2018-12-15

§ 219a

„Raus aus meinem Uterus. Der § 219a und seine Freunde.” Den richtigen und wichtigen Text zur aktuellen Diskussion zum Paragraphen §219a hat die Juramama geschrieben. Mehr als sehr lesenswert!

„Wenn ich das richtig verstanden habe, sind es Frauen und ihr Uterus, die „das Leben schützen“ und ermöglichen? Wieso zum Teufel können Frauen denn dann eigentlich nicht schon immer völlig von Kinderwunsch oder Kindern unbehelligt durch eine eigene sichere finanzielle Existenz gehen und allein aufgrund ihrer beruflichen Kompetenzen jede Stelle der Welt bekommen? Warum endet ein Leben mit Kinderaufzucht des schützenswerten Lebens ganz sicher in bitterlicher Armut, wenn man nicht in einem Umfang berufstätig ist, als hätte man sich gegen dieses Kind entschieden?”

2018-12-14

Kleines Glück …

… man kennt das. Der tödliche Männerschnupfen hat sich beim letzten Eintreten durch die Wohnungstür mit hinein geschlichen und ist ziemlich penetrant, wie er da auf dem Sofa sitzt und sich breit macht. In seiner Anwesenheit verbringe ich meine Zeit mit Fieber, Taschentüchern, schniefen, Tee, Lorbeerlikör (gegen Halsschmerz und Husten, mein neues Wundermittel, das nur leider am dickklötigen Schnupfen nicht vorbei wirken kann), komisches Fernsehprogramm, Gliederschmerzen, Brot- und Milcheinkauf der Nachbarin, Nasenspraybesorgung und wundervollste Hühnersuppenheilspende der Freundin, dezent übermantelt vom überdosierten Selbstmitleid, begleitet von einer unzufriedenen Katze. Mit Fieber schläft und spielt es sich irgendwie schlecht.

Dann im Anschluss, wenn das Fieber für sich befundete, seine heilende Existenz wieder zurück schrauben zu können und man selbst noch matt in den Kissen liegt und die körperlichen Gelüste nach Auffüllung des Natriumhaushaltes innerlich quengeln und man diesen extremen fürchterlich intensiven Heißhunger nach Gurken hat, es aber Sonntag ist, die Geschäfte geschlossen haben und man eh noch nicht in der Lage wäre, die die weiße Fahne schwenkenden Körperzellen schon nach außen zu tragen.

Wenn man dann unverhofft neben dem Kaffeevorrat plötzlich und ungeahnt ein Glas Gewürzgurken findet. Eines von dem man sich nicht einmal mehr erinnern kann, es jemals eingekauft zu haben.

Das ist Glück.

2018-12-09

Neulich beim Arzt …

Neulich dann endlich den Termin beim Rheumatologen gehabt. Mit Voranmeldung zweieinhalb Monate Wartezeit. Aber bereits vorher schon monatelang bei anderen Rheumatologen einer Terminmöglichkeit hinterher telefoniert. Wie machen das eigentlich Menschen, die 40 Stunden (und mehr) die Woche arbeiten?

Die Praxis liegt ungefähr vier Bezirke von meinem Wohnbezirk entfernt, Anreise mit den Öffentlichen knapp unter eine Stunde. Aber hey: ich hatte ein Date!

In der Praxis gab es zwei Wartebereiche, die waren vergleichsweise voll zu nennen. Kein Lesezirkel, dafür im Wartezimmer ein antike Vitrine, die mehr oder weniger elegante Hilfsmittel für den Rheumakranken präsentiert. Schön. Ich füllte insgesamt vier beidseitig bedruckte Fragebögen – mein bisheriger Rekord tatsächlich – aus. Ein halber Fragebogen bezog sich dabei ausschließlich auf Kenntnisgabe meinereine über die Widrigkeiten wie sehr, wie lange und intensiv ich um diesen bzw. einen Termin beim Rheumatologen stadtweit mich bemühen musste, um die „Berlinweite Situation von Fachärzte der Rheumatologie” abbilden zu können. Drolligkeit kennt zunehmend im Gesundheitsbereich wirklich kein Pardon!

Persönlich glaube ich keine Sekunde lang, dass sich ein Arzt vor der Erstkonsultation die immer noch übrig gebliebenen dreieinhalb Fragebögen wirklich durch liest; die Fragen scheinen eh nicht meine spezielle Situation abgebildet, da ich meine Schmerzen nicht kontinuierlich habe. Schlussendlich aber hatte ich meine persönlichen Werdegang hinsichtlich meiner gesundheitlichen Probleme, einschließlich aller Befunde und draus gezogenen Konsequenzen für weitere Arztkonsultationen auf ein Blatt Papier vom PC an Drucker ausdrucken lassen (der Ur-Ex betont immer, meine Handschrift wäre schön aber nicht lesbar) und vorgelegt.

Es ist wie immer: der herbei gesehnte Arzttermin ist da und mir ging es so gut wie schon lange nicht mehr. Ich war beweglich, die schreckliche Körpersteifigkeit wie weggeblasen! Es wurden ein paar Fragen gestellt, ich wurde untersucht, an mir wurde herum gedrückt. Ich enthielt mich höflich dem Versuch an der einen oder anderen dann sehr schmerzenden Stelle auszuteilen. Es gibt Stellen in meinem Körper, die zwar nicht akut schmerzen aber wenn da jemand etwas fester drauf rumdrückt, höllisch weh tun. Wieder was über sich selbst gelernt.

Dann gab es die Vermutung auf eine Diagnose, die mir nach Einlesen in meine persönlichen Beschwerden nicht ganz unbekannt war. Während mir also die Vermutung an den Kopf geworfen wurde von der ich auf Nachfrage ehrlich behauptete, von ihr einmal gehört zu haben, wurde mir eine Blutuntersuchung in Aussicht gestellt und dann zupfte der Arzt in einem großen Stapel kopiertes Papier auf dem Tisch diverse Bögen heraus. Mir wurde ein Bogen Papier gegeben mit der Adresse von einem Selbsthilfeverein, bei dem ich mir zur Diagnose bitte selber eine Broschüre anfordern möge, die mich darüber aufklären soll, was ich ggfs. habe. Kein Job für den Facharzt, wo kämen wir da hin? Dazu drei Bögen mit Körperübungen, die ich durchführen solle, um etwas aus dem Schmerzverhalten zu entkommen. Ich erhielt den Hinweis, der Arzt würde sich melden, würde sich etwas bei den Blutuntersuchungen ergeben. (Die vermutlich gestellte Diagnose ist in Blutuntersuchungen nicht abbildbar, der Rest ist für den Ausschluss.) Und die Bitte, ich möge mich im Verlauf wieder vorstellen.

Ich fragte (leicht zynisch aber man kennt mich hier ja nicht) in welchem zeitlichen Radius sich denn „im Verlauf” bewegen würde und ich erhielt einen Termin im zweiten Monat des kommenden Jahres zugewiesen. Draußen gab ich Blut und Urin ab, ließ meine Befunde der anderen Ärzte einscannen und reiste von dannen und zurück an den Ausgangsort. Eine vage Diagnose, keinerlei Aufklärung. Nichts.

Aber dann heulen, wenn die Leute mit kruden Internetbehauptungen vor ihrem Arzt sitzen …

Hey, wir haben eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Und nun gut, der miese Schmerz hat nun wenigstens einen Namen, höchstwahrscheinlich. Ist auch was. Zumindest entbindet es mich von dem fiesen Gefühl das Alter sei alleine schuld. Oder ich. Oder beides zusammen.

Nein. Ich bin mit diesem Gesundheitssystem nicht zufrieden. Mit unserem Gesundheitsminister auch nicht. Dummerweise bleibt er uns nun doch noch ein Weilchen in dieser Funktion erhalten. Apropos, er macht schon wieder Dummsinn, würdet Ihr bitte hier (sehr kurzfristig bis zum 13.12.2018) hier noch die ePetition mit zeichnen? Er möchte nämlich künftig Menschen mit psychischen Erkrankungen a) diskriminieren und b) ihnen den Zugang zur Therapie unnötig erschweren und c) die eh schon zu wenig verfügbaren Therapeuten mit noch mehr Verwaltungsgedöns von ihrem eigentlich sinnnvollen Tun abhalten. Dankeschön!

2018-11-22

Beim nächsten Mal eine schöne scharfe Chorizo …?

„Die A. Niest heftig.

Wurstbrocken explodieren im Raum. R.‘s Bluse ist nun mit Wurst gesprenkelt.

Die Tür geht auf. Der Arzt tritt herein.

Er sieht die Wurstexplosionsnachwirkungen.”


Sagen Sie jetzt nichts, gehen Sie einfach hierüber …

2018-11-21

Fragen …

Dieser Artikel berührt mich sehr.

Das berührt mich sehr. Wir hatten hier vor unseren Discountern seit Jahren eine obdachlose Frau aus Polen, die die Straßenmagazine verkaufte. Immer gepflegt und freundlich. Die Person, der ich meinen monatlichen Obolus gerne zusteckte. Ich möchte geben, wenn ich kann und auch auch wenn es nicht viel ist. Da ich nicht allen geben kann, die einen im Monat in dieser Stadt ansprechen (wer in Berlin täglich U-Bahn fährt, hat solche Anfragen im Schnitt zwei Mal pro Bahn mittlerweile), habe ich es eben immer einer Person zugeführt.

Ich sah die Frau einmal ihre ganzen Lidl-Pfandbons, die ihr die Leute zugesteckt hatten an diesem Tag, an der Kasse einlösen. Sie hatte ausschließlich Tütensuppen davon gekauft. Keinen Alkohol. Keine Zigaretten. (Haben viele Menschen nicht auf dem Plan, dass viel Obdachlose nämlich gar nicht trinken oder rauchen oder sonstige Drogen nehmen.)

Diese Frau ist jedenfalls seit Monaten wie von der Bildfläche verschwunden. Und ja, ich vermisse sie und … ich hoffe sehr, es geht ihr gut, dort wo sie jetzt ist.

2018-11-20

The real Robert Sprenger in da house!

Im vergangenen September hatte ich das Glück und die sehr große Freude endlich ENDLICH Robert Sprenger alias lamiacucina wahrhaftig im realen Leben treffen zu dürfen. So mit Handschlag und Umarmung und gemeinsam eine schöne Zeit verbringen.

Roberts Blog lese ich schon … immer. Das heißt bei Robert wohl seit 2007! Immer habe ich seine wundervollen Berichte und bildschönen Fotos von seinen Reisen und vor allem diesen vielen Kochworkshops gelesen und besonders genossen. Die Kochkompetenz von Robert, das Fachwissen, das man aus seinem Blog ziehen kann, ist unermesslich.

Robert war es schlussendlich, der mich 2011 zum Pasta selber machen inspirierte. Seine perfekten Ravioli hatten es mir immer angetan! (Mittlerweile komme ich ihnen in ihrer Perfektion schon nahe und bin aber immer noch sehr weit entfernt.) Robert ist einer der höflichsten und zuvorkommendsten Blogger, die es wohl im deutschsprachigen Raum gibt. Und er ist das, ich weiß es nun genau, auch im realen Leben. Immer seiner Sache tief verbunden, ein Sprachrohr für Genüsse aus der Küche der Schweiz. Von so manchem Lebensmittel, mancher Zubereitungsmethode oder Gasthof und Produzenten hätte ich ohne Robert nie gehört bzw. gelesen. Wenn ein Blog das Prädikat „Bildungsblog” verdient, dann wohl seines, die „La mia cucina!”

Drei Tage hatte sich Robert frei machen können und war nach Berlin gereist, ich traf ihn an seinem letzten Tag zum Lunch im Orania, wo wir sehr gut zum Mittag speisten und uns eine kurze Weile sogar mit dem Meisterkoch Philipp Vogel, unter anderem über seinen Weg die richtige Ente für sein XBerg-Duck-Menü (Pekingenten-Menü) zu finden, unterhalten konnten. Viele Enten hatte Vogel probiert, auch die einheimischen natürlich, keine wollte ihre Haut so zart knusprig werden lassen, wie die Enten eines bestimmten Produzenten aus Irrland.

Nach dem Kaffee zogen wir durch die Oranienstraße, Robert liebt es Graffiti zu fotografieren: Kreuzberg ist der perfekte Ort dafür. Wir wanderten später durch die Markthalle Neun, wo Robert am Stand von Mani in Pasta lapidar sprach, dass, wenn man solche Pasta so perfekt und frisch hier bekäme, er sie auch nicht mehr selber machen würde. Nun, dieser kleine Frevel (in meinen Lehrlingsaugen) sei ihm verziehen. Er hat ja Recht, ich kaufe Pasta gerne auch frisch und Pastaproduzenten wollen schließlich auch leben! Käse gab es satt und lecker an einem meiner Lieblingskäseläden (hier Markstände): Alte Milch. Dann trafen wir Christiane und Thomas von Foodhunter und kehrten im Weltrestaurant bei Bier und Wein ein.

Dieser schöne Tag wurde beschlossen im KaDeWe, Robert suchte noch ein Geschenk für seine daheim gebliebene Frau und wurde so ratzfatz in der Kleidungsabteilung fündig. Die Geschwindigkeit beeindruckt mich dann doch sehr. Und die Liebe und Zuneigung mit der Robert nach so sehr vielen Jahren immer noch von seiner lieben Frau spricht. Das zu erleben, ist schön!

Natürlich trieb es uns hoch in die Lebensmittelabteilung, wo wir bei Prosecco und Burger mit sehr leckeren Raspelkartoffelschnitzen unser Abendessen zu uns nahmen, Robert schenkte Shiina mit liebevollem Gruß die teuerste Garnele, die sie jemals zu sich nehmen durfte! Dann ging es raus über den Kurfürstendamm an der Gedächtniskirche vorbei zur U-Bahn und Robert brachte mich fast bis nach Hause – zumindest zum Heimatbahnhof.

Womit mich Robert sehr beeindruckt hatte, er ist nun keine 25 mehr, dass er in diesen kurzen Tagen so wahnsinnig viel gesehen hatte und fotografiert hatte von dieser nun nicht ganz so kleinen Stadt. Zwar meist von außen, klar, der Zeitplan war sehr knapp bemessen – aber nun weiß er, wo er beim nächsten Mal intensiver, nämlich hinein gucken möchte. Kaum sagte ich „dort liegt das und jenes Rathaus”, antwortete er mit „da war ich gestern.” Er ist auf alle Fälle ein Wanderprofi, auch in der Stadt. Seiner Umtriebigkeit gilt mein ganz großer Respekt!

Und ich hoffe, lieber Robert, Du kommst ganz bald wieder in meine Heimatstadt! Mit dem gelben Koffer.

Roberts erster Tag in Berlin. Der zweite Tag … und der dritte Tag. Alles zum Nachlesen in seinem Blog.

2018-11-19

Apulien – Leverano und Copertino



Disclosure: Ich durfte auf Einladung der Europäischen Union, Apulien (Ministerium für Tourismus und Kultur), Pugliapromozione (Verband der Region Union 3) und dem Tourismus- u. Kulturmagazin Spiagge nach Apulien reisen.

Der erste Tag in Apuliens Union 3 führt uns vorbei an dieser unglaublich grünen Landschaft Apuliens im November nach Leverano zur Cantina von Conti Zecca.



Hier wird Wein im ganz großen Stil produziert. Gleich vier Weingüter: Cantalupi, Santo Stefano, Saraceno und Donna Marzia liefern auf über 320 Hektar Weinfläche typische Trauben des Salento mit diesen so schönen klangvollen Namen wie Negroamaro, Primitivo, Altri Vitigni, Malvasia, Vermentino aber auch zugereiste Sorten wie Chardonnay und Montepulciano.



Clemente Zecca, der jüngste der vier Brüder von Conti Zecca, die heute das große Unternehmen leiten, begrüßt uns gemeinsam mit Greta Persano, der PR-Fachfrau der Cantina, die uns weiter durch das Gebäude führen wird.



Seit 500 Jahrhunderten besitzt das Grafengeschlecht Zecco diese großen Ländereien und baut auf ihnen Wein an. Und seit Anfang des 20. Jahrhunderts produziert man hier den Wein nun auch selbst. Der Weinkeller in dem die alten unverkäuflichen Raritäten aufbewahrt werden, spricht seine eigene Sprache …





Im Keller von Conti Zecca, inmitten der großen bis zu 30 Hektoliter fassenden Holzfässer, erfahren wir viel über die Produktion der unterschiedlichen Weine. Der Negroamaro – früher in der Betonung auf seine tiefdunkelrote, fast schwarzer Farbe als „Schwarzschwarz” bezeichnet, wird heute im Sprachgebrauch mit „Schwarzbitter” übersetzt. Diese Traube besitzt einen hohen Anteil an Bitterstoffen, die sie so besonders macht und hervorragend für den Verschnitt eignet. Hier in der Cantina wird sie mit 20 Prozent Malvasia verschnitten, um die Bitterkeit im Gaumen etwas aufzufangen, geschmacklich für den Export gefälliger zu gestalten. Denn während der Negroamaro mit seinem herben Geschmack zu der sehr erdigen Küche Apuliens hervorragend passt, tun sich andere Geschmäcker und Küchen außerhalb Apuliens doch etwas schwer mit dieser besonderen Dominanz. Dabei ist er der perfekte Wein zum Essen, regt er so die Verdauung an.

Auch der hier produzierte Rosato wird ausschließlich aus der Traube des Negroamaro gewonnen, 12 Stunden gärt der Most noch in seinen Traubenschalen, um diese schöne kräftige Farbe zu erhalten.



Die zweite relevante Traube im Salento, Primitivo, besitzt deutlich mehr Süße. Sie wird mit der Hand geerntet. Es ist wie in einem italienischen schwarzweiß Film mit der Poesie der 50iger Jahre: Frauen wählen die besonders guten Trauben, schneiden und sammeln vorsichtig die Früchte, die dann von den männlichen Erntehelfern in Kisten zu den Traktoren getragen werden. Nebenbei werden lauthals italienische Lieder gesungen, um sich bei der anstrengenden Arbeit bei Laune zu halten. Der Primitivo reift 12-14 Monate im Eichenfass und erhält danach noch vier Monate Flaschengärung bis er in den Verkauf kommt.





Schon hier bei unserer erst zweiten Cantina, die wir besuchen, ist der Klimawandel ein Thema. In Südeuropa stellt man sich zunehmend darauf ein, dass sich das Wetter künftig verändern wird und Südeuropa künftig mehr Feuchtigkeit bescheren wird. Conti Zecca reagierte frühzeitig auf das sich ändernde Klima, das schon in diesem Jahr dem Süden Europas deutlich mehr Gewitter und Regenfälle bescherte als sonst im Sommer im südlichsten Teil Italiens üblich. Seit bereits zwei Jahren werden dort die Weine nach den strengen Regeln der Ministerien für Agrarpolitik in nachhaltiger Landwirtschaft angebaut. „Ein lebendiges Land, unbehandelt, schenkt ein lebendiges Produkt,”, sagt Clemente Zecca. 30 Prozent der Weine werden in Bioqualität angebaut – Tendenz steigend.

Der Salento von zwei Meeren umgeben – dem Ionischen und Adriatischen Meer – trotzt den Winden von beiden Meeresseiten, die es den Bauern und Winzern ermöglichen den Einsatz von Pestiziden stark einzuschränken bzw. sogar ganz darauf zu verzichten. (Es gibt wohl in Europa kaum eine zweite Generation, wo immer schon so viel natürlich in Bioqualität angebaut wurde, wie im Salento.) Die vier Brüder Alcibiade, Fancesco, Luciano und Mario Zecca, von Conti Zecca sind einen weiteren Schritt in Richtung biologischer Weinanbau gegangen und haben im vergangenen Winter erstmals Klee und Hafer zwischen die Rebstöcke gepflanzt – so haben die Böden im Sommer nicht unter der Hitze gelitten, waren aber dennoch ausreichend aufgelockert als der Regen kam, um das Wasser gut abfließen zu lassen. Das Ergebnis ist eine im Vergleich zu anderen Regionen sehr gute Weinernte 2018 voller gesunder, schöner wohlschmeckender Trauben.



Noch früh am Tag verkosten wir schon die ersten Weine. Den Rosato Cantalupi und den Rifugio,



einen Primitivo. Ich esse Taralli, die mir zum ersten Mal wirklich mehr als gut schmecken. Bisher stand ich mit diesem Gebäck eher auf Kriegsfuß aber diese hier sind knackig, zart und frisch im Geschmack. Den Teller mit dem feinen Käse schmückt wie immer hier traditionell üblich der gute Laune bringende bunte Hahn, das Wappen des Salento. Der Wein schmeckt uns hervorragend …



… und ab geht es für uns in die erste Kirche!

Nur sechs Kilometer entfernt – zu Fuß wäre man knapp anderthalb Stunden unterwegs – gelangen wir nach Copertino.



Der erste Weg führt uns in die Kirche und anliegendem Kloster Santa Chiara. Kleiner, trotzdem interessanter wird es keine 100 Meter Fußweg weiter:



Hier besuchen wir die Geburtstätte …



… und die ihr gegenüberliegende Kirche des heiligen Giuseppe da Copertino.



1603 dort als Giuseppe Gesa in einem Stall geboren, der heute dort als Gedenkort erhalten ist. Bettelarm, sein Vater vestarb noch vor seiner Geburt, wurde er als schwer krankes Kind im Marienheiligtum Maria della Grazia in Galatone geheilt. Über Umwege wurde er als Ordensbruder im Santa Maria della Grottella aufgenommen und 1682 zum Priester geweiht.







Offensichtlich verstand sich Giuseppe von Copertino ganz gut darauf in Ekstase zu geraten und Levitationen zu betreiben, was ihm einerseits den Ruf und die Verehrung einbrachte, ein Fliegender zu sein und heilen zu können – andererseits den Verdacht und Ärger Messianismus zu betreiben.



Vielleicht war das auch nur der Neid anderer Priester auf die sehr großen Pilgerströme, die er zu bewegen vermochte. Wie auch immer: ersteres machte ihn bis heute zum Schutzheiligen aller Flieger, letzteres brachte ihm leider zu Lebzeiten die Verbannung aus seiner Heimatstadt ein. Er starb 1963 in Osimo und sein Körper liegt – bis auf sein Herz – dort in einer Basilika begraben.

In Copertino heiligt man seinen Reliquien. Der einst verstoßene Sohn der Stadt gilt heute als ihr Schutzpatron. Sein Herz (wohl nur noch Asche) in Gold umfasst, wird in der Sakristei aufbewahrt.



In den Räumen nebenan kann man eine alte Bibel, …



… Gewänder …





… bzw. von ihm benutztes Besteck besichtigen. Kein Wunder, dass er auf vielen Bildnissen als edler Flattermann gezeigt wird:



Und … immerhin ist Cupertino in den USA nach zu Ehren des Heiligen Copertino benannt worden – und heutige Partnerstadt von seiner Geburtsstadt. Copertino hat Bars mit sehr lustigen Namen …



… und offenbart viele schöne Motive.



Draußen vor der Kirche fordert mich dieser ungemein hübsche vierpfötige Dickkopf zum direkten Körperkontakt auf, wer bin ich ihm zu widersprechen?



Die Sonne scheint, uns wärmen 20 Grad Temperatur im November, die Bougainville blüht – und überhaupt finde ich alles sehr schön und hübsch italienisch in diesem Copertino.



Aber wir müssen weiter. In einer weiteren kleineren Cantina, der Azienda Vitivinicola Marulli, möchte unter den strengen Augen der verblichenen Großeltern Wein verkostet werden (ich kaufe nebenan im kleinen Lebensmittelgeschäft meinen geliebten Quarta Caffe, den Kaffee dieser Region, dem ich verfallen bin mittlerweile.)



Ich kann die Großeltern im Geiste beruhigen, ihre Nachfahren verstehen sich sehr gut auf die Weinkunst!



Eine israelisch-italienische Gärtnerei mit Schwerpunkt auf Granatapfelpflanzen gucken wir uns vor dem Mittagessen auch noch an. Riesige Granatäpfel:



Und dort diesen freundlichen alten Hund.



Von dem ich ein wahnsinnig tolles, richtig lustiges Video gedreht habe.
Also gedreht hätte.
Hätte ich nur den Button richtig gedrückt.