2010-07-30

Und sonst so …

Ich war diese Woche schon drei Mal Ökoschwein. Einmal gab es Seeteufel und zweimal habe ich meiner Kochwäsche die Vorwäsche gegönnt. Daneben bin ich drei Mal Müll wegbringen gewesen und habe Müll entsorgt, um den ich 1. nie gebeten und 2. ihn nie gebraucht hätte.

Neulich bei Kaiser's (Apostroph hier ja Firmen-CI-Idiotie, ich war's nicht!) an der Kasse die Milchtüte wieder getroffen. Habe fast weinen müssen über das Wiedersehen nach so langer Zeit.

Ich bin reif. Im Sinne von fertig. Ich gehe zu Kaiser's, nur um Käse zu kaufen. Und dann flüstert in meinem Hirn eine Stimme: „Gehe zur Fischtheke. Gehe JETZT zur Fischtheke!“ Und dann gehe ich dorthin, ferngesteuert von der Stimme in meinem Hirn und diese flüstert weiter: „Kaufe diese eine Forelle. Kaufe JETZT diese eine Forelle.“ Ich halte es für obsolet diese eine Forelle zu kaufen, weil es die letzten zwei Tage schon Fisch zum Abendessen gab und kaufe die Forelle. Ich komme nach Hause, der Kater guckt mich unschuldig an und während der folgenden zwei Stunden bis zum Abendbrot weicht er nicht von meiner Seite und kommen wir zum sitzen, sitzt er mir gegenüber und macht sein Forellengesicht.

Ferngesteuert. Ich. Nicht nur von Werbung. Auch vom Kater.

Am gleichen Tag vor der stillgelegten Postfiliale gestanden. Ersatzlos gestrichen. Im gleichen Umfeld befinden sich die ehemaligen Sozialbauten mit hohem Behindertenwohnanteil. Was hat ein Rollstuhlfahrer auch mit der Post zu schaffen?

Anfang der Woche dem Inhaber von McFit geschrieben und höflich darauf aufmerksam gemacht, dass Bestattungen und Überführungen (für Opfer aus dem Ausland) sehr teuer sind und man als Veranstalter für eine Übernahme stehen kann, ohne damit ein Schuldgeständnis einzugehen. Die Stadt Duisburg organisiert eine Trauerfeier am Samstag für die Opfer und vergisst die Eltern der Opfer einzuladen. Vergisst Beileid auszusprechen. Vergisst mit ihnen über eine Bestattung zu sprechen. Es ist nicht alleine das Unglück an sich, das so fassungslos macht. Es ist der Umgang der Offiziellen mit der Tragödie jenseits aller menschlichen Konventionen, der so sprachlos macht! Offensichtlich soll sich die Sinnlosigkeit bis zum Ende durchziehen. (Edit: Die schweigende Minderheit.)

Manchmal den Wunsch irgendwo in ein kleines Dorf zu ziehen. Irgendwo auf dem Berg. Über alle und alles blicken können, aber nichts und niemanden mehr an sich heranzulassen. Den schlimmen Dingen außen von innen die Tür zu verschließen.

6 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Traurig genug. Aber mit "die Eltern der Hinterbliebenen" meinten Sie sicher die Eltern der Opfer oder die Hinterbliebenen. Obwohl die vielleicht gar keinen Wert legen auf noch mehr Zwangs-Öffentlichkeit.

spontiv hat gesagt…

Ich hab es versucht. Also das mit dem verstecken im kleinen Dorf. Bringt nichts. Alles kommt nach, wenn auch zeitverzögert.

creezy hat gesagt…

@anonym
Danke, korrigiert.

Werden sie wohl nicht legen. Aber eine Einladung haben sie dennoch wenigstens verdient. Das sind die Dinge, die im Trauerprozess zusätzlich traumatisieren.

@spontiv
Mist. Keine guten Nachrichten. ,-(

Scholli hat gesagt…

Ich hab manchmal den Eindruck, es besteht alles nur noch aus Image und Dummheit. Da gibt's keine Substanz mehr und Menschlichkeit schomma gar nicht. Nur noch hohles BlaBla ohne Herz und Verstand.

r|ob hat gesagt…

Ja, Duisburg - bisher dachte ich immer, ich wäre vergesslich...

hajo hat gesagt…

creezy, wohin willst Du Dich verkriechen? Unser ach so blau gewesener Planet ist EIN System, da kommst Du nicht raus.
Das gilt im Übrigen auch für die Träumer, die fordern, KKWe in Deutschland (die im Störfall, auch wenn es nur eine verstopfte Besuchertoilette ist) abgeschaltet werden, ohne Wenn und Aber, stlllzulegen
.. und dafür lieber den ach so weit von uns erzeugten Strom aus KKWen auch den benachbarten Staaten beziehen - k...
sorry, ich wollte DIESE Diskussion nicht lostreten, aber Dein (berechtigter) Wunsch nach "Augen zu und weg" ist sinnlos.
Trotzdem: auch wenn es "Leute" wie Politiker gibt (die wir übrigens nicht nur dulden, sondern wohl auch noch immer wieder wählen): es gibt immer wieder Menschen, die einem bewusst machen, dass es sich lohnt, weiter zu machen.
Liebe Grüße
Hajo

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