2026-04-15

Ab ins Aostatal mit der ganzen Familie!

Aoste Fontainemore © Davide Camissasca

Das Aostatal – Valle d’Aosta – Vallée d’Aoste! Sind wir ehrlich, die Regionen in Europa, die mehrsprachig sind, bieten doch einen sehr besonderen Charme in ihrer Entdeckung. Das Valle d’Aosta liegt im Nordwesten Italiens und grenzt an Frankreich und die Schweiz. Im westlichen Teil ihrer Alpen grüßen das legendäre Matterhorn, der Mont Blanc, Monte Rosa und Gran Paradiso. Parliert wird hier in aller Herrenländer Europas (na gut, außer Spanisch und Hochdeutsch).
Champillon Doues © Aoste Tourisme

Natürlich ist man im Winter auf Skiern und Snowboards in den herrlichen Skibegiebten unterwegs. Und im Frühling? Da wird diese Regionen erwandert, es werden Burgen besucht, Steinböcke gesichtet (mit etwas Glück) – und zur Belohnung gibt es die reichhaltige Küche mit ihren Einflüssen des piemontesischen Nachbarn, die satt und glücklich macht. Was auch sonst? Eh! Italia!
© Maurice Chatelain

Das Aostatal versteht sich als ein perfekter Ort für den Familienurlaub über Generationen hinweg. Die teilweise flachen Wanderwege lassen sich auch mit dem Kinderwagen und von Menschen mit körperlichen Einschränkungen sehr gut bewältigen. Seit Jahren wird im Aostatal daran gearbeitet, Ausflugsorte, Wege und Unterkünfte auch barrierefrei zu gestalten. Das Projekt Abilmente ermöglicht in fünf Skigebieten im Aostatal auch Menschen mit motorischen, sensorischen oder geistigen Einschränkungen, Wintersport zu betreiben. Im Frühling darf unter den gleichen Bedingungen gewandert werden, statt Loipe gelaufen.
Camino Balteo Strada Romana Donnas © Aoste Tourisme

Als Erstes dürfte der Nationalpark Gran Paradiso mit der Pont-d’Ael alle Familienmitglieder beeindrucken. In 66 Metern Höhe mit sechs Kilometern Länge, haben die Römer schon im Jahr 3 vor Christus mit dem Bau der Äquaduktbrücke für die Wasserversorgung einer neuen Siedlung gesorgt. Die lustigen Römer begründeten in ihrer über fünf Jahrhunderte währenden Herrschaft über das Tal auch die Stadt Augusta Praetoria, heute besser bekannt als Aosta. Wo früher Wasser floss, wird heute die Strecke zu Fuß bewältigt – fantastische Aussichten garantiert.
Skyway Monte Bianco © Antonio Furing

Die hat man natürlich auch in den Skigebieten, in die auch im Frühling und Sommer Besucher von den Gondelbahnen bequem transportiert werden. Die Gondelbahn Pila-Couis-Stella führt zur Stella-di-Pilla auf 2.723 Metern Höhe und garantiert einen Blick auf die vier höchsten Berge der Region.

Wer es noch höher mag, vertraut sich der Skyway Monte Bianco in Courmayeur an. Auf der Punta Helbronner genießt man den Blick direkt auf den Mont Blanc in einer Höhe von 3.466 Metern – und hat keinen Tropfen Schweiß auf dem Weg dorthin verloren. Für Menschen, wie mich als Flachland-Berlinerin, die sehr gerne wandert, auch im Gelände, aber gar nicht so gerne im Berg hängt, die ideale Form der Gipfelerklimmung!

Man wird hier selten einen Felsvorsprung entdecken, auf dem nicht seit Jahrhunderten eine Burg oder ein Turm ruht. Schließlich ist das Aostatal auch als das Tal der hundert Schlösser bekannt. Viele von ihnen locken große und kleine Besucher in ihre alten Gemäuer. Die jüngeren Besucher werden in dem naturwissenschaftlichen Regionalmuseum der Burg in Saint-Pierre voll auf ihre Kosten kommen.
Fort di Bard © Enrico Romanzi

Oder in der Festung von Bard (Forte di Bar), wo sie im Alpenmuseum die Tierwelt der westlichen Alpen entdecken. Falls es in der Landschaft doch nicht mit dem Steinbock klappt. Mehr an Geschichte interessiert? Diese Festung hatte Napoleon immerhin zwei Wochen lang abwehren können und erzählt mit Stolz ihre Geschichte. Wundervolle mittelalterliche Fresken dürfen im Castello di Fénis bewundert werden. In dem Ort wartet auch das Museum für traditionelle Handwerkskunst auf Besucher*innen.
Spezialitäten des Aostetals © Aoste Tourisme

Und dann warten überall die hübschen Dörfer auf ihre Besucher, wo sie nach einer langen Wanderung die herrlichen Produkte der Region in den Gaststätten probieren können. Falls sie nicht schon auf den Wegen direkt bei den Erzeugern eingekauft und an den vielen Picknickplätzen direkt verkostet wurden. In den Berghütten gibt es natürlich die beste und satt machende Polenta mit dem regionalen Käse.

Überhaupt: Der Käse aus dem Aostatal! Fontina, Fromazdo (Valdostana) und andere Sorten, teilweise nach den Familienrezepten seit Jahrhunderten so hergestellt – natürlich DOP-signiert. Auch der würzige Bergschinken Jambon de Bosses mit mindestens 16 Monaten Reife und der Speck Lard d’Arnad mit drei Monaten Reife im Holzfass tragen das DOP-Siegel der Region.
Polenta e Carbonada © Alexis Courthoud

Hier und da wird natürlich auch Pizza serviert. Von rustikaler Küche bis zum Fine Dining – die ganze Familie wird perfekt verköstigt. Im Glas befindet sich dann ein spannender DOC-Wein, der über 20 autochthonen Reben im Aostatal. Sie werden hier teilweise in einer Höhe von 1.300 Metern angebaut. Dazu gehören Petit Rouge, der Fumin, Vien de Nus oder Prié Bland – die am höchsten angebaute Rebe Europas, weil frostresistent. So besondere Tropfen!

Na, habe ich eure Sehnsüchte geweckt? Auf der Homepage der Tourismusorganisation im Aostatal könnt ihr euch direkt die Unterkunft suchen für einen herrlichen Urlaubsausflug ins Valle d’Aosta und findet auch alle anderen Informationen!

Fai buon viaggio! Bon voyage! Gute Reise!

Homepage: Vallee d'Aosta
Instagram: Valle d'Aosta

2026-04-14

Das macht so echt keinen Spaß mehr!

Also irgendwie habe ich gerade merkwürdiges Karma beim Einkauf.

Freitag bei Aldi. Der Wocheneinkauf für meine hochbetagte Nachbarin. Ich überlege, ihr eine Packung Erdbeeren mitzubringen, und stehe mit einer anderen Kundin vor der (einreihigen, schon sehr ausgesuchten) Stiege, und wir gucken nach einer Packung mit unversehrten Früchten. Nicht wirklich lange. Ich habe gerade erst angefangen zu gucken. Da brüllt uns von hinten eine Kundin ins Ohr: „Sie sagen Bescheid, wenn Sie fertig sind!“ Und das war nicht wie eine höfliche Bitte formuliert, sondern wie die typische Berliner Unverschämtheit, wenn es der Eingeborenen nicht schnell genug geht.

Später, ich bin am Bandende, also letzte Kundin an der Kasse. Fange an, die Produkte auf das Band zu legen und stehe vor dem Wagen, der am Ende des Bandes steht – wo ich auch meine Ware noch hinlegen muss. Kommt die nächste durchgeknallte Kundin, schiebt meinen Wagen zur Seite und will anfangen, ihre Ware auf das Band zu legen. Offensichtlich mitten in die von mir ausgesuchten Produkte. Gut, da bin ich dann mal grob geworden.

Heute bin ich erneut bei Aldi und fische aus der italienischen Wurstware eine Packung heraus, in der die Salsiccia an vielen Stellen sehr grünlich schimmerte. Deutlich. Da ich gerade kein Personal sehe, aber ein Stapel leerer Kartons vor dem Kühlregal liegt, erlaube ich mir, die Packung dorthin zu legen. Als ich dann die Mitarbeiterin im nächsten Gang sehe, sage ich ihr Bescheid. Bekomme nicht etwa ein Dankeschön, dafür den Rüffel, dass das aber nicht so gut sei, denn wenn sie die Kartons in die Presse gäben …

Ey, Mädel. Es wäre dein Job gewesen, dafür zu sorgen, dass die Packung längst aussortiert gewesen wäre?!

Ich hätte inständig die Bitte: Könnten wir uns alle mal wieder ein bisschen erden, höflicher miteinander umgehen und anständig miteinander kommunizieren?

Also wie Menschen, die sich so benehmen, wie sie auch gerne von anderen Menschen behandelt werden wollen? Ginge das? Bitte?!

2026-04-13

Ich freue mich so sehr für Ungarn!

Vor allem freue ich mich darüber, dass jetzt endlich die Jugend Ungarns in der EU eine Chance haben wird.

Vor einigen Jahren war ich bei einer Weinverkostung ungarischer Weine. Lauter junge Menschen, die so engagiert ihre Weine produzieren und vermarkten wollten – und im Grunde nie wirklich ihre Chance hatten, zumindest im westlichen Teil der EU wirklich Fuß fassen zu können, mit der Art und Weise, wie Orbán dieses Land diktatorisch Putin auf dem Tablett servierte.

Ich wünsche diesem Land und seinen Menschen einen guten Neustart in der EU. Ich wünsche diesem Land und dem neuen Präsidenten Péter Magyar die Kraft und den unbedingten Willen, die von Orbán installierten Instrumente und korrupten Personen aus ihren Ämtern zu entsorgen. Dass er Orbáns Minderheit in Grund und Boden regieren kann. Er das Richtige für sein Land will und hoffentlich in den Punkten, in denen sein Standpunkt noch gar nicht so klar ist für uns andere Europäer, demokratisch, modern und zukunftsorientiert ohne Russland regieren wird.

Jeder, wirklich jeder Wähler, der mit der AfD liebäugelt – aus Protest (und ich bin die Letzte, die Protest gegen die aktuelle nutzlose Regierung nicht verstehen würde) –, dem muss klar sein, dass die genau das will, was Orbán vorgelebt hatte. Und sie Deutschland zu dem machen wird, was Orbán über 15 Jahre aus Ungarn gemacht hat. Zu einer als Demokratie getarnten Diktatur. Verseucht durch Korruption. Mit einem verarmten Volk und einer resignierten Jugend.

Nein, die AfD ist genau gar keine Alternative für Deutschland. Sie ist ein Geschenk für Putin. Das muss jedem klar sein, der die wählt. Die AfD zeigt jetzt schon in einem unfassbar großen Maß korruptes Gebaren, bedient sich jetzt bereits in einem illegalen Maß an den Steuergeldern aller Bürger in diesem Land. Sie ist destruktiv, rassistisch, putinfreundlich und wird Deutschland in Zukunftslosigkeit regieren. Und sie wird die wenigsten ihrer Wähler an ihren Gewinnen, die sie aus den Steuergeldern ziehen wird, teilhaben lassen.

Bitte, denkt zwei Mal darüber nach, wenn ihr in Zukunft wählen möchtet.

Möge die EU jetzt endlich die Ukraine unterstützen können, wie sie es ohne Orbán schon seit drei Jahren hätte tun sollen!

„Meine kleine …

süße Scheißerdrohne!”

Spitznamen für Katzen der Spitzenklasse

2026-04-10

Der Codex Purpureus Rossanensis in Rossano

Wer sich für die früheste Geschichte unseres Kontinents interessiert, kommt in der kalabrischen Sibaritide sehr auf seine Kosten. In die Geschichte der Arbëresh, der nach Kalabrien geflohenen Menschen aus Albanien, hatte ich euch schon mitgenommen. Rund um die Gemeinde Corigliano-Rossano möchten viele besondere historische Schätze von Besucher*innen entdeckt werden. Und: Es lohnt sich sehr! Daher machen wir hier einen Ausflug in die Altstadt von Rossano, wo der legendäre Codex Purpeus zu bestaunen ist. Vorher besuchen wir die archäologischen Ausgrabungsstätte des Parco del Cavallo, dessen Funde im nahegelegenen Archäologischen Nationalmuseum, Museo Archeologico Nazionale della Sibaritide, zu besichtigen sind.


Archäologie goes drittes Jahrtausend!

Viele Museen in Kalabrien sind in die Burgen der einzelnen Provinzen eingezogen. Das Museo Archeologico Nazionale della Sibaritide ist da ein deutlicher Bruch in der Landschaft mit seiner modernen Architektur. Architekt Riccardo Wallach hatte in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts das Museum in modularer Konzeption auf Grundlage der hippodämischen Stadtentwicklung entworfen, indem er auf kreative Weise die präshistorische Straßenstruktur dieser Region in den Bau integrierte.
Das Innenleben wurde in den Jahren der Museumsexistenz einerseits den Zuwächsen der Sammlung angepasst, denn da, wo gebuddelt wird, wird immer noch gefunden. Die technische Evolution der letzten Dekaden, möchte ebenfalls im heutigen Museumsbild integriert werden. Für Kinder konzipierte multimediale Ausstellungen, sind in einer gelungenen Ausstellung unverzichtbar.
Die Sammlung besteht aus den Funden der Ausgrabungen der antiken Ortschaften der Sibaritide: der griechischen Kolonie Sibarys (7. Jh. v. Chr.), ebenfalls griechisch Thurii (5. Jh. v. Chr.) und der Römerstadt Copia (2. Jh. v. Chr.) und von bedeutenden Stätten, darunter das berühmte protohistorische Heiligtum von Francavilla Marittima.
Als ich das Museum besuche, befindet es sich sichtlich im Umbruch. Seit 2021 befindet sich die gesamte Ausstellung in einem Prozess der Modernisierung und Neustrukturierung, um auch in jüngster Zeit gefundene Exponate zu integrieren und die Präsentation der Objekte auch sprachlich der Entwicklung anzupassen. Ein Ende der Reise ist nun in Sicht!

Sie machen das sehr charmant, meinem Erleben nach. Da wird eben der Text zum Ausstellungsobjekt an die Vitrine mit einem Marker geschrieben, dort hängt ein erklärendes Post-it. Hier erzählt eine Notiz, was sich theoretisch in der Vitrine befinden würde, befände sich das Exponat nicht gerade in der Restauration. Alte Informationstafeln werden mit Zetteln ergänzt um aktuelle Nachträge. Und die Besucher sind ausdrücklich aufgefordert, ihre Gedanken und Ideen für die neue Gestaltung der Ausstellung einzureichen. Umbruch im Alten zum Neuen.
Dass hier und dort dann schon neue Elemente z. B. zum Sitzen einladen – wie immer in Italiens Museen in besonders einladendem Design. Ehrlich? Ich hatte kindlichen Spaß in diesem – natürlich barrierefreien – Museum, das gerade wie aus einem Schmetterlingskokon neu schlüpft.

Einige Exponate haben es mir besonders angetan. Tongefäße, Messer und Münzen – sie gehören in einem archäologischen Museum zum Inventar. Hier sind viele trotz ihres hohen Alters so gut erhalten bzw. restauriert worden, eine faszinierende Freude für die Besucher*innen.
Mich beeindruckten besonders diese Statue mit integriertem Spiegel bzw. Handspiegel aus dem Reich der Frauen – beide aus der Bronzezeit!
Spiegel? Aus der Brozenzeit??? (Ich muss mich unbedingt in die Geschichte der Spiegel einlesen!)

Wer mag, kann mit der filmischen Einladung „Passione da Cultivar” der Historie von Olivenbaumzucht und ihrem Anbau folgen, denn natürlich ist man sich der Relevanz der historischen Landwirtschaft dieser Gegend bewusst und hat diesem Punkt einen ganzen Ausstellungsbereich gewidmet.

Der erste final umgebaute Raum ist das neue Zuhause des Stiers, Torre cozzante, in der Pose des Angriffs. Eine beeindruckende Bronzestatur – er ist das Wappen der Stadt Thuri (Thuril), einst eine panhellenische Kolonie, die ca. 444 v. Chr. den Platz von Sybaris einnahm, das 66 Jahre zuvor zerstört worden war. Dieser Stier brachte es im 5. und 4. Jahrhundert vor Christus auf die Münzen der Stadt. Vermutlich steht er für die Verbindung mit dem Gott Apis aus der ägyptischen Welt.
Dieser Stier – um nur einen besonderen Genius dieser Ausstellung zu nennen – wird nebenan in einem eigenen und umfangreichen Bereich die Moderne geführt, da er als kriegerisches Stil-Element viele Arbeiten heutiger Comic-Zeichner inspirierte. Hier wird man auf jeden Fall seine Teenager parken können und in Ruhe den Rest der Ausstellung bewundern dürfen.
Eine spannende Zusammenführung uralter Geschichte mit unserer Moderne, die das Erleben dieses Museo sympathisch macht.

Die archäologische Anlage der Römerkolonie Copia

Zu Fuß wären es knapp 30 Minuten, sechs Minuten sind es mit dem Auto vom Museum aus zum Parco Archeologico di Sibari, auch Parco del Cavallo, dem größten archäologischen Ausgrabungsgebiet im gesamten Sibari-Raum. Hier befand sich die römische Kolonie Copia.
Von ihr sind Reste der Stadtmauer und das nördlich gelegene monumentale Tor und ein Teil der historischen Theaterarena zu besichtigen. Die Straßenführung zweier Hauptstraßen ist deutlich erkennbar, Reste der Thermen und vereinzelt sogar noch Mosaike im Boden.
Auch hier wird während unseres Besuches gerade gebaut, so dass ich leider nicht auf das Gelände gehen darf. Aber auch der Überblick der sehr frühen historischen Anlage beeindruckt in ihrer Größe und ihrem Erhalt.

Interessierte Besucher sollten sich auf jeden Fall bitte unbedingt vorher über die Öffnungszeiten informieren. Und: Das Gelände liegt im Freien und in den heißen Jahreszeiten sind Sonnenschutz und Wasser deine besten Freunde!

Ein Welterbe in Rossano: Der Codex Purpureus

Nur eine halbe Stunde Autofahrt entfernt, befinden wir uns in Rossano (Calabro). Der einen Namensgeberin der Provinz Corigliano-Rossano. Wer durch die Altstadt der Gemeinde mit knapp 37.000 Einwohnern läuft, bekommt einen ursprünglichen Eindruck Kalabriens.
Wir sind hier am frühen Abend eingetroffen und der kleine Ort zeigt sich uns vergleichsweise ruhig in der Abendsonne.
Verfallene Häuser stehen neben solchen, die vermitteln, dass in ihnen das Leben tobt. Touristisch kaputt saniert, ist hier noch wenig – was auch einmal angenehm zu erleben ist.
Wir, als Besucher, werden betrachtet von den wenigen Menschen, die uns in den Straßen begegnen. Straßen mit Stufen führen hinauf und hinunter. Ich glaube, hier kann man sich herrlich verlaufen!
Rossano – als Die Byzantinische bekannt – liegt, wie so viele Ortschaften in Kalabrien, auf einer Anhöhe – wer hier alt wird, bleibt bei 270 Meter über dem Meerespiegel zwangsläufig jung.
Es scheint völlig unwirklich, dass hier ein sehr besonderer Schatz christlicher Kultur liegt. Der Codex Purpureus Rossanensis – eine der ältesten Bibelhandschriften (6. Jh. n. Chr.) der Welt und sie gilt als eines der kostbarsten Dokumente der byzantinischen Kunst mit ihren Miniaturen.

Dieses beeindruckende Welterbe kann im Diözesanmuseum am Dom von Rossano besichtigt werden. Dieser natürlich auch.
Als Entstehungsort des Codex vermutet man die Türkei, er wurde im 7. Jahrhundert von flüchtenden Mönchen nach Kalabrien gebracht. Sie sind dafür verantwortlich, dass es in Rossano von lauter kleinen Gotteshäusern nur so wimmeln soll.

Von den ehemals 400 Seiten des Codex existieren heute noch 188 Seiten, einige sind von einem Feuer beschädigt, dem leider der größte Teil des Codex zum Opfer fiel. Dennoch: Die Restauratoren haben 1919 große Handwerkskunst geleistet. Der Codex ist wunderschön anzusehen.

Und für mich gesprochen, ist diese Handschrift eine der berührendsten Begegnungen mit der religiösen Geschichte, die ich in Italien bis dato erleben durfte.
Die verbliebenen Texte in griechischer Sprache (Majuskeln) umfassen das vollständige Matthäus-Evangelium und einen Brief des Kirchenvaters Eusebius von Caesarea. Im oströmischen Reich wurde das Neue Testament in griechischer Sprache überliefert. In dem Museum liegt der Codex gesichert und für Besucher zugänglich. Alle drei Monate wird eine neue Seite dieses 260 × 307 cm umfassenden Werkes aufgeschlagen.
Cesare Malpica hatte den Codex im Jahr 1846 in Rossano entdeckt. Doch erst zwei deutsche Gelehrte, Oskar Leopold von Gebhardt und Adolf Harnack, sorgten 1879 für seine Bekanntheit über die rossanischen Stadtgrenzen hinaus. Sie gaben dem Werk seinen heutigen Namen: Evangerliorum Codex Graecus Purpureus Rossanensis.
Oder kurz: Der Codex Purpureus ist ein ganz besonders schönes Stück Geschichte. Das gesamte Pergament ist in Purpur eingefärbt, das einst als die Farbe der Kaiser bzw. Könige galt. Die Schriftfarbe der Texte ist silbern und golden. Die wundervollen Miniaturen, damals wohl von den besten Künstlern ihrer Zeit kreiert, gelten als die schönsten erhaltenen Illustrationen der frühbyzantinischen Kunst.

Was für ein Stück Geschichte – und bildschön dazu. Für mich ein Must-see! Und ich muss noch einmal wiederkommen, denn die gesamte, umfangreiche Ausstellung des Museums konnte ich aus zeitlichen Gründen nicht besichtigen.


Homepage Museo Archeologico Nazionale della Sibaritide

Homepage Parco Archeologico di Sibari

Homepage Museo Codex Rossano

2026-04-09

Es gibt ja nichts, …

… was es nicht gibt!

2026-04-08

Meine Güte! Was haben wir uns da eingefangen?

Vielleicht sind wir gestern gerade so am Beginn des 3. Weltkrieges vorbei geschrammt. Der Kanzler? Scheint nicht zu existieren. Sieht auch nicht seine Funktion darin, vielleicht seinen Wählern Angst zu nehmen, Zuspruch zu geben in einer solchen Zeit.

In den Medien findet Friedrich Merz erst fünf Spalten tiefer stattt. Und zwar damit:

Kann die deutsche Regierung noch abstruser werden?

Ach und übrigens, das Landgericht Flensburg hat geurteilt und dieser Peinlichkeit von Kanzler (angeblich ja Jurist) die nächste juristische Schlappe serviert: Letzte Generation keine kriminelle Vereinigung Die Aktionen sind keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit.

Und noch eimal, diese – meiner persönlichen Meinung nach – Flitzpiepe soll Jura studiert haben. Man will es kaum glauben.