2015-09-28

Was mein Copy-Shop mit der Vorratsdatenspeicherung zu tun hat

Mein bevorzugter Copy-Shop ist der in der Dresdener Straße nahe am Kotti. Das ist übrigens auch der Lieblings-Copy-Shop von vielen anderen meiner Mitmenschen, weswegen er sehr oft sehr unangemessen voll ist. Aber dort kann sich nun wirklich keiner über Rentner beklagen, die erst um siebzehn Uhr oder früher oder später zum Copy-Shop gehen, das verbietet der ewig junge Altersdurchschnitt (selbst wenn ich die heiligen Halle betrete) und deshalb halten alle die Klappe, stellen sich an und warten brav.

Die Mitarbeiter in dem Copy-Shop haben grundsätzlich die Ruhe weg und für ein sehr illustres analoges Unterhaltungsprogramm sorgen allerlei illustrierte oder verbale Verhaltenshinweise an den damit komplett zugeklebten Wänden im oberen und natürlich auch unteren Humorniveau, die inhaltlich prima untermalen, dass das sich Beschweren in diesen heiligen Hallen verhältnismäßig ungern gesehen und daher eh strengstens ignoriert wird. Tatsächlich muss ich aber sagen, ist dort die Trefferquote im Humoristischen selbst für mich erstaunlich hoch. Es ist viel typischer Berliner Humor dabei. Ausgeschrieben.

Für den Laden sprechen somit letztendlich nicht nur die angenehm günstigen Preise, sondern seine Berliner Schnauze.

Neulich war ich dort wieder einmal vor Ort und orderte drei Farbdrucke. Ich war früh am Tag dort, es war erschreckend leer, was mich fast ein bisschen aus meiner Umlaufbahn warf. Da trat ein junger Mann in den Laden und erklärte dem Mitarbeiter am Tresen, er habe neulich beim Kopieren vor Ort seinen USB-Stick vergessen. Der Mitarbeiter nickte mächtig unbeeindruckt, ging in den hinteren Ladenbereich, kehre mit einer Kartonhälfte in DinA3-Größe zurück (diese Art Deckel, wie sie von den Umverpackungen von Kopierpapier abzuheben sind), der über und übervoll mit USB-Sticks und Speicherkarten jeder Farbe, Hersteller, Couleur und vermutlich auch Speicherkapazitäten war. Der Mitarbeiter sprach ganz gelassen: „Wenn Du ihn da wieder findest, kannste ihn mitnehmen.”

Der junge Mann wühlte und suchte und meinte dann verdrießlich „Nee, is‘ wohl nich.” Und ging. Während ich zurück blieb und noch leicht fassungslos auf diese Kiste starte und kapiert habe, warum den meisten Menschen in Deutschland ihre persönlichen Daten, und was die Regierung mit ihnen anstellt, völlig egal ist.

Es ist ihnen einfach völlig egal!

2 Kommentare:

Memoto hat gesagt…

Oh, Mann! Da kannste gar nicht so oft mit dem Kopf auf den Tisch knallen, wie du möchtest.

Werner hat gesagt…

Hallo Frau creezy,

als unregelmäßiger Querleser des blogs möchte ich hier noch anmerken, daß das weitere Problem hier hinsichtlich des Vertrauens gegenüber dem Copyshop besteht. Denn moderne Fotokopierer speichern alles zwischen, u.U. sogar auf Festplatte und sind vom Verfügungsberechtigten grundsätzlich nachträglich auslesbar bzw. manipulierbar. Dagegen bieten die Hersteller sogar teure Zusatzsoftware an, googeln sie bei Interesse doch einmal eine Suchwortkombination wie "Fotokopierer Zwischenspeicher Datenschutz"!

Ansonsten möchte ich noch nachträglich zum 50. gratulieren, sie hatten diesen Sommer ja wohl einen guten Lauf mit vielfältigen Outdooraktivitäten und Sozialkontakten.

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