2015-10-10

Nähmaschiniges

Vor zwei Jahren besuchte ich einen Nähkurs bei der Volkshochschule. Nicht den ganzen Kurs, ich bin nach drei Tagen ausgestiegen, weil ich mit der Dozentin kein bisschen klar kam. Das war schade aber da die Frau wenig Interesse zu haben schien, uns etwas beibringen zu wollen, entschied ich mich, mich nicht weiter über sie ärgern zu wollen – und lernte weiterhin lustige Dinge zum Thema Nähen via YouTube.

Wer mein Blog schon etwas länger liest, kennt die schmerzlichen Geschichte vom Nähmaschinen-Austausch bei dieser Volkshochschule. Gute unkaputtbare Paff-Nähmaschinen wanderten zur Caritas und der Einkäufer stellte von Brother das Anniversary-Modell hin. Maschinen, die heute noch gute 300,— Euro kosten.

An einer solchen Maschine im gleichen Raum wie damals nähte ich nun heute gute zwei Jahre später in einem VHS-Wochenendekurs mit lauter Teilnehmerinnen, die bis auf zwei Ausnahmen größtenteils schon sehr viel Ahnung haben vom Nähen. Und ich kann nur sagen: die Maschinen sind nach nur zwei Jahren offensichtlich so runter gerockt, dass es keinen Spaß macht mit ihnen zu arbeiten. Noch nie habe ich so schlampig einen Reißverschluss eingenäht, eine gerade Naht scheint bei der Maschine der unmögliche Fall. Der Einfädler funktioniert alle drei Versuche einmal, bei manchen Maschinen gar nicht mehr. Ich hatte heute alleine drei gerissene Fäden (so etwas kenne ich an meinen Maschinen überhaupt nicht.) Bei einigen Maschinen näht die Maschine rückwärts, via Tastensdruck, nur noch einen Stich. Die LED-Lampen sind Funzeln (dagegen strahlt die Lampe an der Pfaff hell wie der Morgenstern.)

Meine Tischnachbarin hatte gleich – wohlwissend, sie mag die Maschinen nicht – ihre eigene Singer mitgebracht, ein etwas besseres Modell als die Aldi-Einstiegssinger, wie sie sagte beim TV-Sender eingekauft. Auch diese Maschine – auf die wohl noch Garantie ist – zeigt heute bereits erste Auflösungserscheinungen am Gehäuse und hatte zum Ende des heutigen Tages hin den Dienst direkt ganz quittiert.

Dafür piepen die Maschinen schön. Ich will nicht sagen, dass diese Brother Maschinen Schrott sind – aber wer viel nähen möchte und regelmäßig, möge davon seine Finger lassen.

Die Dozentin war irgendwann leicht verzweifelt, weil sie mehr Maschinensupport andienen musste als Hilfestellung bei den einzelnen Nähprojekten geben konnte. Was der Sinne der Sache wohl eher nicht ist. Ich denke, ich nehme morgen mein nette kleine kompakte immer willige unkomplizierte gänzlich analog funktionierende Wertarbeit-Maschine mit. Diese Brother dort tue ich mir nicht noch einmal an.

Soviel also dazu.

Lustiges Erleben nebenbei. Das Gespräch kam auf andere VHS-Nähdozentinnen und zwei Teilnehmerinnen regten sich über eine der Damen auf. Unmöglich, was die für einen Ton am Leibe hatte, habe die Teilnehmerinnen wie Lehrlinge behandelt usw. usf. Ich konnte nur nicken und wusste sofort, von wem die sprachen. Fünf von heute acht Teilnehmerinnen kannten die Dame, eine fand sie gut, vier (einschließlich meineeine) waren gar nicht begeistert, drei davon hatten ihren Kurs vorzeitig verlassen. Oder wie unsere heutige Dozentin still und leise meinte, „Frau Z. würde nicht mehr so viele Kurse geben.”

Hach ja nun näch?!

2 Kommentare:

Lucy in the Sky hat gesagt…

Abgenudelte Maschinen nach 2-3 Jahren entspricht auch meiner Erfahrung. Ein paar Chipsätze für noch mehr Zierstiche kosten den Hersteller so gut wie nichts, der spart lieber am Metall im Inneren. Hätte ich ein Nähcafe, würde ich lauter robuste, vollmechanische Maschinen hinstellen - leider finden viele Nähanfänger die Dinger total unsexy, die wollen was mit Display, was blinkt und piept. Also die haben dann quasi das Gefühl, als sollten sie mit einem Wählscheibentelefon nähen, und wollen lieber ein Iphone. Deshalb verkaufen sich die billigeren computerisierten Maschinen so gut, schätze ich.

creezy hat gesagt…

@Lucy in the Sky
Ja. Vermutlich. Dabei ist dieses ganze Display-Gedöns ja wirklich nur eingebaute zusätzliche Fehlerquelle – denn tatsächlich können die ganz oft nicht einen Stich, einen Zierstich mehr als das analoge Äquivalent.

Besonders irritiert hat mich heute bei der Brother-Maschinen dieser Temperaturregeler. Mir wird also als Feature verkauft, dass ich das Tempo nicht mehr über das Pedal regeln kann. Hm … (natürlich begreife ich Temperaturregeler zusammen mit Tastennähfunktion als Feature für Barrierefreiheit absolut willkommen.) Aber für alle anderen empfinde ich das eher als Bug.

Und mir ist in diesem Jahr sehr ausdrücklich heute bereits zum vierten Mal empfohlen worden, man solle die Finger von Maschinen lassen, die diese neue automatische Unterfadeneinfädlung hat. Also die, wo die Spule jetzt horizontal liegt. Soll der absolute Schrott sein und erstes Bauteil, das erneuert werden muss regelmäßig. ,-(

Jedenfalls ist für morgen die kleine schwere (im Vergleich zur alten Pfaff natürlich sehr leichte) W6t gepackt. ,-)

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