2010-01-11

„Seriöse Information hat Zukunft“

Interessantes Interview mit Tyler Brûlé, dem Herausgeber von „Monocle“ – ich mag das Magazin sehr – zur Qualität und wie sie sich auf eine mediale Zukunft auswirken wird.

2010-01-10

Hochfliegender Fellträger

Stechwurst

Der Fleischereiverkäuferin will ich aber auch nicht im Dunkeln begegnen …

2010-01-08

Schnee



Wir haben hier dieses Jahr (und letztes Jahr ebenfalls) also auch mal Schnee und zwar in ordentlicher Menge und Qualität. Berlin hat ja leider nicht so oft Schnee. Berlin hat lieber fiesen Ostwind. Und wenn dann der Schnee mal kommt, dann liegt er dünn vor sich hin und spätestens Mittags um zwölf Uhr haben ihn die Verkehrsräderigen schon zu einer schwarzen Pampe verunstaltet, die Ähnlichkeit mit dem Sand von Lanzarote hat – nur ohne Meeresrauschen. Vielmehr mit Platsch, Pitsch, Batsch. Das mit dem Sound kann er also auch nicht so schön. Dann gefriert der Matsch und wenn dann tagelang die Sonne nicht scheint, dann haben wir die Stadt im schönsten Grauton, wie ihn sich nicht einmal die damaligen Obigen der DDR hätten ausmalen können.

Letztes und dieses Jahr haben wir also Schnee in Berlin. Ganz weiß, Schlittenwetter. Sogar vor Weihnachten lag schon einmal Schnee! Zu Weihnachten … naja. Das wäre auch zu sehr aus der Rolle gefallen. Silvester haben wir bei mir vor der Tür etwas gefeiert und hinterher ordentlich unseren Krawallmüll eingesammelt und im Hausmüll entsorgt, obwohl in allen Frauenzeitschriften ohne echte Modells (was ist eine Person eigentlich, die sich für Geld zum Zwecke der Zurschaustellung mit Kleidung oder MakeUp fotografieren lässt?) mit Bombenbauanleitung steht, man sollte Blindgänger nicht anfassen und die Mienensuche den Jungs von der Müllabfuhr überlassen. Ich habe noch nie meinen Knallermüll im Hausmüll entsorgt. Das hat aber wirklich Spaß gemacht. Auch und besonders, weil es so bescheuert ist. Und weil es noch ein netter kleiner Spaziergang (die Müllübergabe bei mir muss man sich ordentlich erlaufen) mit Freunden war. Ins neue Jahr stießen wir auf der Straße mit einem Crémant an in plastikkristallisierten Gläsern, die Herr Exit extra für einen Euro teuer im Elsaß kaufte und nach Berlin importierte. Das war auch schön. Ein frankophiler Abschluss für ein französisches Jahr. Jedenfalls liegt drüben auf der Straße nun kaum Knallermüll, den ich aus dem Fenster zählen könnte, falls mir einmal langweilig ist. Ist es mir allerdings nicht.





Nun ist dieses Jahr alles anders und deswegen ist auch Lino ab und zu dabei zu beobachten, wie er vorsichtig seine grazilen vorgeheizten spanischen Pfoten in den Schnee setzt und dabei unterdrückt um Fassung ringt.



Nishia findet den Schnee lustig wie immer und erklärt dem Kater freundlich, wie das so funktioniert mit dem kalten Nass.



Talytha mag den Schnee auch. Allerdings bemängelt sie, dass auf ihrem Aussichtsplatz soviel Schnee liegt, dass sie dort keinen Platz findet und überhaupt singen ihr im Moment die Vögel zu wenig.



Tally agiert im Moment recht verhalten und in sich gekehrt, so dass ich manchmal fürchte, sie brütet etwas aus.



Sie ist aber winterlich knuffig und hat guten Appetit. Daher sagt mir mein Gefühl, dem Kätzchen scheint im Moment einfach zu wenig die Sonne und sie vermisst den Gesang der Vögel wie keine andere Katze. Oft sehe ich sie lauschen und die Welt dabei nicht mehr verstehen, weil sie ihr die geliebten Töne versagt. Ich werde einen Vogelkalender kaufen und ihn auf Fußleistenhöhe aufhängen. Und ich werde Amselgesänge auf dem Rechner laden und eine Tageslichtlampe besorgen. Die sollen ja Wunder wirken bei winterlichen Depressionen!

2010-01-07

Jahresendfeierflügelschwein



Mir war ja für die diesjährige Jahresendfeierlichkeit nix zu teuer und so erwarb ich neben Marzipanschwein auch Kerzenschwein, ganz entzückende Zwei mit glitzernden Flügeln. Allerdings hat man mir verboten, sie anzuzünden. Die glorreichen Sechs entschieden dem Schwein 2010 wieder begegnen zu wollen, dabei ist das doch schon als Jahr der Ziege früh bestimmt.

Ach ja, Schwein. Und Grippe. So viel TamTam um Rüssels Nase. Da hat man viel Geld rausgeworfen, weil das Impfstoff herstellende Unternehmen befand zwei Impfungen müssen sein und dem Robert-Koch-Institut erst nach Vertragsunterzeichnung später auffiel, eine Impfung reicht wohl doch. Jetzt verkaufen wir das Zeug an die Rumänen oder auch nicht, verhandelt wird und inmitten all dieser vielen kompetenten Entscheidungen stoppt man Mittendrinnen, ziemlich pünktlich ungefähr zu dem Zeitpunkt als man sich eingestehen musste, da hatte man hysterisch epdimemischen Blödsinn verzapft – und zwar Big grande Kaka! –, die Zählungen von Erkrankungen und den angeblich an den Folgen der an einer schweinischen Grippe Erkrankten und Verstorbenen oder eben auch nicht, damit man schlussendlich wenigstens wieder einmal gar nichts hat – außer Spesen. Und das ist ungemein praktisch, denn dann muss man wenigstens aus dem ganzen Schweinekram nix lernen für die holde Zukunft.

Vielleicht lässt sich der Schweineimpfstoff noch schnell auf Ziegenimpfstoff umlabeln. Dann kann unsere Bundesregierung den gleichen Stoff doppelt einkaufen. Würde es wen wundern? Ich meine, ernsthaft wundern?

Ach ja, als mein bester Einkauf hat sich der Lurch Karamellisierer entpuppt. Dann klappt's mit dem Bleigießen nämlich noch im gleichen Jahr. (Wir fingen 2010 damit erst an, waren aber bei den ersten Kerzenversuchen nicht sicher, ob wir's bis 2011 schaffen würden!)



pix by Frau Indica

2010-01-06

Wollen ‘se ma lachen?

Hier!

Kann mal einer Merkel ‘nen Apfel auf die Stirn tätowieren?

Michael Bolton hat was im Auge

2010-01-03

4

Vier Jahre ist dieses Blog nun alt. Vier Jahre, in denen ich mich hier ausleben, austoben, ausschreiben, auslachen und ausweinen durfte. Teilen durfte. Fragen durfte. Antworten erhielt. Kritik erhielt. Lob erhielt. Zuspruch erhielt.



Eine reiche Zeit.

Einige meiner Leser habe ich in den Jahren auch im realen Leben treffen dürfen. Erstaunlich viele davon sind mir immens wichtige Freunde geworden. Von den mir sehr wertvollen Menschen abgesehen, die ich noch nicht im realen Leben getroffen habe und die sich trotzdem in mein Herz geschmuggelt haben. Die positiven Erfahrungen überwiegen und das ist die Hauptsache. In der Nebensache führten die negativen Erfahrungen dazu, dass ich nicht mehr ganz offen und alles im Blog teilen möchte. Leider. Auch die Abnahme der Kommentare seit twitter (so sehr ich es mag), haben natürlich Einfluss auf meine Schreibweise, denn man schreibt ohne Gegenreaktion immer mehr in ein schwarzes Loch, und in der Folge schreibt man verhaltener. Das Manko sehe ich selbst, sehe aber auch keine Lösung zur Zeit.

Trotzdem – dieses Blog hat mir in den vier Jahren in der Hauptmenge und Hauptsache nur Gutes bescherrt: Euch - in all Eurer besonderen farbreichen Pracht! Dafür mein herzliches Dankeschön!

2010-01-02

Haben Sie schon alles, was Sie brauchen?

Wirklich? Weil anderenfalls, da hätte ich …

Denn die illustre Runde traf sich gestern, um das neue Jahr musikalisch einzuläuten. Die Komische Oper Berlin gab Filmmusiken und servierte einen bonfortinösen Violinenvirtuosen, Philippe Quint, der sehr fein aufspielte.

Vorher war ich allerdings gute 20 Minuten zu früh am Treffpunkt und musste daher allerlei näckische Spiele mit der kleinen Knipse und ihrer putzigen Langzeitbelichtung spielen,



was man,



eben so tut,



wenn's einem langweilig ist.

Da die Komische Oper zentral im Kommerzparadies der Stadt gelegen ist, der Friedrichstraße, schlich ich anschließend der Fotospielereien um die Häuser und guckte mir die Auslagen der anwesenden Geschäfte an. Es gilt noch mitzunehmen was mitzunehmen ist an visuellem Amüsement, wissen wir, ob es Ende des Jahres noch Gucci & Co. geben wird? In der Behrensstraße gibt es ein Geschäft, das verkauft Dinge wie Kleidung für die bereits gesetztere Person, Marke Politikergattin oder Zehlendorfer Witwe. In diesem Geschäft erhält man aber auch allerhand aus Leder und Schnickschnack, ohne den der gepflegte ALG-II-Empfänger recht passabel durchs Leben kommt. Was – die kommenden Fotos werden es Euch beweisen – unter Umständen ein größeres Glück sein mag, als sich der geneigte Stuttgarter-Stern-Autofahrer jemals vorstellen mag. Denn der muss sich herumquälen mit: Lederaufbewahrungsschälchen



jeweils farblich abgestimmt auf die täglich verwendeten Lederaccesssoires. Das heißt nur ein schwarzes Portemonnaie gilt hier nicht! Je nach Tageslaune und Feng Shui-Dominanz sollten Schlüsselbehältnis und die persönliche Kreditkartenaufbewahrungsanstalt farblich abgestimmt werden, und dass mir nicht die roten Lederteilchen vom Weibchen im schwarzen Lederaufbewahrungsschälchen vom Gättchen abgelegt werden! Der Kram kostet schließlich auch nur € 29,– pro Farbe.



Und wehe, Ihr habt nicht die farblich passende Lederutensilaufbewahrungschälchenablagekommode dafür!

Mein persönliches kleines Highlight gestern, von den vielen anderen persönlich kleinen Highlights ganz abgesehen: das Kaugummi-Etui. Aus Leder. € 20,–. Noch ein Mal, weil es so schön ist: ein 20 Euro teures ledernes Kaugummiaufbewahrungsutensil.



Da wünscht man sich doch nie in die fürchterliche Gelegenheit zu kommen, jemals das Haus abbezahlt zu haben. Ernsthaft.

Kochen zeitgemäß

Für skurile Kochgeschichten bin ich immer zu haben und daher großer Fan von Jolene Sugarbaker, was bekannt sein dürfte. Clara, US-Amerikanerin ist 94 Jahre alt und hat somit in ihrem Leben Bekanntschaft machen dürfen mit dem, was man dann „Die große Depression“ taufte.

Clara kocht auf YouTube und erzählt dabei von früher – das Ganze in einer schönen typischen US-Küche und mit einem entspannten Tempo – im Vergleich zu den sonstigen Kochhektikern im TV empfunden. Das außergewöhnliche Vergnügen heißt dann „Great Depression Cooking“. Wir wissen ja nicht, was noch auf uns zukommt, nicht?

via Extramittel

Sehr schön …

genauso einen Menschen habe ich dieses Jahr für mich entsorgen müssen: den Heuchler. Hat all das, was er anderen vorgeworfen hat – natürlich nie den Mut hatte es ihnen offen in einem souveränen Gespräch ins Gesicht zu sagen – selber gemacht und stellenweise deutlich in der Handlungsweise überzogen. Nun, jetzt gibt es den Heuchler mit wissenschaftlicher Evidenz.

2010-01-01

Ein gesundes neues Jahr 2010

mit hoffentlich vielen schönen Sunden, ohne Katastrophen dafür mit Sonnenschein, Freude und wundervolle Wünsche und Pläne, die für Euch in Erfüllung gehen sollen, das wünsche ich Euch!

2009-12-31

Sie wollen doch nur ein bisschen Liebe …

„In einer veröffentlichten Top-10-Liste der MA-Flirt-Passwörter tauchen Einträge wie "landser", "landser88" und "siegheil" ganz oben auf - angeführt von "123456". “

Rechte Flirtbörse vom 26. Chaos Communication Congress gehackt. Die Kommentare auf der indymedia-Seite. Ja, haben wir denn schon Weihnachten?

2009-12-30

Online-Petition zur Abschaffung von ePetionen.de

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass
1.) die Website epetionen.bundestag.de vorerst deaktiviert wird, damit verbunden
2.) der Online- Petitions- Service des Bundestages vorerst ausgesetzt wird und
3.) die dafür aufgewendeten finanziellen Mittel zur Evaluierung wirksamerer direkter demokratischer Partizipationsmöglichkeiten der BürgerInnen der Bundesrepublik in Zeiten der "Digitalen Revolution" in einem offenem Forum mit allen im dt. Bundestag vertretenen Parteien eingesetzt wird.

Begründung:

Online- Petitionen an den Deutschen Bundestag sind sinnvoll, aber in ihrer jetzigen Form wertlos, da
1.) sie nicht mit der ihnen gebührenden Ernsthaftigkeit von den Mitgliedern des Deutschen Bundestages behandelt werden und demnach der politische Willensbildungsprozess der Petenten meist nicht honoriert wird
2.) sie nicht in einer Sitzung des Deutschen Bundestages behandelt werden, sondern von einem Petitionsausschuss, auf dem selten bis nie öffentliche Aufmerksamkeit liegt, wodurch die im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien in der Lage sind, ihnen unangenehme Themen leicht zu übergehen
3.) die Einflussnahme der BürgerInnen der Bundesrepublik Deutschland durch Petitionen auf legislative Entscheidungen des Deutschen Bundestags gegen Null tendiert. Dies wäre z.B. durch verpflichtende Anhörungen im Sitzungen des Bundestag, bzw. spezifischer Fachausschüsse u./o. durch ein Vetorecht für legislative Beschlüsse des Deutschen Bundestags ab einer zu evaluierenden Anzahl an Stimmen zu ändern
4.) der Deutsche Bundestag nicht die ausreichenden Mittel zur Verfügung stellt, um eine reibungslose Funktionstüchtigkeit des Petitionsservers bei ständig steigenden Petentenzahlen auf Dauer zu gewährleisten
5.) die im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien eklatante Defizite im Umgang mit den "Neuen Medien" aufweisen, was direkte Auswirkungen auf die Wirksamkeit des Online- Petitionsangebots des Deutschen Bundestags hat
6.) aus der Erfahrung der vergangenen Jahre bekannt ist, dass es momentan mehr Sinn hat beim Bundesverfassungsgericht eine Klage gegen ein Gesetzesvorhaben einzuleiten, als sich an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages zu wenden
7.) der Deutsche Bundestag u.U. still und heimlich den Online- Petionsdienst abschalten lässt OHNE über sinnvoller organisierte direkte Partizipationsmöglichkeiten für die BürgerInnen zu diskutieren
8.) die Möglichkeit zur Partizipation über mobile Endgeräte wie Handys und Smartphones nicht möglich ist. Vgl: 82,8 Millionen Handys in Deutschland nach BITKOM, August 2006 (also wahrscheinlich 80%-90% der Bevölkerung) zu 60% Internetanschlüssen in deutschen Haushalten nach Wikipedia - eine signifikante Steigerung der Petentenzahlen in Deutschland wäre dadurch möglich
9.) sie keine wirklich positive Entwicklung, weg von der momentanen Politikverdrossenheit in Teilen der Bevölkerung, erreichen kann
10.) der Deutsche Bundestag diese Petition, selbst wenn sie 50.000 Petenten erreicht um im Petitionsauschuss angehört wird, nicht ernsthaft behandeln wird.

Wer diese kluge Petition zeichnen möchte …

2009-12-27

„Ein nueddl ward geboren!“

Das erste und ziemlich einmalige Twitter-Krippenspiel von Katzen und Häschen vorgetragen hier nun als ganzes Script.

2009-12-26

Ich mochte ganz besonders …

heute diesen kurzen kleinen speziellen Moment als ich im Zimmer in der Servierflut zwischen Rot- und Grühnkohl, später Klöße und Gans, die Sauciere, gefüllt mit leckerer Soße, kurz vor dem Abstellen auf den Tisch dezent aus der Hand entgleiten ließ, damit sie sich in voller Schönheit und ganzem Inhalt auf dem Zimmerboden verteilen durfte.

Momente, für die man das Leben sehr sehr lieb hat.

Die gute Nachricht, es gab noch einen minimalen Restsauce in der Küche. Die schlechte Nachricht: Omas Sauciere. Versteht sich.

Aber als Unterhaltungspluspunkt unschlagbar, kann ich empfehlen!

2009-12-25

Fröhliche Weihnachten

wünsche ich Euch, bisher schon gehabt zu haben und noch zu haben. Es ist ein schönes Weihnachsfest, gestern im Kreis von Freunden bei Freunden, heute im Kreis der Freunde bei mir. Die Gans begrüßte gerade den Ofen, nachdem ihre Leber dem Kater Frieden gestiftet hatte. Der Bruder rief gerade an, um sich für die Geschenke zu bedanken und die kleine Nichte, lernt seit Eintritt in die Schule immer mehr sprechen, rief mir fröhlich „Weihnachtsmann“ und „Geschenke“ und zum Schluss ein lässiges „Ciao!“ verständlich und kichernd glücklich ins Ohr. Mein Bruder ist übrigens „Donald“ für sie, das passt irgendwie, auch wenn ich das besser nicht laut sage.

Wundervolle Geschenke und Weihnachtsgrüße habe ich bekommen und freue mich sehr! Das Stichwort ist schon gefallen: glücklich. Es sind glückliche Weihnachten, ich hoffe sehr für Euch und Eure Lieben auch!

2009-12-23

Polizeihund …



Quelle

In der Küche …

habe ich eben den Grünkohl mit Schmalz aufgesetzt und als ich die Zwiebeln und den Speck schnitt, war ich für einen kurzen Moment nicht alleine sondern mit meiner Mum und den beiden Omas in der Küche und sie nickten mir fröhlich zu, als ich die Muskatnuss in den Topf rieb.

Ein kurzer warmer wunderschöner Moment. Sie sind da, auch wenn sie nicht da sind. Wundervoll! Und das ist wohl der Grund, warum Weihnachten ist.

2009-12-21

Dienstleisterkoller

Gehe ich neulich (letzten Dienstag) mal wieder nach langer Zeit zu einer Reinigung. Also chemische Reinigung. Eine Tischdecke und diverse Servietten warteten mit Rot- und Bratenflecken auf, wie von ihnen nicht anders zu erwarten nach einem ordentlichen Menü. Dachte ich bei bei mir, nimmste noch das Kostümchen mit, hat die Reinigung was zu tun und verdient an Dir. Das Kostüm ist in schwarz, Jacke und Rock wurden vorher von mir mit der Rolle katzenhaarbefreit. Weitestgehend. Ich finde Katzenhaar auf Kostüm ja auch nicht sooo toll.

Da ein allgemeines Reinigungssterben im Umfeld meiner Dockingstation herrscht, besuche ich die – schon vor Jahren unglaublich teure – Reinigung in Tempelhof. Fachbetrieb. Ich komme hinein in den Laden und rufe fröhlich „Einen schönen guten Tag, ich hätte was zu waschen für Sie!“ War schon zu viel des Guten, Frau ca. zehn Jahre älter als ich oder auch nicht, dann gleich alt aber von mindestens 20 Jahren Zigarettenkonsum auf älter getrimmt und mit brettharter Schwarztönung auf dem Haupthaar, mag mich offensichtlich nicht. Oder mag Kunden grundsätzlich nicht. Oder hasst ihren Job. Oder hatte einen Bad-Hairtönungs-Day, wat weiß ich!

Nun denn, ich will ja nicht ihre beste Freundin werden und packe daher unbekümmert die Wäsche aus und auf zwei Haufen, Kostümjacke und Rock hier, weiße Tischwäsche daneben. Mit übertrieben spitzen Händen packt sie die Jacke an, entdeckt mit einer Missbilligung offensichtlich zwei Katzenhaare und tut völlig entnervt. Ähnliches mit dem Rock. Dann knüllt sie alles zurück auf den Tresen und meint „Kostet 10,95 Euro und ist nächsten Mittwoch fertig. Wahrscheinlich.“ Ich gucke auf die Tischwäsche, wundere mich über die Preisnennung, weil ich nicht das Gefühl hatte, sie hätte den kompletten Auftrag überhaupt schon in Augenschein genommen. „Und was ist damit?“ „Geht extra.“ Aha, denke ich bei mir. Getrennte Kassen für die Wäsche. Logische Sache, verstehe ich nur nicht. Wahrscheinlich hat Mangelware einen anderen Mehrwertsteuersatz. Noch mal: wat weiß denn ich!

„Nun“, erkläre ich voller Kochstolz „da sind Braten- und Rotweinflecke drauf.“ Ich erzähle das weniger, um mich zu entschuldigen als ich naiv denke, die Information könnte bei der Auswahl der jeweiligen Fleckentfernungsmittel von Vorteil sein. Nun mehr verzieht sie das Gesicht völlig angeekelt, klar: Bratenflecke auf einem Tischtuch sind ja auch wirklich das Allerletzte, was eine Reinigung braucht. Wie kommen eigentlich Kunden dazu mit dreckiger Wäsche in einer Reinigung aufzulaufen? Wissen die denn überhaupt nicht mehr, was sich gehört?

„Na, das wird aber nichts mehr vor Weihnachten!“ „Wie das wird nichts mehr vor Weihnachten – es sind zehn Tage bis dahin?“ „Na, mit DEN Flecken muss das eingeweicht werden, das geht nicht so schnell. Ich weiß nicht einmal, ob das dieses Jahr noch was wird.“ „Okay“, sage ich „dann lassen wir das. Genau das sind die Sachen, die ich zu Weihnachten gerne gehabt hätte.“ (Business-Dress trage ich nämlich am 24. nicht.) „Wie? Das Kostüm auch?“ „Ja“, sage ich „das Kostüm auch.“ Das war dann der Moment von dem an sie mich richtig doll gar nicht mochte. Ihre Miene versteinerte noch ein wenig mehr – sofern das überhaupt noch möglich war – und sie murmelte „dann muss ich da ja jetzt alles wieder ausbuchen.“ „Das tut mir leid“, meine ich noch höflich bemüht „aber 14 Euro und dann sehen Sie sich nicht in der Lage innerhalb von neun Werktagen Ihren Job zu tun, ist mir ein bisschen zu teuer für zu lang.“ Und gehe.

Ich habe dann heute auf die Flecken anständigen Fleckentferner gegeben, ihn einziehen lassen und die Wäsche bei Kochwäsche mit Waschmittel von der Maschine ihren Job tun lassen. Flecken sind wunderbar raus, ich habe dann das Zeug auch gleich feucht aufgebügelt. Passt. Hat mich Waschmittel, Strom und ca. zehn Minuten Bügelzeit gekostet.

Geht alles. Bis zu Weihnachten. Und für das Kostüm versuche ich das Reinigungsangebot vom freundlichen Migranten in der Änderungsschneiderei zwei Ecken weiter in Neukölln. Kostet dort vermutlich die Hälfte.