Tempelhofer Feld
Gestern mit Frau Indica den sonntäglichen Auslauf auf dem für das Fußvolk jetzt freigegebene Tempelhofer Feld zelebriert. Ich war natürlich etwas aufgeregt, denn es ist für eine Berlinerin, die zudem so nahe bei wohnt, irgendwie eine Herzenssache. Nachdem wir im Herbst schon einmal offizielle Begehung hatten, war am vergangenen Wochenende offizielle Türenöffnung mit Fressbudenaufreihung (kapitalistisches Volksfest).
Das Problem „Wie schützt man die Natur?“ (das Tempelhofer Feld ist Europas größtes Bodenbrüterreservat) hat man gelöst, in dem man einen großen Teilbereich umzäunt hat und die Vögel dahinter möglichst in Ruhe brüten lässt. An anderen Grünflächen ist die Umzäunung sinnbildlich angedacht worden mit Holzphälen als Signal, „dahinter ist Natur zugange, die möglichst ungestört bleiben möchte“ und diverse Informationsschilder verbieten nicht aber informieren darüber. War leider einigen Besuchern egal, die sich dann eben doch genau dorthinein ins Grün legen mussten, obwohl es genügend andere freigegebene Flächen gibt, die nicht explizit als Brutfläche ausgewiesen sind.


Das Schild beantwortete die Frage nach dem Phänomen der unzähligen kleinen schwarzen Raupen, die wir auf dem stillgelegten Laufbahn im Herbst gesehen hatten.

Gevatter Fuchs, den treffe ich ja immer nachts in der Oderstraße. Manchmal sogar schon die ganze Kleinfamilie.

Apropos Oderstraße, es ist auf dem Tempelhofer Feld erlaubt auf den ausgewiesenen Stellen zu grillen. Es grenzt zur Zeit ja nur eine einzige Wohnstraße direkt an das große Feld, das ist die Oderstraße. Nun ratet mal, wo man genau auf dem riesigen Areal den Anwohnern den Grilldunst direkt vor das Fenster platziert hat?
Die Corporate-Farbe vom Tempelhofer Feld ist fröhliches Pink. Dicke pinkfarbene Punkte machen hier und da auf den Wegen gute Laune.




Die alten Taxiways (die alten Rollbahnen auf denen sich die alten Flugzeuge, die technisch noch nicht aus dem Schub heraus starteten sondern rollend warm laufen mussten vor dem Start in Richtung Startpunkt rollten), die haben unter der Fluglast der Luftbrücke schnell aufgegeben und wurden nach Ausbau der beiden großen Rollbahnen still gelegt.

Es läuft sich auf ihnen unvermutet weich, wie auf Gras.

Der olle Hydrant bei „The German Weather Station“.

Was mir aufgefallen ist, ist die riesige Gräser-Vielfalt, die sich in den Grünflächen findet. Wenn man Gras nicht unbedingt als Unkraut ansieht, weil es die eine Sorte im Rollrasen unterwandert, ist das mit Freude zu sehen. Zumal jetzt auch noch alles frischgrün ist.

Überhaupt ist die Vegetation sehr reichhaltig und bunt und es tut schon weh zu ahnen, dass einigen dieser Pflanzen – natürlich auch im Zusammenhang der Neugestaltung anlässlich der Internationalen Bundesgartenshow 2017 – durch die Berührung mit dem Mensch nun der Garaus gemacht wird. Aber zur Zeit strahlen die Grünstreifen zwischen den Rollbahnen in saftigem Grün und mit viel Gelb, dank dem Löwenzahn, der ohne Ende blüht.


Das ist einer der Ausgucktürme (darf man die überhaupt noch so altdeutsch betiteln? Oder sind das „Turnaround-Look-Centerpoints“?) – hier mit wundervollem Blick auf Stadtautobahn, S-Bahn (Ring) und Tempelhofer Industrie der Ringbahnstraße mit dem Pfennig-Gebäude.

Das ist die alte Müllverbrennungsanlage der US Armee. Hat den Charme der 50iger-Jahre-Tankstellen. Eines meiner Lieblingsgebäude auf dem Gelände. Würde ich wahnsinnig gerne einmal begehen dürfen – das Areal ist natürlich abgesperrt. Die Endabtragung des Restmülls ist noch nicht in Angriff genommen.


So oder so ist das Tempelhofer Feld eine großartige Sache für uns Berliner. Wir sind gestern ein auf dem Plan wirklich nur kleines Stück gelaufen. Ab Eingang Oderstraße über den äußeren Ring und den Taxiway dann in ungefähr in der Mitte der Rollbahn zurück über die alte Hauptrollbahn zurück und waren stundenlang unterwegs. Das restliche Areal werde ich mir in den nächsten Tagen mit dem Rad erarbeiten. Ich freue mich persönlich natürlich, dass mir da eine riesige Skater- und Laufstrecke direkt vor die Haustür gesetzt wurde. Andererseits sehe ich das Problem, dass hier der Mensch über Jahrzehnte angesiedelte Flora und Fauna natürlich schädigen wird. Es sind nirgendwo auf dem Feld Toiletten installiert (für das Volksfest gab es natürlich jede Menge Dixiklos auf der Höhe des Hangars) noch Mülleimer – was das heißt, ist klar. Nun, schauen wir mal, was die Zeit so mit sich bringen wird. Es ist und bleibt ein spannendes Projekt für die Stadt.



























