2010-05-21

Über solche Gerichtsurteile …

aus der Steinzeit rübergerettet ins Heute, bin ich so dermaßen fassungslos.

Homosexuelles Paar in Malawi zu 14 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.
Quelle: taz

Malawi liegt auch in Südostafrika. Südafrika ist der Austragungsort der Fußballweltmeisterschaft 2010.

5 Kommentare:

Mechatroniker hat gesagt…

Kleiner Einspruch:
Malawi ist ein Land im Süden Afrikas und hat nichts mit dem Land Südafrika zu tun.
Was an der Steinzeitlichkeit natürlich nichts ändert...

creezy hat gesagt…

@Mechatroniker
Danke für den Einwurf, habe es noch mal geographisch präzisiert.

Man kann natürlich sagen, dass in Südafrika die Welt gesetzlich gesehen ein ganz andere ist. Tatsächlich fallen gesetzliche Anpassungen zugunsten einer gesellschaftlichen Gleichberechtigung in die Bewerbungszeit Südafrikas als WM-Austragungsort.

In der Realität heißt das jedoch, dass 63% der Südafrikaner sich gegen homosexuelle Beziehungen aussprechen. Lesbische Frauen werden gerne mit „corrective rapes“ gemaßregelt. Oft ausgeführt von Lehrern oder Studenten, als „Umerziehungsmaßnahme.“ Da es gleichermaßen in Südafrika keine Gesetzesgebung gegen Hassverbrechen gibt, werden dieses Vergewaltigungen von der Polizei/Gesetzgebung nicht verfolgt. Weiße Lesbinnen haben eine größere Chance nicht vergewaltigt zu werden als schwarze oder indische Lesbinnen.

Am Ende muss man wohl sagen, die gelebte Praxis auch in Südafrika gibt den Ausschlag.

nachtschwester hat gesagt…

In meinem (europäischen) Exilland wurde gerade unter frenetischem Beifall der EU-Beobachter für die Reformbereitschaft der Regierung ein Antidiskriminierungsgesetz verabschiedet - das Homosexuelle nicht einschließt. Die gelten als psychisch krank, Zwangseinweisung in die Psychiatrie wird immer wieder öffentlich gefordert und kann passieren. Für steinzeitliche VErhältnisse braucht man gar nicht immer auf Afrika zu zeigen.
Das Maß an Rechtssicherheit und political correctness, in das wir in der westlichen Welt hineinsozialisiert wurden, ist ein Privileg, das nur nur ein ganz kleiner Teil der Weltbevölkerung genießt, und dem ist das oft gar nicht klar.

creezy hat gesagt…

@nachtschwester
Da hast Du völlig Recht. Der zwangsgeoutete Bekannte aus Bulgarien wurde von den Eltern auch als erstes zum Psychiater gebracht, der von einer vorübergehenden Krankheit sprach. Davon mal ganz abgesehen hört die political correctness direkt an den Grenzen Deutschlands schon auf, was das Thema angeht. Die Ostblockstaaten sind bekanntermaßen noch lange nicht so weit. Und: die social correctness in Deutschland lässt selbstverständlich genauso nach wie vor zu wünschen übrig.

Mechatroniker hat gesagt…

Berlin.
Wie inzwischen bekannt wurde, bewirkte Creezys Blogpost über steinzeitliche Urteile in Malawi nun die Aufhebung des Urteils.

Quelle: Taz.de vom 30.05.2010
http://www.taz.de/1/politik/afrika/artikel/1/gnade-fuer-schwules-paar-in-malawi/

Cheerio,
der Mechatroniker

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