2006-11-06

Kunst



Die Künstlerin bastelt Seifenkröten, installiert sie auf Kunstrasen und hängt dazu Selbstporträts unter Schaumberge versteckt in der Badewanne fotografiert auf.



Ich stehe da und überlege, warum macht die das?

Und später frage ich mich, warum ich, wann immer ich merkwürdige Ideen in fotografisch inzinierter Kunst habe, denke, das ist doch so banal – das möchte doch niemand wirklich sehen. Ich bilde mir ein, ich bin wirklich darüber hinweg auf einen Künstler neidisch zu sein, der für eine minimalistische Zeichnung mit zehn Bleistiftstrichen und zwei Farben auf Papier € 13.000,– verlangen kann (und sehr wahrscheinlich auch erhält.) Wer erst soweit ist, das Wesentliche auf das absolute Mindestmaß zu reduzieren in seiner Kunst, hat bestimmt einiges durchmachen müssen und ist den eigenen Weg der Persönlichkeitsfindung ein gutes langes schmerzhaftes Stück gegangen. Das ist meine wohlwollende Interpretation.

Manchmal denke ich aber auch einfach, was für eine Dreistigkeit mir so einen Schrott zu präsentieren. Und der einzige künstlerische Tatbestand, der dafür so eine horrende Preisforderung rechtfertigt, ist doch das unübertroffende Selbstbewußtsein des Künstlers diesen Preis für diese Arbeit zu verlangen, während er mich gleichzeitig sehr unverschämt und dreist langweilt. Ich bilde mir ein, ich bin wirklich darüber hinweg auf den Künstler neidisch zu sein, der für eine Fotografie mit schlechtem Weißabgleich, abgeschnittenem Kopf des Subjekts und einer Schärfe, die niemals eine charmante Bewegungsunschärfe abbildet, Preise jenseits des fünfstelligen Eurobereiches verlangen kann.

Verdammt, bin ich neidisch!

3 Kommentare:

zoee hat gesagt…

manchmal bin ich neidisch auf das selbstbewusstsein, mit dem sich "künstler" etablieren können. die schmieren eine leinwand mit seife voll, spritzen rot gefärbten kartoffelbrei darauf und hängen es verkehrt herum unter einem bettlaken in ein fenster. und dann heisst das bild, ehrm, die installation "purple pepper" und kostet 10.000 €.

ich verstehe von kunst nur so viel, dass es mir entweder gefällt oder nicht. manchmal kann ich sogar erahnen, was gemeint ist oder kann mir etwas dazu ausdenken. sehr oft bin ich einfach nur stinksauer, weil ich entweder zu blöd bin um zu wissen, was der künstler mir abfordern möchte (ausser meiner kohle) oder weil ich mich schlicht verarscht fühle.

aber die kröten sehen ganz lustig aus.

creezy hat gesagt…

@Zoee
Die Kröten sind supergut, an denen hatte ich viel Spaß (das ist ja auf den Fotos nur eine kleine Auswahl) – nur ihre Badefotos waren komisch.

Ich bin da nicht nur manchmal neidisch. Ich bin total neidisch auf die Leute, die Leinwand in blaue Farbe tauchen auf einen großen Rahmen spannen und das als Kunst sehr teuer verscherbeln. Ich könnte mir den Arm abbeissen, so neidisch bin ich auf die! ;-)

Anonym hat gesagt…

Kunst ist für jeden was anderes. Wem da gefällt, für den isses eben Kunst. Für mich isses das nicht. Ich bin auch neidisch und ich steh dazu. Und ich gehe in solche Ausstellungen und sage laut Sätze wie "Das hätte mein zehnjähriges Patenkind auch gekonnt." :-)

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