2008-07-05

Da suche ich und suche ich …

und kann den Eklat an dieser in meinen Augen charmanten Tat nicht so recht finden. Nun mag dieses hier frisch in Berlin geöffnete Wachsfigurenkabinett Madame Tussaud – mit der in meinen Augen übrigens peinlichsten Webseite im Jahr 2008 – behaupten, sie würden Hitler nur wegen dem kolossalen Bildungsauftrag ausstellen, dessen sie sich so berufen fühlen.



Fakt ist aber, sie stellen diesen Mann, dessen Wahnsinn Millionen Menschen unter grausamen Umständen das Leben gekostet hat aus und kassieren von Kindern ab dem 3. bis 14. Lebensjahr (sowieso eine komische Grenze, in Deutschland gehen die allermeisten Kinder doch üblicherweise bis zum 15. eher sogar 16. Schuljahr zur Schule oder?) immerhin € 12,15 (wobei ich mich in die –,15 Cent echt verliebt habe …), um diese an der wächsernen politischen deutschen Geschichte teilnehmen zu lassen. Und dies inmitten sonstiger illustrer Gestalten, die gerne nur für flache Unterhaltung und Skandälchen stehen. (Immerhin stehen in London Katie Price oder unsere Lieblingsjunkies Pete Doherty und Amy Winehouse auch irgendwo neben dem Österreicher rum.)

Kein Ahnung, ob ich meinen Standpunkt klar machen konnte: ich finde Geld verdienen mit Hitler einfach so etwas von Scheiße! (Pardon my french!)

Überhaupt muss ich mal sagen, habe ich meinen kleinen persönlichen Hass auf solche Unternehmungen, die von Eltern Eintrittsgelder für ihre Kinder, die über € 8,- liegen, verlangen. Macht Euch doch in Eurer Geldgier mal so richtig lächerlich!

Edit: Das Online-Portal der Berliner Morgenpost titelte vorhin noch: «Endlich hat mal ein Hitler-Attentag geklappt!», aber die treffende Überschrift haben sie nun leider ersetzt.



Süddeutsche Zeitung

11 Kommentare:

r|ob hat gesagt…

LIEGT nicht die Amy Winehouse irgendwo rum...?

creezy hat gesagt…

Nö, für Amy gilt ja, dass sie die einzige Person ist in deren Wachsfigur mehr Leben steckt als in ihrem halbtoten Ich auf zwei Beinen. ,-)

Anonym hat gesagt…

Mal einen typischen "deutschen" Kommentar vorweg: Einer Wachsfigur, deren Eigentümer und/oder Besitzer man nicht nicht ist, den Kopf abzuschlagen ist Sachbeschädigung.

So, und nun ganz subjektiv: Gut gemeint, und doch daneben; den"Attentäter" wird wohl die Härte des Gesetzes treffen....

Manuela

creezy hat gesagt…

Na klar ist das Sachbeschädigung, bestreitet niemand. Aber ich habe immer noch meinen eigenen persönlichen Respekt vor den Leuten, die es sich wagen in dieser kommerzialisierten Welt hier und da ein Zeichen zu setzen, wenn nur dem Gewinn zuliebe mal wieder die Grenze des guten Geschmackes überschritten wird. Der Mann riskiert Anzeige und Geldstrafe, um zu zeigen, dass nicht alles Geschmacklose mit «hehren Worten der Presseabteilung» legitimiert ist.

Und mal ehrlich, angeblich soll diese Figur jetzt € 200.000,– gekostet haben. Da hört es auf!

r|ob hat gesagt…

Na,billiger, als seine Tagebücher... ;)

(Vater dieser Zeilen summt die Eröfnungsmelodie einer Sketchserie aus den 80er Jahren... Arm ab, Bein ab, Kopf ab, Sktchup...)

schneck06 hat gesagt…

schade, dass das 'schaden' nicht einvernehmlicher von statten gehen kann. bis heute.

manniac hat gesagt…

Also, abgesehen vom Geldverdienen-Aspekt, ueber den man ruhig streiten kann (uebrigens verdienen alle Zeitungen, Geschichtsschreiber oder Filmemacher, die ueber Hitler schreiben und berichten, auch Geld mit ihm), aber findest Du nicht, dass man Hitler von seinem hohen Ross mal runterholen sollte? Mir scheint es manchmal, als ob ihn Deutschland immer noch verehrt, denn anders kann ich mir nicht erklaeren, warum sich die Leute so ueber diese Wachsfigur aufregen. Der Mann ist ein Verbrecher und keine Gottheit, von der man sich kein Bild machen darf. Meine unerhebliche Meinung :-)

creezy hat gesagt…

@schneck06
Schade, dass das Schaden bis heute immer noch oft als eine letztendliche Lösung von bauchschmerzbereitenden Problemen angesehen wird.

@manniac
Ja, auch andere verdienen Geld mit Hitler und seiner Geschichte, ich sehe aber bei den von Dir genannten Vertretern in den meisten Fällen noch einen Informationsauftrag (den Helge Schneider als Hintlerfilm lass ich da aussen vor). Dafür zahle ich gerne.

Äh, das mit Vereehrung ist richtig – aber das «immer noch» stimmt nicht. Das Hauptproblem dabei ist, dass Hitler in Deutschland (und in vielen anderen europäischen Staaten leider auch) WIEDER verehrt wird – und zwar von den falschen Leuten. Insbesondere aus diesem Grund habe ich mein Problem mit ihm als Mainstream-Figur.

Lorelei hat gesagt…

Offenbar war es nun wohl doch keine politische Überzeugung, sondern nur eine Wette, die den Mann dazu brachte, sich sehr viel juristischen Ärger einzuhandeln.
Übrigens steht im Hamburger Panoptikum seit 1948 eine - zugegeben ziemlich grottig gemachte - Hitlerfigur, völlig ohne Skandal oder Attentatsversuche. 1941 modelliert, durfte sie während des Dritten Reiches nicht aufgestellt werden, da eine Wachsfigur nach Ansicht des Propagandaministeriums eine Verunglimpfung des Führers darstellte.

Ansonsten stimme ich Dir zu, was die These vom Informationsauftrag betrifft; die Frage ist: ist Madame Tussauds ein Museum mit einem Bildungsauftrag, oder eher eine Vergnügungsstätte? In ersterem Fall wäre ich der Meinung, daß das Weglassen Hitlers eine Schönung der Geschichte darstellen würde.

RW hat gesagt…

Wie Lorelei schon richtig gefragt hat: Ist Mdm. Tussauds ein Museum oder eine Vergnügungsstätte.
Ich denke, es ist eindeutig letzteres. Eine Hitlerfigur gehört dort nicht hin. Wer das nicht kapiert, darf das Jüdische Museum besuchen alternativ Sachsenhausen etc.

istschonzeit hat gesagt…

ich bin absolut kein Fan davon ewig Hitler zu tabuisieren. Da hab ich es sogar begrüßt, dass man endlich auch auf deutschem Boden einfach mal das Monster zur Schau stellt. Ich jedenfalls bin wie viele andere Menschen ein sehr visueller Mensch. ich möchte Dinge gern plastisch sehen um sie besser zu begreifen.

Und nun kommt einer daher und begeht eine Sachbeschädigung und eine Körperverletzung und nennt das Ganze dann auch noch "Protest". Da hört für mich das Verständnis auf. Schade, dass wir immer noch auch noch nach 60 Jahren lieber die Finger von brisanten Themen lassen.

Ich jedoch halte verschweigen nd verstecken für einen falschen Weg im Zusammenhang mit Vergangenheitsbewältigung.

Aber unterm Strich teile ich deine Ansicht, dass es kein Eklat an sich ist. Allerdings vn einem anderen Standpunkt aus.

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