasser fröhlich kochen lassen, und hüpften abgetropft zur Gelben Beete, die sich schon mit dem Knoblauch zusammen wärmte in die Pfanne, um sich dort gemeinsam im Rapsöl zu tummeln.



Raps-Tagliatellel und Gelbe Beete wurden auf dem Teller angerichtet, die in Scheiben geschnittene Poulardenbrust angelegt und … sehr gerne gegessen!

Mein Fazit – aber ich bin großer Zimtfan und weigere mich partout dieses wundervolle Gewürz nur wie hierzulande oft üblich für die weihnachtliche Saison oder Backwaren zuständig zu sehen – die Hühnchenbrust mit dem Zimt-Chili war geschmacklich ein kleines Highlight. Die sehr nussig schmeckenden Raps-Tagliatelle an der Beete mit dem Knoblauch dazu die passende Beilage – die dem Zimt und dem Chili geschmacklich gut Paroli bieten konnte.

Dese Nudeln mit den Rapsölpesto aus den Pellets fand ich geschmacklich wirklich gelungen, die werde ich immer wieder zubereiten. Denen kann man problemlos auch die Hauptrolle auf dem Teller geben!

Langes Blogpost, kurze Rede: ich bin wirklich froh, so Rapsöl und Raps-Pellets neu für meine Küche entdeckt zu haben!

5 Kommentare:

Liisa hat gesagt…

Wow! Das ist sehr interessant und klingt oberlecker und sieht auch so aus. Alle Achtung!

Liisa hat gesagt…

Nachtrag: "scharfer Zimt"? Hab ich noch nie vorher gehört/gelesen ... das ist aber nicht der "normale Zimt", den man kaufen kann, oder??

Knut Pankrath hat gesagt…

Was für ein toller Beitrag! Las sich prima für mich gerade frisch aus dem Wald gekommen, wo Tochter geschnitzt und ich Bucheckern geknabbert hatte. Erinnert mich auch an meine Entdeckung von Kunella Rapsöl bei Rewe als Produkt aus der Region. Weicher und leckerer als industriell lieblos hergestelltes Rapsöl und deshalb gern gesehen in meinen Salatsoßen. Danke fürs Teilen dieses Stücks essbarer Lebensfreude.

creezy hat gesagt…

@Liisa
Danke. Originärer Zimt guter Herkunft ist tatsächlich immer scharf im Abgang. Probiere einfach mal eine Teelöffelspitze. Das Problem hierzulande ist, dass das Pulver meist gestreckt ist oder ja oft auch mit Zucker versetzt wird.

Den Zimt hier, den hatte mir eine Freundin abgefüllt mitgebracht. Leider habe ich die Originalpackung nie gesehen, sie kann sich nicht erinnern, wo sie den gekauft hatte. Der ist so scharf, dass ich vermute, der ist auch nicht ganz rein. Aber das ist soweit okay für meine Zwecke. ,-)

@Knut Pankrath
Danke für den ReWe-Rapsöl-Tipp, das werde ich mal probieren. Und besuche ruhig mal mit dem Tochterkind GutKladow. Die wird da ihren Spaß haben, denke ich!

multikulinaria hat gesagt…

Liebe Claudia, jetzt komme ich endlich dazu, dein sehr kreatives Gericht mit Rapsöl und Raps-Presskuchen ausreichend zu würdigen. Tolle Idee, schöne Fotos und – wie stets – super geschrieben … Danke für die Unterstützung der Rapsölution!

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