2017-02-01

Wie man das perfekte weiche Ei kocht

Üblicherweise koche ich ein Ei mit der Risiko-Methode. Die Risiko-Methode ist im Gegensatz zur Luschenmethode von einer gewissen Unsicherheit geprägt, das Ei ganz in den Kochtopf zu bekommen. Hierfür muss man den Topf mit Wasser aufstellen, dafür sorgen, dass es irgendwann kocht und dann darin die Eier für ein paar Minuten entsorgen. Hilfreich ist es den Eiern einen kleinen Piekser zu verpassen. Die Pieksnummer ist super, da kann man schon schön was schief laufen bzw. auslaufen lassen. Der Moment des „wirf die Eier innen Topf” hat auch ordentlichen Thrill, je nach Schmackes und Wurfwinkel bleibt so ein Ei ganz unberührt oder krächzt leicht vor sich hin und zieht im Topf Schlieren. Ich mag beides an sich ganz gerne. Also ganze Eier (ganz von nicht kaputten Eiern) und Schlieren. Eiweiß-Schlieren nasche ich nämlich gerne.

Bei der Luschenmethode legt man die Eier übrigens gleich ins kalt Wasser und zählt die Zeit ab dem Moment in dem das Wasser kocht für fünfeinhalb Minuten für das perfekte Ei. Das ist easypeasy. Vorausgesetzt, man bekommt mit wann das Wasser kocht. Zum Zeit messen. Sonst ist's blöd. Bei mir ist das so, dass ich, wenn ich Eier so aufsetze, immer total gut daran denke, in der Küche zu bleiben und darauf zu achten, dass das Wasser kocht und in der Zwischenzeit das Frühstück vorbereite, das ich dann ins Zimmer bringe. Wo ich anfange … Blumen auf dem Balkon zu gießen, mit den Katzen Spielzeug werfen und fangen spiele und wir vor lauter Spaß die Zeit vergessen. Manchmal stellt sich auch der Computer in den Weg. Oder das Telefon. So Sachen halt. Komme ich nach zehn Minuten abgelenkt zurück in die Küche, hat sich das kochende Wasser schon leicht wieder am Fenster abgekühlt, ist der Wasserspiegel leicht bis ganz im Topf gesunken und kann ich die Eier dem Härtegrad nach bei irgendeiner Spielshow gegen die Brennstäbe einer Kernkraftwerkes antreten lassen. Ungeschmolzen. Versteht sich.

Nachdem ich mich jahrelang in der Luschenmethode versucht habe, bin ich mit dem Erbe des hässlichen braunen Eierpiekers meiner Tante Thea zur Risiko-Methode zurück gekehrt. Das neue Ceranfeld hat auch so'n Timer. Den stelle ich nach Auftrumpfen der Eier im Topf auf wahlweise 5-6 Minuten, was je nach Eierlaune zu weich-wabbeligen bis fest-weichen Eiern führt. Wobei 5-6 Minuten keinen echten Einfluss haben auf weich-wabbelig bis fest-weich. 6 Minuten können genauso zu weich-wabbelig führen, wie 5 Minuten zu fest-weich. Man steckt eben nicht drinnen in so einem Ei.

Neulich aber habe ich das wirklich perfekte Ei gekocht! Das Eiweiß war gut durch, das äußere Eigelb hatte einen Hauch von Festigkeit, die Hauptsache vom gelben Ei aber war weich, fließend, keine Spur von Glibber. Perfekter ging es nicht.

Um das perfekte Ei zu kochen, musste ich lediglich:

• den Topf mit heißen Wasser auf den Herd stellen
• den Herd anstellen, wahlweise auf 9
• die Eier pieksen
• sich bei den Eiern dafür entschuldigen
• warten bis das Wasser kocht
• wenn das Wasser kocht
• die Eier irgendwie halbwegs ganz in den Topf bekommen

dann, ACHTUNG, jetzt kommt's!

• erst mal vergessen den Timer zu stellen
• nicht mitbekommen, dass man vergessen hat den Timer zu stellen
• erst einmal abwaschen
• per Hand – denn der Geschirrspüler ist ja nun leider wirklich tot
• einen großen Teller, vier Katzenfressnäpfe (hier: Porzellanteller in Größe von Untertassen), drei kleine Löfel, zwei Tassen, zwei Messer, einen Kochtopf und eine Bratpfanne mit der Hand abspülen
• dann daran denken, dass man den Timer vergessen hat zu stellen
• Pi mal Daumen vermuten, dass man keine drei Minuten für den Abwasch gebraucht hat
• vermuten, dass es vielleicht doch nur zwei Minuten waren
• mit sich diskutieren, ob das nun zwei oder drei Minuten waren
• darüber im Nachklang etwas hin- und her überlegen und so eine halbe Minute verstreichen lassen
• den Timer noch mal auf vier Minuten stellen
• sein Piepsen abwarten
• die Eier entnehmen und BUH! machen, also mit kaltem Wasser abschrecken
• zeitnah servieren

Perfektes weiches Ei! Ein Träumchen. Im Grunde ganz einfach.

2 Kommentare:

lamiacucina hat gesagt…

m.a.W.: wer keine Katzen im Hause hat, sollte besser keine Eier kochen :-)

Katja hat gesagt…

Das wär mir zu fest. ;-)

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