2017-04-20

Her mit 'de Umgangssprache!

Gestern mal wieder beim besten Freund im Büro gewesen, mir mein regelmäßiges Technikompetenzupdate ziehen und ihm seine Zeit stehlen. Bester Freund ist da ja sowas wie „Cheffe” und ich mag dem immer gerne zugucken und zuhören, wenn er den „Cheffe” gibt. Der macht das nämlich sehr gut. Er ist nicht so der Lobfredie, da ist er durchaus pragmatisch und glaubt an den Austausch von Arbeit (Leistung Arbeitnehmer) zu Gehalt/Prämie/Kaffee/Klopapier frei Haus (Leistung Arbeitgeber). Er begegnet seinen Leuten gerne auf Augenhöhe. Fragt die Leute, was ihre Meinung ist zu den Themen, lässt sie sehr selbstständig arbeiten – solange das funktioniert. Erwartet von ihnen kein Blödel-Pflichtreporting, wenn es nicht nötig ist zur Beweislast ihrer Arbeit. Und findet Anzüge mäßig notwendig. Gibt kaum einen besseren seiner Sorte. Finde ich.

So war ich dann gestern wieder einmal Beisitzerin eines Gespräches zwischen Cheffe und Nicht-Cheffe in dem sie sich über das Leistungsspektrum eines möglichen Geschäftspartners hinsichtlich des Sinnes einer wirklichen Zusammenarbeit unterhielten und in dem Gespräch fiel seitens Nicht-Cheffe ungefähr zehn Mal (wenn das mal reicht) der Teilsatz: „Das macht keinen Sinn.”

Da habe ich wieder einmal gemerkt, dass ich noch zu der Generation Menschen gehöre, die bei dem Satz „Es macht keinen Sinn.” zusammenzucke. Das ist ein doofer Satz, der wieder einmal völlig unkritisch zum deutschen Sprachgebrauch aus dem Englischen übersetzt in diese Sprache Einzug genommen hat, was mich zunehmend nervt. Wirklich! So viele Menschen lernen in fernen Ländern unsere Sprache, weil sie sie wunderschön finden und unseren Wortschatz und Grammatik sowie Ausdrucksform schätzen als einen ganz besonderen Schatz der Sprachkultur und wir verludern hier unsere Sprache immer mehr, weil wir glauben das hippste Volk unter der Sonne zu sein, wenn wir einfache englische Sätze auf dumme Weise in unsere Sprache adoptieren und sie somit inhaltlich mit Füßen treten.

Sinn kann sein. Er ist vorhanden. Oder eben auch nicht. Sinn kann aber nichts machen. Sinn ist ein passives Substantiv. Es kann nichts tun, nichts machen. Und nur weil die Engländer/Amerikaner aufgrund ihrer Sprachlogik dies anders ausdrücken, heißt es noch lange nicht, dass in unserem Sprachgebrauch „das macht Sinn” einen Sinn ergeben könnte.

Es ist sicherlich sinnvoll, relativ häufig zu betonen, dass etwas keinen Sinn macht, will man darauf hinweisen, dass einem der deutsche Sprachgebrauch schnurzpiepswumpe ist. Oder man keine Ahnung hat. Aber ich möchte drüber streiten, ob das wirklich sinnvoll ist.

übrigens steige ich morgen in ein Flugzeug. Die Kurzform von Flugwerkzeug, die das Gerät bezeichnet mit dem der Flieger, auch bekannt als Pilot, Fluggäste an einen bestimmten Ort transportiert. Deswegen kann ich persönlich nie in den Flieger steigen, weil das sinngemäß bedeuten würde, ich würde in den Piloten einsteigen. Und bei aller Vergnügungssucht, wie sollte das funktionieren?

1 Kommentare:

Anne hat gesagt…

Der Mythos, dass "Sinn machen" ein sich erst seit kurzem ins Deutsche einschleichender Anglizismus ist, wurde meines Wissens schon längst widerlegt: http://www.iaas.uni-bremen.de/sprachblog/2009/01/12/seit-wann-machen-wir-im-deutschen-sinn/

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