Aperitivo mit Diane in Bernalda
Heute machen wir in der Basilikata einen kurzen Ausflug nach Bernalda. Die kleine Gemeinde zählt knapp 12.000 Einwohner und liegt in der Provinz Matera, knappe 40 Kilometer südlich von der Provinzhauptstadt entfernt. Von Apulien über Taranto aus fährt man mit dem Bus 90 Minuten dorthin.
Wie viele Orte in der Basilikata liegt auch Bernalda auf einer Anhöhe – von einigen Standpunkten des Ortes hat man einen fantastischen Blick auf die typische, fließende Landschaft Lukaniens. Das Castello di Bernalda auf der Piazza San Bernardino da Siena wurde von Normannen erbaut, später von den Argonen eingenommen. Die heutige Version ist im Jahr 1470 von Bernardino de Bernaudo (Sekretär des Königs Alfons II. von Neapel) auf den Ruinen der normannischen Burg errichtet worden. Nun ratet, woher Bernalda wohl seinen Namen bekam?
Die Festung mit drei Ecktürmen und einem umfangreichen Tunnelsystem, kann nach jüngst abgeschlossenen umfangreichen Restaurierungsarbeiten besichtigt werden. Ihr zu Füßen liegt in Richtung Küste das Naturschutzgebiet Metponto mit seinen archäologischen Städten und dem Nationalmuseum von Metaponto.
Diese Gegend in der Basilikata galt 773 n. Chr. als eine der bedeutenden Städte von Westgriechenland. Heute locken die Indizien der Vergangenheit, wie der Apollo-Lycus-Tempel oder die Nekropole Crucinia. Im Nationalpark wandert man zum Salinella-See oder streift durch den Bufalra-Wald.
Eine weitere Sehenswürdigkeit von Bernalda ist die Chiesa Madre di San Bernardino da Siena. Sie liegt dem Castello direkt gegenüber. Die Kirche wurde 1510 gegründet und dem Heiligen Bernardino da Siena geweiht. Ihre besonders fein gearbeitete und bemalte Holzkanzel wirkt in der ansonsten eher einfach gehaltenen Kirche.
Tagsüber liegt Bernalda mit seinen hübschen, weiß getünchten Häusern und der charmanten Altstadt ruhig da. Tatsächlich … aber bekomme ich von alledem nichts zu sehen, denn wir erreichen den Ort erst am Abend zur besten Aperitivo-Zeit und sind zu Gast bei niemand Geringerem als Francis Ford Coppola.
Scherz!
Natürlich. Bernalda ist in den letzten Jahren aufgrund eines berühmten Enkelsohnes in die Öffentlichkeit gerückt. Und am Abend kommt hier ein unglaubliches Leben in die Straßen. Der Großvater von Francis Ford Coppola hatte sich von hier aus im Jahr 1904 aufgemacht, um in den USA sein Glück zu suchen. Ob er es fand, ist nicht überliefert. Überliefert hatte er aber alle seine Geschichten über seine lukanische Heimat an seinen Enkelsohn, Francis Ford Coppola.
Dieser, ein kreativer und als Regisseur weltbekannter Künstler, hatte hier den an der Hauptstraße Bernaldas, Corso Umberto, gelegenen Palazzo Margherita 2004 erworben und das Gelände mit einem beeindruckenden Garten in ein für normale Touristen kaum erschwingliches Boutiquehotel umgebaut. Sechs Hotels über die Welt verteilt, gehören wohl ins Coppola’sche Portfolio.
Die Restauration dieses neoklassizistischen Gebäudes aus dem 19. Jahrhundert soll beinahe zehn Jahre in Anspruch genommen haben. Sieben Suiten und zwei Räume mit Gartenzugang können hier kurz- oder langfristig bezogen werden. Vorausgesetzt, man kann sich die Übernachtung ab 1.000 Euro pro Nacht leisten. Die luxuriöse Innenausstattung wurde von Designer Jacques Grange realisiert.
Nun, das ist ganz sicher genau die Unterkunft, die eine arme Region wie die Basilikata dringend benötigt. Für das Geld darf man entzückende Fresken bewundern, es gibt einen Pool in dem verwunschenen Garten, der Salon kann zu einem Kinoraum umfunktioniert werden, Coppolas cineastisches Erbe gibt es frei Haus zu sehen und natürlich wird der Shuttle zum Strand bereitgestellt. Immerhin – das Hotel gehört wohl immer noch der Familie, des inzwischen finanziell hart angeschlagenen Königs vieler epochaler Hollywoodfilme.
Eine Nummer kleiner lädt die im Haus liegende Cinecittà Bar mit Bistrot auch eher finanziell normale Gäste in das besondere Etablissement ein. Berliner, die hier eintreten, werden sofort an die legendäre Paris Bar in der Kantstraße erinnert.
Das Interieur ist ganz klar einer französischen Brasserie nachempfunden, die Jukebox bereichert den Raum ebenso wie die sehr gut ausgestattete Bar.
Die Porträts in Schwarz-Weiß der Filmikonen aus dem vergangenen und jetzigen Jahrhundert rufen viele cineastische Höhepunkte in der eigenen Erinnerung hervor.
Ob sich noch jemand an den wundervollen Marty Feldmann erinnert … außer mir?
Und da wir hier zu Gast sind, als sehr kurz zuvor die wundervolle Diane Keaton ihre irdische Existenz aufgeben musste, stehe ich vor ihrem Bild, das mich ob ihrer jugendlichen Schönheit – die sie sich bis zu ihrem Ende erhalten durfte, das möchte ich betonen – schmelzen lässt, und verdrücke dezent eine Träne. „Cin cin la Déesse!”
Ansonsten haben wir hier einen wirklich charmanten Aperitivo.
Die Kellner servieren täglich (außer Mittwochs) ab 11:00 bis einschließlich 24:00 Uhr und unterhalten uns mit einer ihres Hauses mehr als angemessenen Klasse, und wir genießen die Oliven, Taralli und Focaccia und den Vino in einem für uns sehr angemessenen Ambiente.
Will sagen, wir hatten echten Bar-Spaß!
Auf der anderen Straßenseite, nur einige Meter weiter, besuchen wir Freunde bzw. Verwandtschaft von Pino.
Saida Chiurazzi hat sich gemeinsam mit ihrem Partner mit dem DelChi Torrefazione einen Traum erfüllt. Sie importieren allerfeinsten Kaffee und verkaufen glücklich machendes Hüftgold aus Italien. Beide sind zertifizierte Caffè-Sommeliers.
Dazu gehören natürlich noch charmante Dekoration und Geschirr sowie einige Lebensmittel aus der Region, die ihren hohen Ansprüchen genügen.
Seit 2026 wird ihr Shop mit Kaffeeausschank im Gambero Rosso aufgeführt. Es ist so ein typisches Geschäft, das man nicht wirklich braucht, aber sobald man es betritt, rinnt einem das Geld nur so durch die Finger.
Und das nicht nur zu bestimmten Jahreszeiten …
Cinecittà Bar e Bistrot
Corso Umberto I, n. 60, 75012 Bernalda MT
DelChi Torrefazione
Corso Umberto I, n. 245, 75012 Bernalda MT












































