2008-09-22

Sarah Lund

Geständnis: ich gucke deutlich seltener Tatort als das ich die Krimis am späteren Sonntagabend im ZDF gucke. Das sind die britischen schrulligen Kommissare oder die ewig deprimierten Ermittler aus dem hohen Norden Europas. Und im Moment ermittelt seit zwei Sonntagen neu »Kommissarin (Sarah) Lund – Das Verbrechen».

Kurz die Story: die Komissarin Lund hat ihren letzten Arbeitstag in Kopenhagen, will am Abend mit ihrem Sohn zu ihrem Freund nach Schweden ziehen. Zunächst wird sie mit ihrem etwas ungestüm ermittelnden Nachfolger zu einer Waldlichtung zum Fundort eines mit Blut benetzten Schals beordert. Wegen einer am Ort gefundenen Videothekkarte wird gegen den ersten Verdächtigen ermittelt wird, obwohl man noch gar keine Tat nachweisen kann. Es stellt sich heraus, dass dieser erste Verdächtige der Vater einer 19-jährigen Schülerin ist, deren Schal es auch ist, der gefunden wurde und die zum gleichen Zeitpunkt anderen Orts in der Schule erstmals von der Schulfreundin vermisst wird. Das ist ein anderer Einstieg in eine Mordermittlung als sonst üblich.

Später wird ein Leihwagen der Wahlkampfabteilung des, den alteingesessenen Bürgermeister herausfordernden, Lokalpolitikers aus dem Wasser geborgen, im Kofferraum die Leiche des Mädchens. Vor dem Leichenfund hat der Zuschauer bereits so viele Charaktere kennengelernt, dass er vier Verdächtige zur Auswahl hat: den Arbeitskollegen vom Vater, einen Schulfreund, den netten Lehrer, den netten jungen aufstrebenden Politiker, den Bürgermeister als etwaiger Fadenzieher, einen Aushilfsfahrer.

Zwei von ihnen möchte man aus Sympathiegründen direkt abwählen, darf aber nicht. Am Ende des ersten Teiles verletzt einer der Verdächtigen (der Aushilfsfahrer) im Nahkampf die Kommissarin, die ihre Dienstzeit in Kopenhagen um eine Woche verlängert hat, weil ihr Ehrgeiz nicht zulässt diesen Fall ihrem Kollegen alleine zu überlassen. Der Verdächtige wird auf der Flucht schwer verletzt, liegt kurz darauf mehr tot als lebendig, dafür aber nicht mehr verdächtig, im Krankenhaus. Im gestern ausgestrahlten zweiten Teil sind noch ein paar Verdächtige hinzugekommen.

Das ist mal ein excellenter Krimi, wie üblich bei den Nordlern vom Weißabgleich in düsteres Blau getaucht, dessen einzelne Folgen recht lang sind aber – obwohl ruhig geschnitten – keine Langeweile aufkommen lassen. Selbst kleinste Nebenrollen sind mit unglaublich guten Schauspielern besetzt, denen viel Raum gegeben wird. Wie man geführt wird, die Mutter innerhalb ihrer Trauer und ungeklärten Fragen begleiten zu müssen, lässt nicht kalt. Oder sich hinter den Kulissen des Lokalpolitkers die kleinen Machtgespinste in seinem Team entwickeln, das ist unerwartete Fernsehqualität. Jede Folge dauert ca. 110 Minuten – ohne Werbeunterbrechung. Acht Folgen werden die kommenden Sonntage jeweils um 22:00 Uhr noch ausgestrahlt.

Kleines Problem für diejenigen, die gestern erst eingestiegen sind: beim ZDF ist nur die jeweils aktuelle Wochenfolge online. Hat zufällig jemand Teil eins für's stilhäschen?

2 Kommentare:

juf hat gesagt…

In der Tat: Endlich wieder ein Grund für TV-Gebühren. Zumal man sich dänische Krimis so schlecht im Original ansehen kann.

Anonym hat gesagt…

also, ich bin schon ein echter krimi-fan. aber das "kommissarin lund" so auf die beine stellt, ist einfach oberklasse. die serie ist mein absoluter favorit für das jahr 2008 auf "beste serie". drehbuch, dramaturgie, schauspieler: alles absolute spitzenklasse. so macht fernsehen spass... weiter so! :-)

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