2017-03-29

Am Meer gewesen …

Eine Freundin hat mich vor zwei Wochen mitsamt dem Hund in das die Sitze heizende Auto vom Ehemann gepackt und ist mit uns hoch gedüst an die Ostsee. Drei Tage Warnemünde mit zwei Übernachtungen. Raus aus der Stadt. Wind. Meerduft. Einen gut gelaunten Wettergott anbei. Und laufen, laufen, laufen …



Dann sitzt Du da an diesem Meer, das von allen Meeren eines der freundlichsten Meere ist. Also diese Ostsee. Sie ist immer da. Und ihre Wellen sind doch die meiste Zeit, zumindest am Strand, freundliche und unaufdringliche Wellen. Wassergebilde vor denen man deutlich weniger Respekt hat im Angesicht als vor den Wellen anderer Meere. Es sind meist friedliche und sehr einladende Wellen. Ein ruhiges Meer. Im Vergleich.

Dann sitzt Du da an diesem Meer und denkst daran, dass Du in diesem Sommer endlich dort einmal mit dem Kajak paddeln möchtest. Weil eben dieses Meer vergleichsweise ruhig ist, kannst Du Dir vorstellen dort selbst mit dem aufblasbaren Kajak Deinen Weg zu paddeln. So viel Respekt ist bei dieser Vorstellung Dein gedanklicher Partner, denn auf dem Meer paddeln … das ist doch eine andere Hausnummer als auf einem See. So ein Luftboot lässt sich schnell vom Wind tragen. Es wird ein Abenteuer sein, eines dem man achtsam begegnet. Eines bei dem man mit Sicherheit doch eine Schwimmweste tragen wollte, besser eine Leuchtrakete mitnimmt. Das Bewusstsein ist da, dass der Spaß sich ändern kann. Es ist eben das Meer dort und ein einfacher Mensch im Boot hier. Und Du bist voller Respekt und Angst mischt sich in solche Vorfreude.



Dann sitzt Du da an diesem Meer und Du denkst an diese Menschen, die aus anderen Orten an anderen Meeren sitzen und daran denken nicht nur zum Spaß mit vielen anderen Menschen auch in Schlauchboote zu steigen. Die aber nicht nur ein bisschen hin- und her paddeln wollen zum persönlichen Vergnügen. Die hinaus müssen mit diesen Booten in das weite offene Meer, dorthin, wo ganz hinten riesige Schlepper auf eine ruhige Überfahrt hoffen und sich trotz ihrer Größe und materieller Macht dem Meer und seinen Wellen ergeben müssen. Sich das Meer seine Opfer holt von unsinkbarer Technik. So wie es sich seine Opfer holt von ganz leicht sinkbarer Technik. Ein wahnsinniges Wagnis, das niemand, der bei Verstand ist, eingehen wollte – würde hinter einem nicht das eigene Leben brennen und eine etwaige Zukunft nur dort in diesen sinkbaren Booten liegen. Gegenüber auf der anderen Seite dieser unfreundlichen, rohen, groben, rauen Meeren, begleitet von Todesängsten mit der Hoffnung diese Reise zu überleben und danach ein klein wenig Glück zu haben. Kein Mensch bei Verstand setzt in solche Boote seine Kinder, seine Frauen, seine Lieben, dem eher sicheren Verderben aus, wenn er das nicht wirklich muss. Solche fürchterlichen Ängste.

2 Kommentare:

Manuela Hamm hat gesagt…

Sehr gefühlvoll hast du das geschrieben liebe Claudia. Mir ist gerade die Gänsehaut über den Rücken gelaufen....

Anonym hat gesagt…

Ich dachte erst: Oh, wie schön, endlich hat sich ein lang ersehnter Wunsch erfüllt. Und dann diese Tiefe Deiner Gedanken und Empfindungen.
Vielen Dank dafür.

Ramona

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Fröhlich sein, freundlich bleiben und bitte immer gesund wieder kommen!