2026-02-04

Das Epstein-Grauen

Vorgestern wird mir auf Instagram ein Clip reingespült von einer sehr verzweifelten, jungen Frau, die völlig in Panik und weinend immer wieder ruft: „Sie essen Menschen!” Das Ganze wird inhaltlich im Kontext mit den Epstein-Files kommuniziert und kam über einen Account, der sich vornehmlich für Frauenrechte stark macht.

Ich hatte das direkt weggeklickt, weil es mir als unseriös vorkam und ich die Vermutung hatte, dass dies einer dieser Internetinhalte sind, die gefaket lanciert werden, um Stimmung zu machen, Skandale zu pushen, dabei helfen, dass selbst Menschen, die sehr professionell Fakten analysieren und zurückhaltend argumentieren, ein Stück ins falsche Boot zu holen.

Und ich dachte in dem Zusammenhang auch direkt: Die Frau ist auf einem Drogen-Trip.

Natürlich will man selbst den abscheulichsten Gestalten unserer Gesellschaft keinen Kannibalismus unterstellen. Heute, nachdem ich den Clip ein bisschen auf mich habe wirken lassen und das Gesehene für mich reflektiert habe, muss ich feststellen, ich schäme mich, weil ich zuerst die hervor getragene Ungeheuerlichkeit damit abtun wollte, und der Frau Drogenkonsum vorgeworfen habe.

Wir wissen, dass die missbrauchten Frauen im Epstein-Millieu unter Drogen gesetzt worden sind. Und sehr viele von ihnen werden dieses Drogen genau nicht bewusst selbst eingenommen haben. Shame on me, dass ich das thematisch dieser Frau als ihr eigenes Verhalten unterstellen wollte. Denn gerade ich als Berlinerin weiß natürlich, dass Drogenkonsum sehr oft eine eigene persönliche Entscheidung ist – ganz oft leider eben auch nicht. Und meist trifft der letztere Punkt: junge Mädchen und Frauen.

Und zum Thema „Sie essen Menschen!”, kann man sich sehr sicher vorstellen, dass in solchen Kreisen mindestens sehr schlechte Witze darüber gerissen werden. Was, wenn diese Idee in den erlauchten engen Kreisen hochstillisiert wurde bis zum Machbaren?

Und, wenn Menschen sich so völlig abartig benehmen, wenn Menschen sich aufgrund ihrer Erfolge und Verbindungen sowieso für nicht justiziabel halten? Wenn Menschen sich aufgrund ihrer unfassbaren Reichtümer zudem für gänzlich unangreifbar halten, weil ihnen so viele Menschen (mit vermeintlicher Macht) wie Marionetten zuspielen (müssen), weil sie längst erpressbar geworden sind? Wenn Menschen generell gar keine Grenzen einer Gesellschaft mehr für sich erkennen, weil sie es einfach nicht mehr wollen? Wenn Menschen so unglaublich abgehoben sind mit den allerschlechtesten Eigenschaften menschlicher Daseinsform, die man sich überhaupt vorstellen kann?

Was soll diese Klientel eigentlich davon abhalten, menschliches Fleisch zu essen und dabei keinerlei Schuldgefühle mehr zu spüren?

Was?

Wie sehr ich es hasse, mich mit solchen Möglichkeiten in der Realität beschäftigen zu müssen.

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