2026-03-26

Tischlein deck dich! im Nah und Fern | Fusion Kitchen

Ich finde, es gehört eine ordentliche Portion Mut dazu, in diesen Zeiten in Berlin ein Restaurant zu eröffnen. Lisa, Kevin und Maikel sind's. Die drei Begründer*innen des Nah und Fern | Fusion Kitchen in der Schönhauser Allee 135 a haben im letzten Sommer ein gemütliches Refugium unweit der U-Bahn-Station Eberswalder Straße eröffent.

Die Einrichtung ist klar, modern und trotzdem gemütlich. Im Winter bollert der kleine Kamin in dem hinteren Zimmer, das von den wunderschönen Fenstern in warmes Licht getaucht ist. Berliner würden sagen, das ist ein schmucker Ort mit kleinen Raffinessen. Und einem sehr freundlichen Empfang.
Die drei Gastrobegeisterten haben ihre persönlichen Talente und Professionen in die gemeinsame Waagschale geworfen und eine GmbH gegründet. Die Geschwister Lisa und Kevin mit deutsch-vietnamesischen Wurzeln und Koch Maikel Gööck (als Geschäftsführer). Das spricht für Selbstbewusstsein und ihren Glauben an das Nah und Fern – auch in diesen komplexten Zeiten für Gastronomien.
Lisa, als gelernte Restaurationsfachkraft, ist uns Gästen eine reizende Begleitung durch den Abend, Kevin sieht seinen Platz hinter der Bar. Zu Recht, die Cocktailkarte des Nah und Fern | Fusion Kitchen kann sich sehen lassen – auch in ihrer alkoholfreien Variante.
Die restliche Spirituosenkarte ist angenehm übersichtlich. Drei weiße Weine, zwei Rote, ein Rosé, zwei Crémant (weiß/rosé), zwei Biere mit, zwei ohne Umdrehungen. Ich mag das, der Sauvignon Blanc von Jochen Uebel aus der Pfalz begleitet unser Menü – absolut passend.
Maikel Gööck war lange Küchenchef in der Rôtisserie Weingrün, wo Lisa und er sich gefunden haben. Seine Küche ist die Begegnung der deutsch-französischen Liaison, die nun durch den Ausflug ins ferne Vietnam zu einer wundervollen, leichten Ménage à trois gewachsen ist. Die Karte des Nah und Fern | Fusion Kitchen ist da Programm. In jedem vermeintlich deutschen, französischen oder asiatischen Gang begegnet uns ein aromatischer Gegenspieler der jeweils anderen Küche. Das ist überraschend gut und macht Spaß!
Auch die Karte ist dabei angenehm übersichtlich geraten. Es gibt vier Vorspeisen, drei Hauptspeisen, drei Desserts – natürlich auch in einer veganen Variante zu genießen. Parallel dazu kann ein 3- bzw. 4-Gang-Menü gewählt werden. Einige Gänge lassen sich charmant upgraden – zum Beispiel der aromatische Reisnudelsalat, den es gegen Aufpreis auch mit Garnele gibt.
Den Reisnudelsalat mit Tofu ergänzen auf der Vorspeisenkarte Rindertatar oder der (wirklich!) perfekte Caesar Salad mit Granatapfelkern.
Die Hauptgänge: Backhähnchen, Bao Buns oder vietnamesische Königsberger Klopse – vom Kalb – und geröstete Miso-Aubergine mit Kartoffel-Wantans als vegetarische Variante. Für Abwechslung sorgen die Menüs auf der Karte, deren Gänge sich von den üblichen Angeboten gänzlich unterscheiden – so durchaus Flexibilität im Angebot ermöglichen. Wir probieren aber das einzigartige Menü zu einem besonderen Event: Lisa, Kevin und Maikel feiern ihr Kiezfest „Tischlein deck dich!” und möchten sich mit diesem Menü ihrer Nachbarschaft am 31.03.2026 ab 18 Uhr (das getimte Menü startet um 18:45 Uhr) vorstellen. Und ja, es lohnt sich!
Es wird ein 3-Gang-Menü zum Sharing serviert, wahlweise mit Bier- oder Weinbegleitung für je 74,— bzw. 84,— Euro pro Person inklusive Wasser.
Der Aperitif (optional) wird mit 5,— Euro berechnet. Wir starten damit und lassen uns von Kevins Signature Drink überzeugen: Das ist der Yuzu Spritz, mit und ohne Alkohol bestellbar. Leicht, softes Zitrusaroma, zarte Süße, die sich nicht in den Vordergrund spielt.
Sensationell das selbst gebackene Brot, das mit Miso-Butter serviert wird. Krachend knusprig, würziger Geschmack der lockeren Krume. Die erste Portion geht aufs Haus, die nächste wird für 3 Euro serviert.
Ganz ehrlich? Ich könnte hierherkommen und nur das Brot essen! Und mit der Idee war ich nicht alleine.
Zu diesem extrem köstlichen Brot servieren sie als Vorspeise den schon erwähnten Reisnudelsalat und einen gepickelten Knollensellerie mit Kräutersalat als Inlay und dazu einem würzigen Sesam-Dressing, er hatte mein Herz im Sturm erobert. Leichter Biss, gute Aromen – der Sesam tut der erdigen Knolle wirklich gut.

Auch zum Teilen gedacht, sind die drei Begleiter des Hauptganges.
Und da werden die faszinierend zarten-knusprigen Backhähnchen von Borgmeier mit spicy Chili-Mayonnaise von der Hauptkarte serviert, die uns in der Runde sehr begeistert haben. Das Fleisch butterzart, der Crunch krachend gelungen.
Gemeinschaftliche Liebe zum begleitenden Nouc-Cham-Kartoffelsalat, der mit einem Hauch Fischsauce abgeschmeckt wird. Asiatische Fischsauce, zarte Schärfe der Nouc-Cham an Kartoffel mit Radieser und Schnittlauch, den aromatischen Knusper liefert die Senfsaat – unbedingt merken!
Ein zartes, perfekt rosa gebratenes Flanksteak im Tagliata-Style serviert (mit Estragon-Beure-Blanc) und die asiatische, würzige Komponente: geschmorte Short Ribs mit gepickelten Zwiebeln. Wirklich zart und würzig in ihrer perfekt abgeschmeckten Teriyaki-Sauce. Begleitet von eingelegtem Gemüse und einer sehr gelungenen Variante des Caesar-Salats mit Wasabi-Limettendressing und Granatapfelkernen.

Dieses Menü ist eine gelungene Kombination zwischen den Welten, Maikel versteht seinen Job in der Küche absolut, und die Kreativität, die alle drei uns Gästen im Nah und Fern zumuten, unterhält und öffnet unseren Horizont! In diesem Menü kann sich jeder wiederfinden – und auch wenn es jetzt etwas sehr fleischlastig klingt, natürlich haben die drei eine vegane Variante in petto!

Wir hatten einen schönen und vor allem leckeren Abend, so charmant begleitet von unseren herzlichen Gastgebern. Der ein noch köstlicheres Ende fand mit der Runde Cocktails, die Kevin zauberte, und Lisa servierte dazu eine besondere Crème brûlée mit Aromatiken von Limette und Ingwer und dazu ein Zitrusfruchtkompott mit Jackfruit.
Also: Wenn ihr am 31.3.2026 noch nichts vorhabt. Hier könnt ihr euren Tisch und euer Menü buchen.

Und auch sonst empfehle ich herzliche gerne einen Besuch im Nah und Fern | Fusion Kitchen. À la carte bietet es mit spannende Begegnungen. Das Nah und Fern öffnet seine Fusion Kitchen Dienstags bis Samstags von 17.00-22:00 Uhr.

2026-03-23

Die Tenuta Lagala – Weingenuss und perfekte Gastfreundschaft in Venosa

Venosa ist ein entzückender Ort mit kunstvollem Flair. Und die Tenuta Lagala als Cantina und Agriturismo ist eine zauberhafte Gaststätte und Pension inmitten der Weinreben samt Ziegen, Hühnern und Katzen mit herzlichen Gastgebern.

Ein Ort zum sich Wohlfühlen!
Venosa – einst Handelsmetropole, heute voller archäologischer Schätze

Venosa liegt in der Provinz Potenza der Basilikata, knapp hinter der Grenze zu Apulien. Von Matera ist man in einer Stunde Autofahrt dort, von Bari aus fährt man ca. 100 Minuten mit dem Auto, zwei Stunden wird ein Bus brauchen. Venosa hat alles, was eine kleine Ortschaft mit knapp 12.000 Einwohnern ihren Besuchern bieten kann: Historie, buntes Leben und die grandiose Küche mit ihren exzellenten Weinen!
Hübsche kleine Gassen mit ebensolchen Häusern vermitteln heute noch den Eindruck ihrer früheren Glanzzeit. Auf der Piazza Umberto beeindruckt die Villa Communale mit ihrer Pracht.
Ein Ausflug in die Geburtsstadt des lateinischen Dichters Quintus Horatius Flaccus (65 v. Chr.) – kurz als Horaz bekannt – lohnt sich absolut! Sein Geburtshaus steht heute noch, kann allerdings nur von außen bewundert werden.
In der Nähe auch seine Statue. Überall in der Stadt gibt es kleine kunstvolle Hinweise, die es zu entdecken gilt. Ein Spaziergang durch Venosa ist eine Freude.
Bunte Häuser, schmale Gassen. Der Ort liegt leicht erhoben an den Hängen des Monte Vulture. Der erloschene Vulkan hatte zum letzten Mal 40.000 Jahre vor Christus für vulkanüblichen Ärger gesorgt – übrigens mit der gleichen Größe wie der Vesuv.


Weinregion mit vulkanischem Flair

Die Gegend verdankt ihm heute aufgrund der ausgezeichneten Bodenverhältnisse den Aglianico del Vulture DOC, dem köstlichen Rotwein aus dieser Region der Basilikata. Übrigens finde ich die herausragenden Weine der Basilikata bei uns in Deutschland noch gar nicht ausreichend wertgeschätzt. Ach, und hatte ich eigentlich schon erwähnt, wie sehr ich die Landschaft der Basilikata liebe?
Als Horaz hier geboren wurde, galt Venosa, das ca. 291 v. Chr. von den Römern noch als Vensusa erobert wurde, als eines der relevantesten Handelszentren im Römischen Reich. Gegründet wurde die Stadt an den Ufern eines alten, seit Jahrhunderten trocken liegenden Sees. Die Lage an der Via Apia spricht für sich. Aus dieser Glanzzeit können die Ruinen eines Amphitheaters, ein Wohnhaus und Thermen besucht werden.
Das beeindruckende Castello ducale del Baluzo mit seinem (trocken liegenden) Wassergraben und den vier zylindrischen Türmen entstammt dem 15. Jahrhundert. Heute ist es der Sitz des Archäologischen Nationalmuseums, das die Fundstücke zeigt, die im Archäologischen Park von Venosa am Stadtrand gefunden wurden. Das Schloss stammt aus der Regierungszeit der Aragoneser. Ich habe es nur bei Nacht gesehen, unbedingt ein Grund für mich, nochmals Venosa zu besuchen!

Auch sehenswert müssen die jüdischen Katakomben sein, die im 3./4. Jahrhundert n. Chr. tief in den Hügel Maddalena hineingetrieben wurden und als Grabstätten bemerkenswerte Fresken zeigen.

Venosa besitzt einen entzückenden Mix aus Historie und Moderne – und ist auch eine lebendige Stadt. Umfriedet von einer traumhaft schönen Natur!
Wenngleich man oft leider sieht, dass die Menschen auch wegziehen und das eine oder andere Geschäft nicht mehr von der Familie fortgeführt wird. Kleine Bars servieren fantastische Weine der Basilikata – und natürlich den guten italienischen Caffè. Unser Ausflug in die Pizzeria Ganea am Abend hatte uns absolut überzeugt.
Ich war wirklich gerne hier – und obwohl uns am Nachmittag der stete Regen erst einmal vertrieben hatte –, wie schon geschrieben, möchte ich sehr gerne Venosa noch einmal länger entdecken! Schon alleine wegen der vielen Kunstobjekte, die man überall in dieser Stadt entdecken kann.

Agriturismo e Cantina Tenuta Lagala – Urlaub mit Ziege, Pool, Wein und manchmal Gesang

Vor einem heftigen Regenguss retteten uns Angelica und Arnaldo in die Tenuta Lagalla, bei denen wir zur Nacht eingeladen waren.
Das Ehepaar hat sich hier auf dem Bauernhof der Familie ganz auf Gäste eingerichtet. Mein Zimmer trägt den fröhlichen Name Hippos, denn: Pferdesport ist hier auch möglich.
Es sind einfache, aber gemütlich eingerichtete Zimmer – eines davon im kleinen Wachturm. So lässt es sich sehr gut auf 3-Sterne-Niveau Urlaub machen.
Hier werden in dem schönen Restaurant und der Weinbar mit Blick auf die Weinberge die herausragenden Weine, die Arnaldo produziert, serviert. Ebenso das prämierte hauseigene Olivenöl – und was Angelica in der Küche damit mit ihrer Crew für ihre Gäste kreiert, ist einfach nur lecker!
Die Hausherrin lässt es sich auch nicht nehmen uns zum Frühstück ihre selbst gemachte Ricotta zu servieren! Gastfreundschaft am Tisch lautet ihr Credo.
Und es stimmt, alleine, was die beiden uns zu einem späten Pranzo zu unserer Begrüßung servierten – natürlich nur aus den Produkten der Umgebung – ach, ich hätte von dem Tisch gar nicht mehr aufstehen mögen! Pizette mit aromatischen Funghi oder Tomaten, Catalogna, Stracciatella zu den Tomaten, würziger Käse …
Zu meinem Besuch in Venosa und bei der Tenuta Lagala kann ich nur sagen: Er war eindeutig zu kurz! Venosa ist ein bezaubernder Ort mit zu entdeckender Geschichte und in der Tenuta kann man sich richtig gut erholen, einschließlich einiger Kilo mehr, die man wohl mit zurücknimmt. Im Koffer und auf der Hüfte.

Natürlich möchte ich einen besonderen Protagonisten nicht unterschlagen: Von Juni bis Oktober sorgt der zum Agriturismo gehörende Pool für Erfrischung, der ausschließlich den Gästen vorbehalten ist.

Cantina Tenuta Lagala – Arnaldos Weine sind international gefragt

Arnaldo hatte die Vision einer Cantina mit seinem Bruder in die Realität umgesetzt. Nach dessen plötzlichem Tod hat er die Weine und künftig auch feinen Spumante der Tenuta Lagala alleine zu Ruhm und Ehren führen müssen. Aber mit Erfolg: Als wir im Herbst zu Besuch waren, war ein neuer, größerer Weinkeller gerade fertiggestellt und die ersten Tanks waren eingezogen.
Sein Rotwein, der Nero degli Orsini, ist prämiert mit drei Gambero-Rosso-Gläsern.
Sein Spiralis Aglianico Bianco di Basilica IGT ist mehrfach auch internationaler Preisträger, um nur zwei seiner ausgezeichneten (im doppelten Sinne des Wortes) Weine zu nennen.

Sein neuestes Flagschiff ist ein Spumante, noch in seiner Kulturphase. Wir dürfen ihn zwar schon verkosten, noch aber er nicht auf dem Markt. Was für eine große Ehre!
Arnaldos Weine sind inzwischen international hochgeschätzt.
Ich bin voller Zuneigung zu Maddalena, dem Rosé von Arnaldo. Die Rebe der Aglianico Basilica I.G.P. wird am Spalier gezogen und reift sehr spät. Die Mazeration erfolgt acht Stunden auf der Maische, Ausbau im Stahltank und mindestens drei Monate Flaschenreife, bis dieser Rosato den Markt betritt. Da sind rote Früchte im Glas, Beeren, Granatapfel und Muskat, ein sehr würziger und ausgewogener Rosato mit 12,5 Vol. Toll!
Wer es spritziger mag, den wird auch das frische Äquivalent als Frizzante gekeltert begeistern: Angelica del Vulture. Ein zauberhaft tiefes Rosé im Glas liefert Waldfrüchte, Himbeeren mit Zitrus am Gaumen und hinterlässt Eindruck im Abgang. Dieser Frizzante ist der perfekte, lebhafte Begleiter im Glas an warmen Sommertagen.
Die Zeit in seinem Weinkeller, der teilweise dem Labor eines Chemikers gleicht, haben wir alle flüssigen Köstlichkeiten sehr genossen. Es war auch so spannend, seine Spumante auf dem Weg ihrer köstlichen Werdung kosten zu dürfen. Und das alles liegt idyllisch, nebenan gackern die Hühner und meckern die Ziegen. Eigene Tiere dürfen hier übrigens (gegen Aufpreis) mitgebracht werden.
Arnaldo zeigt mir die Katzenbabys, die im Stall in der Nähe der Küche in Sicherheit aufgezogen werden. (Mehr für die Babys, als für die Küche.)


EVO Essenza – die grüne Essenz aus vulkanischem Boden

Olio EVO Essenza ist ein weiteres köstliches Geschenk, das aus der harten Arbeit der beiden resultiert. Diesem exquisiten Olivenöl, wie auch den Weinen der Tenuta Lagala, hilft es sehr, dass die Böden in der Region rund um Venosa aus Vulkangestein bestehen. Dem Öl kommt er im besonderen zugute, er schenkt den Coratina-Oliven ihre bittere Note mit einem pikanten Abgang.

Daher sind seine organoleptischen Eigenschaften bemerkenswert, in ihrer pfefferigen Note deutlich zu empfinden und sie waren Gambo Rosso 2024 bereits die Auszeichnung zweier Olivenblätter wert. Das Öl ist ein Cuvée aus den Sorten Ogliarola und Coratina. Die Ogliarola steht für den fruchtigen, aromatischen Geschmack, die Coratina liefert die gesunde Bitterkeit und Schärfe. Zu den eh schon schönen Restauranträumen gehören im Hintergrund noch eine große Eventhalle für italienische Familienfeiern – und diese können halt immer etwas größer ausfallen. Sicher kann es da in der Saison auch einmal etwas lebendiger werden – aber als Gast dazugebeten zu werden, ist in Italien wohl obligatorisch. Und: Es ist ein Agriturismo – wer hier zur richtigen Zeit urlaubt, wird die hohe Kunst der Weinlese oder Olivenernte miterleben dürfen.

Spätestens, wenn die Arnaldo seine Weine und Angelica ihre köstliche Küche serviert, wird jeder Moment in dieser traumhaft schönen Umgebung zum Feiertag! Mit solchen Aussichten?
Also … wenn Basilikata, unbedingt auf nach Venosa!


Tenuta Lagala
Strada provinciale 18
Ofantina 85029 Venosa
mobil: +39 3463098413
e-mail: info@lagala.it
e-mail: prenotazioni@lagala.it

2026-03-22

Aperitivo mit Diane in Bernalda

Heute machen wir in der Basilikata einen kurzen Ausflug nach Bernalda. Die kleine Gemeinde zählt knapp 12.000 Einwohner und liegt in der Provinz Matera, knappe 40 Kilometer südlich von der Provinzhauptstadt entfernt. Von Apulien über Taranto aus fährt man mit dem Bus 90 Minuten dorthin.

Wie viele Orte in der Basilikata liegt auch Bernalda auf einer Anhöhe – von einigen Standpunkten des Ortes hat man einen fantastischen Blick auf die typische, fließende Landschaft Lukaniens. Das Castello di Bernalda auf der Piazza San Bernardino da Siena wurde von Normannen erbaut, später von den Argonen eingenommen. Die heutige Version ist im Jahr 1470 von Bernardino de Bernaudo (Sekretär des Königs Alfons II. von Neapel) auf den Ruinen der normannischen Burg errichtet worden. Nun ratet, woher Bernalda wohl seinen Namen bekam?

Die Festung mit drei Ecktürmen und einem umfangreichen Tunnelsystem, kann nach jüngst abgeschlossenen umfangreichen Restaurierungsarbeiten besichtigt werden. Ihr zu Füßen liegt in Richtung Küste das Naturschutzgebiet Metponto mit seinen archäologischen Städten und dem Nationalmuseum von Metaponto.

Diese Gegend in der Basilikata galt 773 n. Chr. als eine der bedeutenden Städte von Westgriechenland. Heute locken die Indizien der Vergangenheit, wie der Apollo-Lycus-Tempel oder die Nekropole Crucinia. Im Nationalpark wandert man zum Salinella-See oder streift durch den Bufalra-Wald.

Eine weitere Sehenswürdigkeit von Bernalda ist die Chiesa Madre di San Bernardino da Siena. Sie liegt dem Castello direkt gegenüber. Die Kirche wurde 1510 gegründet und dem Heiligen Bernardino da Siena geweiht. Ihre besonders fein gearbeitete und bemalte Holzkanzel wirkt in der ansonsten eher einfach gehaltenen Kirche.

Tagsüber liegt Bernalda mit seinen hübschen, weiß getünchten Häusern und der charmanten Altstadt ruhig da. Tatsächlich … aber bekomme ich von alledem nichts zu sehen, denn wir erreichen den Ort erst am Abend zur besten Aperitivo-Zeit und sind zu Gast bei niemand Geringerem als Francis Ford Coppola.

Scherz!

Natürlich. Bernalda ist in den letzten Jahren aufgrund eines berühmten Enkelsohnes in die Öffentlichkeit gerückt. Und am Abend kommt hier ein unglaubliches Leben in die Straßen. Der Großvater von Francis Ford Coppola hatte sich von hier aus im Jahr 1904 aufgemacht, um in den USA sein Glück zu suchen. Ob er es fand, ist nicht überliefert. Überliefert hatte er aber alle seine Geschichten über seine lukanische Heimat an seinen Enkelsohn, Francis Ford Coppola.

Dieser, ein kreativer und als Regisseur weltbekannter Künstler, hatte hier den an der Hauptstraße Bernaldas, Corso Umberto, gelegenen Palazzo Margherita 2004 erworben und das Gelände mit einem beeindruckenden Garten in ein für normale Touristen kaum erschwingliches Boutiquehotel umgebaut. Sechs Hotels über die Welt verteilt, gehören wohl ins Coppola’sche Portfolio.

Die Restauration dieses neoklassizistischen Gebäudes aus dem 19. Jahrhundert soll beinahe zehn Jahre in Anspruch genommen haben. Sieben Suiten und zwei Räume mit Gartenzugang können hier kurz- oder langfristig bezogen werden. Vorausgesetzt, man kann sich die Übernachtung ab 1.000 Euro pro Nacht leisten. Die luxuriöse Innenausstattung wurde von Designer Jacques Grange realisiert.
Nun, das ist ganz sicher genau die Unterkunft, die eine arme Region wie die Basilikata dringend benötigt. Für das Geld darf man entzückende Fresken bewundern, es gibt einen Pool in dem verwunschenen Garten, der Salon kann zu einem Kinoraum umfunktioniert werden, Coppolas cineastisches Erbe gibt es frei Haus zu sehen und natürlich wird der Shuttle zum Strand bereitgestellt. Immerhin – das Hotel gehört wohl immer noch der Familie, des inzwischen finanziell hart angeschlagenen Königs vieler epochaler Hollywoodfilme.
Eine Nummer kleiner lädt die im Haus liegende Cinecittà Bar mit Bistrot auch eher finanziell normale Gäste in das besondere Etablissement ein. Berliner, die hier eintreten, werden sofort an die legendäre Paris Bar in der Kantstraße erinnert.
Das Interieur ist ganz klar einer französischen Brasserie nachempfunden, die Jukebox bereichert den Raum ebenso wie die sehr gut ausgestattete Bar.
Die Porträts in Schwarz-Weiß der Filmikonen aus dem vergangenen und jetzigen Jahrhundert rufen viele cineastische Höhepunkte in der eigenen Erinnerung hervor.
Ob sich noch jemand an den wundervollen Marty Feldmann erinnert … außer mir? Und da wir hier zu Gast sind, als sehr kurz zuvor die wundervolle Diane Keaton ihre irdische Existenz aufgeben musste, stehe ich vor ihrem Bild, das mich ob ihrer jugendlichen Schönheit – die sie sich bis zu ihrem Ende erhalten durfte, das möchte ich betonen – schmelzen lässt, und verdrücke dezent eine Träne. „Cin cin la Déesse!”
Ansonsten haben wir hier einen wirklich charmanten Aperitivo.
Die Kellner servieren täglich (außer Mittwochs) ab 11:00 bis einschließlich 24:00 Uhr und unterhalten uns mit einer ihres Hauses mehr als angemessenen Klasse, und wir genießen die Oliven, Taralli und Focaccia und den Vino in einem für uns sehr angemessenen Ambiente.
Will sagen, wir hatten echten Bar-Spaß!

Auf der anderen Straßenseite, nur einige Meter weiter, besuchen wir Freunde bzw. Verwandtschaft von Pino.
Saida Chiurazzi hat sich gemeinsam mit ihrem Partner Antonio Delia mit dem DelChi Torrefazione einen Traum erfüllt. Sie importieren allerfeinsten Kaffee und verkaufen glücklich machendes Hüftgold aus Italien. Beide sind zertifizierte Caffè-Sommeliers.
Dazu gehören natürlich noch charmante Dekoration und Geschirr sowie einige Lebensmittel aus der Region, die ihren hohen Ansprüchen genügen.

Seit 2026 wird ihr Shop mit Kaffeeausschank im Gambero Rosso aufgeführt. Es ist so ein typisches Geschäft, das man nicht wirklich braucht, aber sobald man es betritt, rinnt einem das Geld nur so durch die Finger.
Und das nicht nur zu bestimmten Jahreszeiten …

Cinecittà Bar e Bistrot
Corso Umberto I, n. 60, 75012 Bernalda MT


DelChi Torrefazione
Corso Umberto I, n. 245, 75012 Bernalda MT