Okay …
… vielleicht, werde ich ja auch nur alt, aber …
Ich bin Fan von diesem Public-Internet seit … gefühlt immer. Himmel, ich habe für einen der ersten deutschen ISPs gearbeitet, ich mag das hier. Obwohl es sich so sehr verändert hat und nicht nur zum Besten. Aber ich halte das Internet immer noch für einen großartigen Ort des Austausches, der Kreativität und vor allem der Menschlichkeit.
Wenn mir früher irgendwelche Menschen im Netz (sic!) kamen mit „Get a real life!“, hatte ich für die immer nur ein müdes Lächeln übrig. Der Gedanke an den – im Real Life – gezeigten Stinkefinger lag durchaus in der Nähe.
Auf Instagram bin ich mehr oder weniger seit den Reels draußen. Eine Story mache ich noch ab und zu mit wirklich wenig Aufwand und qualitativ bedingt kreativ. Da bin ich offen und ehrlich alt, ich bin geiziger geworden mit meiner Lebenszeit. Und: Mein Medium ist nach wie vor der Text, das Blog hier. Auf Insta bin ich teilweise nur noch, weil dort auch von mir wertgeschätzte Leute unterwegs sind, die nicht mehr andere Social-Networks bedienen wollen. Nun ja … The times they're a changing. Kennt man ja.
Heute wurde mir im Insta-Stream der Clip einer dieser „Wusstest du schon was …?“-hyperaktiven Persönlichkeiten reingespült, die mir die Unterschiede zwischen einer Story, einem Carousel und einem Reel erklären wollte – nach 30 Sekunden habe ich dann gedacht: „Okay, get a real life!“
Und nein, eigentlich glaube ich nicht, dass das daran liegt, dass ich älter werde. Ich glaube eher, dass das daran liegt, dass ich die völlige Beklopptheit dieser Instagram-Gaganess auf rein geschäftlicher Ebene nachvollziehen kann, aber nicht bedienen möchte. Fängt schon damit an, dass ich meine wirklich guten Fotos längst nicht mehr diesem Medium andiene. Und es hört damit auf, dass ich mit Leuten zusammen bin, die Instagram auf allen Ebenen bedienen, weil sie dort um ihre Anerkennung buhlen (zu Recht) und immer öfter zugeben, dass sie gar nicht mehr begreifen, wie der Algorithmus funktioniert. Und. Das. Ist. Gefährlich.
Und genau, das fängt es an: Bei Googles Algorithmen wussten wir halt immer: Die halten damit bewusst hinter dem Berg. Das tut Instagram ja eher nicht, die hauen ihre ständigen (ich gucke mittlerweile auf Meta als DAS Exemplar eines ADHS-Patienten mit Zehnerpotenz in der Schwere der Diagnose) Algorithmus-Updates relativ transparent raus, denn sie müssen ja auch das aufgebaute Geschäftsmodell ihrer Expert*innen bedienen. Irgendwie.
Und mittlerweile hat man das Gefühl, die verstehen es selber nicht mehr wirklich bzw. müssen es sich selbst erklären. Auch den Leuten, die Instagram auch ein Stück weit nur als private User bedienen möchten. Das ist insofern interessant, als ich mittlerweile nur noch genervte Kommentare zu Instagram lese. Und ich bin mir nicht sicher, ob User, die sich zunehmend abwenden wollen, das gesicherte Geschäftsmodell sind. Also neben der Gefährlichkeit von Intransparenz durch Überforderung.
Zumindest ich ertappe mich relativ häufig dabei, wie ich Metas ständige ungefragte eingeführte Transparancy meine Daten betreffend, abwähle. Mittlerweile habe ich von den Anti-Tech-Expert*innen mehr abonniert als von den sonstigen Erklärbär*inenn und Foodies. Auf unternehmerischer Seite könnte das zu denken geben.
Und … ich habe in letzter Zeit hier und dort in politisch relevanteren Accounts kommentiert und kann durchaus bestätigen, dass gerade die Russenbots aufgrund der Wahlsituationen in Deutschland, derzeit wieder an Aktivität zulegen. Auf die Instagram, respektive Meta – obwohl solche Accounts inhaltlich wirklich nichts anderes tun dort, als User zu beleidigen – nicht reagieren möchte nach Meldungen. Ja, so kann man sich natürlich auch sein Geschäftsmodell auf Dauer zerschießen lassen.
Aber ich hätte da eine hübsche Idee als neues Geschäftsmodell für Instagram: eine Fotoplattform. Nur Fotos, vielleicht ein, zwei Filter. Und das ist es. Stille, Kunst, keine übergriffigen, brüllenden und pseudointellektuellen Reels mehr.
Dafür würde ich glatt auch bezahlen.
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