2016-06-21

Kräuterradeln

Irgendwo gab es neulich auf Facebook eine Einladung zu einer Kräuterwanderung im Berliner Umland, die aber sehr schnell ausgebucht war. Daraufhin meinte Peggy von multikulinarisches, die uns schon seit längerem mit Fotos und Rezepten aus ihrer hiesigen Hexenküche verwöhnt: „Das kann ich auch.”

So suchten wir Interessentinnen einen Termin und dieser fand – unter Einfluss diverser Wetterszenarien – letzten Sonntag statt, denn da war uns der Wettergott wohl und gesonnen. Eine Radtour sollte es werden und wir einigten uns auf das Umland rund um Peggys Docking Station, die praktischerweise im Grenzgebiet von Berlin-Altglienicke zu Brandenburg liegt, denn dort kennt sie sich natürlich aus und hatte den einen oder anderen Geheimtipp für uns parat. Wir warfen uns auf Facebook noch zu, was wir alles später unseren Magensäuren als Opfergabe zu zelebrieren gedachten – Foodblogger eben – und freuten uns auf den kommenden Tag.

Ich schlüpfte früh aus dem Bett, bemühte ein bisschen die Küche, packte meine Sachen und erfreute mich daran mit dem Rad, das sich vertrauensselig (wozu diese Hörnchen doch alles gut sind) bei der S-Bahn einklinkte, was praktischerweise dazu führte, dass ich einen Kaffee schlürfen und eine Butter-Schnittlauch-Brezel (my love!) entspannt mümmeln durfte, auf Tour zu gehen. Ausnahmsweise fuhr sogar ab Hermannstraße die Bahn nach Schönefeld, was so eine sichere Sache nicht immer ist. Ich musste also nicht einmal mehr umsteigen. Bonfortionöser kann so ein Ausflug nicht beginnen!



Auf der Hintour fuhr das Fahrrad übrigens schwarz, weil ich zwar eine habe aber Bianchi eben keine Monatskarte hat und es für mich offensichtlich zu früh zum Nachdenken war.

Um elf Uhr morgens trafen wir uns, Cecilia von BeanBeat, Laura von Glück am Stück und natürlich Peggy alle auf dem S-Bahnhof Grünbergallee und machten uns zunächst auf, um hier und dort an den Kirschbäumen, die von einer Wohnungsgesellschaft dort zur Straßenbegrünung gesetzt wurden und zur Zeit voll in der leckeren Frucht stehen, zu naschen. (Es ist immer praktisch eine 180 cm lange Bloggerin dabei zu haben.)

An der ersten Station an der wir hielten, zeigte Peggy mir meine künftigen Schlehen-Erntegründe. Die haben jetzt schon Früchte ausgebildet, die sich langsam farblich in ihr wunderschönes Blau entwickeln. Gleichzeitig bestaunten wir wilde Salbeisorten und führten unseren ersten fachmännisches Pflanzenbefund mit Enzyklopädie und Lupe durch. Und zwar an der Vogelwicke, die in weiten Teilen tatsächlich essbar ist. Also nicht nur von Papageien, Sittichen, Schildkröten, Schmetterlingen und natürlich Bienen (sie gilt als Honigmacher).



Nächster Stopp eine satt blühende Brache, wo wir auf eine echte Kamille trafen. Auf einer weiteren hochbewachsenen Wiese mit etwas Waldansiedelung am Rand stellte uns Peggy die silberblätterige Taubnessel vor, die gerne im Schatten wächst und die unter anderem als Salat mundet oder, wie Peggy uns vorschlug, in die Suppe zum Aromatisieren gegeben werden kann.

Wir knabberten am Grün, suchten nach Geschmackskomponenten – nicht einmal fiel das Wort „nussig” – und hatten viel Spaß am schmecken und diskutieren.



Ein kurzes Stück später stellte uns Peggy – und das spricht sehr für sie – ihren absoluten Geheimtipp vor: die Felsenbirne. Natürlich machte sie die ganze Tour so clever, dass wir heute vermutlich eh nie wieder zu dieser Stelle finden würden, wo Peggys Jagdgründe liegen. Drei Menschen entdeckten erstmals die sehr leckere und süße, saftige Beerenfrucht der Felsenbirne für sich. Wir waren hin- und weg und futterten uns glücklich satt – direkt vom Baum in den Mund. Felsenbirnen gehören für mich ab sofort in jeden Garten, nicht nur wegen der Frucht – auch als Begrünung und wunderschöner Frühlingsblüher. Übrigens sind die Pflanzen nicht teuer.

Wir fuhren weiter durch die Landschaft auf dem Mauerweg, vorbei an landwirtschaftlichen Betrieben, wie dem Milchhof Mendler. Erfreuten uns an Pferden auf der Weide, hübschen Rindviechern, Wasserbüffeln, an deren Gelände ich Rosenblätter sammelte und machten alsbald eine für Foodblogger angemessene Pause zum Picknick. Ich führte u. a. Chicken Wings in meinem neuen Picknick-Geschirr aus.



Wir quatschten und aßen und diskutierten und genossen den schönen Tag mit blauem mit weißen Schäfchen bevölkerten blauen Himmel. Dieses gemeinsame Natur entdecken, hatte mir mit den Dreien wahnsinnig Spaß gemacht, weil natürlich jeder sein eigenes Quentchen Fachwissen in die Tour mit einbrachte und so gab es viel zu hören und zu lernen!



Nach dem Picknick brach Laura Richtung Heimweg auf und wir radelten weiter durch die Landschaft zur – ganz zufällig in unserem Weg liegenden – Eisdiele. Auf dem Weg zurück probierten wir hier und dort sehr verwunschene Wege aus, fanden Kümmel am Wegesrand stehen und dicke Champignons im Wald stehen, schnupperten guten Kuhdung und kreuzten hier und dort die „Tränendrüse” Rudows, den Meskengraben und das Rudower Fließ.


(Aus irgendeinem Grund schaltete mein Handy hier in den Caspar David Friedrich-Filtermodus, den es eigentlich gar nicht hat. Aber ich find's trotzdem schön körnig still gemalt.)

Eine wunderschöne Fauna und, sobald man sich vom Mauerweg abwendet, ganz unbesuchte Natur.



Schlussendlich hielten wir nochmals, um Hollerblüten zu sammeln und etwas später sammelten wir uns alle jeweils einen schönen Wiesenblumengruß aus der reichhaltig blühenden Natur. Malven, Glockenblumen, Gräser und viele Pflanzen mehr. Dann ging es über Waßmannsdorf am Flughafen Schönefeld vorbei zurück zur S-Bahn-Station, wo wir Peggy dankend in den Sonntagabend verabschiedeten und Cecilia und ich uns gemeinsam die S- und später U-Bahn quatschend teilten.

Ein wunderschöner friedlicher Tag, der wieder einmal mehr zeigte, wie wunderschön Berlin und sein Umland ist. Und jetzt brauche ich mindestens eine Wildkräuter-App, Enzyklopädie und Lupe – nun weiß ich ja, wie man den Pflanzen in ihrer Bestimmung ganz nahe kommt.

6 Kommentare:

Lola Stern hat gesagt…

Das klingt nach einem ganz fantastischen Ausflug. Ich wusste bisher gar nicht, dass man die Früchte der Felsenbirne doch naschen kann. Mir war sie immer nur als Zierpflanze im Kopf.

multikulinaria hat gesagt…

Liebe Claudia,
vielen Dank für den stimmungsvollen Bericht vom Sonntag. Ich habe die Zeit mit euch, die Sommerblumen und immer wieder lohnenswerte Umgebung auch sehr genossen. Die Felsenbirnen sowieso!

In meinem Blog gibts in der PflückStück-Serie übrigens auch ein Portrait der Silberblättrigen Taubnessel (alsbald auch Felsenbirne) zu gucken.
http://www.multikulinarisch.es/1038-pflueckstueck-silberblaettrige-taubnessel-goldnessel.html

creezy hat gesagt…

@Lola Stern
Ich hatte die Felsenbirne bisher auch nur unter Vogelfutter verbucht. Aber sie ist für uns genießbar. Die Steine haben wohl etwas Blausäure, darauf sollte man nicht zu viel beißen (aber das passiert beim Essen auch eher nicht.)

@Peggy
Danke – und ich gehe gleich mal gucken! ;-)

arboretum hat gesagt…

Was für eine schöne Tour, die macht ja schon beim Lesen Spaß.

Barbara hat gesagt…

Klingt nach einer rundum gelungenen Tour & sieht auch so aus! Was die Wildkräuter-App angeht: Gerade am Sonntag schwärmte bei der Brunch-Einladung ein anderer Gast von Pl@ntNet - kannst ja mal checken, ob die was wäre.

creezy hat gesagt…

@arboretum
Das war sie, einfach schön – und so perfektes Wetter! ;-)

@Barbara
Dankeschön für den Tipp, da gucke ich morgen gleich mal genauer hin! ;-)

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