2006-06-05

Das war ein schönes Pfingstwochenende …

Freitag habe ich mir den absoluten Luxus gegönnt und verinnerlicht, den nur aktiv Arbeitssuchende haben können. Was das ist? Beispielsweise zum Friseur zu gehen. Sehen, dass die Coiffeurin Dienst hat, die mir neulich die Haare zu kurz geschnitten hatte, umdrehen und sich sagen 'Du kannst ja Dienstag wieder hingehen, die Zeit haste ja.' Ich glaube es kaum, aber das war für mich das erste bewußte Mal, dass ich diesen aktiv arbeitsuchenden Zustand als für mich positiv verbuchen konnte.

Fast ein Gücksgefühl. In diesem einen Moment.

Kurz darauf folgte der zweite: Ich fuhr dann mit dem Rad zum Türkenmarkt (so heißt im Volksmund einer der schönsten Wochenmärkte in Kreuzberg), habe mir ein Bund unglaublich aromatischen Ruccola, ein Bund frische Minze, ein paar leckere Oliven und einige wenige 100g frische Kirschen gegönnt. Mittlerweile öffneten sich auch die Wolken immer weiter und die Sonne schien und so wurde das übliche Hindernissprungrennen über die dort anwesende unfassbare Masse an Kinderwagen oder Einkaufswagen (Lieblings-
mitbringsel der vornehmlich mit Kopftuch bekleideten Frauen) zu einem fast angenehmen Ritual.
Am Ende habe ich mir am Öko-Stand einen Kaffee für € 1,– (der einfache Kaffee mit einem ordentlichen Schuss Milch ist eben günstiger als der Milchkaffee mit 50 % Milch) geleistet, mich auf die Holzplanken des Dampferanlegestelle nebenan gesetzt, die komplett in der wärmenden Sonne lag, den Kaffee genossen und das geschäftige Treiben beobachtet und mir eingebildet, das sei jetzt der Wochenmarkt in Südfrankreich, den ich so sehr vermisse. Die Zeit zu haben, das zu tun:

Wieder ein Glücksgefühl. Da war ich aber schon wieder soweit es 'einen Tag Urlaub vom arbeitslos sein' zu nennen. Aus dem aktiv Arbeitssuchend-Dasein für sich einen positiven Umstand zu ziehen, möchte ich mir nicht erlauben. Es hat die Vorahnung von Abstieg total.

Ansonsten gab es in Berlin den Karneval der Kulturen, so gut wie kein Regen bei dem Umzug, der wunderschön, sehr lang und sehr voll war. Eine SMS von Freunden, die bei Rock am Ring waren und mir mitteilten, dass sie bei den für mich wichtigen Acts immer an mich denken. MTV, die einige Konzerte von dort wie Metallica, P l a c e b o und Depeche Mode live übertragen haben. Ein kleines 13 Monate altes niedliches Mädchen, das begeistert in ihren Schlafsack schlüpft, schimpft, wenn ihr das nicht schnell genug gelingen will, weil der Papa den Reisschluß nicht schnell genug aufbekommen hat, ihre abendliche Milchflasche trinkt, kuschelt und zufrieden und gerne ins Bett geht. Das Treffen mit netten Freunden. Die Katze, die sich eben außerordentlich lange und wild auf meinem Arm und Schoss drehend, alle Streicheleinheiten dieser Welt eingefordert hatte, was für sie eher unüblich ist. Einen glücklichen Italiener, der mein Objektiv zum Freundschaftspreis ersteigert hatte. Die Einsicht daraus, dass ich mich noch für andere freuen kann – auch wenn es eher zum Nachteil für mich ist. Gutes Essen. Die e-Mail von dem Freund, der sich endlich aus Italien gemeldet hat und Fotos von seiner neuen Umgebung geschickt hat, den ich so doll vermisse, aber dem es offensichtlich gut geht.

Es sind ja doch die kleinen Dinge, die glücklich machen!

2006-06-03

Die wohl uninteressanteste Frage der Welt …

Verlorene Welt!

Lesenswert!

Ein Hoch auf die aktuellen gesunkenen Arbeitslosenzahlen!

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Mai offenbar unerwartet stark gesunken. Wie mehrere Medien melden, soll der Rückgang deutlich über dem für den Mai üblichen Rückgang liegen.

So in etwa machte die Statistikbekanntgabe für Mai 2006 seitens der Arbeitsagentur in den hiesigen Medien vergangene Woche Schlagzeilen.

Zu keiner Zeit seit Einführung von Hartz IV wurden im gleichen Zeitraum Hartz IV-Folgeanträge aus recht fadenscheinigen Gründen nicht bewilligt. Beispielsweise wurden Unterlagen nachgefordert, die schon für lange zuvor beantragte, vor allem aber schon bewilligte und gezahlte Leistungen beigebracht worden sind und daher in der Akte liegen müssen. In anderen Fällen wurden Folgeanträge einfach verschleppt. Viele, auffallend viele Leistungsbewilligungen von Folgeanträgen sind erst jetzt in der ersten Juniwoche verschickt worden.

Diesen Eindruck nimmt man verstärkt mit, wenn man sich zur Zeit ein wenig durch die Arbeitlosenforen liest.

Statistikformung in einem Sozialstaat.

Matea kann laufen!



Jetzt ist sie dreizehn Monate alt (auf dem Foto natürlich viel jünger) und macht ihre ersten Schritte ganz alleine. Mitten im Krabbel-Modus auf der Wiese ist sie vorhin plötzlich aufgestanden als würde sie nie etwas anderes tun und hat drei Schritte gemacht. Dann fiel ihr ein, dass Krabbeln doch schneller geht, setzte sich wieder hin und düste durch das Gras.

Bin ich stolz auf die Maus!

2006-06-01

'Passengers to Olympia Stadion change here!',

sagte der unsichtbare Mann mit Stimme zu uns heute in der S-Bahn als diese in den Bahnhof Westkreuz einfuhr. Da hat die halbe S-Bahn laut gelacht. Und auf der Rückfahrt sagte er am S-Bahnhof Tempelhof 'Passengers to Tempelhof Airport change here for U8', da habe ich eindeutig gehört, der Kerl ist Brite und nicht Ami. Und er hat nicht die gleiche Stimme wie der deutsche automatische Sprecher.

Der Typ ist toll. Der hat eine sehr dynamische Stimme, man will ihm sofort folgen, will aufspringen und direkt in Richtung Tempelhof Airport weiterfahren, denn so wie er das ansagt, gibt es keinen Platz in dieser Stadt unter dieser Sonne, der schöner sein könnte. Höchstens vielleicht noch das Olympia Stadion. Gut, ich will also mit dem Kerl, dem die Stimme gehört, 'nen Kaffee trinken!

Großartig, nur 17 Jahre nachdem die Allierten raus mussten, wird schon in Berlins öffentlichen Verkehrsmitteln englisch gesprochen.

I love it!

How to behave in germany!

Oder auf gut Deutsch: Nicht an des Deutschen Auto anlehnen!

Zur Zeit wandern gerade durch die internationale Presse gut gemeinte Tipps, wie sich die auswärtigen Fußballjunkies doch bitte im fernen und darum feinen Deutschland bewegen möchten, damit wir (Deutsche) keinen schlechten Eindruck von denen (wahlweise Togorianer, Trinidadianer, Angolaner und noch ganz viele mehr), die uns besuchen kommen, bekommen mögen.

Allen voran wurden die Chinesen gewarnt im Ausland doch bitte nicht auf den Boden zu spucken.

Das finde ich sehr lustig, dann werden also die Chinesen in den kommenden vier wichtigsten Wochen deutscher Zeitgeschichte die einzigen (vorzugsweise männlichen) Menschen sein, die nicht auf unseren Boden rotzen. Na, hoffentlich wundern sie sich nicht!

Oh ja, und die Amis dürfen ja nicht unsere Autos antatschen, denn das ist das, was wir noch mehr lieben als unseren Fußball!