2009-09-26

Wahlkampf

Dieser Wahlkampf war mit Abstand der Unterirdischste in seiner Qualität, den ich bisher erlebt habe. Seitens der Parteien, seitens der Medien. Nur heiße Luft seitens der Politik und viel zu wenig offensive Kritik aus den Reihen der Medien gegen das, was ihnen da zur Berichterstattung serviert wurde von diesen „Staatsmännern und -frauen“.

Eine Reihe anlässlich der diesjährigen Bundestagswahl ins Leben gerufen, die ich ungemein interessant gefunden habe, ist „Unerhört“ von der taz. In den 17 Gesprächsprotokollen, meist Filme auf youtube gehostet, sprechen unterschiedliche Menschen, Bürger, Wähler in die Kamera, wo sie die besonderen Kritikpunkte an der Politik in ihrem Alltag sehen, wie sie sich Verbesserung vorstellen können.

Einfache Meinungen von Menschen, die engagiert leben. Leider ist diese Reihe mit der heutigen Folge zu ihrem Ende gekommen. „Unerhört“ ist das Einzige, was mir wirklich fehlen wird nach diesem Wahlkampf.

2009-09-25

Heute gibt's Obst!

Im Urlaub kroch ich am ersten Tag hinter die Mauer, die unser altes Bauernhaus vom Neubau des Bauern trennte und fotografierte dort Blumen und Katzen, prompt stand ich vor dem ersten Pfirsichbaum in meinem Leben.



Aprikosen-, Orangen- und Zitronenbäume kenne ich, Pfirsich ist mir bis dato – zumindest mit Fruchtstand – nie zuvor begegnet. Also fotografierte ich und stahl dem Koch ein Ei bzw. mopste dem Baum einen Pfirsich und schenkte ihn der nebenan auf der Urlaubsliege schlummernden Urlaubsbegleitung, die meinte, der sei sehr lecker. Dann fotografierte ich weiter.

Offensichtlich hatte ich damit die Ursachen für die auf uns zu kommende Pfirsich-Diät gesetzt, denn prompt stand am Abend der Bauer vor uns vor dem Haus und brachte eine Kiste Pfirsiche und Nektarinen:



Frisch von den Bäumen gepflückt und uns geschenkt. Er war ein sehr reizender Mensch, generell, im Besonderen und überhaupt. Diese erste Woche also ernährten wir uns von Pfirsichen, morgens zum Frühstück, mittags zum Nachtisch, Nachmittags zum Kaffee, Abends püriert im Salatdressing. Wir mussten morgens immer einige aussortieren, denen ging es nicht mehr so gut. Trotzdem hatten wir Pfirsiche. Ausreichend, genug, wenn nicht sogar im Übermaß.



Also wir am Ende der ersten Woche glaubten, der Pfirsich-Massen halbwegs Herr geworden zu sein, nicht, dass sie schon alle wirklich komplett vernichten worden wären, stand der Bauer bei seiner abendlichen Small-Talk-Patrouille vor uns mit …



Pfirsichen.

In den Nachrichten wiederum gab es im Regionalteil in der ersten Woche eine nette Geschichte aus der EU-Reihe: „Lege Dich mit allen aber nicht mit französischen Bauern an!“ Ein Supermarkt-Besitzer in der Gegend (wir waren sicherlich näher zu spanischen Grenze als zu belgischen untergebracht) hatte sich erdreistet, anstelle der Produkte seiner Landsmänner, spanische Pfirsiche anzubieten. Und so fuhr eines Tages ein 20-Tonner auf den Parkplatz und beglückte diesen mit einer Ladung voll französischer Pfirsiche, die versehentlich unter medialer Beobachtung vom Hänger kullerten. Der verkaufte dann erst einmal überhaupt keine Pfirsiche mehr, dieser Supermarktbesitzer, vor allem keine spanischen.

Ich kann die gut leiden, die Franzosen. Vor allem die Bauern.

2009-09-24

Schweingerippelobbyismus

Letzten Montag bei plusminus ein neutraler Beitrag zum Thema Schweingrippe, ein paar realistische Zahlen und wer der Grippe(impfstoff) echter Freund ist.

Empfehlung!

2009-09-23

Lust habe ich keine …

schon lange nicht mehr. Wieder einmal werde ich Parteien wählen, nur um andere zu verhindern. Es wird nicht funktionieren. Vermutlich. Längst habe ich keine echte Leidenschaft mehr für das Thema. Zu durchgekaut, zu oft erlebt. Dinge, Phänomene, Vorhsehbarkeiten wurden zu oft negiert zum Schaden dieses Volkes. Regierungsdilletantismus, nur noch Wegwerfideologien, schlimmsten Falles wird Second Hand zur Schau getragen in einer Zeit in der nur Liebe zur Subkultur und Mut zur Relevanz noch retten kann.

Neulich hat ein Freund meine Person und unsere Freundschaft verkauft. Vorgeführt und weggeworfen, damit er als großer starker Held da steht. Dabei war er nicht einmal souverän. Ein reizender Mensch, großherzig und mit gutem Ansinnen an sich, dachte ich bis jetzt bei mir, ungläubig, denn wann trifft man solche Menschen noch? Bis mir nun klar wurde, auch ihm geht es gar nicht mehr um die Sache, nur um seine Macht. Endlich! glaubt er sie zu haben. So erklärte man und glaubt damit, das sei somit legititim entschuldigt, mir, die offensichtlich zu naiv ist, „da ginge es eben um Politik.“ Ja , wenn es um Politik geht, das erklärt natürlich alles, denn wenn es um Politik geht, dann muss man schon mal hinnehmen, dass Freunde zu fiesen Fratzen mutieren, die die Seelen der anderen verkaufen, ihrem Team und damit von einem selbst, damit dann endlich die „Großen“ mit einem spielen.

Ich indes bin gar nicht so naiv. Ich weiß nämlich, dass noch nie etwas Großes, Wunderbares, Positives, Schönes aus etwas Schlechtem geboren wurde. Wer das glaubt und anfängt, Schlechtes zu sähen, der hat schon verloren.

Und ich weiß, was ich nie wollte. Mein Rückgrat verbiegen.

Gestern war Küchentag …

zunächst einmal brachte ich meine guten altgedienten japanischen Messer zum Schleifer, weil ich mit ihm das Metallfraßphänomen im Übergang Klinge/Griff klären wollte. Wir diskutierten das lange und ich war wieder einmal sehr beeindruckt von der Fachkompetenz eines Einzelnen und dessen Liebe zum Thema. Wenn Menschen sich einem Thema verschreiben und ihr Wissen einfach nur gerne teilen ohne zwanghaft überzeugen zu wollen – so etwas erfreut mich immer sehr. Nun, wir sind so verblieben, dass er die Messer einschickt und wir hoffen mit gedrückten Daumen (ich) auf die Kulanz des Herstellers. Das wäre einerseits natürlich sehr schön, andererseits … die Messer schenkte mir meine Mum. Und … naja, ich hänge sehr an ihnen. Ich nehme sie üblicherweise mit in den Urlaub, sofern ich weiß, ich kann dort kochen. Mir bedeutet so etwas viel. Ich bin noch nicht sicher, ob ich mich mit neuen Messern ordnungsgemäß selbst belügen kann.

Holzapfel bietet Kurse an in denen man sich selbst sein Messer schmieden kann. Hatte ich erwähnt, dass mein Opa Schmied war? Ich auf so etwas genetisch bedingt sehr abfahre? Es juckt in den Oberarmen. Allerdings kostet so ein Kurs auch richtig Geld.

Alsdann schlich ich ohne Messer weiter die Bergmannstraße hoch und fand im Antiquariat auf der Tischauslage das:



Ein Dr. Oekter Warenkundelexikon von 1969! Mensch, ich habe doch schon von meiner Mum das Dr. Oetker Kochbuch von 1963 vererbt bekommen, dass mich immer wieder sehr beglückt und für die Heiterkeit der 50iger in meiner Küche sorgt. Pat und Patachon zusammen geführt:



Und nun das Warenkundelexikon in dem mir beim Blättern schon Fischarten mit einer Selbstverständlichkeit begegnet sind, die der Fischer von heute vermutlich überhaupt nicht mehr kennt. Überhaupt ist sehr beeindruckend, was 1969 dort schon für exotische Früchte aufgeführt sind, die doch erst in den letzten zehn Jahren bei uns auf den Tisch fanden. Meine bisherigen Lieblinge:

Fuchshai … ist eine Bezeichnung für Kalbfisch (Schwimmende Babykuh mit Fuchsschwanz?)

Lolly … ist ein –> Stilbonbon (Stilbonbon entfällt auf den späteren Seiten.)

Just als ich mich mit dem Buch in der Hand in Richtung Ladeninneres begeben wollte, verabschiedete der Besitzer draußen eine Bekannte sinngemäß mit den Worten „heute läuft hier nichts.“ Da widersprach ich und meinte, während ich das Buch hoch hielt, das würde ich nun aber ändern wollen. Er aber konnte meinen 5-Euro-Umsatz nicht ganz für voll nehmen und erklärte mir, er würde das alles nur zum Spaß machen. Was sein Sohn überhaupt nicht verstünde, denn der sei der Meinung, wenn man nicht anständig verdient bräuchte man doch gar nicht erst aufstehen. Daraufhin erklärte ich dem Mann, wie glücklich mich jetzt dieser Buchfund machen würde und ich erklärte ihm, dass ich aus der Reihe schon ein Kochbuch, dieses Erbstück hätte, und mich über das gefundene Pendant sehr freuen würde. Wir waren uns schnell einig, dass – wenn der Job schon wenig Geld brächte – dann es doch schön wäre, wenn man damit wenigstens anderen Freude bereiten würde und dass sich manchmal alleine dafür das Aufstehen lohne.

So ist das in diesem Kreuzberg, manchmal bewegt man sich hier keine 50 Meter vorwärts und hat innerhalb von einer halben Stunde einen Bildungsurlaub bezüglich Messerkunde und eine Philosophierunde der Extraklasse hinter sich gebracht.

Dann ging ich ins Kino: Julie & Julia. 17 Uhr-Vorstellung, Kinotag. Ein Riesenkino, fünf Frauen. Feine Unterhaltung und alleine wie Meryl Streep wieder in einer Rolle komplett aufgeht und dieser Fundus an Kochrequisiten und diese entzückende Ehe, die sie in dem Film lebt … Allerdings: die Tischmanieren des jungen Ehemannes von Julie fand ich überzogen bis gelegentlich ekelerregend. Und … nun ich habe schon Kochfilme gesehen in denen ich Gerichte riechen, ja schmecken konnte (ich erinnere mich u.a. an Chocolat) und diesbezüglich sprang der Funken hier nicht über. Und ja, ich zucke zusammen und finde es recht ärgerlich, wenn es in einem Film die ganze Zeit heißt, „der“ Blog. Wenn es schon laut Duden Möglichkeiten gibt, einem Substantiv zwei Artikel zu verleihen – warum muss man ausgerechnet in einem Film den Artikel nehmen, den nur die Leute verwenden, denen ein Blog in den letzten zwei Jahren erstmals begegnet ist oder aber Blogs hassen? Und wenn es dann heißen sollte, „das Post“ oder der Blogeintrag, dann auch sachlich falsch von dem ganzen Blog zu sprechen, das ist ärgerlich. Ja, solche Fehler sind ärgerlich, wenn ein Blog in einem Film eine tragende Rolle spielt, also wenn 'se mich fragen!

Zum Film: Magnum Mandel.

2009-09-22

Heute …

war ich bei einem Messerschleifprofi, der mich nach langem intensiven Gespräch über Messer, Metallfraß etc. für meine Schleifkünste lobte und mir bestätigte auf dieser Ebene hätte ich nichts falsch gemacht mit meinen Messern! Und das nach gut 20 Jahren Besitz, ich war also noch sehr jung als ich sie geschenkt bekam und hatte von nix eine Ahnung.

Ich würde nun sehr gerne vor Stolz platzen.

Aber wer erbt dann die Katzen und wer schreibt das Blog weiter?

2009-09-21

Der hier …

ist Prokastinierer und seit kurzem Neuberliner, macht gerade die Urlaubsvertretung von Niggemeiers Blog, hat solcher Art Dreck im Ärmel und schreibt nicht nur bonfortinös über Oma und Opa, von denen man auch nicht weiß, ob sie ihrem Enkel nur Gutes wollen. Herm's Farm. Mit Apostroph. Im Browser dann ohne.

Pentax K7 und Kundenliebe

Als ich die Pentax K7 im Frühsommer diesen Jahres testen durfte, konnte ich nur einen einzigen echten Kritikpunkt an dieser sonst, meiner Meinung nach, absolut gelungenen durchdachten Kamera feststellen. Man hatte uns über den Vierwegregler die Möglichkeit genommen, direkt den Spot zum Scharfstellen im Sucher verstellen zu können. Das wurde in den zahlreichen Foren diskutiert, zunehmend auch leidenschaftlich heiß, weil in deutschen Foren es ja nur ein schwarz oder weiß zu diskutieren gibt. Und wer auf diese Funktion Wert legte, galt halt ein bisschen blöd, denn schließlich gäbe es althergebrachte Methoden, die zum gleichen Ergebnis brächten. Das stimmt, es gibt sie, ich beherrsche sie auch. Dennoch konnte ich nicht verstehen, warum man eine in der Praxis sehr willkommene Weiterentwicklung einer solchen Methodik zugunsten der Möglichkeit bunte Filter direkt auswählen in einer dem professionelleren Fotografenbereich zugeordneten Kamera nach hinten stellt. Ich hätte nix gesagt, hätte es sich bei der K7 um eine abgespeckte Einsteigerkamera gehandelt. Es wurde also diskutiert, ob ein „ok“ mehr uns im direkten Fotografierprozess zumutbar sei oder nicht. Ich fand nicht. Und mich hatte das auch richtig geärgert. Ich wollte fotografieren, nicht spielen. Vorgestellt wurde die K7 am 20. Mai 2009, ausgeliefert wurde sie ab Ende Juni. Das erste Firmware-Update, das genau diese Funktion denen, die direkt über den Vierwegregler den Fokuspunkt ändern wollen ermöglicht, kam Ende Juli. Das finde ich schnell reagiert und dafür ein „thumps up, Pentax!“ Insofern meine Empfehlung für die Pentax K7 endgültig und ohne Widerrede: kaufen!

„Ich soll hier den Doofmann spielen.“

Endlich sagt uns ein Politiker (Peer Steinbrück) genau das zur finanziellen Situation Deutschlands, was wir Bürger längst alleine wissen, sich nur kein Politiker vor der Wahl zu sagen wagt.

Noch ein …

Monsterkissenfan.



Schwarzweißer Kater verweigert sich weiterhin. Aber das gäbe auch definitiv Platzprobleme …

2009-09-20

Cooking Video Contest

Im Schatten der allgemeinen Kochwahns, der nun Hollywood erreicht hat, haben die Macher von The Criterion Collection zu einem … äh … bemerkenswerten Koch-Video-Contest aufgerufen: Der Jeanne Dielman – Criterion Collection Cooking Video Contest.

Jeanne Dielman, 23, Quai du Commerce, 1080 Bruxelles“ ein Film der Regisseurin Chantal Akerman, setzte sich auf bemerkenswerte Weise zwischen den Zeilen mit Feminismus auseinander. Man beachte dabei: der Film wurde 1975 gedreht. 1975 war ich zehn Jahre alt, meine Mutter seit knapp vier Jahren von meinem Vater geschieden und ich könnte Geschichten noch und nöcher erzählen von damaligen (verheirateten) Arbeitgebern meiner Mutter, die es nur als allzu selbstverständlich befanden, dass eine geschiedene alleinerziehende Frau von zwei Kindern gefälligst die Beine breit zu machen habe, würde sie ihren Job behalten wollen. Meine Mum wechselte damals ihre Arbeitsstellen oft.

Jeanne Dielman ist eine belgische Hausfrau in ihrer Tagesroutine. Licht anschalten, Kartoffeln aufsetzen, den Abwasch erledigen, Licht ausschalten. Wenn's klingelt, empfängt sie ihren einen täglichen Freier und vergisst beim Raumwechsel nie das Licht, hat sie auch diese tägliche Hausfrauenpflicht erledigt, wird gebadet, dann kehrt sie zurück zum ihrem Küchenjob. Beim Kochen wird die Hauptdarstellerin immer nur aus der einen Perspektive beobachtet, sie bereitet routiniert ihre bürgerliche Küche und spricht dabei kein Wort. Dialoge sind in dem Film eine Rarität, dabei hatte Akerman diesem Film drei Stunden und 15 Minuten Zeit gegeben. Sehr gut verdeutlicht in dieser Szene. (Jemand hat auf youtube den Film in 19 Teilen hochgeladen.)

In einer Film-Szene bearbeitet Jeanne Dielman einen Teller Hackfleisch zu Tode.



Dementsprechend sind die Köche in ihren bürgerlichen Küchen in aller Welt nun aufgerufen, ihren eigenen Jeanne-Dielman-Film zu drehen in dem sie entweder Hackfleisch, Schnitzel oder Kartoffeln zubereiten und bei youtube hochzuladen. Einsendeschluss ist der 28. September 2009. Neun Filme gibt es bis jetzt, die allesamt still und schräg sind.

Ich mag dieses Projekt.

Frau Merkel …



hätte gerne noch mehr Kameras auf Bahnhöfen installiert. Weil die tödliche Übergriffe auf Fahrgäste so gut verhindern können, wie wir letzte Woche einmal mehr gelernt haben. Da Frau Merkel aber nie mit Bus und Bahn fährt, kann sie natürlich nicht begriffen haben, dass auf Bahnhöfen, die noch mit echtem Abfertigungspersonal bemannt oder befraut waren in der Vergangenheit seltener Menschen durch Todschlägereien umkamen. Kameras schlagen nicht zurück, Kameras holen keine Hilfe. Kameras können nicht einmal den Krankenwagen rufen. Und weil sie das eh nicht können, muss man Notfall-Rufanlagen auf Bahnhöfen nicht mehr funktionsbereit vorhalten, das scheint logisch.

In einem Land zu einer Zeit in der aber ein Teil der Menschen sich für keinen Blödsinn zu schade ist, um endlich auch einmal ins Fernsehen zu kommen und so zu fünf Minuten Ruhm und Ehre zu gelangen, ist ein ordentlicher menschenschädigender Auftritt auf einem Bahnhof die allerbeste Garantie, um nicht etwa bei RTL zu versauern, sondern gleich bei ARD & ZDF in die Hauptmeldungen zu kommen. Wenn schon, dann alleroberste Nachrichtenliga. Das ist die neue Rechtordnung: früher wurde keiner auf Bahnhöfen tot geprügelt und weil genug Leute da waren, die eingegriffen haben oder Hilfe holen konnten, wurden etwaige Angreifer direkt fest genommen. Heute wird eben tot geprügelt und man hält es für den besonderen Verdienst an der Sache, wenn man die Täter später aufgrund der Kamerabilder identifizieren kann und irgendwann festnehmen kann. Nachdem der Film als Paradebeispiel für Nachahmer in allen Nachrichtensendungen der Billigsender mehrmals täglich ausgestrahlt wurde.

Verkauft wird uns das übrigens als Sicherheit.

Ach ja, Videokameras auf Bahnhöfen halten auch Selbstmörder ganz oft vom Suizid-Versuch ab. Die anderen stürzen sich halt auf freier Strecke von der Brücke. Haben üblicherweise ja auch nichts mehr von ihrem Konterfei in der Presse.

2009-09-19

Was übrigens echter Terror ist …

Gestern nacht dämmerte ich, während das viereckige non-flach-nix-LCD Bilder-und-Töne-spuckende Gerät noch lief, hinüber als ich, schon schön mit geschlossenen Augen ins Kissen gekuschelt, die Stimme von uns Merkel hörte: da lief dieser CDU-Wir haben die Kraft!-Werbespot (den ich nicht verlinken werde) und Merkel säuselt mit zartem Stimmchen ihren Psalm.

Scheint so als gucke ich nicht so viel Fernsehen, denn tatsächlich war es jetzt das erste Mal, dass ich den Spot überhaupt gesehen gehört habe, Betonung liegt wirklich auf hören, denn darin liegt seine besondere Kraft. Für den, der nur hört was sie sagt, ist der Clip das perfekte Brechmittel.

„Ich wollte Deutschland (Pause) dienen!“

Da wird einem schlecht. Soeben habe ich mir das Teil auf youtube auch angeguckt. Tatsächlich ist der Spot künstlerisch und technisch sehr gut gemacht (insbesondere im Vergleich zu dem visuellen Müll anderer Parteien). Bei Merkels-Tenor „die Schwachen schützen“ werden natürlich (vermutlich im Internet missbrauchte) Baby-Füße eingeblendet. Und wenn sie dann von der Bildungspolitik ihrer Partei lamentiert, und wie wichtig der Partei Deutschlands Kinder sind …

In Deutschland ist jedes fünfte Kind arm, jedes sechste von Armut betroffen. 2,5 Millionen Kinder leben in Armut. Von den 3 Millionen Sozialhilfeempfängern in Deutschland sind 37% Kinder. Die Sozial- vor allem aber auch die nicht existierende Frauenpolitik der Koalition hat in den letzten vier Jahren nur dafür gesorgt, dass diese Zahlen angestiegen sind.

Besonders fatal dabei und das sollte nie, niemals vergessen werden: die Zahlen der Geburten in Deutschland sinken, d.h. die Bevölkerungsgruppe „Kinder“ wächst überhaupt nicht mehr – und dennoch steigt in ihr die Armut weiterhin an!

Jedes siebente Kind in Deutschland lebt in einer Familie, der weniger als 50% des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung steht. Das sind übrigens nicht nur Menschen, die arbeitslos sind. Das sind Kinder, die sich nie erlauben dürfen, auch nur einmal ihren Turnbeutel zu verlieren. Das sind Kinder, deren Eltern in diesem Land das Geld für einen Schulranzen einklagen müssen, weil deren zwei Minijobs diese Ausgabe nicht ermöglichen.

Und die Partei von Frau Merkel führt ihren Wahlkampf unsere Kinder betreffend damit, dass sie Internet-Seiten nur sperrt, die in Verbindung mit Kinderpornografie gebracht werden.

Und alle so:

Yeaahh

Und alle so: Yeaahh-Historie: Yeaahh – Der Anfang Und alle so: WTF? Danach Und alle so: Yeaahh – Der Song! Jetzt auch noch: Und alle so: Yeaahh! – Der Flashmob!

Ich hab‘ das Internet lieb.

Ach ja, Presse macht daraus wieder (Flashmob-)Terror, yo, is klar ne? Und zitiert das „Yeaahh“ im Text auch noch ständig falsch.

2009-09-16

Happy Birthday, kleine Mum!



67 wäre sie heute geworden. Nun schon der dritte Geburtstag ohne sie und ich vermisse sie immer noch sehr! An solchen Tagen wirkt der Verlust noch einmal mehr besonders, weil man merkt, dass man diesen Tag nie wieder gemeinsam begehen wird. Andererseits habe ich die Erinnerung, das ist mehr als viele andere haben: wirklich schöne Erinnerungen. üppppppppppppppppppppö (Das lasse ich mal stehen, das kam von Nishia, hätte ihr sehr gefallen. Sie war eben so.)

Wortfolter

Patientencoach

2009-09-14

17 Internet-Gebote

Das Ganze ist nicht so schlecht, wie es gerade wieder ganz weblike zerredet wird. Es gibt eine Handvoll im Internet aktive Leute, die sich über den Umgang einiger Professioneller mit dem Medium, dem Journalismus, deren täglich Brot und vor allem mit der Wahrheit ärgern. Natürlich können die auf ewig weiter nölen. Irgendwann muss man aber auch selbst Farbe bekennen. Sich ein paar Regularien/Thesen zu überlegen, die jeder – wer es mag – mit auf seinen Weg nehmen, vor allem aber auch gerne mit verbessern kann, ist immerhin ein Anfang. Da kann ich keine echte Katastrophe und auch überhaupt keinen Hochmut erkennen. Ich kann nicht diese Arroganz sehen, die gerne den Initiatoren unterstellt wurde, hier und dort. Es sind nur Leute, denen das Thema „Information einer Öffentlichkeit im Internet“ am Herzen liegt und natürlich sind es mal wieder ausgerechnet die, die in der deutschen Web-Community eben nicht anonym schwimmen. Das ist nur logisch, deren Schnittstelle ist eben größer; ein Teil von denen verdient mit dem Verfassen und Veröffentlichen von Informationen, Texten im Internet ihr Geld und sie sind dem Thema inhaltlich deswegen sehr eng verbunden. Die einzelnen Regeln im Manifest sind allenfalls Mittelmaß? Möglich, sind ja auch nicht vom allwissenden lieben Gott verfasst. Wobei, der hat ja auch ordentlich geschlampt, wie wir wissen. Ix setzt sich wenigstens noch thematisch mit den einzelnen Punkten auseinander. Am Ort der öffentlichen Diskussion, im Wiki, vermisse ich leider noch seine Einlassungen aktiv eingebracht.

Wie bei uns üblich, haben sich die wenigsten Kritiker aber überhaupt konstruktiv mit den Thesen auseinander gesetzt. Die meisten zielen darauf, dass dieses Manifest wieder nur von den „üblichen Verdächtigen“ käme und überhaupt nicht „sexy genug“ getextet sei. Platzen im Hirn beim Lesen im Background keine animierten Extasy-3D-Bömbchen. Ist aber auch doof. In der inhaltlichen Entwicklung haben sich bisher nur wenige Kommentatoren mit konkreten Inhalten hervor getan. Obwohl es die Einladung zur offenen Mitarbeit gibt. Und ehrlich: so etwas verstehe ich immer nicht.

Wenn sich in Deutschland Journalismus dahingehend entwickelt, dass Journalisten, die die Wahrheit berichten wollen, keine Jobs mehr bekommen, weil mit der Wahrheit angeblich die Auflage nicht gesichert werden kann und die dahinter stehende kommerzielle Abhängigkeit von Anzeigenkunden aber gerne dem – angeblich – bösen, blöden Internet in die Schuhe geschoben wird von den Verantwortlichen, weil nur das doch die Quelle von schlechtem Journalismus sei, dann ist die Idee aus dem Internet heraus einen neuen besseren Qualitätsstandard etablieren zu wollen, eine gute Idee. Vor allem aber ist es wenigstens ein erster Schritt weg vom Genöle weg und hin in die aktive richtige Richtung.

Dass viele wiederum gar nicht kapieren werden, was mit diesem Manifest versucht wurde und es sie gar nicht tangieren kann, ist aber auch okay. Es ist nicht relevant, wer sich da Gedanken gemacht hat. Möglicherweise interessiert dieses Manifest da draußen (offline) niemanden, denn ja, natürlich handelt es sich hier um die Gedanken eines kleinen virtuellen Inselstaates im World Wide Web.

Ich möchte in dem Zusammenhang auf ein ähnliches Regelwerk aufmerksam machen, denn das Problem im Ursprung ist ein viel größeres und in anderen Bereichen der Berichterstattung international früher erkannt worden. Es gibt nämlich seit (für Web-Verhältnisse) langer Zeit eine ähnliche Sammlung von „Regeln“ die digitale Bearbeitung von Fotos in der Reportage-Fotografie betreffend, die DigitalCustom Model Ethics Guidelines.

Da haben 2003 ein paar Fotografen schriftlich Richtlinien formuliert aus einem bis dahin bestehenden Ehrenkodex, dem sich insbesondere Fotografen der Reportage- oder Dokumentationsfotografie verpflichtet fühlten. Mit zunehmender Vereinfachung der Retusche- und Montage-Technologien dank finanzierbarer digitaler Bildbearbeitung, die es schneller, einfacher und somit viel günstiger als früher ermöglichten, Fotos zu manipulieren, schien die Notwendigkeit gegeben, einmal schriftlich diese Selbstverständlichkeiten festzuhalten und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die rasanten technischen Entwicklungen ermöglichen nämlich einer größeren Menge von Menschen, Autodidakten, in das Geschäft der Fotografie einzutreten. Die haben oft mangels Ausbildung nie von fotografischen Grundsätzen (in der Fotografie macht ja angeblich die Technik das Foto, nicht das Talent, das Hirn oder die Philosophie des Fotografen) gehört. Auch denen galt und gilt es klar zu machen, dass es in bestimmten fotografischen Bereichen Do's und Dont's gibt.

Das Thema Manipulation an der Fotografie ist in diesem gesonderten Bereich von gleicher Relevanz wie der Wahrheitsgehalt und somit die journalistische Qualität vom Text. Hier ist eine Entwicklung von der Realität weg und somit Abnahme von Qualität in der Berichterstattung genauso kritisch zu sehen. Wir finden ja alle die Reihe „Super Symbolfotos“ bei Niggemeier immer so unterhaltsam, letztendlich ist genau das aber schon Verrat an der fotografischen Dokumentation und aus Sicht von Fotografen überhaupt nicht akzeptabel. Wird im großen Maß praktiziert, und hierbei wird noch nicht mal am Foto selbst schon rumretouschiert – es werden einfach nur Texte mit falschen Bildinhalten in Zusammenhang gebracht und somit Berichterstattung verfälscht. Ob das wissentlich oder aufgrund semi-professioneller Technik passiert, ist dabei egal, hier wird geschludert! Wenn wir aufhören uns über solche Versäumnisse aufzuregen, werden wir irgendwann nicht einmal mehr merken, wann wir belogen und betrogen werden.

2003 haben sich genauso viele Fotografen über diese DigitalCustom Model Ethics Guidelines aufgeregt, wie heute es deutschen Blogger hinsichtlich dieses Internet-Manifests tun. Die Fotografen aber, denen in der Reportage/Dokumentationsfotografie die Wahrheit am Herzen lag und weiterhin liegt, haben damals genickt und gesagt: so soll, so muss es sein!“

In Deutschland sieht es mittlerweile im fotografischen Bereich so aus, dass Fotografen ihre Rechte an der Fotografie übertragen sollen, wenn sie das Bild/die Bildstrecke an Redaktionen verkaufen wollen. Das tun sie entweder oder sie dürfen sich einen neuen Job-/Auftraggeber suchen. Was es heißt, wenn der Fotograf kein Recht an seinem Bild hat und die Bildredaktionen sich dann den Regeln des Manipulationsverbotes nicht mehr unbedingt verpflichtet sehen, kann man sich selber ausmalen.

Deshalb sind solche Guidelines/Manifeste/Richtlinien wichtig, Sie wurden von den meisten Praktikern, die ich in der Vergangenheit auf die DCMEGs aufmerksam gemacht habe, dankbar aufgenommen. Und dabei ist die textliche Qualität dieser Richtlinien oder woher die letztendlich kamen, völlig egal. Es geht darum, dass man als Fotograf in einem bestimmten Genre interessiert ist Qualität zu liefern und so ein Manifest kann dabei hilfreich sein. Es ist nämlich ziemlich leicht sich selbst zu verlieren in seinem Job da draußen, wo einem ständig Berufskollegen mit weniger Gewissen zeigen, wie man ohne an der Wahrheit festzuhalten viel mehr (oder überhaupt noch) Geld verdienen kann. So ein Manifest ist etwas Handfestes, wer will kann es berücksichtigen, man muss es nicht. Man kann mit dessen Hilfe für sich Entscheidungen treffen, welche Art von Fotografie man bedienen will. Man weiß sehr genau, hält man sich an die Regeln nicht, begeht man einen Verstoß gegen die Regeln, anhand derer die besondere Qualität eines Jobs festzumachen ist– das muss dann ein jeder mit seinem Gewissen selbst ausmachen.

Daher finde ich dieses Internet-Manifest einen guten Schritt, es ist ein Anfang. Es mag textlich, inhaltlich noch nicht rund sein. Ja, der Name ist vielleicht doof gewählt (wenigstens ist er nicht verdenglicht.) Was daraus entstehen kann, entscheiden alleine die, die aktiv daran mitwirken, es tragen und weiterentwickeln. Da ist es erst einmal egal, wer alles davon nicht Kenntnis nehmen will oder wird und ob es für diese Dinge, die im Internet passieren, überhaupt eine Öffentlichkeit gibt oder geben wird.

Nur: ausschließlich meckern und drauf einschlagen gilt nicht! Dafür ist das Thema nämlich ein zu wichtiges – viele Themen betreffen oft am Anfang nur kleine Zielgruppen, bevor eine riesige Zielmenge für immer unter denen sich daraus zu entwicklenden Konsequenzen zu leiden hat.

2009-09-13

Und …



während ich immer noch überlege, ob der Wirsingeintopf für den ich heute passend ein Herbstwetter orderte, nun eine Einbrenne bekommen soll oder nicht, lese ich mich durch das Kochutensilangebot im Web und stelle mit Entsetzen fest, dass Le Creuset offensichtlich die Farbe türkis karbikblau auslaufen lassen will, denn überall ist gerade diese Farbe herabgesetzt, dabei habe ich mich noch gar nicht eingedecken können, sind das doch schließlich Investitionen für's Leben. Und das nachdem ich mich endlich entschieden habe, türkis karbikblau doch viel schöner zu finden als das Rot, Kirschrot, Schwarz oder Kobaltblau … natürlich kann ich auch darauf warten, dass sie die Dinger endlich in Schotten-Karo-Design anbieten.

Dann lese ich mich stur weiter durch die Kochblogs – Einbrenne oder nicht Einbrenne? – und muss mal wieder bei NutriCulinary laut lachen: „ … und stellt sich (Tim Mälzer) die Frage, warum Johann Lafers 280 Millionen Jahre altes Kalahari Salz, nach der Abfüllung durch Johann Lafer nur noch drei Monate haltbar ist.“ Ich kann den ja gut leiden, wenn er so schreibt, den Paulsen, und sein Buch, Monsieur P., der Hummer und ich, habe ich verflixt noch mal auch noch nicht, geschweige denn gelesen.

Einbrenne.

Wisst Ihr …

was passiert, wenn eine Französin in Amerika lebt und Urlaub in der Heimat macht, dabei auch noch perfekt kocht und Lebensmittel und das Leben liebt?

Ein liebenswerter Blogeintrag mit einer Menge großartiger Fotos, ich bewundere Béa für ihr Talent – zu kochen und mit Fotos zu zeichnen.

Frage …

zur Hausratversicherung. Eine Hausratversicherung wird doch üblicherweise nach dem Wert der zu versichernden Wohnung taxiert, oder? Also ich sage, der Krempel bei mir hat ca. 60.000 Euro Wert oder auch nur 20.000 Euro, weil mir materieller Besitz nicht wichtig ist und mehr nicht in eine Wohnung mit einem Zimmer passt, Versicherung sagt daraufhin, dann zahle Du so und soviel. Deal.

Bei der Sparkasse wird die Hausratversicherung zusätzlich vom Alter diktiert. Was ich persönlich als ein Argument gegen diesen Anbieter sehe.

Als nächstes werden dann wieder Frauen überversichert, weil sie mehr Kram in der Küche horten.