2010-12-05

S-Bahn-Geschichten

Es ist der Samstag vor dem 2. Advent 2010 in Berlin, also Dezember, also Winter und es hat wider Erwarten im Dezember im Winter in Berlin geschneit. Das heißt: die S-Bahn fährt eher zufällig. Es ist die Zeit vor dem Fest, die Nächstenliebe wird groß geschrieben, das merkt man auch auf der oberen Plattform vom S-Bahnhof Südkreuz, hier stranden die Großeinkäufer des Ablegers einer schwedischen Möbelmarktkette mit den ersten eingekauften Geschenken.

Vorne am Bahnhof der Ringbahn stehen zwei uniformierte Grazien der Deutschen Bahn und ich denke bei deren Anblick und unter dem Einfluss der wenig attraktiven Dienstleistungsofferte des Unternehmens nach dem akuten unvorhersehbaren Wintereinbruch „Oh, muss die S-Bahn also wieder ihre Fahrer beschützen!“. Der Bahnhof ist gut gefüllt, wir warten gemeinschaftlich auf den Zug, der nach Königs Wusterhausen fahren wird und leidlich in der Zeit ist. Blaue Zettel motivieren an den Türen des Waggons, in den ich steigen werde, mit Hinweisen auf eine defekte Heizung.

Der Zug steht verdächtig lange auf dem Bahnhof. Nach einiger Zeit schreiten die beiden DB-Grazien durch die Gänge und gucken mit intensiver Neugierde in jede Sitzgruppe, in etwa so wie Stewardessen durch die Gänge schreiten und prüfen, ob alle Passagiere angeschnallt sind. Das mutet sehr merkwürdig und ungewöhnlich an. Sie kontrollieren nicht die Fahrscheine. In dem Sitzabteil rechts neben mir sitzt ein Fahrgast am Fenster und schläft tief. Er tut niemandem etwas, nimmt nicht übermäßig viel Platz in Anspruch: er schläft einfach nur. Ob aufgrund einer 24 Stunden-Schicht oder infolge des Konsums von legalen oder illegalen Substanzen lässt sich nicht ausmachen. Der Mann ist gänzlich unauffällig, er stört nicht, er ist einfach nur müde, schläft und fährt dabei S-Bahn.

Die beiden von der DB beauftragten Securitiy-Damen sehen das aber anders, bleiben auf unserer Höhe stehen, sprechen nur diesen Mann an und wecken ihn. Dieser befindet sich offensichtlich im Tiefschlaf und will sich kaum wecken lassen. Die Frauen lassen nicht locker und verlangen seinen Ausweis. Den sucht er und da er noch nicht ganz wach ist, dauert das etwas. Was die Damen bereits vorschnell veranlasst, ihn aufzufordern mit auf den Bahnsteig zu kommen. Er lehnt diesen Vorschlag verärgert ab und sucht weiter. Aus dem Abteil hinter ihm steht eine Frau auf und spricht die beiden DB-Mitarbeiterinnen an und fragt implizierend, der Mann könne doch letztendlich auf ihrer Monatskarte mitfahren. (Monatskartenbesitzer können in Berlin am Wochenende einen Fahrgast mitnehmen.) Die beiden DB-Mitarbeiterinnen stimmen sich misslaunig mit einem „dann können wir da nichts machen“, ab und verständigen sich auf ihren Rückzug. Zwischenzeitlich hatte der Fahrgast ihnen übrigens Studienausweis und Fahrschein hingehalten.

Er hat niemanden gestört. Man kann ihm auch nicht unterstellen, sich in einem warmen S-Bahnwaggon aufwärmen zu wollen – dafür war dieser letztendlich zu wenig beheizt. Er hatte nur geschlafen, während er die Dienstleistung in Anspruch genommen hatte.

Ach und: er ist ein Farbiger.

Einen fröhlichen zweiten Advent!

Connecting the Music through Music – Playing for Change. Straßenmusiker singen Stand by me von B. E. King an den unterschiedlichen Plätzen in Santa Monica bis New Orleas, Europa, Afrika bis nach Südamerika. Digital mit Laptop aufgezeichnet und abgemischt. Großartiges Projekt! Hier mehr Songs und Infos: Playing for Change!



via Stichpunkt.de

2010-12-04

Das Vernonchen …

Pothchen, Ex-Feldbusch, wirft demnächst wieder. Hat sie uns dieser Tage alle wissen lassen, auch die, die es nicht wissen wollten und zwar noch bevor es die blonden Yellow-Press-Geierinnen von den Dächern pfeifen konnten. Der Sack Reis also wieder umgefallen, mitten im Kik-Land und Madame begibt sich zum Interview in dem sie wieder erklärt, wie sehr hart doch die letzten Jahre für sie alle waren. Wir erinnern uns, gegen ihren Ehemann wurde wegen verschleppter Insolvenz und Bestechung, gegen sie später wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Immer war keiner von beiden schuld, versprach sie und erklärte der Umwelt, ihre Unschuld würde sich auch so beweisen. Letzendlich ist der unschuldige Ehemann nun vorbestraft und sie ist einer weiteren strafrechtlichen Verhandlung und möglicher Verurteilung wegen Steuerhinterziehung nur durch Zahlung einer sechsstelligen Summe entgangen. Die komplette Unschuld also.

Interessanterweise – wir erinnern uns, Frau Verona, damals noch Feldbusch, versuchte vor einigen Jahren der Alice S. in einem öffentlichen Programm zu erklären, was ihre Meinung nach eine emanzipierte Frau ist – beendet sie zur Zeit jedes Interview mit dem Hinweis, dass ihr Männe sich ja nun pünktlich zu ihrer neuen Schwangerschaft beruflich berappelt habe und neue Pläne habe und wieder total aktiv und guter Dinge sei. Ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist, lassen wir dahingestellt und wünschen ihm das Beste. Warum es aber einer berufliche erfolgreichen Frau über 40 so wichtig ist, dass der Ehegatte in Zeiten ihrer Trächtigkeit beruflich bitteschön, den alleinigen Macker zu geben hat und dies so ausdrücklich betont werden muss, könnte dieser Stelle hinterfragt werden. Ich verstehe es nämlich nicht. Ist sie halt doch nur ein Weibchen im Hormonstrudel und schießt sie ihren ach so emanzipierten Habitus piepsend in die Wüste?

Und so schließt sich bei mir der Kreis zum ersten Buch des von mir hoch geschätzten Malte Welding, das da heißt: „Frauen und Männer passen nicht zusammen - auch nicht in der Mitte. Warum die Liebe trotzdem glücklich macht". Erscheint am 6. Dezember im Piper Verlag, kostet 8,95. Und Malte liest daraus am 15.12.2010 im Großen Saal des Berliner Verlags. Noch untentschieden ob des Einkaufes? Vermutlich nicht mehr, wenn Ihr diesen Artikel „Schatz, warum trägst Du denn so schwer?“ gelesen habt.

Da Paypal sich nicht als Finanzvermittler zwischen …

den Welten mehr verstehen möchte, hier sind die Bankverbindungen zur Wau-Holland-Stiftung. Die nimmt stellvertretend für WikiLeaks Spenden entgegen, da WikiLeaks selber nunmehr überall die Konten gesperrt werden. Spenden werden indes dringend benötigt.

Wau Holland Stiftung, Postfach 640236, 10048 Berlin, Germany
Commerzbank Kassel, BLZ: 52040021, KTO: 277281204
(international: IBAN: DE46520400210277281204, BIC: COBADEFF520)



WikiLeaks hat jetzt Schweizer-Adresse

Wikileads und der Journalismus

dazu hat Jochen Magnus auf dem Studienblog der Rhein-Zeitung kluge Worte gefunden.

2010-12-03

Die journalistische Mär vom Jahrtausendwinter

Im Wissenslog sehr schön als Ente enttarnt.

Der große Loriot-Podcasth-Weihnachths-Wettbewerb

bitte guckt unbedingt hier bei Hyde and Seek rein, Jekyllinda hatte die beste Weihnachthsblogpodcasthidee ever!