2011-02-23

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,

mich hat als Bürgerin und Wählerin dieses Landes Ihr gestriges Statement zu Herrn Dr. von und zu Guttenberg, in dem Sie ihm Ihr vollstes Vertrauen weiterhin aussprechen, sehr erschreckt.

Allzu offensichtlich haben Sie gar keinen Kontakt mehr zu den Bundesbürgern, denen Sie als Kanzlerin vorstehen. Womöglich würden Sie dann nicht alleine nur Ihr Vertrauen hinterfragen, sondern auch das der Bürger dieses Landes zu diesem einen Minister und seinem Verhalten vor allem in jüngster Vergangenheit. Es ist uns, als Volk, völlig egal als was und mit welchen Kompetenzen Sie den Minister ins Amt berufen haben. Das ist hinfällig. Denn:

Herr Dr. von und zu Guttenberg hat uns in seiner Pressekonferenz am 18.02.2011 ganz bewusst in einer selektierten Presseöffentlichkeit belogen! Er hat – wörtlich zitiert – in die Kameras gesprochen, seine „Dissertation ist kein Plagiat und den Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck von mir.“ […] „Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht oder bewusst die Urheberschaft nicht kenntlich gemacht.“

Diese Sätze sind mittlerweile deutlich in ihrer Kernaussage durch Nachforschungen von Dritten als Lüge überführt. Möglicherweise war sich Herr Dr. von und zu Guttenberg zu keiner Zeit – weder früher noch aktuell am 18.02.2011 – der Gesetzeslage hinsichtlich dem Verfassen von Promotionen bewusst, obwohl das aber nicht glaubhaft ist. Und so, Frau Bundeskanzlerin Merkel, hat dieser Mann sein Recht auf ein Ministeramt verwirkt. So offensichtliche zur Schau getragene Inkompetenz oder aber sehr dreiste Lüge eines hochrangigen Mitarbeiters im Bundestag, ist schlicht nicht zu akzeptieren. Ich möchte mein Land von HerrnDr. von und zu Guttenberg weder als Verteidigungsminister – noch auf einem anderen Ministerposten – in Zukunft vertreten sehen.

Nebenbei ist die Tatsache, dass Herr Dr. von und zu Guttenberg für diese Pressekonferenz eine Selektion deutscher Pressevertreter für rechtmäßig hielt, im höchsten Maße zu kritisieren. Wir leben in einer Demokratie. In der Bundesrepublik Deutschland gilt nach wie vor die Pressefreiheit. Dass Ministerien sich bei öffentlichen Stellungnahmen von höchstem allgemeinem Interesse der Bürger ihr Sprachrohr aussuchen dürfen, lässt mich an einem Handeln im Sinne dieses demokratischen Staates zweifeln. Herr Dr. von und zu Guttenberg ist Bundesverteidigungsminister – und nicht Dschungelcampteilnehmer!

Vielleicht hat sich hier Herr Dr. von und zu Guttenberg, auch mit seiner Ehegattin, zu oft als Gast in Talkshows wohlgefühlt und den Redaktionen möglicherweise auch zu oft die Vertragsgestaltung diktiert, als dass eine Fähigkeit der klaren Trennung seines immer offensichtlichen und auch kritisierten privaten Interesses zur Imagebildung, gegenüber der Pressearbeit als Bundesverteidigungsminister noch zu erkennen wäre. Weiterhin lässt seine Attitüde hinsichtlich der „Ablegung“ seines Doktortitels, eine etwaige Kompetenz juristischen Beistand in Promotionsfragen einzuholen leider ebenfalls missen. Dies mit den sehr deutlichen Verfehlungen in seinem eigentlich Amt als Bundesverteidigungsminister, lassen nur ein konsequentes Handeln zu:

Ich fordere Sie hiermit auf, dem Bundesverteidigungsminister Dr. Karl Theodor von und zu Guttenberg seinen sofortigen Rücktritt vom Amt nahezulegen!

Mit freundlichen Grüßen
creezy

Kann man kopieren und im eigenen Namen hierhin als E-Mail versenden:

internetpost@bpa.bund.de

Oder per Snail-Mail hierhin schicken:

Bundeskanzleramt
Bundeskanzlerin
Angela Merkel
Willy-Brandt-Straße 1
10557 Berlin

blog post scriptum: das Dr. im Namen per Beschluss der Universität Bayreuth am 23.02.2011 19:30 Uhr gestrichen.

9 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

wieso bezeichnest du Herrn von und zu noch mit Dr.?

Anonym hat gesagt…

Der ist solange Dr., bis die Promotionskommssion ihn den Titel aberkennt, bzw. seine "Rückgabe" bestätigt.

Markus hat gesagt…

Nicht, dass wertvolle Post verloren geht, da fehlt ein i in der E-Mail-Adresse:

internetpost@bpa.bund.de

Gute Vorlage. ;)

creezy hat gesagt…

@anonym1 und anonym 2
Genau. Solange Bayreuth nicht gesprochen hat, ist und bleibt er Doktor.

@Markus
Danke, hab's korrigiert. ;)

Michael hat gesagt…

Danke - muss ich nicht selber schreiben :-)

creezy hat gesagt…

@Michael
Serviceblog, weißte ja! ,-)

bel hat gesagt…

Erst mal danke für die vorlage.


ob der nun seinen grad behält, was wahrsheinlich ist, oder ob er ihn aberkannt bekommt, was unwahrscheinlich ist, es ärgert mich an der anhaltenden diskussion zweilerlei:

erstens ärgert mich als entp der verstoß gegen das alte gesetz:
you're only naughty, if you get caught.

Und dass er nun naughty ist, ist ja wohl offensichtlich, ausser ihm weiß das inzwischen jeder.

Wie er das allerdings angestellt hat caught zu werden, ist für mich der gipfel der tölpelei. der typ hat es nicht mal für nötig befunden, auch nur die geringsten vorkehrungen zu treffen, nicht erwischt zu werden.
Von geizigen, zu kurz denkenden deppen, bitteschön, möchte ich grad gar net regiert werden, wenn schon überhaupt.


Zweitens ärgert mich daran die rapid voranschreitende verlotterung der sitten.
Insbesondere das gejammere, dass es wohl wichtigeres gäbe und dass das alles nicht so schlimm ist.

Zu wichtiger,
ja gibt es, aber bitte, dann wollen wir auch in zukunft nur noch von den wichtigen sachen sprechen und von sonst gar nix. Wichtig wäre jetzt für mich, wie hilft die bondesGIERung aktuell dabei, ihren guten geschäftfreund G. in L. von der Bühne zu kriegen. Stille? Aha...


zu nicht so schlimm:
ich kann ja auch nicht, nachdem ich eine rote ampel überfahren habe und drei fusßgänger schimpfend auf der kühlerhaube kleben, einfach den rückwärtsgang einlegen und behaupten ich sei ja auch wieder vor dem zebrastreifen zum halten gekommen, wenn auch ein bisschen spät, aber das mache eben nix, weil keiner ist wirklich verletzt, und es sei ja nicht so schlimm...

Und zu allerletzt ärgert mich die unglaubliche und unausgesprochene verachtung für die leute, die ihre arbeiten in mühevoller kleinarbeit EHRLICH schreiben, die in solchen beschönigungen steckt.

gruß bel

hajo hat gesagt…

ein Jurist, der "so etwas" nicht als (vorsichtig ausgedrückt) verwerflich erkennt, hat wohl in seinem bisherigen Studium geschlafen :-(

bel hat gesagt…

Postscriptum
heute wurde in einem andern blog diskutiert, ob vielleicht Steffie die diss für ihren baronalen gatten zusammengestoppelt hat.
Das gibt dem begriff *doktorspiele* einen ganz neuen inhalt.

GrinzzzZZ
bel

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