Das ist die Natur der Dinge …
auf meinem recht schönen großflächigen Hinterhof mit altem Baumbestand, schöner Fauna und nicht mehr ganz übersichtlichen Vogelbestand lebt unter anderem ein Elster-Pärchen. An diesem Elster-Pärchen klebt eine Dohle, beide Arten gehören zur Familie der Krähen. Ein eher seltenes Adoptionsmuster, aber die drei sind unzertrennlich. Als die Elstern ihr Probenest in der Tanne unterhalb meines Balkons gezimmert haben, saß die Krähe schon mal drinnen Probe. Probenester bauen Elstern gerne und die Elstern brüten hier sehr früh. Ich habe in Vorjahren schon Ende April die Nestflucht beobachten können.
Heute nun, war es wohl soweit. Der Nachwuchs wurde flügge. Das hat in der Vogelwelt zur Folge, dass die Eltern die Jungen rufen. Ständig. Stundenlang. Im Zweifelsfall geht das tagelang so. Bei meinen Amseln letztes Jahr hat das Geschrei bis nachmittags gedauert. Dann waren sich die Eltern wohl sicher, die kleinen Amselkinder wären über Nacht auf meinem Balkon besser aufgehoben als unten, wo sie ziemlich leichte Beute für die Nachtwelt geworden wären. Aber sie riefen am nächsten Morgen sofort weiter, bis auch das letzte Amselkind den Flügel in die große weite Welt geschlagen hatte. Für das menschliche Ohr klingt das alles sehr laut und recht hysterisch (wer schon einmal erlebt hat, wie es klingt, wenn eine Katze einen Vogel angegriffen hat und dieser unglaubliche Skandal von Vogel zu Vogel weitergetragen wird, weiß wovon ich schreibe.)
Hier und heute schrien also zwei Elstern und eine Dohle lautstark nach dem Nachwuchs. Beide haben bekanntlich nicht das schönste Vogelorgan, dafür schön laut. Was aus den Elstern-Babies mal werden wird, nachdem sie nun wohl auch von einer Dohle mit aufgezogen wurden? Keine Ahnung. Vielleicht gibt es ja nächstes Jahr eine neue Vogelsorte?
Irgendwann – und das ist ein schöner Beweis für den täglichen Wahnisnn einer Großstadt – riss eine Nachbarin das Fenster auf und brüllte lauthals 'Ruhe' der Natur entgegen.
Wenn die Vögel es nicht zufällig gerade überhört hätten, hätten sie's sicherlich verstanden und reagiert. Aber sie haben's nun mal überhört und kreischen immer noch – mittlerweile zwei Bäume weiter!




