2009-11-25

Nicht tun sollen, nicht lassen können

Spricht mich vorgestern auf dem U-Bahnhof nahe meiner Docking-Station so ein kleiner Knirps an, sieben vielleicht acht. Selbständig zur Schule gehend aber noch ganz kindlich und irgendwie … egal, ich finde Gören ja alle niedlich. Mein Defekt. Er ist aber erstaunlich unrotzig im Vergleich zu den Knirpsen seines Alters, die sonst hier herum laufen. Also spricht er mich an, zwischen Fahrscheinautomat und Kiosk, ob ich ihm einen Euro geben könnte. Frage ich ihn, wofür er ihn den den Euro bräuchte (Ticket kaufen wäre kein Thema). Und er sagt niedlich ehrlich: „Ich will mir etwas kaufen.“ „Hm“, sage ich, mich in der Bredouille befindend, dem Kind nichts abschlagen zu wollen können, andererseits damit kein gutes Zeichen zu setzen, überhaupt kein gutes Zeichen. Und noch einmal andererseits: ein Euro, wie oft drücke ich andere Leuten in der U- oder S-Bahn einen Euro in die Hand? Und weiß ich, ob seine Mutter überhaupt noch Geld hat, ihm diese kleinen Kiosk-Schweinereien zu kaufen? Ich kenne noch zu gut unsere eigene Historie. Er ist so ein ganz blasser, zierlicher und guckt mich mit großen Augen an, kein Gör auf dem Abzocktripp (eher vermutete ich hinterher, um die Ecke standen die Gören, die ihn abzocken.) „Cola-Pops.“ „Zeig mir mal, was Du willst“, meine ich zu ihm und sogleich meinte er aufgeregt „oder einen Euro fünfzig, dann kann ich mir noch das und das kaufen.“ Wir laufen die paar Schritte zum Kiosk und er zeigt mir den verpackten Spielkram nach dem sein Herz begehrt und Kaugummis in unterschiedlichen Geschmacksvarianten, natürlich will er sie in Cola.

Ich also immer noch hin- und hergerissen, greife vier von den Kaugummis ab (Cola), zahle 20 Cent, gehe mit ihm nach draußen und greife ihn mir. Standpauke auf nett. Wie wenig in Ordnung das ist, was er da mit ihm fremden Menschen macht. Habe ihn gefragt, was er denn so tun würde, für so was. Und ob er nicht wüsste, dass er niemals mit Fremden mitgehen darf. Da hat er mir erklärt, er wüsste und das würde er ja auch nie tun. „Und?“, meinte ich zu ihm, „Du bist mit mir aber eben mitgegangen in den Laden, weil Du dachtest, Du bekommst was. Du bist also schon mit jemandem Fremdes mitgegangen!“ Da war er zerknirscht. Ich habe ihm dann die vier Kaugummis gegeben und er musste mir in die Hand versprechen, das nie mehr zu tun. Was er auch tat. Ob er es auch tun wird, bleibt mir nur zu hoffen.

Keine Ahnung, zählt heute ein Handschlag unter uns Kindern eigentlich noch?

2009-11-24

Selten finde ich in letzter Zeit …

Artikel bei SPON von denen ich sagen kann, okay Hirnschmalz offensichtlich noch eingesetzt und gut geschrieben. Das hatte ich gestern anlässlich des Artikels zu Wachkoma-Patienten, die laut neueren Untersuchungen viel häufiger noch wach und ansprechbar sind als es ihnen ihre Körperfunktionen allzu offensiv erlaubt unter Beweis zu stellen. Schon im ersten Artikel „Tausende Wachkoma-Diagnosen zweifelhaft“ wird Rom Houben zitiert, der von seiner Zeit im Wachkoma, in der er gegensätzlich zur Diagnose alles um ihn herum ganz klar wahrgenommen hat, dem Spiegel in einem Interview berichtet. Dieses Interview „Meine zweite Geburt“ steht heute online.

Ganz gruselig finde ich darin folgenden Satz – und der macht auch die Dimension des Ganzen deutlich: „Auch in Deutschland ist das ein Problem. Hier wird nicht einmal unterschieden zwischen vegetativem und minimal bewusstem Zustand. Solange die Patienten noch in der Obhut einer Klinik sind, muss das kein Schaden sein: Gute Betreuer beobachten, ob sie etwa bei einer Luftröhrenspiegelung schwitzen oder Grimassen schneiden. Dann bekommen sie Medikamente gegen die Schmerzen, bis sie sich wieder entspannen.“

Menschen, die im Wachkoma liegen, erhalten also offensichtlich in Deutschland bei schmerzhaften und sehr unangenehmen Untersuchungen nicht von vorne herein mehr eine Betäubung. Was unter Umständen sehr schlimm sein kann, weil sie dem Patienten lange heftige Schmerzen bereitet

Also lasst Euer Familienmitglied, wenn ein Wachkoma-Patient, bloß nie bei unangenehmen Untersuchungsmethoden mit Ärzten alleine.

„Dann steht sie fest wie Herz und Eisen.“

Da war die ARD ja mal auf Zack. Im Zuge der dank Hollywood aus der längst verschütteten Erinnerung ausgegrabenen Julia Child wird am Mittwoch, 25.11.2009 um 20:15 Uhr dem deutschen Pendant Clemens Wilmenrod filmisch ein Denkmal gesetzt. Wilmenrod, schon seit 1967 nicht mehr unter uns weilend, hieß Carl Clemens Hahn und war eigentlich Schauspieler – und irgendwie der Pionier des deutschen Merchandisings im TV. Aber lest selbst, was Wikipedia über den Herrscher über die Elektrokochplatten schreibt.

In dem Film der ARD, der das Leben und die Karriere von Clemens Wilmenrod zeigt, spielt Jan-Josef Liefers die Hauptrolle, was meiner Meinung nach ein Garant für einen unterhaltsamen Fernsehabend ist. Ich liebe Liefers in seiner Tatort-Rolle, er hat dem Tatort zu einer neue Dimension von Fernsehenunterhaltung verholfen.

Es gibt leider nur noch zwei Mitschnitte aus der Sendung Wilmenrods. Einer davon „Heringssalat auf bretonische Art“ (für den Skatabend des liebenden Ehemannes) ist in der NDR-mediathek gerade zu sehen. Eine Empfehlung! Wie er die Gewürze nicht anwärmt, sich kaum die Hände schmutzig macht, mit lustigen Geräten Tomaten schneidet, dabei philosophiert und praktische Ratschläge für unrutschbare Glasschüsseln verteilt, da weiß man, was man hat.

Linktipp via Nutriculinary.com

2009-11-23

Blogwichteln 2009

wird dieses Jahr nach Abdankung vom Blogwichtelkönig Hollemann liebenswerterweise in froher Tradition von Frau Bhuti weiter geführt. Wer noch mitmachen möchte, melde sich bei Bhuti hier in den Kommentaren bis zum 27.11.2009.

Man sollte allerdings das Blogwichteln nicht auf die allzu leichte Schulter nehmen und schon ein klein wenig Zeit und Mühe einplanen und willig sein, sein Wichtel pünktlich abgeben zu wollen. Unschön ist nämlich, wenn alle anderen ihr Blogwichtel schon haben und bloggen und dann so manch einer in die Blogröhre gucken muss, weil sein Wichtel ihn vergessen hat oder den Weihnachtsstress unterschätzt hat. Der kommt ja immer ganz plötzlich um die Ecke.

Haben sich schon sehr nette Blogger angemeldet – fehlt Ihr also nur noch!

Besucher 2 …

Der kleine Fratz war gestern früh prompt wieder da. Daran zu hören, dass Lino plötzlich wieder anfing zu bellen knurren und zu meckern in seinen höchstmöglichen Kastratentönen. Schön zu hören. Nishia ganz aufgeregt, was denn ihr Freund und gleichzeitg Erzfeind haben könnte, sang irgendwann mit. Tally hielt sich still im Hintergrund, war aber wenigstens wieder zu sehen. Sie muss sich Samstag so dermaßen über diese fremde Katze auf dem Balkon erschrocken haben, dass sie den Rest des Tages ihr Unsichtbarkeitsschild übergezogen hatte.

Fratz selber hatte viel Freude am Kater hinter der Scheibe, fauchte und grummelte ordentlich zurück, wollte aber andererseits ihn auch ständig anfassen und spielen (sie ist wirklich noch jung). Weil das nicht klappte, zog sie es vor dann mein Mauerseglergras wiederzukäuen und meine (blühende) Glockblume nieder zu trampeln. Macht sie so weiter, hat sie in mir eine echte Freundin.



Als sie sich dann wieder auf den üblichen Aussichtskatzenplatz zurück gezogen hatte, der in ihrem Fluchtweg liegt, habe ich die Tür aufgemacht. Lino saß wie vom Donner gerührt breit in der Tür, sein Harem hinter ihm verteidigend und Nishia sprang entzückt wegen diesem Besuch an ihm vorbei direkt auf den Stuhl und ging schon mal freundschaftlich schnuppern. Es fauchte am anderen Ende der Nase, das fand Nishia betrüblich, später uninteressant. Für schlechte Vibrations ist Nishia nicht so zu haben, hat sie keine Zeit für. Fratz selber läuft auch vor mir nicht weg, guckt interessiert, schnuppert an der Hand – haut aber zu, will ich sie anfassen. Ich habe Schmauchspuren auf einem Handrücken. Na gut, wer sich vorher 20 Minuten lang hinter einer Glasscheibe von einem schwarzweißen grazilen Riesenkater anschimpfen lassen musste, ist wohl auch etwas echauffiert bis durch den Wind.

Lino macht zwar tonal total viel Wind, ob der kleinen Bunten, war dann aber sehr vorsichtig in der Annäherung und traute sich noch nicht auf den Stuhl, musste ihr aber sofort hinterher klettern, als sie wieder auf den Balkonvorsprung sprang. Dort wurde sie von ihm weiter besungen, was sie so schön fand, dass sie auf dem zehn Zentimeter Mauervorsprung hinter dessen kurzen Ende es deutlich abwärts geht, Lino die niedliche Katze geben wollte und das putzige Unterwerfspiel spielte. Womit sie meine Fürsorgepflicht und mich ein bisschen sehr in den Wahnsinn trieb.



Und schön, dass sie dann wenig später (Lino räumte den Platz wieder) Nishia zeigte, wie man von dem Mauervorsprung auf das Dach springen kann. Hat sich Nishia genau angeguckt, gemerkt und notiert. Ich habe genau gesehen, wie sie die Formel für die aufzuwändende Energie im Kopf rechnete. *grmpf*

Das wird noch anstrengend werden, X, Y und Z zu erklären, dass sie nicht tun dürfen, was Fratz tun darf.

Tally ist einfach nur froh, dass sie Samstag doch keine Gespenster gesehen hat und die anderen beiden Katzen das auch alles komisch finden.

2009-11-22

Blogkochshow 2009 – ein Vergnügen!



Freitag pünktlich wie ein Maurer stand der liebreizende Herr Foxxi in der Tür mit einem illustren Sortiment an hochwertigen Spirituosen. Herr Foxxi ist als erstes ernsthaftes Opfer der „Blogkochshow '09“ zu beklagen, denn sich mitten in seiner Diät befindend, hat er gestern alle guten Vorsätze und Diätregeln über den Jordan hüpfen lassen und war mir bereits in der Vorzeit ein ungemein viel motivierende Vorfreude versprühender Blogkochshow-Mitesser. Mein Herz tat gleich zwei Mal einen Hüpfer bei unserem Willkommen, erst einmal weil ich mich über ihn per se sehr freute, wie ich mich immer freue, wenn ich ihn sehe. Und dann weil er einen Crémant auspackte, einen zwei Sancerre (creezynes Lieblingsweißwein!) und zwei sehr ansprechende rote Jungs, einen Deutschen und einen Franzosen.

Überhaupt war dieses Mahl ein Beitrag zur Völkerverständigung, eine Handreichung der Kulturen, ein Mahnmal für erfolgreiche Integrationspolitik: Berlinerin lädt Schwaben ein und Schwabe kommt!



Ihr glaubt ja nicht, was es für einen Spaß macht, ein Essen vorzubereiten wenn sich der Gast schon vorher unglaublich darauf freut. Außerdem ist es ein Erlebnis, wenn in der eigenen Vorbereitungszeit um einen rum in den Blogs bereits gekocht, fotografiert, gestöhnt, gegessen und gebloggt wird. Oder einfach nur die Angst vor dem eigenen Menü, dem Blog die Schweißperlen auf die Stirn zeichnen.

Wir, Herr Foxi und ich, können dem großartigen charmanten Ideengeber und edlem Spender, Herrn Spontiv, gar nicht laut genug für die Idee der „Blogkochshow“ danken und haben daher gestern bei jedem Gang auf ihn angestoßen, wenn nicht in einigen Gängen sogar mehrmals. Herr Spontiv, wir tranken mit Ihnen zum Aperetif einen Crémant D'Alsace Arthur Metz Brut Millésimé 2007 (den ich wohl sehr sehr lecker fand!), dann freuten wir uns bei der Vorspeise über Sie bei einem Sancerre von Michel Laurent, gleiches Jahr, und zum Hauptgang stießen wir auf Ihr Wohl mit einem St. Laurent vom Weingut Leiningerhof von 2004 an, der mich mein zweifelndes Urteil zu deutschen Rotweinen nochmals überdenken lässt.

Herr Foxxi kreierte beim häufigen Nachschenken den treffendklugen Satz „creezy, Du trinkst zu wenig. Wir müssen viel mehr trinken!“, der uns immer entspannter durch den Abend trug.

Alle Getränke tummelten sich in viel mehr als nur angemessener Weise um mein Menü, das ich zu diesem Blog-Happening beigetragen habe. Die Aufgabe lautete: verwendet möglichst alle Zutaten aus dem Spontiv'schen Paket und das waren eine Vanilleschote, Rohrzucker, Pampelmuse, Walnüsse Mohrrüben und Gelatine, stifte für ein Menü für zwei Personen maximal 15,– Euro und bekoche mindestens eine reizende Person aus Deinem persönlichen Umfeld, der hinterher zu dem Erlebten seinen Quark – möglichst in einem eigenen Blog – abgeben darf.

Das vorgegebene Budget von 15,– Euro habe ich leicht überschritten, ich gab € 18,69 aus – muss aber gestehen, dass ich eine Zeitlang mit drei Gästen kalkulierte, insofern wir also von dem Hauptgang doppelt nehmen konnten und von der Vorspeise auch noch zwei Portionen übrig blieben. Außerdem musste ich für einen Euro noch einmal Möhren nachkaufen, weil die verschickten (sehr leckeren) nach einer Woche nicht mehr so ganz frisch waren natürlich, weil gar nicht mehr vorhanden. Somit habe ich fast eigentlich das Budget nur um € 2,69 überschritten – nee und überhaupt eigentlich nur um 1,69, denn der Herr Lino hat immerhin auch zwei von den Gambas bekommen… also waren wir sowieso drei Esser – das heißt, ich liege super im Budget-Rahmen! Übrigens waren wir sogar fünf Esser, der Lachs wurde mit allen Katzen geteilt … so gesehen habe ich das Budget sogar maßlos unterschritten!

Rinderfilet 5,00
2 x geräucherter Lachs 5,50
1 x Forelle 1,99
2 x Frischkäse 1,20
Morrüben 1,–
Gambas 3,–
Spinat, Petersilie 1,–

Preislich außer Konkurrenz dazu wurde aus dem Baumarkt (endlich) gekauft der Bunsenbrenner mit drei Ersatzkartuschen und eine Flasche Tripple Sec, weil die Ex-Pulle gerade alle war. Nun natürlich noch in größerer Menge vorhanden und über das weitere Jahr im Kocheinsatz verfügbar, man weiß ja nie, was es zum Beispiel Silvester geben wird! Im Haus wiederum hatte ich, habe ich meistens immer da: diverse Eier von glücklichen Hühnern, Milch von brandenburgischem schwarzweißen Niedervieh, Butter, Saure Sahne, Schlagsahne, frischer Parmesan, fetter Speck, frische Kräuter, Vanillezucker, Ölivenöl pur und mit Knoblauch-Chilli- bzw. Limonen-Aroma (eigene Produktion), Zimt, Nelken, Sternanis, Salz, Pfeffer, Steakpfeffer und Muskatnuss, Senf, Essig, Rinderfont, Kochwein (rot) Preisselbeergelee, Toastbrot, Mehl und an sonstigem Obst oder Gemüse, die zur Zeit üblichen Zitrusfrüchte, Physalis und Cocktailtomaten sowie Salat. Ach und die abgepackten Maronen kamen auch aus der Speisekammer. Dito die Balsamciozwiebeln.

Der Rest war pures Glück und Spaß und ein zufriedener Gast, ganz in



ein Kater, zwei Katzen sowie eine Köchin die sich freuten über (das Making-of hinter den Links):

Entrée: Eine Terrine von zweierlei Fisch an Salatbouquet mit roten Zwergenmützen und karamellisierten Nachtschattengestalten und deren Aufpasser



Der beste Gang: Filet vom Rind mit Walnusskruste und Möhrchengratin, dazu mindestens ein Maronen-Soufflé



Abschiedsgedanken:Keine siamesischen Flan-Drillinge mit süffisantem Grapefruitkompott



Auf geht's mit den Rezepten, folgen Sie mir! Hungrig aber bitte unauffällig …

Blogkochshow 2009 – das Entrée

Die Vorspeise für die diesjährige Blogkochshow war relativ übersichtlich und nannte sich daher äußerst zurückhaltend:

Eine Terrine von zweierlei Fisch an Salatbouquet mit roten Zwergenmützen und karamellisierten Nachtschattengestalten und deren Aufpasser.

Dolles Ding! Was ich mir dabei wohl gedacht haben mag? Irgendwie fing alles an mit der Gelatine. Ich wollte die nicht im Nachtisch verbröseln, das erschien mir zu naheliegend und naheliegend mag ich nicht. Ergo habe ich Madame als Türöffner zum Menü verwendet, zusammen mit:

2 Packungen geräucherter Lachs
1 Packung Forellenfilets
2 Packungen Frischkäse
1 Becher saure Sahne
500 g frischer Spinat
1 Packung Gelatine
Petersilie,
Minze
Saft einer Zitrone,
frisch geriebener Merrettich (oder Sahnemerrettich),
Salz, Pfeffer, eine Prise (Rohr-)Zucker

Salat nach Belieben, Cocktailtomaten, Balsamicozwiebeln, etwas Olivenöl, Balsamcio Rosso, Senf, Preisselbeergelée. Honig, Salz und Pfeffer und Zucker zum Karamellisieren

Das Rezept für die Terrine habe ich aus dem Internet und zwar von hier, wurde von mir aber direkt umgemodelt.

Der Spinat wurde von mir höchstpersönlich gewaschen und getrocknet, also handverlesen …



und in etwas Limonen-Olivenöl angedünstet, abgeschmeckt mit Salz und Pfeffer sowie Muskatnuss und ganz zum Schluß habe ich noch die feingeschnittenen Blätter von drei Stengeln Minze runtergegeben. Das Ganze kam in ein Sieb zum Abtropfen.



Als nächstes wurde der Merrettich (habe ich immer tiefgefroren eine Stange im Tiefkühler) gerieben, ein ca. 4 cm großes Stück. So frisch geriebener Merrettich ist etwas Feines, da kann sich jeder im Glas nur verstecken.



Die Forellenfilets wanderten zerbrochen in den Mixer mit zwei Esslöffeln saurer Sahne und einem Esslöffel Frischkäse, 2 Teelöffel Zitrone und mit der Hälfte des geriebenen Merrettich dann wurde gemixt und mit Salz, Pfeffer und etwas Zucker abgeschmeckt. Die Farce wurde beiseite gestellt, dafür wanderten zwei Blätter Gelatine in etwas kaltes Wasser.





Gleiches tat ich mit einer Packung von dem Lachs (200 g), dieser bekam aber nur einen Esslöffel saure Sahne ab, dafür einen ganzen Becher Frischkäse, den restlichen Zitronensaft und die andere Portion Merrettich. Und auch hier wurde gewürzt – ohne Zucker. Drei Blätter Gelatine wurde für die Lachsfarce eingeweicht.

Hier mit Zoom-Objektiv fotografiert und gleichzeitig den Pürierstab angestellt, das muss man auch erst mal hinbekommen – Lachsrollercoaster!



Die Petersilie (dient für eine Schicht der Forellenfarce also Menge nach Belieben) habe ich klein gehackt. Und dann ging es an die Präsentation. Da ich nur eine sehr große Terrinenform habe und mir zu diesem Anlass nicht noch eine kleinere teure Terrinenform in rund leisten wollte, habe ich Glasförmchen (eigentlich Weingläser aus Spanien) mit Klarsichtfolie ausgekleidet. Das ist etwas tricky, man kann sich da ganz gut mit dem Boden eines anderen Glases behelfen, um die Folie ins Glas zu drücken und sie dann mit den Fingern festdrücken. Als erstes habe ich aus den Scheiben der anderen Lachspackung mit einem anderen Glas runde Scheiben ausgestochen. Den Lachsabschnitt habe ich höchst professionell a) an Lino und Talytha und Nishia verfüttert und b) aufgehoben und klein geschnitten für die eine Lachsfarce. Die Scheiben wurden in die Gläser eingebracht. Der Rand sollte etwas hoch stehen.



Der Spinat (ist ja immer niedlich, was dann von so einer Menge Spinat wirklich übrig bleibt) wurde mehrmals fest ausgewrungen zum Schluss noch einmal mit Küchenkrepp ordentlich geherzt, ich schmeckte ihn abschließend ab.



Er wurde in vier Portionen geteilt und die habe ich auf einem Brett zu runden Plätzchen geformt und auf die Lachsscheibe in die Gläser gelegt.



Die erste Portion eingeweichte Gelatine habe ich warm gemacht, ein Löffel der Farce wird zum abkühlen in die warme Gelatine gerührt und sie wanderte in die Forellenfarce. Die Hälfte davon habe ich auf den Spinat gegossen und die vier Gläser in den Kühlschrank gestellt (später in den Tiefkühler, damit die Masse schneller fest wurde). Ich habe noch nie Gelatine in der Küche verwendet, immer nur AgarAgar (das Alternativprodukt aus Algen), mir liegt es in der Handhabung deutlich mehr. Das mit der Gelatine hat mir zu lange gedauert – aber jedem seins. Sonst macht das Hantieren mit diesen Blättern wirklich Spaß, die werden so schön glibschig …



Nachdem die erste Masse fest war, habe ich den zweiten Teil der Forellenfarce mit der Petersilie vermengt und als nächste Schicht eingegossen. Und wieder in den Kühler bis die Schicht fest war.



Ging so weiter mit der Lachsfarce, für die wurden die drei Blätter Gelatine erhitzt, gleiches Procedere: eine Hälfte so pur die letzte Schicht mit den Lachsstückchen vermengt.



Zum Schluss sah das so aus und wanderte bis zum nächsten Tag in den Kühlschrank.



Am Freitag wurde unter Einfluss des ersten Glases Crémant angerichtet, die Vinaigrette für den Salat (1 Knolle Salatherz und 1 kleiner Radiccio) bestand aus 3 Esslöffel Olivenöl, 1 Esslöffel Balsamico Rosso (rosé), 1 Teelöffel Senf, 1 Teelöffel Honig, 1 Teelöffel Preisselbeergeleé, Salz und Pfeffer. Die roten Zwergenmützen waren nichts anders als Balsamikozwiebeln, aufgeschnitten und die karamellisierten Nachtschattengestalten kleine Cocktailtomaten, die ich mit dem Rohrzucker und dem neuen Bunsenbrenner (Feuer holdriho! Hier hat Herr Foxxi ein tolles Video von meinem ersten Mal … mit Bunsenbrenner) zitternd kurz abgeflammt habe.



Die Aufpasser wurde gerecht mit Lino und uns geteilt und wanderten kurz in die Pfanne, um dort einen Hauch vom Limonen-Olivenölaroma mitzunehmen.



Et voilà: Eine Terrine von zweierlei Fisch an Salatbouquet mit roten Zwergenmützen und karamellisierten Nachtschattengestalten und deren Aufpasser



Dazu einen charmanten Sancerre …



Und so sieht die Terrine übrigens aufgeschnitten aus (das Foto habe ich gestern aus einer übrig gebliebenen Portion nachträglich gemacht).



Endresultat, mal gucken, was Herr Foxxi dazu sagt.

Blogkochshow 2009 – der beste Gang

Schreck in der Sekunde als ich diese Woche erkannte, ich bin gar nicht die Einzige in der blogkochshow-Runde, die die Walnüsse als Kruste auf's Fleisch packen wollte. Aber wenigstens hat Northerndelight anderes Fleisch genommen und so blieb ich bei meiner Menüwahl. Was soll ich mir vorher Gedanken machen, wenn ich kurz vor zwölf merke ein echter Riesenhammel in weiblicher Form zu sein? Aber der Reihe nach … denn noch heißt das Hauptgang meines blogkochshow 2009-Menüs:

Der beste Gang: Filet vom Rind mit Walnusskruste und Möhrchengratin, dazu mindestens ein Maronen-Soufflé.

Letzterer Satzteil hieß übrigens zwischendurch auch schon mit „mindestens pinke Tartüffeln“, Kartoffelquetsche“ und Sättigungsbeilage de luxe bis ich dann über die Maronen in meiner Speisekammer stolperte und mich an die unglaubliche Zuneigung meines Gastes zu Maronen in jeder Form erinnerte. Übrigens informierte ich den jungen Mann bis zum letzten Moment nicht über meine Änderung, er hoffte auf pink, trägt schwarz und bekam braun!

ca. 500 g Rinderfilet
1 Stück fetter Speck (in dünnen Scheiben)
100 g Butter
50 g Walnüsse
2 Scheiben Toastbrot
Pampelmusen-Zesten
1 kleines Stück Parmesan, gerieben
diverse frische oder getrocknete Kräuter nach Belieben
frische Petersilie
frische Minze
1 halber Teelöffel Steak-Pfeffer
1 Zehe frischer Knoblauch
1 Schuss Öl
1 Löffel Senf
Salz & Pfeffer

1 Schalotte
Rotwein
Rinderfond
sehr kalte Butterstückchen
Thymianstengel
Salz, Pfeffer,
(Rohr-)Zucker zum Abschmecken.

200 g Maronen vorgekocht
3 Eier
1 EL Mehl
Butter zum Einfetten der Formen
Salz, Pfeffer, Muskatnuss

ca. 600 g Mohrrüben
6 Walnüsse
Sahne
Parmesan, frisch gerieben
Salz, Pfeffer

Am Donnerstag schon würfelte ich unglaublich lässig zwei Scheiben Toast, das ich zuerst entrindete, völlig ohne Sinn übrigens, weil auch die Rinde in den Mixer kam. Aber voll fett der ollen Toastrinde erst mal einen Schrecken eingejagt! Dann wanderte die eine Hälfte Walnüsse dazu. Das wurde dann maschinell zerbröselt. Ich muss mich ja ranhalten solange der Strom noch billig ist. Aber nicht zu lange, das sollte nicht zu fein geraten, wir sind hier schließlich nicht bei Schnösels! Ich rieb etwas frischen Parmesan mit meiner supertollen neuen Knastfeile mit der ich gleichfalls auch ein klein wenig Schale von der mitgeschickten Grapefruit dazu rieb. Gleichfalls in die trockene Mischung rutschte etwas Steak-Pfeffer für die Schärfe und getrockneter Thymian als auch Rosmarin aus dem Urlaub. Urlaub machte jetzt auch die Mischung bis zum nächsten Tag, ich wollte sie erst am Tag der Zubereitung mit der Butter anrühren, damit das Toast nicht zu sehr durchweicht.



Der nächste Tag kommt bestimmt und so wanderten ca. 100 g weiche Butter in den Mixer mit einer Knoblauchzehe, viel frische Petersilie, etwas frische Minze, noch mal Rosmarin und Thymian, diese Mal vom Balkon, Salz & Pfeffer sowie einen Teelöffel Senf wurden gemixt und dann zu der Brot-Walnuss-Mischung gegeben und alles vermengt.



Zur Vorbereitung des Hauptganges erwarb ich ein schönes Stück Rinderfilet und sorgte gut dafür in dem ich hier und dort etwas Fett abnahm und es in vier gleich große Stücke schnitt. Gleiches tat ich mit dem Stück fetten Speck, den ich in deutlich dünnere Scheiben schnitt – übrigens mit dem hinterhältigen Gedanken Rinderfilet und Speck aneinander zu fesseln und beide gemeinsam ihrem Bondage-Schicksal zu überlassen. Es wurde gepfeffert und gesalzen, was gesalzen und gepfeffert gehört.



Für das Maronen-Soufflé pürierte ich eine Packung vorgekochte Maronen (200 g) mit einem Ei und zwei Eigelb und einem Esslöffel Mehl zu einer Paste, fügte Salz und Pfeffer sowie Muskatnuss hinzu und schickte das kleine künftige Glück meines Menügastes noch einmal in den Kühlschrank. Das Eiweiß der beiden Eier kam vorbereitet mit einer Prise Salz genauso in den Kühler und wurden am Abend als eine der wenigen notwendigen Handgriffe kurz vor dem Ofengang zu Schnee geschlagen.

Das war übrigens in etwa der Zeitpunkt in dem ich mich gestern selber zum Riesenhammel votierte. Ich meine, welcher Depp bereitet für den Hauptgang drei Speisen zu, die alle in den Ofen gehören – wovon die eine Speise den Aufenthalt dort zwar am längsten gerne mag aber es wiederum überhaupt gar nicht gebrauchen kann, wenn man zwischendurch die Ofentür auch nur einen Spalt weit öffnet? Das Problem war, dass das Gratin nur 10 Minuten gebraucht hätte, die Filets mindestens 10-20 Minuten. Ich diskutierte diese kleine lustige Situation mit dem Gast. Und wie das Leben so spielt, der Crémant und Sancerre der Vorspeise ließ uns unser ganzes Vertrauen in die beiden kleinen Möhrengratins stecken und befinden, dass sie nach 20 Minuten nicht als Kohle aus dem Ofen kommen würden.



Wie gesagt, Mohrrüben kaufte ich noch einmal nach – Mohrrüben werden bei mir … äh … nie lange sehr alt. Am Hermannplatz ist Freitags immer Markt und dort ist ein Stand mit Gemüse aus dem Spreewald. Die haben zur Zeit alte Mohrrüben: die gelben oder fast violetten und natürlich auch die orangen. Die sind so unglaublich lecker und schmecken nach echter Möhre! Davon kaufte ich also ein Pfund nach, schälte sie dünn, schnitt sie in Scheiben und kochte sie mit etwas Gemüsebrühewürfel und viel Salz ca. 10 Minuten vor. Dann wurden sie abgegossen, kamen in die ausgebutterten Gratinformen mit einigen zerbröselten Walnüssen sowie frischer Petersilie. Sogleich rotierte die Pfeffer- und Muskatnussmühle, streuten die Finger Salz – ich goss etwas Sahne dazu und rieb etwas frischen Parmesan darüber. Möhrengratin spielte sehr fair. Pfff … und zum Dank zickte das Soufflé!



Freitag Abend dann wurden die Filets in etwas Chili-Knoblauch-Olivenöl scharf angebraten von beiden Seiten, wanderten danach in die Auflaufform und wurden mit der Krustenpaste dick bestrichen. Die Form wanderte in die Mitte des Ofens, links davon wurde das Mohrrüben-Gratin sortiert, rechts davon die Maronen-Soufflés. Für die hatte ich während die Filets in der Pfanne im Solarium waren, den Eischnee steif geschlagen und unter die Maronen-Masse gehoben, nochmals die Masse abgeschmeckt und alles in gut ausgebutterte Förmchen gegeben (zu zwei Drittel gefüllt.)



In die Pfanne gab ich zum Bratensatz, die Schwarte vom fetten Speck, eine klein geschnittene Schalotte, etwas getrockneten Thymian, löschte mit Rotwein aba und goss mit Rinderfond auf. Das alles reduzierte in den 20 Minuten in denen sich im Herd die Garzustände der üblichen Verdächtigen änderten, wurde abgeschmeckt – unter anderem mit einer Prise Rohrzucker – und mit Butterstückchen aus dem Tiefkühler sämig montiert.



Das Maronen-Soufflé ist zwar aufgegangen, leider nicht allzu weit, war aber sehr luftig. Und wirklich gut gelungen fand ich die Sauce – ich bin nicht die allergrößte Saucen-Zubereiterin auf diesem Planeten. Aber die gestern hat mich im Geschmack motiviert, es doch einfach weiter und öfter zu probieren.









Dazu gab es dann diesen ganz wundervollen St. Laurent, der uns recht zügig in mehr als beschwingte Laune versetzte – ein Wein zu dem man ruhig „Sie“ sagen darf!



Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber wir haben sogar noch das zweite Filetstück geschafft! Ich bin mir gerne gegenüber selbstkritisch in der Küche – aber das war einfach lecker und hatte den Aufwand gelohnt!



Dann waren wir erst einmal satt und mussten twittern gehen … und wurden prächtig von den northerndelights mit dem Wein-Clip unterhalten!

Blogkochshow 2009 – der Abgang

Das Dessert nannt sich im diesjährigen Menü:

Abschiedsgedanken: Keine siamesischen Flan-Drillinge mit süffisantem Pampelmusen-Kompott.

Ursprünglich war nur von Zwillingen die Rede, dann aber litt ich Donnerstag Morgen um 2:00 Uhr unter einer bösen Übersprungshandlung und schob kurzerhand noch den Drilling nach. Das war übrigens der kritische Moment als ich bemerkte, keine Klarsichtfolie im Haushalt mehr zu haben. Auch nichts, was einem unbedingt auffallen muss morgens um zwei Uhr. Am wenigsten übrigens, wenn man es braucht.

250 ml Milch
1 Zimtstange
1 Esslöffel Vanillezucker
4 Esslöffel Honig
2 Esslöffel Vanillezucker
4 Eier (M)

100 g Rohrzucker
50 g Walnüsse

100 ml Triple Sec (Orangenlikör)
1 halbe Vanilleschote
1 Zimtstange
2 Nelken
1 Sternanis
6 Physalis

250ml Milch
1 halbe Vanilleschote ausgelöst
2 Esslöffel Vanillezucker

100 ml Milch
60 g Mehl
1 Ei
2 Teelöffel Zucker
20 g Butter (flüssig)
Prise Salz
Marmelade nach Belieben
1 halbe Packung Frischkäse mit
1 Esslöffel Vanillezucker verrühren

Filets von 2-3 Zitrusfrüchten (Orange, Pampelmuse, Sweetie)
Saft von einer Orange (aufgefangener Saft der filetierten Früchte)
2 Esslöffel Rohrzucker

Mit der Vorbereitung für das Dessert begann ich bereits am Mittwoch, nachdem wir den Termin für den Menütag auf den Freitag festgelegt hatten – so ein Flan hält sich im Kühlschrank. Ich fertigte eine Zimtmilch an in dem ich eine Stange Zimt in 250 ml Milch das bronzene Seepferchenabzeichen machen ließ und als Rettungsreifen einen Esslöffel (selber gemachten) Vanillezucker hinterher warf. Trotzdem mussten zur Rettung vier weitere Esslöffel Honig anrückten. Alles zusammen wurde aufgekocht und kalt gestellt.



Zwischenzeitlich bändelte der gleiche Vanillezucker mit vier happy Eiern an und fuhr mit ihnen Rollercoaster bis sie vor Wonne schäumten.



Kurze Zeit später trafen Milch und Eier vorsichtig aufeinander und verjüngten sich gemeinsam in dem sie zusammen eine Kneipkur bei für diese Jahreszeit ungewöhnlich warmen Außentemperaturen antraten. (Wasserbad im Ofen, ca. 200 Grad für 40 Minuten).



Beinahe gleichzeitig gab ich dem mitgeschickten Rohrzucker zum ersten Mal in dieser Woche die Chance zu glänzen. Das tat er in einer Pfanne zu Karamell werdend. Die eine Hälfte der mitgeschickten Walnüsse hüpften zu ihm ins Boot und sehr kurze Zeit später gingen beide auf einem Stück Backpapier zum Auskühlen vor Anker. Bis Freitag.



Habt Ihr schon mal so lange auf selbst frisch karamellisierte Walnüsse aufpassen müssen? Das Leben ist nicht leicht, sage ich Euch! Überhaupt nicht leicht. Kein bisschen. Und kein Jahrmarkt in Sicht!



Am Donnerstag erlaubte ich etwas Orangenlikör mit etwas Zimt, der einen Hälfte der mitgeschickten Vanilleschote, zwei Nelken und einem Sternanis sowie ein paar Blondinen (Physalis, ich bloggte) einen feuchtfröhlichen Absturz in meinem Kühlschrank an dessen Türsteher die Truppe nur nach langen Reden (Umbaumaßnahmen) vorbei kamen.



Ein weiteres Mal machte ich 250 ml Milch zusammen mit zwei Esslöffeln vom Vanillezucker und der anderen Hälfte der Vanilleschote, deren Mark ich vorher ausgekratzt habe und der Milch spendierte, Feuer unter ihren Hintern. Die Milch durfte dann bis zum nächsten Tag vor sich hinziehen, um sich dem Freitag als ein sehr feine Vanillemilch zu präsentieren … (Fortsetzung folgt zu gegebener Zeit, vermutlich noch in diesem Blogpost.)



Kommen wir nun zu meiner Übersprungshandlung. Es war schon spät also bereits früh am Morgen und mir tat der Rücken weh, also entschloss ich mich anstatt ins gelangweilte Bett zu gehen, noch einen Crêpes zu backen - in erstaunlich ausgesucht kleiner Menge: 60 g Mehl, etwas Zucker, eine Prise Salz, 1 Ei, 100ml Milch 20 g flüssige Butter durften Crêpes-Teig spielen und in die Pfanne hüpfen, das ergab zuerst einen dünnen Crêpes und einen dickeren Crêpes und ich entschied mich den dickeren Crêpes für das Menü zu wählen, weil es doch immer heißt, der erste Pfannkuchen wird nichts und ist für den Koch. In diesem Fall für die Köchin. Obwohl dieser erste Crêpes hier ganz wundervoll gelungen und ein nahezu perfekter dünner Crêpes geworden war, entschied ich mich dieses Küchengesetz bloß ja nicht mit den Füßen zu treten und aß morgens um 2:00 Uhr den misslungenen gelungenen Crêpes ganz pur aus der Hand, damit die liebe Küchenregel ihre Ruhe hat, während ich den zweiten



wie man sieht zuerst mit einer Schicht Kumquats-Marmelade (Ihre, Herr Spontiv!) dünn bestrich und darauf dann den Rest Frischkäse aus der Vorspeise mit – was sonst – etwas wenig Vanillezucker aromatisiert gab und den Crêpes zu einer Rolle fest aufrollte, um in der Folge der kleinen Katastrophe zu begegnen nun keine Frischhaltefolie mehr zu haben. Das war ein Problem, das andere, dass an dieser Stelle der ursprüngliche Nachspeisen-Menütitel: Abschiedsgedanken: Keine siamesischen Flan-Zwillinge mit süffisantem Pampelmusen-Kompott keinen Sinn mehr ergab. Ich ging ins Bett. Meinen Willen (Crêpes im Bauch) hatte ich ja trotzdem bekommen.

Freitag morgen konnte ich zwar kaum aus den Augen gucken und entschied mich daher meinem Leben mehr Risiko zu verleihen in dem ich die mitgeschickte Grapefruit (rot) filetierte, vorher wurde ihr noch das verbliebene Fell in Zesten abgezogen.Und weil mir das Filetieren unter erschwerten Bedingungen so viel Spaß bereitete, durften gleich noch eine Sweetie (hell und klein) und eine Orange (verhindert, nicht im Bild) daran glauben. Den Saft aller Früchte habe ich aufgefangen, eine zusätzliche Orange wie ein weichgekochte Kartoffel ausgepresst und den Saft mit ALUMINIUMFOLIE (!) abgedeckt beiseite gestellt für den Abend.



(Jetzt die Fortsetzung!) Nach so viel Mordslust wurde ich zärtlicher und schlug etwas Sahne steif, zu der wurde dann die Vanillemilch gesiebt gegossen und vorsichtig verrührt … um prompt von mir kalt gemacht zu werden.



Also beglückte ich Melodys Eismaschine (ist schließlich ein Blogger-Menü!) mit dem Vanille-Sahnegemisch



und stupste die nicht zu klein gehackten Karamellwalnüsse hinterher, ungefähr so wie die Leminge sich in den Tod stürzen.



Die Eismaschine rührte und daher langweilte ich mich. Bis die Eismaschine fertig gefroren hatte und ich das nunmehr sehr leckere Vanille-Walnuss-Eis zum durchgefrieren in den Tiefkühler gab. Dessen Türsteher ist übrigens auch nicht besser.



Blieben dann am Menüabend selbst zum Nachtisch die kleinen besoffenen Freunde übrig, die ich selbst bereits gut mit lustig machenden Flüssigkeiten versorgt ins Feuer schickte, d.h. in eine heiße Pfanne mit etwas Rohrzucker zusammen mit dem frischen Orangensaft gab und vor sich hin köcheln ließ.



Dann rutschten die Filets der Zitrusfrüchte hinterher. Ein Filet schickte ich vor, um zu gucken ob die Luft rein ist und nach dem es das vereinbarte Signal des Nichtverfalls sendete, den Rest hinterher. Worauf das Kompott weiter köchelte bis es sich verdünnisierte, um dabei dicklicher zu werden.



Geschickt fische ich die dunklen Gestalten aus dem Orangenlikörbad und legte dem Zimt-Honig-Flan (Flan) mit Rohrzucker karamellisierte Handschellen an, setzte ihm dazu eine Scheibe Kumquat-Vanillecreme-Crepes (kein Flan) in den Nacken und ließ das frohlockende Vanille-Sahne-Karamellwalnusseis (auch kein Flan) aus dem Tiefkühler frei, um ihn mit dem heißen Pampelmusen-Kompott den finalen Rest zu geben, als eine weitere Ursprungshandlung mich im letzten Moment daran hinderte das Ganze mit Balsamico-Reduktion zu garnieren, sondern mich zur allseits lieb gewonnenen und mindestens ebenso überstrapazierten Minzblattdekoration greifen lies. Deko-Puderzucker ist so 90ies



Der Rest gab uns den Rest!

2009-11-21

Besucher …

Neulich schon hatte ich so ein Phänomen der dritten Art als die beiden Mädels abends wie gebannt stundenlang durch den schwarzen Samtvorhang in Richtung Balkon starrten. Da Katzen großes Talent besitzen, Dinge zu sehen die wir nicht sehen können, entschloss ich mich nach einer Weile zu glauben, wir hätten einen Besucher der dritten Dimension im Haus zu Besuch im Ohrensessel sitzend und ging irgendwann schlafen.

Heute – strahlendes Wetter – das Schlafzimmer ist noch etwas sehr rumpelig vollgestellt weil ich gerade meinen Flur mit neuen Ablageflächen umgestalte, öffne ich die Balkontür und entlasse die Tiger wie gewohnt in einen frühlingshaften Spätherbst nach draußen. Kümmere mich um meinen Abwasch von gestern, tippe was, antworte Mails und gehe irgendwann zum Balkon, weil's doch langsam frisch wird …

… um dort, wo Talytha immer auf der Balustrade sitzt, eine Katze sitzend vorzufinden, die zwar eindeutig wie meine Tally eine Schildpatt ist aber mit deutlich mehr Weißanteil im Fell, von kleinerer Statur und jünger, knapp dem Fratzalter entsprungen. Sie glotzt mich an, ich glotze zurück – wir beide glotzen lange. Intensiv. Sprachlos.



Selten sooo doof geglotzt bis ich die Sprache wieder gefunden habe und mich sorgenvoll fragte, wenn das da nicht meine Talytha ist, wo ist dann Tally? (Eine fremde Katze auf dem Balkon sorgt meiner Erfahrung nach wenigstens für ein zweite schreiende, fauchende Katze, die dem Besucher klipp und klar macht, in wessem Revier er sich gerade aufhält.) Und hat ihr die Katze womöglich vorgemacht, wie man über den Balkonvorsprung zu flüchten hat? Ich rufe sie, keine Antwort. Ich suche sie, unsichtbar. Adrenalin vom Feinsten. Katzensticks! Bei Tally brauche ich nur Katzensticks zu denken und sie steht Spalier. Ich gehe zum Schrank, knistere mit den Packungen rum, schlimm unsichtbare Tally. Panik macht sich breit. Fremde Katze sitzt immer noch auf dem Balkon und glotzt. Also gebe ich ihr den Stick als Friedensangebot. Den sie sich reichen lässt ohne sofort zu flüchten. Tür zu.

Die Ecken noch einmal absuchend finde ich ein kleines aufgeschrecktes buntes Katzenhäufchen im Wohnzimmer und ihr Verhalten sagt mir, sie denkt gar nicht an Flucht in eine Welt in der so komische andere Katzenmonster beheimatet sind. Und weil das kleine bunte Katzenmädchen gerade sehr verstört ist und somit im Fluchtmodus, die anderen beiden von dem ähnlich aussehenden Besucher vom anderen Stern gar nichts mitbekommen haben, meinte Lino nun auch noch sie ganz gentlemanunlike zu jagen.

Die Besucherin war dann kurz weg. Und gleich wieder da, sie hat offensichtlich großen Spaß an meinem unserem Balkon. Sie findet auch Blaumeisen toll, die meinen Balkon anfliegen. Mittlerweile haben nun auch Nishia und Lino sie entdeckt. Nishia hat sie auf meinem Arm durch die Fensterscheibe fröhlich angeschnurrt, wenn auch ihr Schwanz deutlich andere Signale sendete. Lino aber sitzt jetzt auf dem Fensterbrett, doppelt so breit wie hoch, knurrig und gibt Soundvariationen von sich, die ich von dem Kater noch nie gehört habe. Gleich hat er 'nen Herzkasper.



Sie indes findet den Kater auf der anderen Seite des Fensters sehr spannend und auch wenn sie für sich ebenfalls lustige Klangwelten abspielt, würde sie sehr gerne durch das Fenster kommen und mit dem lustigen Katzenmann auf der anderen Seite spielen. Sie ist noch sehr babyhaft und weiß nicht, dass der Kater offensichtlich findet, mit seinen beiden Mädels schon ausreichend bedient zu sein und das frische Katz‘ liebend gerne auf Spieß gegrillt hätte.



Toll, jetzt habe ich hier drei blankliegende Nervenkostüme in Fell gekleidet und eine Halbstarke, die auf dem Balkon genau das macht, was ich meinen Katzen erfolgreich verboten habe – Blaumeisen jagen, durch meine Fauna zu krabbeln und über Balkonvorsprünge zu springen, um dann über das Dach zu flüchten.

Aber niedlich ist sie, zweifelsohne. Auch wenn ich in dieser Wohnung offensichtlich die Einzige bin, die so von ihr denkt. Sie wird auch erst mal nicht gehen, schließlich ist da dieses tolle Katzen-TV hinter der Fensterscheibe.

2009-11-20

Präparieren

Herr Exit kochte bereits letzten Sonntag sein blogkochshow '09-Menü und legte mit seiner Bratapfeltorte die Latte ziemlich hoch. Vorher servierte er eine entzückende Möhrentarte, der olle Bäckerkönig, danach Lachspasta mit Grapefruit-Weißweinsoße Niveaumäßig ebenso hoch kochten die Jungs von Northerndelight mit Orangen-Möhrencreme, Lammrücken mit Walnusskruste und Grapefruit-Prosecco-Gelee. Die haben das Making-Of sogar gefilmt! Da kann man nicht meckern.

Heute haben sich Julius und Spontiv himself an den Herd begeben – und wie: Estragon-Karotten-Tomaten-Suppe, zarte Butterbohnen an Putenmedaillons mit Süßkartoffel-Walnuss-Püree und abschließend ein Rübli-Brownie an karamellisierter Grapefruit-Mousse und Vanillesoße bei Julius. Herr Spontiv behauptet (noch), er könne nicht mehr kochen. Ich glaube ihm das nicht und wette, er wird uns genau wie letztes Jahr mit seinem veröffentlichten Menü den Rest geben.

Bleiben also noch die Frauen in der Runde übrig. Frau Indica, Frau Bhuti und Madame Jekylla, die, soweit ich weiß, am Samstag die Küchenfenster beschlagen lassen. Ich für meine Wenigkeit, habe das heute schon getan und die Vorbereitungen getroffen für mein morgiges blogkochshow-Event. Es wird lustig, sage ich Ihnen! Herr Foxxi, der morgen mein herzlich gerne gesehender bloggender Gast sein wird, nimmt nämlich nur für dieses Dinner schon seit drei Monaten ab wie Kate Moss am Grashalm kauend.



So wanderten heute eine Hälfte der Vanilleschote zusammen mit Sternanis, Nelke und Zimt in einen anständigen Schluck Orangenlikör zum vergnügt vor sich hinziehen. Und damit mein Kühlschrank auch richtig sein fröhlichfeuchtes Vergnügen haben kann und es ihm nicht mit den dunklen Gestalten langweilig wird, wanderten ein paar der Deko-Physallis angeritzt hinterher und schunkeln in der Runde vor sich hin. Sage bitte keiner, ich kümmere mich nicht um meine Discounter-Ware!

2009-11-19

Aus lauter Langeweile …

habe ich mir heute zur Abwechslung die Zähne sandstrahlen lassen.