Erchie in Apulien zelebriert San Giuseppe, den Vatertag
Der Vatertag in Italien, der am 19. März stattfindet, ist generell dem heiligen Vater San Giuseppe gewidmet. Der Vater von Jesus Christus ist hoch angesehen im katholischen Italien. Kein Wunder also, dass jeder zweite Mann in Italien Giuseppe, Josef, heißt. Auch in Apulien wird der Vatertag als Geburtstag von San Giuseppe zelebriert, ein Fest mit Prozessionen. Serviert werden die köstlichen Zeppole di San Giuseppe und gleichzeitig nimmt man den Feiertag zum Anlass, überall den Abschied vom Winter zu feiern – und voller Vorfreude den Frühling zu begrüßen. Dieser besondere Feiertag wurde erstmals im Jahr 1479 erwähnt.
In Süditalien ist um diese Zeit der Frühling bereits voll in seinem Element, die Obstbäume blühen, zwischen den Olivenbäumen sprießt das fette Grün. Die Tage sind schon angenehm warm, wenngleich die Nächte noch sehr kalt sein können. Die Regenschauer werden seltener, dafür begleitet blauer Himmel und die hochstehende Sonne durch den Tag.
Zelebriert wird der Feiertag je nach Region oder Gemeinde durchaus unterschiedlich. In Giurdignano im Salento wird der Vatertag mit den wundervollen Il Tavole di San Giuseppe – den gedeckten Tischen des heiligen Giuseppe – zelebriert und die Armenspeisung nachgelebt. Ich hatte euch dorthin bereits im Blog mitgenommen.
Auch der Ort Erchie in der Provinz Brindisi im Salento zelebriert den Vatertag und Winterabschied mit der üblichen Prozession. Im vergangenen Jahr durfte ich den besonderen Feierlichkeiten, die sich über zwei Tage erstrecken, beiwohnen. Anlässlich seines Ehrentages wird San Giuseppe nach der Messe am Vorabend des 19. März auf der Sänfte aus der Wallfahrtkirche Santuario di Santa Lucia getragen – und hält dabei als sichtliches Merkmal das kleine Jesuskind auf dem Arm.
Ein Bildnis, das wir eher von Darstellungen der Mutter Maria kennen. In Erchie wird er von sehr vielen Menschen und von der Blaskapelle begleitet und zu einem großen Vorplatz gebracht.
Natürlich begleitet von den in Apulien alle Festivitäten schmückenden bunten Lichtern.
Dort erwartet ihn ein riesengroßer Scheiterhaufen, aus Stroh und Olivenreisig aufgetürmt und mit Bildnissen von San Giuseppe geschmückt.
Eine fast ebenso große Bühne steht in der Nähe – und die Bewohner und Gäste Erchies warten, teilweise amüsieren sich schon auf dem Platz die Kinder in den kleinen Fahrgeschäften.
Rund um den Scheiterhaufen, keine Sorge, Giuseppes Statue wird in ausreichendem Abstand platziert, zelebrieren Feuerschlucker ihre Kunst. Im späteren Verlauf werden zwei große Reispapierballons in die Luft entsendet – zum Gedenken an zwei Mitglieder des Organisationsteams, die diesen besonderen Tag leider nicht mehr erleben durften. Bin ich ein bisschen berührt angesichts dieser schönen Geste? Ja, bin ich.
Es folgen Reden, die üblichen langen Danksagungen, und es werden Geschichten erzählt. Natürlich wird San Giuseppe gesegnet und mit einem gemeinsamen Vaterunser bedacht.
Immer mit dem grandiosen Enthusiasmus und Pathos, wie ihn nur Italiener parat haben. Während wir mittlerweile in der dann doch noch sehr kühlen Frühlingsnacht ordentlich frieren, wird der Countdown heruntergezählt – und dann beginnt ein grandioses und minutenlanges Feuerwerk, das wunderschön anzusehen ist. Ich finde, jeder Winter, der so laut und kunstvoll verabschiedet wird, jeder Frühling, der so bunt begrüßt wird, kann sich darauf etwas einbilden! Was für eine Show uns geboten wird!
Am Ende des Feuerwerks entzünden die letzten Raketen den Scheiterhaufen, der dann mit imposanter Macht dank seiner Größe niederbrennt – unter den Ahs! und Ohs! und Applaus von uns Zuschauern. Habe ich eben noch gefroren? Na, nun garantiert nicht mehr! Im Gegenteil. Es war ein grandioses Spektakel, ehrenamtlich organisiert und absolut sehenswert!
Keiner Feier in Italien ohne gemeinsame Speisung, sie lässt uns zu dem Stand führen, an dem Ehrenamtliche in feiernder Stimmung die schon seit Tagen vorbereiteten, regionalen Köstlichkeiten verteilen.
Sie laden uns großzügig ein zu Wein und Pasta mit Muscheln und Tomaten, die in riesigen Pfannen in viel Olivenöl geschwenkt werden, und uns wärmt wieder einmal mehr die unglaubliche Lebensfreude und Gastfreundschaft der Apulier*innen das Herz. Allein wie sich diese Menschen über einen Teller Pasta freuen können – mich erdet es ungemein.
Und über allem liegt die frohe Aussicht auf den Frühling, der tagsüber bereits deutlich präsent ist.
Am Vatertag selber wird natürlich weiter gefeiert. Auch innerhalb der Familien wird der besondere Tag den Vätern gewidmet: Sie werden mit Rosen und den köstlichen Zeppole beschenkt. In Echrie werden auf der Piazza rund um die relevante Kirche Echries, die Wallfahrtskirche Santa Lucia, viele Tische aufgebaut. An bis zu 40 Tischen werden Speisen angeboten, die die Ehrenamtlichen und Mitgliedeer der Vereine gekocht und gebacken haben, von den Unternehmen der Stadt finanziell unterstützt. Das Festmahl, La Mattra, besteht aus den Speisen der Region. Was auffällt: Sie sind besonders hell, vielleicht der nun immer früher aufgehenden Sonne entsprechend: Taralli, Salate aus Kichererbsen, frittierter Fisch, Blumenkohl, L’ampasciuni (eingelegte Zwiebeln der Traubenhyazinthe), Pasta – heute mit Honig serviert, frittierte Pettole und Chiacchiere, getrocknetes Obst und Nüsse.
La Mattra bezeichnet im lokalen Dialekt eine rechteckige Holzkiste, in der früher große Mengen Mehl mit Livieto madre und Wasser mit den Händen zu dem Teig für das Pane Pugliese verknetet wurden – sie steht symbolisch für Wohlstand und Überfluss und auch sie wird man ausgestellt anlässlich des Festes hier und dort aufgebaut sehen.
Aus einem Teig aus Mehl und Wasser werden in Echrie kleine Küken – die L’Uccellino – geformt, gebacken und mit einem Gruß vom San Giuseppe als Glücksbringer verteilt! Früher war es der Brauch, beispielsweise, wenn eine Unwetterkatastrophe drohte, dass man diese Vögelchen zerbröselte und ihren Teig in alle Winde zerstreute – damit sollte ein etwaiges Unheil abgewendet sein.
Natürlich folgt ganz Echrie auch am Vatertag dem Ruf in die Kirche, San Giuseppe, der Schutzpatron der Arbeiter, Zimmerleute und der Familie, hat in der Nacht in die Kirche Santa Lucia zurückgefunden. Erneut wird er in einer Prozession im Tageslicht durch die Stadt getragen und gefeiert – mit dem Segen des Erzbischofs von Oria. Das passiert genau um 12 Uhr und alle gedeckten Tische werden dabei gesegnet. Salutschüsse signalisieren das Ende des Umzugs und geben gleichzeitig den Startschuss zum gemeinsamen großen Mittagessen zu Ehren von Vater San Giuseppe.
Bei strahlendem Sonnenschein mit leichten Schäfchenwolken werden Fahnen geschwungen – von den „Brüdern” der Erzbruderschaft der Unbefleckten Empfängnis (ja, selbst die unbefleckte Empfängnis hat sich das Patriarchat offensichtlich angeeignet), auch die Blaskapelle ist wieder lautstark dabei.
Es ist Frühling in Echrie und ganz Apulien – und ab jetzt werden in Süditalien offensichtlich wieder die Sonnenbrillen getragen. Also lasset die Feste beginnen!



















