Das war ein schönes Pfingstwochenende …
Freitag habe ich mir den absoluten Luxus gegönnt und verinnerlicht, den nur aktiv Arbeitssuchende haben können. Was das ist? Beispielsweise zum Friseur zu gehen. Sehen, dass die Coiffeurin Dienst hat, die mir neulich die Haare zu kurz geschnitten hatte, umdrehen und sich sagen 'Du kannst ja Dienstag wieder hingehen, die Zeit haste ja.' Ich glaube es kaum, aber das war für mich das erste bewußte Mal, dass ich diesen aktiv arbeitsuchenden Zustand als für mich positiv verbuchen konnte.
Fast ein Gücksgefühl. In diesem einen Moment.
Kurz darauf folgte der zweite: Ich fuhr dann mit dem Rad zum Türkenmarkt (so heißt im Volksmund einer der schönsten Wochenmärkte in Kreuzberg), habe mir ein Bund unglaublich aromatischen Ruccola, ein Bund frische Minze, ein paar leckere Oliven und einige wenige 100g frische Kirschen gegönnt. Mittlerweile öffneten sich auch die Wolken immer weiter und die Sonne schien und so wurde das übliche Hindernissprungrennen über die dort anwesende unfassbare Masse an Kinderwagen oder Einkaufswagen (Lieblings-
mitbringsel der vornehmlich mit Kopftuch bekleideten Frauen) zu einem fast angenehmen Ritual.
Am Ende habe ich mir am Öko-Stand einen Kaffee für € 1,– (der einfache Kaffee mit einem ordentlichen Schuss Milch ist eben günstiger als der Milchkaffee mit 50 % Milch) geleistet, mich auf die Holzplanken des Dampferanlegestelle nebenan gesetzt, die komplett in der wärmenden Sonne lag, den Kaffee genossen und das geschäftige Treiben beobachtet und mir eingebildet, das sei jetzt der Wochenmarkt in Südfrankreich, den ich so sehr vermisse. Die Zeit zu haben, das zu tun:
Wieder ein Glücksgefühl. Da war ich aber schon wieder soweit es 'einen Tag Urlaub vom arbeitslos sein' zu nennen. Aus dem aktiv Arbeitssuchend-Dasein für sich einen positiven Umstand zu ziehen, möchte ich mir nicht erlauben. Es hat die Vorahnung von Abstieg total.
Ansonsten gab es in Berlin den Karneval der Kulturen, so gut wie kein Regen bei dem Umzug, der wunderschön, sehr lang und sehr voll war. Eine SMS von Freunden, die bei Rock am Ring waren und mir mitteilten, dass sie bei den für mich wichtigen Acts immer an mich denken. MTV, die einige Konzerte von dort wie Metallica, P l a c e b o und Depeche Mode live übertragen haben. Ein kleines 13 Monate altes niedliches Mädchen, das begeistert in ihren Schlafsack schlüpft, schimpft, wenn ihr das nicht schnell genug gelingen will, weil der Papa den Reisschluß nicht schnell genug aufbekommen hat, ihre abendliche Milchflasche trinkt, kuschelt und zufrieden und gerne ins Bett geht. Das Treffen mit netten Freunden. Die Katze, die sich eben außerordentlich lange und wild auf meinem Arm und Schoss drehend, alle Streicheleinheiten dieser Welt eingefordert hatte, was für sie eher unüblich ist. Einen glücklichen Italiener, der mein Objektiv zum Freundschaftspreis ersteigert hatte. Die Einsicht daraus, dass ich mich noch für andere freuen kann – auch wenn es eher zum Nachteil für mich ist. Gutes Essen. Die e-Mail von dem Freund, der sich endlich aus Italien gemeldet hat und Fotos von seiner neuen Umgebung geschickt hat, den ich so doll vermisse, aber dem es offensichtlich gut geht.
Es sind ja doch die kleinen Dinge, die glücklich machen!

