2013-01-26

Leseempfehlung

Wir spielen arbeiten – Sechs Monate Bewerbungstraining: Wie Erwerbslose geregelte Tätigkeiten üben sollen.”

Ich würde gerne schreiben, unglaublich. Aber: es ist leider so. Im Artikel steht u. a. „Meine Sachbearbeiterin im Jobcenter geht nämlich davon aus, dass ich nur deshalb keinen Arbeitsplatz finde, weil ich mich nicht richtig bewerbe.

Dazu eine eigene Anekdote. Ich wurde von einer Sachbearbeiterin in der Agentur angesprochen, weil ich mir erlaubt hatte im Formular zuerst meine jüngst zurückliegenden Tätigkeiten aufzuführen; also nach Aktualität sortiert. Das verwirrte/ärgerte sie, denn es lief zuwider ihrer Eingabemaske oder sonstigen Routinen.

Ich erkläre ihr dann, dass man das heute – vor allem in meinem Alter – in der Vita so tun würde, dass es genauso verlangt würde. Sie zweifelte das an, beschloss aber dann das Gespräch mit einem Schulterzucken und dem Spruch, sie hätte sich halt seit über 30 Jahren nicht mehr beworben.

Das finde ich per se sehr schön für die Frau. Aber zeugt auch sehr deutlich von der Fachkompetenz einiger Angestelle in der Agentur, die immerhin Menschen dahin gehend beraten können sollten, wie diese sich um Arbeit bewerben. Also: erfolgreich bewerben.

5 Kommentare:

Brigitte hat gesagt…

Oh Mann, Frau Creezy, gerade schüttelt es mich. Gewaltig. Was mache ich eigentlich gegen diese wütende Ohnmacht, die mich manchmal so ganz kalt erwischt? Ihnen liebe Grüsse, halten Sie - wie immer - die Ohren steif und vor allem den Kopf hoch.

Selleman hat gesagt…

Das kenne ich. Ich bin derzeit in so einer Maßnahme. Als erstes wurde mir gesagt, dass mein professionelles Bewerbungsbild nix wäre, ich sehe "nackt" darauf aus. Auch die Pflege meiner Mutter gehört nicht in den Lebenslauf. Alles nur, um die ALO-Zahlen zu schönen, was ja vor der Bundestagswahl wichtig ist. Denn wir "Maßnahmenteilnehmer" fallen dann ja aus der offiziellen Statistik raus :/

hummelfee hat gesagt…

Ja ich kenne das. Mich haben sie auch in so einen Sinnlos-Veranstaltung gesteckt, nur um dann 60% des Unterrichts uebernehmen zu können/muessen, weil der eine Dozent ein Vollpfosten und der andere ein Mathematikprofessor war, der noch nie in seinem Leben auch nur irgendwas mit Personal zu tun hatte. Aber der Ueberhang aus dem öffentlichen Dienst muss ja beschäftigt werden. Was bietet sich da besser an als arbeitslose Menschen, die sich nicht mal gegen so einen Scheiß wehren duerfen. *narf* Die anderen 40% des Unterrichts waren uebrigens Selbststudium ;-)

bel hat gesagt…

Dazu fällt mir nur ein wort ein:
_Kafkanistan_

Mehr gibt's da nicht zu sagen.

GSt hat gesagt…

Eher eine Mischung aus Kafkanistan und Absurdistan ...
Ja ich oute mich mal ... hab früher mal den EDV-Teil einer solchen Maßnahme veranstalten müssen. War aber schon traurig anzusehen, wie da unter den "Bedürftigen" auch Ingenieure und Mediengestalter saßen, die sicher mehr Ahnung von IT und Gestaltung hatten, als ich ... also auf beiden Seiten sitzen nicht immer die richtigen Leute ... aber beide Seiten müssen das machen, weil sie Geld dafür bekommen ...

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