2010-03-29

Freies Land bei spiegel.de

Samstag schrieb ich erstmals einen Forumsbeitrag bei spiegel.de zu einem Artikel, der die Kritik zu einer Fernsehsendung beinhalten sollte, jedoch eine einzige Zurschaustellung der Abneigung des Autoren zum Sujet der Sendung widerspiegelte. Ich erklärte höflich, dass ich die Dinge anders gesehen und erlebt habe. Ich wies aber den Autor auch darauf hin, dass ich es begrüßen würde, wenn sich die Journalisten des Spiegels einmal mit dem Gebrauch der regulären Anführungszeichen (die sehr wohl jedermann am PC setzen kann) als auch sich mit dem Unterschied eines Gedankenstrichs zum Bindestrich beschäftigen könnten.

Ein Zollzeichen ist nun mal ein Zollzeichen und kein Anführungszeichen und selbst wer nicht die Tasten findet, die im deutschen Schreibgebrauch Niedrig- und Hochstellung des Zeichens zu finden, ein Anführungszeichen sieht völlig anders aus als die Typo, die ein Zoll markiert und somit gehört das korrekte Zeichen verwendet. Und ein Bindestrich hat deutlich andere Aufgaben als der Gedankenstrich, der von spiegel.de grundsätzlich nicht genommen wird, und umgekehrt. Ich kann damit leben, wenn sich Gelegenheitsschreiber mit der deutschen Typographie nicht vollständig auskennen – aber von einem Profi, zu denen ich Journalisten zähle, erwarte ich, dass sich sich bemühen die Sonderzeichen (die ja nicht mal welche sind) korrekt zu setzen. Sonderzeichen, das kann mittlerweile jede Software!

Aber der Spiegel setzt auf seinem Online-Portal ja auch die Ellipse direkt ans Wort, wo gar kein Wortteil ausgelassen wird – überall auf seiner Homepage insbesondere bei jedem Artikel auf der Startseite hinter dem „mehr…“ steht anstatt korrekt „mehr …“ – also falsch.

Vermutlich unnötig zu erwähnen, dass mein Beitrag von der Forums-Redaktion nicht freigeschaltet wurde.

2010-03-27

Wat ‘ne fiese Möpp

Montag habe ich mich noch über ein paar ausufernde Nieser amüsiert und die als Allergie auf den ersten echten Frühlingstag im Jahr abgetan – nach diesem Winter weiß man ja nie. Dienstag dann elementares Flachliegen, gelegentlich unterbrochen durch das Bedienen eines üblichen Reizes bei Entzündungen im Uro-Bereich. Das alles passierte schneller als ich auch nur Zwiebelsirup denken konnte. Das Ganze ging einher mit einer auf drei Tage festgelegten Sehunschärfe und einem direkten Verschluss der Ohren, was mich die Zeit über meinen eigenen Puls durch's Hirn hören und spüren ließ. Das macht insofern wenig Spaß, weil sich das Geräusch verstärkt, bettet man sich zu Bett. Nebenbei macht's nach einem Tag und einer Nacht schon ziemlich weich, nach drei Tagen und Nächten schlicht fertig. Ein passabler Vorgeschmack darauf, wie es sich anfühlen mag, wenn irgendwann einmal ein paar Stimmen zu viel in einem zu einem sprechen werden – würde ich gerne drauf verzichten! Mich hat's beeindruckt, die letzte Erkältung, die sich bei mir auf die Ohren gelegt hatte, gab's vor 20 Jahren und war eher die Folge einer nicht auskurierten Erkältung. Aber so direkt auf's Brot geschmiert? Ich kann mich nicht erinnern.

Ich habe bei keinem Infekt vorher so viele Taschentuchpackungen verbraucht wie bei diesem – und arbeite weiter an diesem Rekord. Und da ist nun das trügerische Gefühl, mich an sich ganz gut zu fühlen, aber dennoch wie eine bis auf die Schale ausgesogene Zitrone. Was mit daran liegt, dass ich das Fieber erst die letzten zwei Nächte – also schon auf dem Weg der Besserung hatte. Das hier ist also die fiese Nummer, die einen zu früh aufstehen lässt, um einen dann noch mal richtig niederzuknüppeln. Der erste Tag gestern wieder draußen, es mussten ja Taschentücher nachwachsen, bringt heute prompt wieder Hals- und Ohrenschmerzen.

Also lange Rede, kurzer Tipp: wenn Ihr diesem echt gemeinen Osterinfekt 2010 ansichtig werdet: direkt um- und abdrehen! Gar nicht erst sich auf die Diskussion, die eine Tröpfcheninfektion so mit sich bringt, einlassen. Das Ding heißt nicht ohne Absicht Infekt und nicht Konfekt!

2010-03-26

Premium- und Balkoncontent in einem



(Die kleine Mistbiene hat eben als ich ihr kurz den Rücken zugedreht habe, sofort versucht den Weg zu gehen, den die Besucherin letztes Jahr gegangen ist und hing schon im Katzennetz, das freundlicherweise gehalten hatte.)

2010-03-25

Bestes Fotografen-Blogpost 2010

für mich bis jetzt: Herr Olsen hat die Fototrends 2009/2010 in einem Foto zusammengefasst.

Neulich bei Facebook …

Yo!

2010-03-24

Dem Westerwelle ist zu wünschen …

dass er sich dieses Artikels über ihn und die darin enthaltene wahrheitsgemäße Kritik annimmt und sich direkt einen Coach besorgt, um sich seinen persönlichen und politischen Fehlern zu stellen.

Der Bürger, wie ihn Westerwelle sich wünscht“, sehr guter Artikel von Tanja Dückers bei ZEIT ONLINE.

2010-03-22

Die Wilde auf den Tisch!

Katha von esskultur feiert heute Premiere: sie hat die zahlreichen vom Koch Meinrad Neunkirchner kreierten Gerichte mit den kleinen faszinierenden und oft unterschätzten Attraktionen, die unsere Natur hierzulande bereit hält, in Worte gefasst und das Buch „„So schmecken Wildpflanzen““ geschrieben, das heute erschienen ist.



144 Rezepte aus 30 alteingesessenen Wildpflanzen wundervoll vom Fotografen Thomas Apolt in Szene gesetzt, machen Lust auf die kommenden grüne Jahreszeit und Sammelspaziergänge. Zum Auffinden der künftigen Tellergenüsse stehen in „So schmecken Wildpflanzen“ den Lesern ein Saisonkalender und der Wildpflanzen-Wegbegleiter erkenntlich zur Seite – so dürfte auch dem noch unbedarften Stadtkind dieses Buch ganz neue Gourmetwelten eröffnen. Anfangen können wir mit dem Nachkochen der Rezepte sofort, denn Gänseblümchen, Löwenzahn oder Brennessel stehen ja in ihren vegetativen Startlöchern und können so jungfräulich auf den Tisch. Appetitmacher sind sichtbar bei Klick auf das Buchcover.

Zu bestellen ist „So schmecken Wildpflanzen“ bei Katha selbst – die gerne signiert, beim heraus gebenden Löwenzahn-Verlag oder wie üblich bei Amazon. Wer Kathas Blog esskultur.at liest, der weiß, dass bei ihr hochkompetentes Wissen und kochende Leidenschaft einhergehen; wer ihr Blog nicht kennt, dem sei versichert: hier stimmt die Qualität!

2010-03-21

Film Stills



Macht Spaß so ein Rathaus nur für sich zu haben …

2010-03-19

Fenchel



Könnte ich momentan morgens, mittags und abends essen: frischer Fenchel, saftige Orange, gutes Olivenöl, Pfeffer, Fleur se Sel.

2010-03-18

Angestellt

Dieser junge Freund hier ist ein Angestellter (Vollzeit) im Berliner Botanischen Garten. Er hat sich dort für lau den Magen mit drolligen Insekten voll zu schlagen und zwischendurch immer mal wieder Modell zu sitzen. Beides macht er gut.

2010-03-16

Aufmerksamkeit

Gestern fragte ich auf twitter unter meinen Followern wie zur Zeit der Missbrauchsskandal der katholischen Kirche in Deutschland in denen der katholischen Kirche nahen europäischen Ländern wie Italien und Spanien über die Vorgänge in unserem Land diskutiert wird. Mich irritiert, wie fast jeden Tag aus irgendeinem beliebigen Flecken dieses Landes neue Berichte über Übergriffe (meist) katholischer Pfarrer und Lehrer gemeldet werden und zunehmend in unseren Alltag einfließen, als sei es beinahe schon normal und üblich.

Auch irritiert mich sehr, dass all diese Meldungen sich ausschließlich auf Vergehen berufen, die angeblich verjährt sein sollen. Da kann etwas nicht stimmen, das hieße, heute passiert das nicht mehr. Wenn das stimmen soll, was ist wann passiert, dass offensiver Missbrauch ausgerechnet nur hier nicht mehr erfolgt ? Missbrauch 2010 – tatsächlich nur von dem lieben Onkel in der eigenen Familie oder vom bösen Nachbarn in der Straße praktiziert? Zur Zeit sind so viele Fragen noch offen und wir scheinen uns immer mehr an den Skandal zu gewöhnen. Und da guckt ein ganzes Land einschließlich seiner Medien, die im Besonderen, auf diesen Papst, einen Papst der unsere Sprache spricht und erwartet eine öffentliche auf dem Vatikanbalkon zelebrierte Reaktion, die er natürlich nie geben wird – gar nicht geben kann. Denn das verbietet sich in diesem Konsortium alter Traditionen und täglich zelebriertem Stillstand. Rückt auch dieser Skandal immer mehr in Ratzingers persönliche Nähe: die katholische Kirche hat noch nie schlechte Erfahrungen mit dem Procedere des Aussitzens gemacht. Warum also nicht auch dieses Mal – zumindest es versuchen?

So interessierte mich, was sagt Europa zu diesen Missbrauchsvorwürfen? Missbraucht wird in dieser Institution doch nicht nur in Deutschland, wer will das ernsthaft glauben? Natürlich nicht repräsentativ aber doch von mir erwartet, die Hinweise von Hande von Vino Roma, die in Rom lebend und arbeitend, primäres Stillschweigen in den Gazetten des Landes vermeldet. Gelegentliche Gerüchte auf den Straßen, weiter getragen von Mund zu Mund, aber dass Zeitungen über den kirchlichen Skandal im Beinahe-Nachbarland berichten? Fehlanzeige! Missbrauch in der katholischen Kirche gibt es im Gottesstaat Italien nicht. Nun ist Berichterstattung im Berlusconi-Medienland eh ein Thema für sich, dennoch selbst für die linke Oposition scheint unser Thema in Rom kein Thema zu sein. Was natürlich eine Reaktion aus dem Vatikan, die einem Zugeständnis gleich käme, unwahrscheinlich macht – wir brauchen uns da wohl nicht zu wichtig nehmen! (Edit: bitte unbedingt den 1. Kommentar von Hande beachten!)

Markus von Text & Blog berichtet zumindest in Spanien von journalistischer Berichterstattung in der El País und somit auf dieser Ebene öffentliche Diskussion in den Kommentaren – die Sorge vor noch mehr Missbrauchsfällen ausdrücken.

Wie sieht es in anderen europäischen Ländern aus? Bekommt Ihr mit, wie in zum Beispiel Polen, Ungarn oder moslemisch geprägten Ländern unseres Kontinents über den Fall Missbrauch in der katholischen Kirche berichtet und diskutiert wird?

Und nebenbei MFA hat ein Stopp-Schild für (katholische) Kirchen herausgegeben.



Ich bin nicht für Sachbeschädigung und rufe auch nicht dazu auf. Aber man könnte so einen Flyer ja Sonntags vor der Messe den Menschen in die Hände drücken. Druck von unten kann Berge versetzen!

2010-03-15

Guck mal einer an!

Der olle Elefant bewegt sich doch, bei Blogger kann man jetzt selber Templates basteln mit dem Template Editor!

Lazy Sundy

2010-03-14

Film Stills



Freitag zur kurzen Vorbesprechung gewesen. Kommendes Wochenende an beiden Tagen von morgens bis abends die Kamera vor den Augen. Das Seminar heißt „Film Stills“ und Herr Foxxi und ich dürfen ein Wochenende lang ein Modell-Paar einkleiden, mit Requisiten quälen und professionell ausgeleuchtet in Szene setzen – das Ganze in weiträumiger geschichtsträchtiger West-Berliner Architektur. Ob dabei in Anmutung der alten Film-Photographie, wie ich sie - an dem Foto oben von der wundervollen Frau Indica unschwer zu erkennen – sehr mag und wonach die Umgebung des Shootings eigentlich schreit oder in farbenfroher Moderne unserer Zeit, steht uns frei zu entscheiden. Ich bringe ein Messer mit, ich hoffe Herr Foxxi denkt an den schwarzen Mantel, die langen Zähne und das Filmblut! Es wird anstrengend werden und sehr sehr spannend. Und hinterher sind wir wieder ein großes Stück klüger – ich freue mich schon sehr!

An dieser Stelle übrigens meinen herzlichen öffentlichen Dank an Frau Indica, die mir wie keine Zweite immer klaglos mit viel Freude und Geduld Modell steht – einfach so, zum Spaß!

2010-03-13

Auf wen ist in dunklen Seiten immer Verlass?

Auf die Titanic!


©Titanic

Ich taufe ihn dann jetzt mal liebevoll den „Guidoyota“.

Marktglück

Letztes Jahr war ich in Südfrankreich und davon ein paar Tage in einem meiner Lieblingsorte in den Cevennes und war – ganz simpel – sehr glücklich und geerdet, weil ich mir wertvolle Menschen nach so langer Zeit wieder in die Arme nehmen durfte, die Luft riechen, die Erde anfassen und endlich an das eine Grab eines ebenso wertvollen Menschen treten konnte. Dieses St. Jean de Buèges ist für mich der Platz an dem alles gut ist. Ich steige dort aus dem Auto und spüre förmlich im Hintergrund die eigenen Akkus wie von selbst voll laden.



Natürlich war ich auch in der Épicerie im Dorf einkaufen bzw. in der nebenan untergebrachten Cave, die neben dem Wein der Region auch die üblichen Besonderheiten der regionalen Produzenten anbietet, unter anderem Honig. Ein allerletztes Glas Miel de Cevennes gab es an dem Tag dort noch und das nahm ich natürlich mit. Früher habe ich immer bei einer älteren Dame den Kilobecher Honig de Lavande aus dem Dorf gekauft, ein Honig, wie ich ihn seither nicht mehr wieder getroffen habe. Leider ist die Dame mittlerweile verschieden und ein Imker direkt im Dorf ist nicht nachgewachsen. In Berlin zurück, habe ich später den Honig geöffnet und war perplex von seiner geschmacklichen Qualität. In diesem Honig ist jeder Sonnenstrahl drinnen, den man sich nur wünschen kann – ein tiefer warmer Geschmack, etwas herb im Abgang, tiefes Sonnengelb in der Farbe. Ich glaube, man muss Honig sehr mögen um mit diesem hier ins Reine zu kommen, so unverschämt geschmacksintensiv ist er. Definitiv kein Honig, den man im Tee versenkt. Ich war mehr als begeistert und beauftragte den damals ebenfalls vor Ort weilenden besten Ex-Freund der Welt mir noch ein Glas von dem Honig zu erkämpfen, in der Hoffnung, die Épicerie hätte vielleicht eine neue Lieferung erhalten. Hatte sie nicht. Im Internet habe ich ebenfalls gefahndet, es gibt zwar von anderen Produzenten Honig gleichen Namens aber der Produzent von „meinem“ Honig scheint von dieser Welt nichts zu halten. Ich hege und pflege dieses Glas Honig und trotzdem ist es schon unter dem Level der Hälfte seines Inhaltes abgesunken – mit Genuss und Bedauern gleichzeitig.

Heute früh war ich in Charlottenburg unterwegs und bemerkte, dass der Wochenmarkt meiner Kindheit im Pestalozzikiez noch offen hat und schlenderte darüber. Natürlich hat auch dieser Markt sich gewandelt und nicht mehr viel gemein mit dem üblichen Angebot der alten Wochenmärkte von früher. Heute muss alles betont Bio sein, der Käse betont Französisch, die Blumen betont exotisch, das Gemüse betont exquisit, selbst die Kartoffeln sind betont gereinigt … und manchmal vermisse ich die die Tradition der Kohlenkeller doch sehr. Im Schnitt kostet auf diesem Markt alles 1-2 Euro mehr als es auf den Märkten hier in Neukölln kostet. Charlottenburg. Eben. Dann lief ich an einem der Stände vorbei, der hauptsächlich lecker duftende Hartwurst anbietet und was stand da auf einem Podest? Mein Honig! Stehen einfach so mitten in Berlin auf einem Markt drei Gläser mit dem Miel de Cevennes rum und warten offensichtlich nur auf mich! Ganz nebenbei für beinahe die Hälfte des Preises, den man im unverschämt teuren Südfrankreich dafür bezahlt. Die Verkäuferin war sichtlich erstaunt über meine leidenschaftliche Freude und meinen kurzentschlossenen Großeinkauf.



Ich fühle mich heute wie ein Goldjäger, dem der Fund seines Lebens gelungen ist! Und die Adresse von dem Laden in Prenzelberg, wo es diesen Honig gibt, habe ich nun auch. Ich liebe diese Stadt!

2010-03-12

Reistherapie



Montag habe ich an einem Sushi-Lehrgang in der VHS Marzahn teilgenommen. Die VHS bietet dort in der eigenen Küche Lehrgänge für einen einzigen Termin an für ca. 11 Euro zuzüglich einer Pauschale für die vom Seminarleiter besorgten essbaren Utensilien. Dieses System sagt mir zu – so kann ich gucken, ob ich mir die Dozenten wirklich etwas beibringen und muss mich nicht auf mehrere Tage festlegen, denn üblicherweise kann man an einem oder zwei Terminen oft nicht.

Also sind Peggy von Mulitkulinaria und ich aus dem Süden Berlins in den hohen Nordosten gereist. „Sushi für Anfänger“ heißt das Vergnügen und Dozentin ist eine gebürtige Japanerin mit dem wundervollen Namen Shoko Kono, gelernte Köchin und Dozentin, die hier in Berlin aktiv ist. Shoko fing dann auch an, pünktlich wie die Maurer, uns in die Welt der Sushi-Herstellung einzuführen und gab immer wieder sehr hilfreiche Tipps. Fakt ist, beim Sushi machen gilt Purismus und Sauberkeit als oberste Ordnung.



Nach einem Begrüßungstee aus Weizen wurde uns ein Glas mit milchiger Brühe präsentiert. Das war das erste Reiswasser, das Shoko anschaulich in einem Glas aufbewahrt hatte, da sie den Reis bereits vorgewaschen hatte. So standen zwei große Schüsseln gefüllt mit Reis und für seine Menge abgemessenem Wasser in klarer Ausführung neben den Herden. Für Sushi sollte niemals Klebereis verwendet werden, nur rundes Reiskorn – im Notfall funktioniert Milchreis als Alternative. Prompt erhielten wir den ersten Tipp, nämlich den Topf bevor Reis mit dem Wasser hinzugegeben wurde, mit etwas Wasser vorzuheizen – damit lässt sich leicht verhindern, dass der Reis später anbackt. (Funktioniert, habe ich gestern ausprobiert.) Dann wurde der Reis aufgesetzt, Deckel drauf bei voller Hitze. Reduziert wird, sobald die Klangkulisse kochendes Wasser vermeldet. Sodann muss auf das letzte Drittel Hitze reduziert werden für weitere zehn Minuten. Und danach soll der Topf vom Herd, damit der Reis noch weitere 10-15 Minuten quellen kann. Wichtig: niemals den Deckel lüften. Der Dampf darf nie entweichen, sonst droht fürchterlich schlechtes Sushi-Reis-Karma!

Während der Reis vor sich hin quellte, durften wir die ersten Arbeiten ausführen: Gurke in feine Streifen schneiden, ebenso das Sashimi. Nuri, das Algenpapier wurde in zwei Hälften geschnitten und eine andere Gruppe übte sich darin, japanisches Rührei, das Tamagoyaki, anzufertigen, das in mehreren hauchdünnen Schichten gebacken und in der Pfanne aufgerollt wird. Da ich Montag nicht zur Ei-Gruppe gehörte, habe ich gestern früh gleich selbst probiert, ob ich das kann. Und dabei auch getestet, dass es auch in einer runden Bratpfanne geht, wenn keine der typischen japanische Pfannen vorrätig ist: geht perfekt. Muss man eben ein Stück vom Ende abschneiden. Das Besondere an Tamagoyaki ist: es wird mit Zucker und Salz aufgeschlagen. Wird es für Sushi natürlich kalt verwendet, habe ich meinen Versuch gestern zum Frühstück frisch gegessen und es war das luftigste Rühreis, das ich je gegessen habe. Ich würde nur beim nächsten Mal die Zuckermenge drastisch reduzieren. Sicherlich macht diese Zubereitungsweise etwas mehr Mühe – lohnt sich aber!



Der nächste sehr praktische Tipp von Shoko: ein kleines Stück Haushaltspapier mit Pflanzenöl tränken, um damit die Pfanne zwischen den einzelnen Schichten schnell einzufetten. Dürfte auch sehr praktisch für die nächste Pfannkuchenrunde sein –mehr Fett braucht in einer beschichteten Pfanne kein Mensch. Hier ein youtube-Clip, der ganz anschaulich zeigt, wie Tamagoyaki zubereitet wird. Das gestockte Ei wird dann zum Auskühlen in eine Bambusrolle gelegt und je nach Wunsch in Form gebracht.



Mittlerweile war auch der Reis fertig und wurde in zwei Hälften geteilt, die nach und nach mit einer Lösung aus Reisessig, Zucker und Salz getränkt wurde. Das stoppt den Gährungsprozess und gibt dem Reis Geschmack. Zwei Teilnehmer durften nun ca. 5 Minuten lang mit Fächern wedeln, damit der Reis etwas schneller auskühlte. Umrühren sollte man vorsichtig, wenn man die Flüssigkeit hinzugibt, damit die Reiskörner nicht gequetscht werden. Auch sollte man während des Auskühlens immer wieder mal den Reis auflockern.



Nun zeigte uns Shoko, wie man traditionell Maki rollt (hier am oberen Ende vom Nori ca. 1 cm breiten Streifen frei lassen, damit die Rolle am unteren Ende schließen kann).



Wichtig ist letztendlich, dass man nicht zu viel Reis nimmt, diesen wirklich gleichmäßig verteilt und in der Größe der Füllung nicht übertreibt, sonst bekommt man die Rollen schlicht nicht geschlossen. Also so besser nicht:



Später rollten wir eine California-Roll (die in den USA übrigens erfunden wurde und gar nicht zum traditionellen Sushi-Programm der Japaner gehörte).







Damit der Roggen nicht in der Bambusrolle festklebt, wurden hierfür im Vorfeld die Bambusrollmatten mit Klarsichtfolie eingepackt. Es folgten Hinweise, wie man Makis zu schneiden hat, mit Betonung auf „schneiden“ und nicht „quetschen“.



Danach formten wir rechtsseitig mit der feuchten Hand unfassbar lässig Reis, um linksseitig mit der trockenen Hand die kleinen Garnelen zu halten und diese mit Wasabi zu bestreichen, um beides zu einem Sushi zusammenzusetzen.



Das Gleiche passierte mit einer Scheibe Lachs und natürlich dem Tamagoyaki. Fritierte Tofuscheiben aus der Dose wurden auch mit Reis gefüllt. Und nachdem das jeder reiherum für seinen Teller einmal gemacht hatte, wurde Küche und Tisch gereinigt und wir haben uns ordentlich gemeinsam an unseren ersten selbst gemachten Sushi satt gegessen.

Zwischendurch beantwortete Shoko uns alle Fragen und forderte uns inständig auf welche zu stellen. Sie hat sehr viel Spaß dran, von ihrer Kultur zu erzählen – was für mich solche Kurse besonders spannend macht. Interessantes Intermezzo als ein Teilnehmer fragte, wo man in Berlin Messer professionell schärfen könne. Da musste Shoko lange überlegen und konnte keine echte Empfehlung aussprechen mit dem simplen Hintergrund, dass ein japanischer Koch bei seiner Ehre nie auf die Idee käme, seine Messer nicht selbst zu schärfen. Der deutsche Koch bringt dagegen ganz gerne mal alle paar Wochen seine Messer zum Profi, wie mir auch neulich die Jungs beim Hummer-Dinner bestätigten. Shoko erklärte uns lange die Unterschiede zwischen den einzelnen Soja-Saucen, welche zum Sushi richtig ist (die helle, die nicht wirklich hell aber dünnflüssiger ist). Wir erfuhren, dass das Sushi, so wie wir es heute essen noch relativ jung ist, ein- bis zweihundert Jahre alt vielleicht, und früher Sushi mit altem eingelegten Fisch und gegorenem Reis zubereitet wurde. Geschmacks- und Geruchswelten, die heute wohl auch nur noch die wenigsten Japaner zu schätzen wissen.



Wasabi wird heutzutage selbst in Japan immer weniger aus dem im Wasser zu erntendem, daher teuren grünen Meerrettich zubereitet. Man vertraut auf den weißen Rettich, pulverisiert und mit Farbstoff angereichert – so wie es ihn hier zu kaufen gibt. Und wir erfuhren, dass der durchschnittliche Japaner zu seinem Sushi deutlich weniger Ingwer isst, als die durchschnittliche creezyne das gerne macht. Natürlich gab sie uns auch jede Menge Einkauftipps.

Mein erster VHS-Sushi-Teller

Wir waren nach dem Essen pappsatt. Mir hat's sehr viel Spaß gemacht – ich werde auch zu den Kursen „Sushi für Fortgeschrittene“ und dem von Shoko neuen in der VHS angebotenen Seminar „Schneidetechnik der Asiatischen Küche“ gehen. Ich habe viel gelernt und war sehr motiviert, um gestern Abend gleich zu Hause alleine loszulegen, das Maki rollen – vor allem das schneiden – zu trainieren.


Mein erstes Sushi „at home“, Abend 1


Mein zweites Sushi „at home“, Abend 2


… funktioniert.

Frühling





2010-03-11

Siesta