2017-06-20

Bed n' Breakfast I Tre Olivi, Guagnano



Der jüngste Aufenthalt in Apulien war vor allem der kleinen Gemeinde Guagnano gewidmet. Einer sehr kleinen Stadt mit knapp 6000 Einwohnern, die in Apulien im Salento in der Provinz Lecce liegt, knapp 20 Kilometer von der gleichnamigen Provinzhauptstadt Lecce entfernt. Guagnano liegt so etwas von mittig im Salento, zum Ionischen Meer sind es ca. 20 Kilometer wie auch zum Adriatischen Meer. Rund um und in Guagnano wird vorrangig Wein produziert, wir sollten in den nächsten Tagen noch viel Weinproduzenten besuchen und kennenlernen. Doch zunächst landeten wir nach einem etwas längeren Flug von zwei an der Insolvenz kratzenden Fluggesellschaften zuvorkommend betreut auf dem Flughafen Brindisi und hatten ein sehr lustiges Intermezzo, weil wir uns zunächst vom falschen Fahrer mitnehmen ließen.

Aber dann wurden wir im üblich zackigen italienischen Fahrstil, den ich so sehr wertschätze, schön eng hintereinander gereiht (keine Sekunde glaube ich an einen Erfolg von autonom fahrenden Autos in Italien) durch die Gemeinde Lecce gekurvt, die auf dem ersten Blick einen deutlich ärmeren Eindruck hinterlässt als ich ihn bei unserer Landung auf dem Flughafen Bari und Fahrt nach Ostuni hatte. Was nichts heißen muss.

Uns wurde vorab mitgeteilt, wir würden in einem Bed & Breakfast untergebracht werden. Zwei Journalistinnen aus Rom, eine weitere Mitreisende aus Berlin und ich, wir wurden in eines gefahren, das knappe drei Kilometer vor der kleinen Stadt liegt – der Bus hielt und wir wurden hinter der sich öffnenden Automatiktür von Rosalba Cairo und später ihrem Mann Franco empfangen mit einer Herzlichkeit, die ihresgleichen sucht, im: Casolare I Tre Olivi!



Was, wie sich später zeigte, ein wirklicher Glücksgriff war.





Ein wundervoll angelegter Garten mit eben jenen drei alten Olivenbäumen, die, mit weißen Steinen umrundet, das Zentrum des vorderen Gartenteils bilden, der mit einem großen Maulbeerenbaum, Guavenpflanzen



und noch viel mehr Grün ausreichend Schatten spendet. Einer der Steinkreise dient als Haus dieser Anwohnerin:





Dem öffentlichen Garten gegenüber liegt die Granatapfelplantage



umsäumt von weiteren jüngeren Olivenbäumen des I Tre Olivi.



Beide Anlagen getrennt von einer Auffahrt, die zum – wie die meisten Häuser im Salento äußerlich wenig spektakulär aber hochwertig restauriert wirkenden Wohnhaus führt.

Rosalba führte die beiden italienischen Journalistinnen in den hinteren Bereich des Gartens, sie waren in den beiden Apartments in der kleinen Remise einquartiert,



bat uns um etwas Geduld und führte uns kurz darauf durch ihren wundervollen und typisch italienischen Palazzo mit dicken Mauern, die angenehme Kühle spenden aus viel hochwertigem Stein und in seinem Inneren viel reizvoller wirkte als es von außen den Anschein hatte.



Eingerichtet mit viel Stil und Talent – vor allem die Antiquitäten, das erfuhren wir später, hatte Franco, Rosalbas Ehemann, selber augearbeitet. In einem der Zimmer im Haus werden noch unbearbeitete Raritäten gelagert und hinter dem Haus im großen Nutzgarten in seiner Werkstatt wieder zu echten Schmuckstücken gebeizt, geschliffen und geölt. Wer hier Urlaub macht, sollte besser gleich mit einem großen Fahrzeug kommen, denn es kann gut sein, dass man sich in eine der Antiquitäten verguckt.



Unsere beiden Gastgeber tun die Dinge mit viel Liebe und Herzlichkeit, genauso wurden wir von ihnen empfangen. Beide, nun im Rentenalter mit sechs Enkelkindern, das Siebente kommt im Oktober, haben in den letzten Jahren das mehr als restaurierungsbedürftige Haus mit ihren eigenen Händen wieder aufgebaut und wohnbar gemacht, mit viel Begeisterung die Gärten angelegt und sind so größtenteils zu Selbstversorgern geworden. Alles machen sie mit Freude und Leidenschaft, das spürt man, das zeigen Garten und Haus und so fühle ich mich als ihr Gast sehr willkommen!

Rosalba, die als typisches Gastarbeiterkind die ersten zwölf Jahre ihres Lebens in der Nähe von Nürnberg zur Schule ging, spricht übrigens immer noch hervorragend Deutsch, Franco spricht Italienisch und mit seinen Augen.



Der kleine lustige Hund bellt noch am Anfang und akzeptiert einen sofort freundschaftlich, sobald man seinen Bauch streichelt.



In Francos Werkstatt (rechts im obigen Bild) hatte die Hofkatze gerade ihre Jungen bekommen, direkt im angrenzenden Stall legen die Hühner die Eier, die wir morgens zum Frühstück in jeder gewünschten Form auf den reich gedeckten typisch italienisch süß gehaltenen Frühstückstisch serviert bekommen. Rosalba hat uns jeden Wunsch zum Frühstück von den Augen abgelesen.



Wir frühstückten immer draußen, je nach Uhrzeit und Hitzegrad unter der Markise seitlich oder unter dem schattigen Baum hinter dem Haus, immer wieder woanders, dieser große Garten macht es möglich.






Unsere Gastgeber leben ein echtes Bed & Breakfast-Leben, hier bucht man nicht nur die Zimmer – man lebt gemeinsam, wenn man das möchte. Ich fühle mich hier als sehr willkommener Gast, ein bisschen wie eine alte Freundin der Familie. Die Apartments in der Remise haben kleine Küchen, im Garten können der Grill und Holzkohleofen



mitbenutzt werden, die neu geschaffene Lounge im Garten lädt zum abendlichen Verweilen ein,



im Garten steht – nicht nur für die Enkel – eine Schaukel. Wer Lust hat, kann im Garten helfen. Wir reden in der (viel zu wenigen Zeit, die wir im Haus sind) viel über Land, Landschaft, Leute, Rosalba besorgt mir den leckeren Kaffee, der mir zum Frühstück so lecker schmeckt und zeigt mir stolz den Garten, wo unzählige viele Tomatenpflanzen stehen und die letzten Artischocken an den Pflanzen warten und die Obstbäume erste reife Früchte zeigen.





Franco schenkt mir zum Abschied liebenswerterweise noch einen seiner Granatapfelbaum-Setzlinge und schneidet mir Äste von der Maulbeere, die ich hoffentlich hier zum Wachsen überreden kann. Hätte ich Flaschen mit im Flugzeug transportieren dürfen, hätte ich mich sehr sicher noch von ihrem Olivenöl eingekauft.



Das Haus hat mehrere Zimmer von denen die Mitreisende ein großes Zimmer mit Balkon und Bad en suite bewohnen darf und ich ein riesengroßes Zimmer mit Empore, die als Zuwegung zu einer ebenfalls riesigen Sonnenterrasse dient,



während links neben der Tür eine Treppe hinunter in einen großen Raum führt, wo mein Bett steht.



Ich blicke von der Terrasse weit über das Land – vor allem über die große Landflächen der Cairos.





Das gleichfalls große Bad mit Jacuzzi liegt direkt neben dem Zimmer mit nur einem Schritt über einen Flur zu erreichen. Ich fühle mich sehr privilegiert hier wohnen zu dürfen! Alles ist sehr sauber und Rosalba lässt es sich nicht nehmen, sich jeden Tag um die Zimmer und Bäder zu kümmern. Im Bett falle ich sofort in den Schlaf nach den langen Tagen, von der Hitze draußen gänzlich unbehelligt.



Im unteren Teil des Hauses gibt es viele Bereiche





in denen man sich gemütlich aufhalten kann, eine große frei stehende Küche ist das Verbindungsglied der unteren Fläche – und wer würde hier nicht sofort sein Kochbuch produzieren wollen?



Rosalba und Franco Cairo haben hier ein Bed & Breakfast geschaffen in dem man sich sehr gerne aufhält und Ruhe tankt und das so zentral gelegen ist, dass man die wichtigen Städte, Sehenswürdigkeiten, das Meer und Hafenstädte, wie das schöne Porto Cesareo mit seinen vielen Fischläden, des Salento in wenigen Minuten mit dem Auto erreichen kann. Die Zimmer mit Frühstück kosten für zwei Personen 70,—/Nacht.

Ich, für mich gesprochen, würde dort sofort wieder Urlaub machen wollen, Granatäpfel ernten und mit Rosalba Marmelade einkochen. Der Aufenthalt bei den beiden hat meinen Ausflug in den Salento ganz rund und schön gemacht!

Casolare I Tre Olivi – Bed & Breakfast
Franco und Rosalba Caio
73015 Salice Saleneto (LE)

Zu buchen:
E-Mail: cairofamiglia@yahoo.it
Telefon: 00393 47 29369

Disclosure: Drei Tage durfte ich auf Einladung der Europäischen Gemeinschaft, der Region Apulien, die Gemeinde Guagnano und der Kultur- und Tourismuszeitschrift “Mediterraneo Spiagge” zu Gast sein im Salento, um Apulien und seine Menschen kennenlernen. Und erlaube mir nun Euch mitzunehmen auf meine (viel) zu kurze Reise.

1 Kommentare:

Manuela Hamm hat gesagt…

Liebe Claudia,
welche ein wunderbarer Bericht über deinen Aufenthalt in Apulien #hach <3 Das macht sofort Lust, auch dorthin zu fahren. Ich werde mir die Adresse auf alle Fälle notieren. Denn dieses Bed & Breakfast ist ganz nach unserem Geschmack. Vielen Dank, dass du uns auf diese Reise mitgenommen hast <3
Liebe Grüße, Manuela

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